Piégut-Pluviers, okzitanisch Puei 'gut e Pluviers, ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Kanton Périgord Vert Nontronnais. Zuständiger Gemeindeverband ist die Communauté de communes du Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Piégutains bzw. Piégutaines genannt.
Etymologie Der Ort mit Kleinstadtcharakter hieß in gallorömischer Zeit «Podium Acutum». Die lateinische Bezeichnung wandelte sich dann über «Puy-Agu» (spitze Bergkuppe) schließlich zu «Piégut».
Geographie mini|Lagekarte von Piégut-Pluviers
Die Gemeinde Piégut-Pluviers liegt 45 Kilometer von Angoulême und 65 Kilometer von Périgueux entfernt.
Folgende 6 Nachbargemeinden umgeben das Gemeindegebiet von Piégut-Pluviers:
Im Gemeindegebiet liegen zahlreiche Ortsteile, Weiler, isolierte Höfe, Mühlen und Geländepunkte wie beispielsweise Bois de Puyrocher, Bost Gaillou, Cabaniers, Château de Puyrazeaud, Chez Noyer, La Bonnefond, La Domèze (Domaise), La Folie, La Lègue, La Maison Blanche, La Malignie, La Noche, La Nosilière, La Renaudie, La Tricherie, La Vigne, Lascaud, Lauterie, Le Cluzeau, Le Moulin de Chez Noyer, Les Champs Fleuris, Les Granges, Les Touilles, Luclas, Montagut, Pluviers, Prieuraud, Puygaud, Soulagnieux, Tous Vents und Villefaix.
Der topographisch tiefste Punkt mit 216 Meter liegt am Trieux im Nordosten, der höchste Punkt mit 310 Meter befindet sich südlich von Cabaniers im Westen. Die absolute Höhendifferenz beträgt 94 Meter. Der Ortskern von Piégut liegt auf 283 Metern, Pluviers auf 268 Metern Meereshöhe.
Verkehrsanbindung Über die D 675 ist die Gemeinde Piégut-Pluviers mit Nontron im Süden und Saint-Mathieu im Département Haute-Vienne weiter im Norden verbunden. Ferner kreuzt die D 91 von Marval nach dem weiter westlich im Département Charente gelegenen Montbron. Die D 91 E3 verbindet sie mit Le Bourdeix im Südwesten.
Fernwanderweg Der Fernwanderweg GR 4 von Royan nach Grasse durchzieht von Busserolles kommend den Westen des Gemeindegebiets, um dann nach Saint-Estèphe überzuwechseln.
Bodenbedeckung mini|Bodenbedeckung in Piégut-Pluviers
Die Bodenbedeckung der Gemeinde Piégut-Pluviers schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 49,8 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 37,2 % Wiesen – 2,8 % städtebaulich beansprucht – 9,8 % Wasserläufe – 0,4 %.
Wälder und seminaturelle Ländereien standen 2018 im Vordergrund. Sie waren mit 49,8 % gegenüber 1990 (49,2 %) nur minimal angewachsen.
Klima Die Gemeinde Piégut-Pluviers besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000
Jahresmittel: 11,5 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 1,8 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 4,8 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,8 °C Jahresniederschlag: 1029 mm Niederschlagstage im Januar: 12,4 Niederschlagstage im Juli: 7,7
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 50 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971–2000 über 11,4 °C für 1981–2010 auf 11,8 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren.
Hydrographie mini|Hydrographische Karte von Piégut-Pluviers
Das Gemeindegebiet durchqueren bzw. berühren drei Flussläufe. Der Ruisseau de l'Étang Grolhier und der Trieux entwässern beide nach Nordwesten. Der zentral gelegene und anfangs nach Norden abfließende Ruisseau de l'Étang Grolhier ist in mehrere Seitenarme verzweigt. Der Trieux bildet die Nordostgrenze zu den Gemeinden Champniers-et-Reilhac und Saint-Barthélemy-de-Bussière. Sein linker Seitenarm entwässert den Osten des Gemeindegebiets. Entlang der Südgrenze zu Augignac verläuft die Doue in westlicher bis südwestlicher Richtung. Im äußersten Südosten südlich von Puyrazeau drainiert ein kleiner Wasserlauf bereits nach Süden in Richtung Bandiat. Auch die Doue ist ein rechter Nebenfluss des Bandiats. Folglich quert die Wasserscheide zwischen Tardoire und Bandiat die Gemeinde in westlicher bis nordwestlicher Richtung – sie folgt hierbei in etwa dem Verlauf der D 91.
Es sind unzählige kleinere, künstlich angelegte Weiher und Stauseen vorhanden; der größte unter ihnen, der Étang Grolhier, ist ein Vogelschutzgebiet. Er wird vom Ruisseau de l'Étang Grolhier gespeist.
Der Trieux ist ein linker Nebenfluss der Tardoire und gehört somit zum Flusssystem der Charente – wie auch der Bandiat.
Das Entwässerungsnetz der Gemeinde Piégut-Pluviers besitzt eine Gesamtlänge von 27 Kilometer.
Geologie mini|Geologische Karte von Piégut-Pluviers
Das Gemeindegebiet von Piégut-Pluviers wird in seiner Gesamtheit vom oberkarbonischen Piégut-Pluviers-Granodiorit unterlagert, der hier vorwiegend mit seiner grobkörnigen Normalfazies γ3M auftritt. Dieses rund 250 Quadratkilometer große Granodioritmassiv wurde nach seiner Typlokalität Piégut-Pluviers benannt. Seine feinkörnige Fazies fγ3M erscheint in kleinen, isolierten Vorkommen bei Lauterie, Luclas, Montagut und Villefaix.
Mehrere aushaltende Störungen durchziehen den Granodiorit. Ihre typisch variszischen Streichrichtungen bilden ein konjugiertes System aus Nordnordwest und Nordnordost zuzüglich der Ost-Richtung.
Denselben Richtungen folgen auch Gänge aus Mikrogranit (μγ) bei La Lègue, Les Granges und Tous Vents (Nordnordost) und im äußersten Südwesten südlich von Prieuraud (Nordnordwest). Die Mikrogranitgänge bei La Noche und östlich von Pluviers streichen Nord. Am nördlichen Ende des Steinbruchs von Piégut steht ein äußerst seltener, Nordnordost-streichender Lamprophyrgang an – bisher der einzige Fund im Granodiorit.
Der Granodiorit war ehemals ein sehr begehrter, dekorativer Baustein für Tür- und Fensterstürze und wurde im Steinbruch von Piégut und von Lacaujamet (Gemeinde Saint-Estèphe) abgebaut. Mittlerweile sind diese Aktivitäten jedoch zum Erliegen gekommen.
Naturrisiken mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Piégut-Pluviers
Naturrisiken manifestieren sich in Piégut-Pluviers als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen entlang der Flussläufe Dürren Stürme Bodensetzungen.
In den Jahren 1982, 1983 und 1999 kam es aufgrund erhöhter Niederschläge zu Überschwemmungen, größeren Bodenbewegungen und Rutschungen (insbesondere 1999).
Dürrejahre waren 2003 und 2011. In diesen Jahren herrschte erhöhte Waldbrandgefahr.
Ein herausragendes Wintersturmereignis war das Sturmtief Martin im Dezember 1999, das enorme Schäden an den Wäldern und auch an der Infrastruktur hinterließ. Die Zerstörungen in den Wäldern sind selbst im Jahr 2025 noch zu erkennen.
Wie die Risikokarte zeigt, ist Piégut-Pluviers zu nur 6,9 % seines Gemeindegebietes relativ stark von der Gefahr durch Bodensetzungen betroffen. Auslöser sind tiefgründige, mobile, grusige Alterite auf Granodiorit. Diese treten nur im Osten der Gemeinde auf.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt.
Ökologie mini|Schutzgebiete des Typus 1
Naturpark Die Gemeinde Piégut-Pluviers ist seit 1998 (und neu bestätigt im Jahr 2011) Teil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiete Die Talungen des Trieux und seines linken Seitenarms im Nordosten der Gemeinde und des Ruisseau de l'Étang Grolhier im Nordwesten bilden eine ökologische Schutzzone des kontinentalen Typus 1, die im Französischen als ZNIEFF – zone naturelle d'intérêt écologique, faunistique et floristique bezeichnet wird. Sie gehört zu den « Vallées du réseau hydrographique de la Tardoire et du Trieux » (Täler des hydrographischen Netzwerks von Tardoire und Trieux), die sich durch ihre bemerkenswerte Flora und ihre Wassergüte auszeichnen. Unter den rund 40 Pflanzenarten werden vier Taxa als charakteristisch erachtet: Moschuskraut (Adoxa moschatellina), Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida), Wiesenrauten-Muschelblümchen (Isopyrum thalictroides) und Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta).
Im Norden von Pluviers teilen sich die Gemeinden Piégut-Pluviers (zirka 7,5 Hektar), Champniers-et-Reilhac (zirka 4,2 Hektar) und Busserolles (zirka 10,7 Hektar) den Étang Grolhier, der seit 1979 als site naturel inscrit unter Naturschutz steht.
Geschichte mini|Römerstraße voie romaine südlich von Piégut mini|Nahansicht der Römerstraße
Erste Siedlungsspuren reichen mindestens ins Neolithikum, wenn nicht gar ins Paläolithikum zurück (Funde am Butte du Collège), auch die Eisenzeit ist dokumentiert (Mauerreste bei Puygaud).
Folgende Gegenstände waren neben verglasten Aschenresten am Butte du Collège entdeckt worden: eine polierte Steinaxt aus Diorit und mehrere Axtfragmente, eine mit enormer Sorgfalt gefertigte Pfeilspitze, eine vertiefte Kalkklumpenhälfte, die als Lampenhalter fungiert hatte, abgerundete Brocken aus Granit oder Quarzit, die als Hämmer oder Zerkleinerer eingesetzt worden waren, zahlreiche weiße und farbige Quarzkristalle aller Größenordnungen und verschiedene Silexartefakten (darunter Schaber mit verschiedenen Klingengrößen, vierseitig retuschierte Schaber, Bohrer, sowie Spitzen und Klingen unterschiedlichster Formen). Neben den Steinartefakten erschienen auch vier Bronzeringe, die zwischen 4 und 9 Gramm wogen. Die angetroffenen Keramikreste dürften bereits den Galliern zuzusprechen sein.
In Puygaud (dt. „kleines erhöhtes Waldstück“) wurden neben den bis zu 2,5 Meter hohen Mauerresten folgende Funde gemacht: ein Bleilot, eine sehr schöne Steinaxt (Typus Campignien – zirka 4.000 vor Chr.), ein Schlagring, zwei retuschierte paläolithische Artefakte, Keramikreste, seltene metallurgische Schlacken und große Quarzknollen, die zum Zerreiben dienten.
Im unweiten Lacaujamet (Gemeinde Saint-Estèphe) fanden sich neben der Römerstraße ein ergiebiges Schlackenlager, mehrere Silexe und eine hervorragend gearbeitete Axt aus Jadeit. Die Axt war sehr kleindimensioniert und hatte am Stielende ein Aufhängloch. Etwas weiter erschienen an den Étangs des Puyrochers weitere Silexe.
Aus der Metallurgie (Eisengewinnung) stammende Schlacken sind in der Gemeinde Piégut-Pluviers zu finden bei Chez Noyer (La Cornédie) und bei Puyrazeau. Im Bois de Puyrocher finden sich Reste von Rennöfen. Silexe sind häufig entdeckt worden – so am Ortskern selbst, bei Pluviers und bei den Weilern Chez Noyer (La Cornédie), La Domèze, Lascaud, Luclas, Puygaud und Villefeix.
Eine weitere Römerstraße, bezeichnet als voie romaine, ist südlich des Ortskerns von Piégut zu sehen. In La Tricherie quert von Pluviers kommend ein gepflasterter Abschnitt, der als Chemin des Morts (dt. „Totenweg“) bezeichnet wird. Er setzt sich nach Süden fort in Richtung Lascaud und Maine du Bos(t) (Augignac).
Der Weiler La Domèze mit altem Herrenhaus liegt an einer bedeutenden Wegegabelung. Er ist ein bedeutender Fundplatz mit bedeutenden Schlackenablagerungen, Silexen, polierten Steinäxten etc., der dem Butte du Collège in nicht viel nachsteht.
Erwähnt seien auch noch der Turm von Piégut (Tour de Piégut), an dem ebenfalls Silexe zugegen waren, und etwas weiter westlich die Fundstelle Pierre-Plate – eine eingeebnete Platform mit Unterständen, welche ebenfalls eine polierte Steinaxt und Silexfunde zu Tage förderte.
Im Ortsteil Pluviers wurde im 12. Jahrhundert mit dem Bau einer romanischen Kirche begonnen, der im 15. Jahrhundert und schließlich im 19. Jahrhundert abgeändert wurde.