Ursprünglich ein Rittergut, entwickelte sich das Gutsdorf Kleinmachnow durch die Siedlungsvorhaben des 20. Jahrhunderts zu dem Berliner Vorort der heutigen Prägung. Während der deutschen Teilung war Kleinmachnow an drei Seiten von der Mauer zu West-Berlin umgeben. Die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung waren geprägt von den Auseinandersetzungen über die Rückgabe von Grundstücken an Alt-Eigentümer. Mittlerweile ist Kleinmachnow zu einem der attraktivsten Wohngebiete im sogenannten Berliner „Speckgürtel“ und der Metropolregion Berlin/Brandenburg geworden.
Frühgeschichte und Mittelalter mini|Bäke im ehemaligen Schlosspark Wie große Teile der geologisch jungen Oberfläche der Mark Brandenburg war auch das Bäketal weitgehend versumpft, gleichwohl wie viele Flusstäler bevorzugter Siedlungsraum. Nachdem im Zuge der Völkerwanderungen im 4. und 5. Jahrhundert die Sueben ihre Heimat an Havel und Spree verlassen hatten, zogen im späten 7. und 8. Jahrhundert slawische Stämme in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren Raum ein. Der Namensbestandteil Machnow geht auf die Slawen zurück, die bis zum 12. Jahrhundert im Teltow siedelten. Machnov bezeichnet einen Ort, der in einer moosreichen (feuchten) Gegend angelegt wurde.Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Teltow (= Reinhard E. Fischer (Hrsg.): Brandenburgisches Namenbuch. Band 3; = Berliner Beiträge zur Namenforschung 3). Mit einem siedlungsgeschichtlichen Beitrag von Gudrun Sommer. Hermann Böhlaus Nachf., Weimar 1972, ISBN 3-7400-0575-0, S. 131. Die sumpfige Senke wurde durch die Bäke (früher Telte) gebildet, die vom Berlin-Steglitzer Fichtenberg bis zum Griebnitzsee floss. Bis auf einen kleinen Restteil in Steglitz sowie im Bäketal Kleinmachnow ging der Bach im Teltowkanal auf. Den Zusatz „klein“ erhielt Machnow zur Unterscheidung gleichnamiger Orte. Der längere Zeit verwendete Zusatz auf dem Sande widerspricht der feuchten Gegend nicht, denn naturgemäß versuchten Slawen und Deutsche, innerhalb des Sumpfes erhöhte, trockene Stellen für ihre Häuser und Burgen zu nutzen. Da die eiszeitlich herausgebildete Teltowhochfläche weitgehend aus Geschiebemergel besteht, waren und sind diese Stellen sehr sandig.
Im Zuge des Landesausbaus der 1157 durch Albrecht den Bären gegründeten Mark Brandenburg sicherten die askanischen Markgrafen den damals einzigen Bäkeübergang mit einer Burg. Der askanischen Burg folgte an der gleichen Stelle mindestens eine weitere Burg, die über Jahrhunderte wie das gesamte Dorf Kleinmachnow der Familie von Hake gehörte. Noch bis 1470 bestand lediglich dieser eine Übergang im ausgedehnten Bäke-Sumpfgebiet. Der Knüppeldamm lag an der mittelalterlichen Burg und bildete einen strategisch wichtigen Punkt auf der Handelsstraße Leipzig-Saarmund-Spandau. Erst als die brandenburgischen Kurfürsten 1470 ihre Residenz von Spandau nach Berlin verlegten, kamen zwei weitere Bäke-Übergänge hinzu. Bis 1818 war der Zoll als wichtige Einnahmequelle des Ritterguts an der Mühle zu entrichten.
Die erste urkundliche Erwähnung fand Kleinmachnow 1375 im Landbuch Karls IV. unter der Bezeichnung Parva Machenow (Parva = klein). Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kaufte der Junker Heinrich (von) Hake aus Lebus das Gut Kleinmachnow mit der bestehenden Burg.
mini|links|hochkant|Alte Hakeburg, erbaut um 1600, zerstört 1943
Neuzeit bis 1945 mini|Hake’sches Herrenhaus, erbaut von David Gilly, Ende 18. Jh. mini|Medusenportal mini|Denkmalgeschützte Schleuse
Das Gut blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Hake. Das Dorf südlich des Machnower Sees war ein Ensemble aus einem heute nicht mehr vorhandenen Festen Haus (genannt Alte Hakeburg), einem gleichfalls abgetragenen, klassizistischen Herrenhaus von David Gilly mit reich ausgestattetem Festsaal, dem heute denkmalgeschützten Medusenportal, der Kleinmachnower Dorfkirche, einer Wassermühle (Bäkemühle) und einigen Wohnhäusern. 1906 bis 1908 wurde im Auftrag Dietloff von Hakes auf dem nördlich des Machnower Sees gelegenen Seeberg die Neue Hakeburg gebaut.
Der Bau des Teltowkanals von 1901 bis 1906 und der Schleuse Kleinmachnow stellte den Wendepunkt in der Entwicklung des Dorfes dar. Die Schleuse galt als große Attraktion und lockte an den Wochenenden viele Berliner Ausflügler in die nahe gelegenen Wirtshäuser. – Im Jahr 1905 stellte die historische Bäkemühle ihren Betrieb ein.Eine altehistorische Wassermühle in der Umgebung Berlin, Berliner Volksblatt, 16. August 1905.
Nachdem sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Stadt Berlin rapide ausdehnte, wurden in den Vororten Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee und Wannsee eine Vielzahl von Villenkolonien gegründet, die dem Großbürgertum und dem gehobenen Bürgertum Berlins neuen Wohnraum im Grünen erschlossen. Aufgrund seiner großen Beliebtheit als Ausflugsziel rückte Kleinmachnow in das Blickfeld von Erschließungsgesellschaften, die den kommerziellen Erfolg der anderen Villenkolonien kopieren wollten.
Als erste Gesellschaft erwarb die Zehlendorf-Kleinmachnow-Terrain A.G. zwischen 1903 und 1906 von der Familie von Hake ein 264 Morgen großes Grundstück östlich des heutigen Zehlendorfer Damms, um dieses als Villenkolonie zu vermarkten. Die Alte Zehlendorfer Villenkolonie wurde erschlossen, parzelliert und in den Verkauf gegeben. Wegen der im Vergleich zu den Kolonien in Zehlendorf etwas abgelegenen Lage (der nächstgelegene Bahnhof war Zehlendorf-Mitte) und der fehlenden Infrastruktur gestaltete sich der Verkauf schwieriger als erwartet. Zwischen 1906 und 1910 entstanden insgesamt zehn größere Landhausvillen. Der Erste Weltkrieg trieb die Baugesellschaft in die Liquidation.
Wegen der guten Bahnverbindung des 1913 mit der Friedhofsbahn eröffneten Bahnhofs Dreilinden zur Berliner Innenstadt siedelten Berliner in der Nähe des Bahnhofs. Die Kolonie Dreilinden entstand, die später zum Ortsteil von Kleinmachnow werden sollte. Der Begriff Kolonie sollte die Zugehörigkeit zu Berlin ausdrücken, obwohl er mehrere Kilometer entfernt im Wald lag. Die Grundstücke waren preisgünstig, innenstadtnah gelegen und gehörten zu Wannsee, einem hoch angesehenen Villenvorort. Wannsee und die Parforceheide bis zur Stammbahn wurden 1928 zu Berlin eingemeindet.Andreas Jüttemann: Die verkehrshistorische Landschaft um Dreilinden. Kleinmachnow gehörte zu dieser Zeit postalisch zu Berlin, war telefonisch über die Berliner Vorwahl zu erreichen, und sollte mehrmals nach Berlin eingemeindet werden. Doch die Kleinmachnower wehrten sich dagegen, weil die Steuern im Kreis Teltow niedriger als in Berlin waren.
Am 1. April 1920 wurde der Gutsbezirk aufgelöst und in eine Landgemeinde umgewandelt.Amtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin (Stück 45/1919, Nr. 1262, S. 443) Gleichzeitig änderte sich die seit 1828 gebräuchliche Schreibweise Klein-Machnow offiziell zu Kleinmachnow. mini|links|Neue Hakeburg mini|links|Bürgerhaussiedlung
Die im Ersten Weltkrieg und der folgenden Weltwirtschaftskrise nahezu zum Erliegen gekommene Siedlungstätigkeit in Kleinmachnow nahm durch die Aktivitäten verschiedener Siedlungsgesellschaften Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wieder Aufschwung. In mehreren Tranchen wurde Kleinmachnow in westlicher Richtung erschlossen. Im Gegensatz zur Villenkolonie wurde jetzt Wert auf erschwinglichen Land- und Hauserwerb für mittelständische Familien gelegt, die sich den Traum eines eigenen Heims im Grünen erfüllen wollten. In den späteren Jahren wurde insbesondere durch die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft mbH des Bauunternehmers Adolf Sommerfeld die Erschließung neuer Siedlungsgebiete mit der Erstellung standardisierter Einfamilienhäuser in nahezu industrieller Bauweise betrieben. Noch heute prägen diese Häuser in der Bürgerhaussiedlung große Teile des Kleinmachnower Erscheinungsbildes.
Die Familie von Hake verkaufte 1937 aus Geldnöten die Hakeburg an die Reichspost. Der damalige Postminister Wilhelm Ohnesorge machte aus der Burg seine Privatresidenz. Ohnesorge war seit Hitlers Machtübernahme im Jahr 1933 Staatssekretär, mit der Mitgliedsnummer 42 „alter Kämpfer“ der NSDAP und Träger des Goldenen Parteiabzeichens. Am Nordrand des dicht bewaldeten Parks errichtete die Reichspost ab 1939 eine Forschungsanstalt, die sich mit kriegswichtigen Themen befasste: Hochfrequenztechnik für Nachrichten und Fernsehen, Fernsehaufnahmen und Funkmessung für Luftaufklärung und Nachtjäger, fernsehgestützte Panzer- und Raketensteuerung, Infrarot-Nachtsichtgeräte, Abhörtechnik und Kryptographie.Hubert Faensen: Geheimnisträger Hakeburg. Beispiel eines Funktionswandels: Herrensitz, Ministerresidenz, Forschungsanstalt, SED-Parteischule (= Brandenburgische historische Hefte 6). Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 1997, ISBN 3-932502-00-0 (); Hubert Faensen: Hightech für Hitler. Die Hakeburg – Vom Forschungszentrum zur Kaderschmiede. Christoph Links Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-86153-252-2.
mini|Gedenktafel für Zwangsarbeiter Während des Zweiten Weltkriegs wurden vom Rüstungsbetrieb Dreilinden Maschinenbau GmbH, einer hundertprozentigen Tochter von Bosch, Teile für Flugzeugmotoren produziert. Auf dem Fabrikgelände befand sich das KZ-Außenlager Kleinmachnow, in dem bis zu 5000 Menschen gearbeitet haben, davon etwa 2700 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Etwa 800 Polen wurden während des Warschauer Aufstandes von 1944 verhaftet und in das Lager überstellt. Gegen Kriegsende wurden alle Häftlinge in das Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt und von dort aus auf den berüchtigten Todesmarsch getrieben.Zwangsarbeit für die Dreilinden Maschinenbau GmbH. Berliner Geschichtswerkstatt Im September 2006 wurde zwischen Stolper Weg und Stahnsdorfer Damm für die Zwangsarbeiter eine Gedenkstätte eingerichtet. Die Konturen von zwei ehemaligen Baracken auf dem Gelände wurden durch Stahlbänder markiert. Eine im Boden eingelassene Stahltafel gibt Auskunft über das Arbeitslager und die Geschichte des Ortes.Kleinmachnow hat seit gestern eine Gedenkstätte für Zwangsarbeiter. In: Märkische Allgemeine, 2. September 2006
Im Frühjahr 1943 fielen erste Bomben im Zweiten Weltkrieg auf Kleinmachnow. Während Bombenangriffe 1943 den Gutshof, die alte Hakeburg und größte Teile des alten Dorfkerns zerstörten, blieben die Schleuse und die neue Hakeburg fast unversehrt. Ende April 1945, kurz vor der Kapitulation, zog sich am Teltowkanal direkt unterhalb der neuen Hakeburg die Hauptkampflinie entlang.
Geteiltes Deutschland mini|Unterrichtungstafel an A115 zur Deutschen Teilung Im Juni 1946 wurde die Reichspost enteignet und die gerade gegründete SED neuer Eigentümer der Hakeburg inklusive einer Wald- und Seefläche von mehr als 500.000 Quadratmeter. Zwischen 1948 und 1954 befand sich auf dem Gelände der Sitz der Parteihochschule Karl Marx der SED. Die führenden Lehrkräfte der Parteihochschule waren alte KPD-Funktionäre. Neben vielen Parteikadern wurde hier Carola Stern geschult, die als westliche Agentin die SED infiltrieren sollte. Die Hakeburg entwickelte sich zum ideologischen Zentrum der DDR. Für eine politische Karriere in der DDR war das Studium in Kleinmachnow notwendig. Höheren Wert hatten nur die Lehrgänge an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau.