Lütgendortmund (niederdeutsch: LütkendöärpmWilhelm Schleef: Dortmunder Wörterbuch, 1967 (PDF-Datei; 3,72 MB)) ist der statistische Bezirk 73 und zugleich ein westlicher Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk der kreisfreien Großstadt Dortmund.

Geografie Lage Lütgendortmund liegt auf einer Höhe von . Die höchste Erhebung im Ort liegt unweit der ehemaligen Ritterbrauerei auf . Der niedrigste Punkt befindet sich vor dem Lütgendortmunder Bahnhof auf .

Der Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund liegt fast in der Mitte zwischen den Städten Bochum und Dortmund. Von beiden Innenstädten sind es etwa 8,5 km Luftlinie zum Dortmunder Ortsteil Lütgendortmund. Zu den Städten Castrop-Rauxel und Witten beträgt die Entfernung jeweils nur 6 km.

Grünflächen Der Volksgarten Lütgendortmund ist mit rund zehn Hektar die größte Grünfläche des Stadtbezirks. Er wurde 1907 auf Wunsch der Ortsverwaltung angelegt, die das Grundstück aus Wald, Ackerland und Wiesen erwarb, um es zu einem Naherholungsgebiet zu machen. Die Kosten von rund 113.400 Mark zur Anlage des Naherholungsgebiets wurden von der Gemeinde Lütgendortmund, der Harpener Bergbau AG, dem Landkreis Dortmund und durch Einzelpersonen getragen.

Das Naturschutzgebiet Dellwiger Wald im Osten des Stadtbezirkes erstreckt sich um das Haus Dellwig.

Im westlichen Teil liegt das an Bövinghausen grenzende kleine Waldgebiet Rauhes Holz. Dieses Waldgebiet erstreckt sich in Richtung Bochumer Stadtgebiet. Die Grenze zwischen Dortmund und Bochum ist durch landwirtschaftliche Nutzflächen geprägt.

2006 wurde der Park der Generationen eingeweiht, der sowohl jungen als auch älteren Leuten die Möglichkeit geben soll, ihre Freizeit aktiv zu gestalten.

Gewässer Mehrere Bäche fließen durch das Stadtgebiet Lütgendortmunds. Im Norden befindet sich der Dellwiger Bach, der aus der alten Halde der Zeche Zollern entspringt. Er verläuft nördlich des Hauses Dellwig und vereinigt sich bei Marten mit dem Schmechtingsbach zum Roßbach, der in Huckarde in die Emscher mündet. Der Dellwiger Bach hat noch zwei Nebenbäche, den Deipenbeck, dessen Quelle im Südosten Lütgendortmunds zu finden ist, und den Katzbach, der im Volksgarten entspringt. Alle Bäche fließen in nördlicher und östlicher Richtung zur Emscher, die im Osten von Lütgendortmund verläuft. Zahlreiche Bäche und Quellen fielen dem Bergbau zum Opfer. Dazu gehört auch die Quelle des ehemaligen Klosters Marienborn, die bis 1929 an der Westermannstraße vorhanden war.

Geschichte Besiedlung und erste Kriege (ca. 1150–1757) Eine erste Besiedelung erfolgte wohl aufgrund der guten Bodenqualität, des Wasserreichtums und der Lage an der Handelsroute Hellweg.

Erstmals erwähnt wurde der Ort, noch unter einem anderen Namen, 1150 im Heberegister der Abtei Essen-Werden.

In einem Schatzbuch der Grafschaft Mark, das im Jahr 1486 zur Steuererhebung angelegt wurde, sind für Lütgendortmund 34 steuerpflichtige Bauernhöfe eingetragen. Der Ort beherbergte ein Kloster mit Gerichtssitz. In der Umgebung gab es zwei Adelshäuser: das Schloss Dellwig und das Haus Holte. Lütgendortmund war vom Mittelalter bis 1817 ein Teil des Oberamts im Amt Bochum der Grafschaft Mark.

Während der Großen Dortmunder Fehde zwischen dem Grafen von der Mark und der Stadt Dortmund wurde der Ort im Jahre 1388 an einem Sonntag von den Dortmundern überfallen. Sie brannten die beiden Kirchen und umliegende Häuser ab, nahmen zwei Gefangene und raubten Vieh für über 100 Gulden.

Auch im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde der Ort hart getroffen, als holländische und spanische Truppen einrückten. Die Spanier versuchten den katholischen Glauben wieder einzuführen, nachdem ganz Lütgendortmund zum evangelischen Glauben übergetreten war. Sie brannten viele Teile des Ortes nieder, darunter auch die Höfe der Bauerschaft Dellwig, Portmann, Schulte, Heynemann und de Vedder.

1757 zogen französische Truppen nach Lütgendortmund ein.

Ortsausdehnung/Siedlungsentwicklung (1830–1910) Die Einwohnerzahl Lütgendortmunds blieb viele Jahre relativ konstant. Erst während der Inbetriebnahme der Zeche Zollern I im Jahre 1858 war ein überdurchschnittlicher Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen. Es wurde Land als Baufläche benötigt, das sich allerdings im Besitz der Bauern befand. Doch durch eine königlich-preußische Verordnung Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es auf die Bewohner des Ortes aufgeteilt. Das enorme Bevölkerungswachstum während der Industrialisierung auf ca. 15.000 Einwohner gab dem Ort mehr und mehr einen städtischen Charakter.

Jeder Bewohner hatte nun durch die Aufteilung Land zur Verfügung und konnte darüber frei verfügen: es entweder selbst bebauen, verkaufen oder vermieten. Die ersten größeren Wohnsiedlungen entstanden an den größeren Ausfallstraßen, wie am Lütgendortmunder Hellweg, an der Limbecker Straße und an der Werner Straße. Bis heute bestehen hier die verschiedensten Bautypen. Später folgten vor allem Zechensiedlungen aufgrund vieler Zechen in der Ortsumgebung. 1874 wurden an der Neu-Crengeldanz-Straße 23 zweistöckige Doppelhäuser für Bergmannsfamilien erbaut. Die Häuser boten nicht nur Wohnraum, sondern auch Ställe und Gartenland, sodass sich die Familien teilweise selbst versorgen konnten. Die nächste Kolonie wurde 1889 an der Langen Straße (heute Auf dem Toren) gebaut. Hier entstanden 30 Häuser für je vier Familien. Zu jedem Haus gehörte etwas Anbaufläche.

Die dritte und letzte Siedlung vor 1900 wurde durch die Zechengesellschaft Neu-Iserlohn an der Wilhelmshöhe errichtet. Es entstanden große, dreistöckige Häuserblöcke, die in neuerer Zeit durch modernere Häuser ersetzt wurden. Nach 1900 wurde die Bautätigkeit durch die Harpener Bergbau AG fortgesetzt. 1903 entstanden Siedlungen an der Deipenbeck- und der Helgastraße nahe der Provinzialstraße und 1915 dreizehn zweieinhalbgeschossige Häuser an der Neu-Iserlohn-Straße. Von den zahlreichen Bauten vor 1900 existiert heute nur noch die Siedlung an der Neu-Iserlohn-Straße, die restlichen wurden durch Neubauten ersetzt.

Am 1. April 1907 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dellwig-Holte eingegliedert.

Erster Weltkrieg (1914–1918) und Nachkriegszeit Wegen des Mangels an Kleingeld am Anfang des Ersten Weltkriegs gab das Amt Lütgendortmund Kriegswechselscheine als Notgeld heraus. Außerdem wurden in Lütgendortmund, wie auch in der ganzen Region, die Kirchenglocken abtransportiert, um das eingeschmolzene Material für Kriegszwecke zu verwenden. 1918 wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat für Lütgendortmund gebildet.

Am 1. April 1928 wurde Lütgendortmund in die Stadt Dortmund eingemeindet. Damit wurde auch das Amt Lütgendortmund, das seinen Sitz am Ort hatte, aufgelöst. Lütgendortmund wurde an das Dortmunder Gasnetz angeschlossen.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurden wie im gesamten Deutschen Reich auch in Lütgendortmund jüdische Geschäfte boykottiert. Einige Jahre später, um 1936, wurden Geschäfte jüdischer Kaufleute „arisiert“ oder geschlossen.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945) mini|hochkant|St.-Bartholomäus-Kirche Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Ort einige Angriffe. Am 3. und 4. Juli 1941 wurde der Ortskern durch mehrere Luftangriffe erheblich zerstört. Bei der Einnahme Lütgendortmunds durch Soldaten der US-Armee vom 8. bis 10. April 1945 wurden weitere Teile des Ortes, u. a. auch die St.-Bartholomäus-Kirche, durch Artilleriebeschuss beschädigt (vgl.: Ruhrkessel).

1945–heute 1966 gründeten Lütgendortmunder Einzelhändler die AG Lütgendortmunder Gewerbe (heute Aktiv im Ort, Lütgendortmunder Handel, Handwerk und Gewerbe). 70 Geschäftsleute aus den Bereichen Handel, Gewerbe und Handwerk sind Mitglieder. Die Ritterbrauerei zog 1969 in die neu erbaute Braustätte am Lütgendortmunder Hellweg ein. 1994 fusionierte sie mit der Union-Brauerei zur Dortmunder Union-Ritter-Brauerei. 1977 wurde nach dem Abriss des alten das moderne und weitaus größere evangelische Krankenhaus fertiggestellt. 1980 wurde das katholische Krankenhaus St. Barbara geschlossen und in dessen Gebäude das gleichnamige Altenpflegeheim untergebracht. 1972 entstand das Altenheim des DRK an der Dellwiger Straße am Volksgarten.

Namensentwicklung Bewohner und Durchreisende haben Lütgendortmund anscheinend häufig mit der Stadt Dortmund verglichen. Demzufolge heißt es in lateinischen Quellen 1150 Throtmannia minor und 1254 Parva Tremonia. 1290 wird es urkundlich auf Niederdeutsch Luttiken-Dortmunde genannt. Daraus entstand der heutige Name Lütgendortmund. Auch wenn die Form und Schreibweise sich verändert haben, der Name bedeutet immer Klein-Dortmund.

Wappen Blasonierung: In Blau eine silberne (weiße) Glocke. Ende des 19. Jahrhunderts sollte Lütgendortmund ein eigenes Gemeindewappen erhalten. Die Wahl fiel auf den Glockenschild als Symbol für Zusammenhalt. Es ist unklar, ob das Symbol seinen Ursprung in der volkstümlichen Ortsbezeichnung Lütgenbömmel (plattdeutsch: Bömmel = Glocke) hat oder aus dem Wappen der in der Nachbarschaft bei Harpen ansässigen Familie Lütykendorpe abgeleitet ist. Das Familienwappen der Lütykendorpes von 1348 enthält zwar keine Glocke, jedoch einen Turnierhut, der einer Glocke ähnelt und dadurch zu einer Verwechslung geführt haben könnte.

Bevölkerung Statistik Strukturdaten der Bevölkerung Lütgendortmunds:

Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 15,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 20,8 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Ausländeranteil: 17,9 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 11,2 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)] (PDF-Datei)

Das Durchschnittseinkommen liegt etwa 5 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Sozialstruktur Große Bereiche des Stadtteils lassen sich als normale Wohngegenden mit gemischter sozialer Struktur bezeichnen. Man findet viele Gebiete (u. a. Neubaugebiete oder Wohngebiete mit Familien- und Reihenhäusern), in denen auch gut situierte Familien wohnen. Daneben findet man aber auch Straßenzüge mit erhöhten sozialen Problemen wie Armut und Arbeitslosigkeit.

mini|Bevölkerungsentwicklung Lütgendortmunds 1818 bis 2006

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1818 1858 1890 1900 1910 1925 2005 2006 2013 2016 2018 2020 2022 2024 Einwohner 550 820 5.000 12.000 15.000 15.311 23.391 23.286 23.012 23.020 23.102 22.611 22.882 23.065

Bei den Werten von 1818 bis 1910 kann es zu Abweichungen kommen.

+ Vergleich Stadtbezirk–Ort Stadtbezirk Ort Fläche 2241,7 ha 721,5 ha Einwohner 48.937 23.391 Bevölkerungsdichte (pro ha) 21,8 32,4

Wirtschaft Schon in der Steinzeit wurde in der Region um Lütgendortmund Landwirtschaft betrieben. Beweise, die darauf schließen lassen, liefern ca. 5000 Jahre alte Feuersteine aus der Jungsteinzeit, die rund um das Haus Dellwig ausgegraben wurden. Auch am Harpener Bach entdeckte man Erz- und Schlackereste, die darauf hinweisen, dass germanische Vorfahren hier bereits Erzverhüttung betrieben.

Industrialisierung Vor der Industrialisierung waren große Teile der Wirtschaft von der Landwirtschaft geprägt. In und um Lütgendortmund herrschte Wasserreichtum, und es gab nährstoffreichen Lössboden, der die Bewirtschaftung der Felder für die Bauern attraktiv machte. Später während der Industrialisierung nahm der Anteil der Landwirtschaft an der gesamten Wirtschaft ab. Die Industrialisierung schuf im Bezirk Lütgendortmund viele Arbeitsplätze, sogar einen Überschuss an Arbeit, sodass Zuwanderer die Bevölkerungszahl steigen ließen. Der Ort besaß zwar keine eigene Zeche, jedoch war er von mehreren Bergwerken (z. B. der Zeche Zollern, der Zeche Germania, der Zeche Neu-Iserlohn, der Zeche Amalia und der Zeche Erin) umsäumt, die viele Arbeiter suchten. Ein bekanntes Unternehmen war auch Tönshoff, das Werkzeugmaschinen, wie Mehrspindeldrehautomaten, herstellte.

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