mini|295px|Leuchtqualle vor der Küste von Sardinien

Die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), auch Feuerqualle genannt, ist eine Schirmqualle aus der Familie der Pelagiidae und gehört zu den wenigen europäischen Quallen, deren Nesselkapseln die menschliche Haut durchdringen können. Der Gattungsname Pelagia bedeutet „meerbewohnend“, abgeleitet von altgriechisch πέλαγος (pélagos, „Meer“). Es gibt auch eine Heilige gleichen Namens. Ihren Artnamen noctiluca – „die Nachtleuchtende“ – verdankt sie ihrem schwachen, nächtlichen Leuchten, das bei Erschütterung der Qualle sichtbar wird (Biolumineszenz).

Beschreibung Der Schirm ist hochgewölbt und hat die Form einer Halbkugel oder Glocke. Er kann einen Durchmesser von 10–12 cm erreichen. Die Farbe dieser Meduse reicht von einem blassen Pink bis hin zu malvenfarben und bräunlich, die Schirmoberfläche ist mit pink oder mauve-farbenen, nesselzellenbewehrten Warzen überzogen. Der Schirm trägt unterseitig sechzehn marginale Lappen und acht marginale Sinnesorgane.Beschreibung von Pelagia noctiluca auf Marlin.ac.uc. (englisch); aufgerufen am 19. September 2012. Rund um die Mundöffnung befinden sich vier, außen gekrauste Mundtentakel, am Schirmrand acht fadenförmige, bis einen Meter lange Fangtentakel. Die Fangtentakel sind mit zahllosen Nematozysten besetzt, die ihrerseits mit Proteintoxiden mit einer molaren Masse von 50–150 kDa gefüllt sind.

Vorkommen und Lebensweise Die Leuchtqualle lebt kosmopolitisch in wärmeren Meeren (zum Beispiel dem Mittelmeer, dem Roten Meer und im Golf von Mexiko) und tritt meist in Schwärmen auf.Gerd Plewig, P. Thomas: Fortschritte der praktischen Dermatologie und Venerologie 2006. S. 347–349. Dabei können die Wanderpopulationen kilometerlang sein und in einer Tiefe von bis zu 20 m auftreten.R. N. Gibson, Margaret Barnes: Oceanography and Marine Biology. S. 113 & 119–123. Pelagia noctiluca macht kein sessiles Polypenstadium durch, die adulten Tiere entlassen im Herbst voll entwickelte Jungmedusen. Die übliche Beute dieser Qualle sind freischwimmende Seescheiden, kleinere Quallen und Zooplankton.

Systematik Pelagia noctiluca gehört der Klasse der Schirmquallen (Scyphozoa) aus dem Stamm der Nesseltiere (Cnidaria) an, ihre Familie (Pelagiidae) umfasst die Arten Pelagia flaveola, P. noctiluca und P. panopyra. Ein Synonym für P. noctiluca ist Pelagia perla ().Beschreibung von Pelagia noctiluca auf WoRMS (englisch); aufgerufen am 19. September 2012.

Leuchtquallen und Menschen Die mikroskopisch kleinen Harpunen der Nesselzellen durchdringen die menschliche Haut. Das Nesselgift löst eine sofortige Kontakturtikaria aus, die schmerzhaft, aber nicht lebensgefährlich ist. Folgen sind eine errötende Haut der jeweilig betroffenen Stelle sowie ein starker Juckreiz. In wenigen Fällen kann es jedoch zur Systematisierung (Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen) kommen. Erste-Hilfe-Maßnahmen umfassen das sofortige Entfernen anhaftender Tentakel und die Neutralisierung des Giftes mit einer Magnesiumsulfatlösung. mini|alternativtext=Quallenverletzung|Verletzungen nach Kontakt mit Leuchtqualle, Gozo/Mittelmeer

Massenauftreten von Leuchtquallen bedrohen Aquakulturen. In einem Fall verendeten etwa 100.000 Lachse.Senckenberg: Auswirkungen der Massenauftreten von Quallen („jellyfish blooms“) Massenvorkommen, die zu Strandsperrungen führen, sind für den Tourismus problematisch, da die Badegäste fernbleiben.Pierre Tardent: Meeresbiologie. S. 43, 238 & 254.

Literatur Pierre Tardent: Meeresbiologie: Eine Einführung. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 2005 (3. Auflage), ISBN 3135708039. R. N. Gibson, Margaret Barnes: Oceanography and Marine Biology, An Annual Review (= Oceanography and Marine Biology, Bd. 38). Taylor & Francis, London 2000, ISBN 0415238420. Gerd Plewig, P. Thomas: Fortschritte der praktischen Dermatologie und Venerologie 2006: Vorträge und Dia-Klinik® der 20. Fortbildungswoche 2006. Fortbildungswoche für Praktische Dermatologie und Venerologie e.V. c/o Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie Ludwig-Maximilians-Universität München. Springer, Heidelberg 2007, ISBN 3540305149.

Weblinks

Beschreibung von Pelagia noctiluca auf Marlin.ac.uc. (englisch) Beschreibung von Pelagia noctiluca auf WoRMS.org (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Schirmquallen