Heuberg/Buchhorn/Gleichen ist eine zur Gemeinde Pfedelbach im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg gehörende Ortschaft. Die 1989 gebildete Ortschaftgem. § 6 der Hauptsatzung von Pfedelbach. umfasst die Ortsteile Heuberg, Charlottenberg, Buchhorn, Obergleichen und Untergleichen.
Lage mini|Wildgehege in Heuberg Die Ortschaft liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald am Nordrand des Mainhardter Waldes auf einem Bergausläufer zwischen den Tälern von Brettach im Westsüdwesten und Ohrn im Ostnordosten. Sie umfasst den Südwesten der Gemeinde Pfedelbach.
Geschichte Limes mini|Fundament des Sechseckturms in Gleichen Um das Jahr 160 n. Chr. errichteten die Römer den Abschnitt des Obergermanisch-Raetischen Limes zwischen Miltenberg und Lorch. Zwischen den benachbarten Kastellorten Öhringen im Norden und Mainhardt im Süden erreicht er nach einem steilen Anstieg aus der Hohenloher Ebene auf die Schwäbisch-Fränkischen Waldberge die Markung von Gleichen. Schon auf der Hochfläche, nur wenige Meter von der Oberkante der Geländestufe entfernt, errichteten römische Auxiliartruppen den einzigen Wachturm am Limes mit sechseckigem Grundriss (WP 9/51), dessen Grundmauern erhalten sind. Seine ein Meter breiten und damit ungewöhnlich starken Fundamente besitzen als zusätzliche Verstärkung einen 0,5 m weit, nach außen vorspringenden Sockel. Sechseckform und Grundmauern sprechen dafür, dass die Turmhöhe weit über dem Normalmaß lag. Die Gestaltung des Turmes und sein Standort lassen vermuten, dass er ein Hauptpunkt für die optische Vermessung der schnurgeraden Strecke gewesen ist. Auf der rund einen Kilometer langen Strecke zwischen der Hangkante und dem Gleichener See sind der Verlauf von Wall und Graben des Limes noch sehr gut erkennbar. Nur auf diesem kurzen Teilstück weicht der Limes auf seiner 80 Kilometer langen Trasse zwischen Walldürn im Norden und dem Haghof bei Alfdorf im Süden von seiner sonst schnurgeraden Linie ab, so musste die tief eingeschnittene Gießklinge des Volkersbaches, eines Seitenbaches der Ohrn, nicht überwunden werden. Am Obergermanischen Limes existieren mehrere Abschnitte, die durch einen exakt gradlinigen Streckenverlauf auffallen und wie mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen wirken. Die dazu erforderliche außergewöhnliche Präzision wird der Verwendung der Groma durch römische Landvermesser zugeschrieben. Der längste dieser Abschnitte reicht von einem ansonsten unbedeutenden Wachturm bei Walldürn (Strecke 8) bis zum Haghof südlich von Welzheim und erreicht eine Länge von 81,259 km. Damit handelt es sich um die längste geradlinige Trasse der gesamten Antike.M. J. T. Lewis (2001): Surveying Instruments of Greece and Rome, Cambridge University Press, ISBN 0-521-79297-5, S. 242, 245. Auf einer Strecke von 50 km beträgt die Abweichung, bezogen auf die Mitte des Grabens, nur 90 cm.Christoph Schäfer und Siegfried Schenk in: Terra X: Schliemanns Erben. Der Limes (2/2) Gefahr an Roms Grenze. Ein Film von Gisela Graichen und Peter Prestel. ZDF 2009, Minute 5 bis 8. Digitale Geländemodelle, die auf Basis von im Jahr 2009 bei Lidar-Messflügen erhobenen Daten erzeugt wurden, lassen im Bodenrelief in der Nähe des Gleichener Sees zwei Bauwerke erkennen, es könnten dem Grundriss nach römische Kleinkastelle sein.Stephan Bender: Spuren von Kleinkastellen beim Gleichener See? (PDF; 3,3 MB) In: Der Limes. 3. Jg., Heft 2, 2009, , S. 10–11, abgerufen am 23. Januar 2010.
Die Herrschaft Gleichen mit Burg mini|Schlossberg in Pfedelbach-Obergleichen mit Burgstall Gleichen Im Süden von Pfedelbach nehmen die beiden Weiler Ober- und Untergleichen den Höhenrücken zwischen Brettach und Ohrn ein. Ausgangspunkt deren Besiedlung war wahrscheinlich die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Gleichen.https://www.burgen-web.de/gleichen.pdf Burgstall Gleichen abgerufen am 6. April 2010.
Im Verlaufe der staufischen Verwaltungsreform entstand die Herrschaft Gleichen (ehemals Glychen), zu der auch die Orte Pfedelbach und Mainhardt gehörten. 1027 schenkte König Konrad II. den Wald um Mainhardt dem Bischof von Würzburg. Mainhardt und Pfedelbach kamen als ein Teil der Herrschaft Gleichen zu einem unbekannten Zeitpunkt als Eigengut an die Schenken von Limpurg. Schenk Walther übereignete im Jahre 1274 die Villa Meinhart König Rudolf von Habsburg, der diese Herrschaft einem Ministerialen zu Lehen gab. Dem Reich gehörte die Herrschaft Gleichen mit Burg und Weiler. König Rudolf I. von Habsburg (1218–1291) verlieh Gleichen seinem unehelichen Sohn Albrecht von Schenkenberg, der die mittlere Linie der Grafen von Löwenstein begründete (bis 1464). Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kam die Herrschaft Gleichen mit Mainhardt und Pfedelbach in den Besitz der Grafen von Löwenstein. König Albrecht tauschte Mainhardt mit den Grafen von Löwenstein, die es 1380 mitsamt Burg Gleichen an die von Weinsberg verpfändeten. 1416 löste Hohenlohe das Pfand aus und behauptete es 1417 gegen kurpfälzische Ansprüche. In der Folgezeit wurde Pfedelbach mehrmals an verschiedene Adelsgeschlechter verpfändet, um die Finanzschwierigkeiten des gräflichen Hauses Löwenstein zu beseitigen. Graf Albrecht von Hohenlohe erwarb durch Kauf (1416) die Herrschaft Gleichen. Gleichen blieb bis 1806 im Besitze des fürstlichen Hauses Hohenlohe-Bartenstein abgerufen am 23. Januar 2010.. 1828 kamen Ober- und Untergleichen von Untersteinbach zu Pfedelbach.
Die Burganlage beziehungsweise deren Überreste (Burgstall) befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Wasserbehälters der Ortschaft Gleichen.Burgstall Gleichen (PDF; 2,0 MB) bei burgen-web.de (abgerufen am 6. April 2010).
Heuberg und Lustschlösschen Charlottenberg mini|Blick auf den Charlottenberg mit dem Schlösschen mini|Überreste des Charlottenschlösschens Im Jahre 1372 wurde erstmals ein Hof Hawberg ob Pfedelbach erwähnt. Die Siedlung Heuberg entstand jedoch erst 1730 auf Veranlassung von Graf Ferdinand von Hohenlohe-Bartenstein durch Rodung und Ansiedlung ortsfremder Katholiken. Das Lustschlösschen Charlottenberg, 1712/13 von Graf Ludwig Gottfried erbaut und nach seiner Gemahlin Luise Charlotte, geb. Gräfin von Hohenlohe-Langenburg benannt, wurde 1782 an Bauern verkauft. Vorübergehend von den Fürsten zu Hohenlohe-Bartenstein zurückgekauft, wurde es 1945 durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und 1947 dann als Wohnhaus mit Scheune wieder aufgebaut. 2020 wurde das Charlottenschlössle vom Besitzer grundlegend saniert.
Buchhorn Am Rande der Keuperhochfläche liegt Buchhorn. Der Weiler ist aus Einzelgehöften entstanden. Eine Urkunde von 1473 vermeldet den Verkauf von Gütern in Buchhorn durch Götz von Adelsheim an Hohenlohe. Der Wasserturm Buchhorn mit einer Höhe von (1965 erbaut, Inhalt 200 m³, Sanierung 2007) ist zum Wahrzeichen des Weilers geworden.
Ober- und Untergleichen Obergleichen, Ersterwähnung 1294, historische Namensform Gliche. Untergleichen, Ersterwähnung 1471. Jägerhof, Wohnplatz nordöstlich von Gleichen, noch in der Rodungsinsel des Orts.Jägerhof im Historischen Ortslexikon bei LEO BW
1294 Gliche, in Anlehnung an die Burg Gleichen im 12./13. Jahrhundert entstanden. Die Burg war Sitz einer nach ihr benannten Reichsministerialenfamilie, fiel nach deren Aussterben um 1300 an das Reich zurück, 1328 an die Grafen von Löwenstein, 1409 an Weinsberg verpfändet, 1416 durch die Hohenlohe ausgelöst, die 1471 pfälzischen Erbansprüche zurückweisen konnten. Gleichen gehörte seitdem zum hohenlohischen Amt Mainhardt. Von der Burg sind nur noch Gewölbereste und der Graben erhalten. 1706 besaß Hohenlohe hier ein Zoll- und Forsthaus. Kirchlich Filial von Untersteinbach.leo-BW Landeskunde (abgerufen am 1. Mai 2017).
Ortschaftsgründung Das Gebiet der heutigen Ortschaft Heuberg/Buchhorn/Gleichen gehörte schon vor der Gemeindereform der 1970er Jahre zur Gemeinde Pfedelbach, ohne damals eine eigene Ortschaft zu bilden. Erst durch Änderung der Hauptsatzung der Gemeinde Pfedelbach wurde im Jahre 1989 eine eigene Ortschaft gegründet. Heuberg/Buchhorn/Gleichen bildet einen Wohnbezirk im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.gem. § 27 Absatz 2 Satz 1 und § 68 GemO.
Ortschaftsrat Nach Änderung der Hauptsatzung der Gemeinde Pfedelbach wurde im Jahre 1989 das erste Mal ein aus sieben Personen bestehender Ortschaftsrat für die Gemeinde sowie ein Ortsvorsteher gewählt. Der Ortschaftsrat konstituierte sich am 23. November 1989. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Ortschaften Heuberg und Buchhorn durch zwei Gemeinderäte, Gleichen durch einen Gemeinderat vertreten worden. Seit 1989 entsendet die gesamte Ortschaft nur mehr zwei Gemeinderäte ins Kommunalparlament. Der Ortschaftsrat tagt abwechselnd in Heuberg und in Gleichen. Michael Schenk war von 1989 bis 2009 der erste Ortsvorsteher der Ortschaft Heuberg/Buchhorn/Gleichen.Peter Hohl: Spätes Kind der Gemeindereform. Stimme online vom 8. August 2009. Im folgte Hans-Jürgen Herzog. Seit dem 29. Juli 2014 ist Walter Gräter Ortsvorsteher.
Einwohnerentwicklung In allen drei Orten nimmt die Bevölkerungszahl zu. Sie wuchs von 808 Einwohnern am 1. Januar 1991 auf 949 zum 31. Dezember 2010. Um der Nachfrage an Bauflächen nachzukommen, hat der Ortschaftsrat sich dafür ausgesprochen, dass in Heuberg am südöstlichen Ortsrand die Baugebiete Panorama I und II entstehen sollen. Gleichen entwickelt sich anhand des Bebauungsplanes Steigäcker weiter. Bericht der Gemeinderatssitzung vom 20. Januar 2004. Die Bevölkerung drängt zum Ausbau der Landstraße 1050 zwischen Heuberg und der Grenze zum Landkreis Schwäbisch Hall.
Buchhorner See mini|Der Buchhorner See. Im Hintergrund das Buchhorner Wahrzeichen, der Wasserturm Der Buchhorner See hat keinen oberirdischen Zufluss, sondern speist sich aus Grundwasser aus dem oberhalb gelegenen Waldgelände bis Gleichen zu. Er hat eine Fläche von 25.000 m², seine Wassertiefe beträgt bis zu 2,50 m und er liegt auf einer Höhe von . (abgerufen am 23. März 2008). Dem See entspringt der Pfedelbach, dessen Wasser früher eine Mühle im etwa 2 km entfernten Pfedelbach antrieb. Eine größere Anzahl von Wasservögeln besiedelt den See, bei Frost dient er als Eislauffläche.
Der See wurde vermutlich im 15. Jahrhundert durch Aufschütten eines Dammes geschaffen. Bereits im Lagerbuch von 1573 wird der neun Morgen große See als Michel von Olnhausen gehörig erwähnt. Am 21. Juni 1949 brach der Damm, durch einen zwei Meter breiten und tiefen Riss floss das Wasser aus dem sich schnell leerenden See; meterhoch strömte das Wasser die Straße hinab und richtete auf seinem Weg über Wiesen, durch Scheunen und durch Häuser erhebliche Schäden an.
Um den Buchhorner See entstanden ab 1957Website des Campingplatzes (abgerufen am 23. März 2008). die ersten Zeltplätze. Heute liegen drei Campingplätze an seinem Rande, und er ist immer mehr zum Naherholungsgebiet geworden. (abgerufen am 8. Oktober 2009).
Die Gemeinde sanierte ihn im Jahre 2004. Nach Ablassen des Wassers und Abfischen wurden 10.000 m³ Schlamm ausgebaggert und auf die umliegenden Felder ausgebracht, der See wurde dadurch stellenweise bis zu einem Meter tiefer.
Neuer Gleichener See mini|Der neue Gleichener See im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald mini|Der alte Gleichener See in Obergleichen Im 18. Jahrhundert kaufte Hohenlohe-Pfedelbach bzw. Hohenlohe-Bartenstein in Gleichen bäuerlichen Eigenbesitz zur Anlage eines Tiergartens und eines neu anzulegenden Sees auf. Der entstandene Gleichener See liegt im Mainhardter Wald und ist seit 2004 ein FFH-GebietWebsite der Gemeinde Pfedelbach mit Informationen zum Gleichener See (abgerufen am 23. März 2008). der Europäischen Union. In ihm befinden sich drei kleine Inseln. Die Seeoberfläche liegt auf . Das Wasser ist höchstens 2 m tief, die Dammlänge beträgt circa 210 m und die Wasserfläche nimmt etwa 13.000 m² ein.
Ein sogenannter Alter Gleichener See liegt in Obergleichen und ist heute nur noch ein Tümpel.
Ortsbild