Die Wahl des Römisch-deutschen Königs beziehungsweise, später direkt, des römisch-deutschen Kaisers im Heiligen Römischen Reich oblag seit spätestens dem 13. Jahrhundert einem kleinen Kollegium von Reichsfürsten, den Kurfürsten. Die Wahl zum König oder Kaiser geschah auf Lebenszeit. Im Jahre 1356 ließ Kaiser Karl IV. mit der Goldenen Bulle ein Grundgesetz für die Wahl aller künftigen Könige und Kaiser proklamieren.
__NOTOC__ Die Kurfürsten Die geistlichen Kuren · Die weltlichen Kuren · Spätere Änderungen 14. Jahrhundert 1376 · Mai 1400 · August 1400 15. Jahrhundert 1410 · 1411 · 1438 · 1440 · 1486 16. Jahrhundert 1519 · 1531 · 1562 · 1575 17. Jahrhundert 1612 · 1619 · 1636 · 1653 · 1658 · 1690 18. Jahrhundert 1711 · 1742 · 1745 · 1764 · 1790 · 1792
Die Kurfürsten
mini|hochkant=1.5|Der Kaiser und die acht Kurfürsten (von Trier, Köln, Mainz, Böhmen, Bayern, Sachsen, Brandenburg und der Pfalz). Kupferstich von Abraham Aubry, Nürnberg 1663/64
Die sieben ursprünglichen Kuren, deren Kurfürsten den König der Deutschen oder, seit dem 16. Jahrhundert, direkt den römisch-deutschen Kaiser oder in einigen Fällen den Römisch-deutschen König (den designierten Erben des Kaisers, vivente imperatore) wählten, waren:
Die geistlichen Kuren 15px|Wappen des Erzbistums Mainz Das Kurfürstentum Mainz (Liste der Erzbischöfe) 15px|Wappen des Erzbistums Köln Das Kurfürstentum Köln (Liste der Erzbischöfe) 15px|Wappen des Erzbistums Trier Das Kurfürstentum Trier (Liste der Erzbischöfe)
Die weltlichen Kuren 15px|Wappen des Königreichs Böhmen Das Königreich Böhmen. Der König von Böhmen gehörte zur Zeit der Goldenen Bulle dem Haus Luxemburg an, ab 1526 aber dem Haus Habsburg. Die böhmische Krone war formal eine Wahlmonarchie, wurde aber unter den Habsburgern faktisch erblich. 15px|Wappen der Kurpfalz Die Kurpfalz. Der Pfalzgraf bei Rhein war während der gesamten Zeit als Kurfürstentum ein Mitglied des Hauses Wittelsbach. Wegen des Böhmisch-Pfälzischen Krieges wurde der Kurpfalz die Kurwürde entzogen und ging auf Bayern über. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde für die Pfalz eine achte Kur eingerichtet. 15px|Wappen von Sachsen Das Kurfürstentum Sachsen. Der Kurfürst von Sachsen war seit 1423 ein Mitglied des Hauses Wettin. 15px|Wappen von Brandenburg Die Mark Brandenburg. Der Markgraf von Brandenburg war seit 1415 ein Mitglied des Hauses Hohenzollern.
Spätere Änderungen
Später kamen zum Kollegium noch die folgenden weltlichen Kuren hinzu: 15px|Wappen von Bayern Das Herzogtum Bayern. Der Herzog von Bayern war Mitglied einer anderen Linie des Hauses Wittelsbach. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Bayern die der Kurpfalz entzogene Kurwürde zuerkannt. Im Westfälischen Frieden wurde bestimmt, dass Bayern diese Kur behielt, während für die Kurpfalz eine zusätzliche, achte geschaffen wurde. Mit dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher 1777 ging entsprechend dem westfälischen Frieden die fünfte Kur wieder an die Kurpfalz über (die auch das Herzogtum Bayern erbte), die achte Kur erlosch. 15px|Wappen von Hannover Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover). Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg war seit 1714 auch König von Großbritannien.
Im folgenden werden alle Wahlen, die nach den Modalitäten der Goldenen Bulle abliefen, aufgeführt. Auf Ausschlüsse vom und Wieder- und Neuaufnahmen in den Kreis der Kurfürsten wird ebenfalls eingegangen.
14. Jahrhundert
Wahl von 1376
Die Wahl fand am 10. Juni 1376 in Frankfurt am Main statt.
Kurfürsten mini|hochkant=1.6|Kaiserwahl im Chor des Frankfurter Doms (1612). Die persönlich erschienenen Kurfürsten tragen den Kurfürstenornat. In der Mitte der zelebrierende Trierer, links vom Altar her gezählt die von Mainz, Böhmen und Pfalz, rechts Köln, Sachsen und Brandenburg. Letzterer vertreten durch einen Abgesandten in Zivil mit Hut. Der (zu wählende) Habsburger (Matthias) trägt statt des Kurhuts eine Königskrone (als König von Böhmen und Ungarn). Ludwig von Meißen, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1374–1379) Kuno II. von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1362–1388) Friedrich III. von Saarwerden, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1372–1414) Karl IV., König von Böhmen (1346–1378) und Kaiser Ruprecht I., Pfalzgraf bei Rhein (1356–1390) Wenzel I., Kurfürst von Sachsen (1370–1388) Otto von Bayern, Erzkämmerer und vormaliger Kurfürst von Brandenburg (1365–1379) mit lebenslanger brandenburgischer Kurstimme
Gewählt Wenzel von Brandenburg, Römischer König
Diese war die erste Wahl nach Inkrafttreten der Goldenen Bulle, die die Qualifikation der Kurfürsten und den Ablauf der Wahl genau festlegte und zur Grundlage für alle folgenden Wahlen wurde. Wenzel, Sohn von Kaiser Karl IV. und Kurfürst von Brandenburg, wurde zum Rex Romanorum und damit Karls Erben gewählt. Er wurde zwei Jahre später, als Karl am 29. November 1378 starb, dessen Nachfolger als römisch-deutscher König und König von Böhmen.
I. Wahl von 1400 Die Wahl fand am 22. Mai 1400 in Frankfurt am Main statt.
Kurfürsten Johann II. von Nassau, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1396–1419) Werner von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1388–1418) Friedrich III. von Saarwerden, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1372–1414) Ruprecht III., Pfalzgraf bei Rhein (1398–1410) Rudolf III., Kurfürst von Sachsen (1388–1419) Jobst, Kurfürst von Brandenburg (1388–1411)
Gewählt Friedrich von Braunschweig und Lüneburg
Die Kurfürsten waren mit Wenzels Amtsausübung als römisch-deutscher König unzufrieden und kamen zusammen, um Alternativen zu beraten. Friedrich von Braunschweig und Lüneburg wurde gegen den amtierenden Wenzel gewählt. Die drei geistlichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln sowie Wenzel selbst erkannten die Wahl nicht an. Sie war damit, da sie nur von einer Minderheit der Kurfürsten getragen wurde, rechtlich ungültig. Friedrich wurde zwei Wochen später, am 5. Juni 1400, ermordet.
II. Wahl von 1400 Die Wahl fand am 21. August 1400 in Rhens statt.
Kurfürsten Johann II. von Nassau, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1396–1419) Werner von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1388–1418) Friedrich III. von Saarwerden, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1372–1414) Ruprecht III., Pfalzgraf bei Rhein (1398–1410)
Gewählt Ruprecht, Römischer König
Die drei geistlichen Kurfürsten und Ruprecht traten am 20. August 1400 erneut zusammen, um Wenzel seines Amtes zu entheben. Am nächsten Tag wurde Ruprecht einstimmig zum neuen Römischen König gewählt. Die Kurfürsten von Sachsen (Rudolf III.), Brandenburg (Jobst) und Böhmen (Wenzel) waren allerdings nicht anwesend, und Wenzel erkannte die Gültigkeit seiner Absetzung und die Wahl Ruprechts nie an.
15. Jahrhundert
Wahlen von 1410 Die Wahlen fanden am 20. September 1410 und 1. Oktober 1410 statt.
Kurfürsten Johann II. von Nassau, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1396–1419) Werner von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1388–1418) Friedrich III. von Saarwerden, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1372–1414) Wenzel, König von Böhmen (1378–1419) Ludwig III., Pfalzgraf bei Rhein (1410–1436) Rudolf III., Kurfürst von Sachsen (1388–1419) Jobst, Kurfürst von Brandenburg (1388–1411)
Gewählt Sigismund und Jobst von Mähren
Diese Wahlen folgten auf den Tod Ruprechts am 18. Mai 1410. Am 20. September erklärten drei der Kurfürsten Sigismund, den König von Ungarn und Sohn des verstorbenen Karl IV. zum König. Darunter war Friedrich I., Burggraf von Nürnberg, der im Namen Sigismunds handelte und behauptete, Kurbrandenburg zu vertreten, ohne aber vom amtierenden Markgrafen Jobst, dem Neffen des verstorbenen Kaisers, dazu befugt worden zu sein.
Die zweifelhafte Wahl Sigismunds im September wurde von den übrigen Kurfürsten nicht akzeptiert. Am 1. Oktober 1410 wählten sie Jobst von Mähren in Gegnerschaft zu seinem Cousin Sigismund, aber Jobst starb schon drei Monate später. Die Wahlen von 1410 waren die letzten, bei der ein König und ein Gegenkönig gewählt wurden.
Wahl von 1411 mini|hochkant|Sigismund, Römischer König, später Kaiser Die Wahl fand am 21. Juli 1411 statt.
Kurfürsten Johann II. von Nassau, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1396–1419) Werner von Falkenstein, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1388–1418) Friedrich III. von Saarwerden, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1372–1414) Wenzel, König von Böhmen (1378–1419) Ludwig III., Pfalzgraf bei Rhein (1410–1436) Rudolf III., Kurfürst von Sachsen (1388–1419) Sigismund, Kurfürst von Brandenburg (1411–1415), auch König von Ungarn
Gewählt Sigismund, Römischer König
Nach dem Tod Jobsts am 18. Januar 1411 gab es kein Hindernis für die Kurfürsten mehr, Sigismund (nun rechtmäßiger Kurfürst von Brandenburg) als König anzuerkennen. Nach sechs Monaten wurde eine Wahl abgehalten. Indem er diese Wahl anerkannte, erkannte Sigismund gleichzeitig stillschweigend die Ungültigkeit seiner Wahl von 1410 an.
Wahl von 1438 mini|hochkant|Albrecht II, Römischer König Die Wahl fand am 18. März 1438 in Frankfurt am Main statt
Kurfürsten Dietrich Schenk von Erbach, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1434–1459) Raban von Helmstatt, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1430–1439) Dietrich II. von Moers, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1414–1463) Ludwig IV., Pfalzgraf bei Rhein (1436–1449) Friedrich II., Kurfürst von Sachsen (1428–1464) Friedrich I., Kurfürst von Brandenburg (1415–1440)
Gewählt Albrecht II., Römischer König
Diese Wahl folgte auf den Tod Kaiser Sigismunds am 9. Dezember 1437.
Albrecht II., der gewählte König, war zwar nominell durch seine Ehe mit Elisabeth von Luxemburg König von Böhmen, wurde aber erst nach seiner Wahl gekrönt. Da er zu der Zeit in Böhmen Krieg führte, war Albrecht bei seiner eigenen Wahl nicht anwesend.
Das Kurfürstentum Brandenburg war 1415 an das Haus Hohenzollern übergegangen, bei dem es bis zum Ende des Reiches blieb.
Wahl von 1440 mini|hochkant|Friedrich III., Römischer König, später Kaiser Die Wahl fand am 2. Februar 1440 in Frankfurt am Main statt.
Kurfürsten Dietrich Schenk von Erbach, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1434–1459) Jakob I. von Sierck, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1439–1456) Dietrich II. von Moers, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1414–1463) Ludwig IV., Pfalzgraf bei Rhein (1436–1449) Friedrich II., Kurfürst von Sachsen (1428–1464) Friedrich I., Kurfürst von Brandenburg (1415–1440)
Das Amt des Königs von Böhmen war bei dieser Wahl vakant, da König Albrecht II. am 27. Oktober 1439 gestorben war. Er hinterließ seine schwangere Frau Elisabeth von Luxemburg. Ihr Kind Ladislaus Postumus wurde erst am 22. Februar 1440, einige Tage nach der Wahl, geboren.
Gewählt Friedrich III., Herzog von Österreich (Habsburger), Römischer König
Wahl von 1486 mini|hochkant|Maximilian I., Römischer König, später Kaiser Die Wahl fand am 16. Februar 1486 im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main statt.
Kurfürsten Berthold von Henneberg, Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1484–1504) Johann II. von Baden, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1456–1503) Hermann IV. von Hessen, Kurfürst und Erzbischof von Köln (1480–1508) Ladislaus II., König von Böhmen (1471–1516) Philipp, Pfalzgraf bei Rhein (1476–1508) Ernst, Kurfürst von Sachsen (1464–1486) Albrecht Achilles, Kurfürst von Brandenburg (1470–1486)
Gewählt Maximilian I., Römischer König
Maximilian I., Erzherzog von Österreich, wurde zum Römischen König gewählt und folgte seinem Vater, dem Kaiser Friedrich III., nach dessen Tod am 19. August 1493 auf dem Thron. Da Maximilian aufgrund einer Blockade der Republik Venedig nicht zur Kaiserkrönung nach Rom reisen konnte, verlieh ihm Papst Julius II. im Jahre 1508 den Titel „Electus Romanorum Imperator“, „Erwählter Römischer Kaiser“. Spätere Gewählte nannten sich ebenfalls auch ohne päpstliche Krönung Kaiser statt lediglich König.
16. Jahrhundert
Wahl von 1519 mini|hochkant|Karl V., Römischer König, später Kaiser