Das Akademische Gymnasium Graz () ist eine der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum, die älteste höhere Schule der Steiermark und nach den Akademischen Gymnasien in Linz, Wien und Innsbruck das viertälteste der fünf Akademischen Gymnasien in Österreich.
Die Schule wurde am 12. November 1573 im Zuge der Gegenreformation als Jesuitenkollegium in Graz gegründetSeite Universitätsorganisation auf austria-forum.org, abgerufen am 1. Februar 2014.. Sie diente als Vorstufe zur am 1. Jänner 1585 neu gegründeten Universität Graz (Überreichung des Stiftungsbriefes am 14. April 1586).vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 19.Werner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. Edition Strahalm, 7. Auflage, Graz 2013, S. 97, ISBN 978-3-9503597-6-3.
Das Gymnasium führte ab 1776 den Namen „Kaiserlich Akademisches Gymnasium“.Werner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. Edition Strahalm, 7. Auflage, Graz 2013, S. 142, ISBN 978-3-9503597-6-3. Heute trägt es die Bezeichnung „Akademisches Gymnasium“ als Ehrentitel.Akademisches Gymnasium Die Schule beschreibt sich selbst seit 2007 als Schule für Kopf, Herz und Hand.Akademisches Gymnasium Graz: Werbeslogan für den Tag der offenen Tür, Flyer, Graz 2007/2008.
Das offizielle Schul-Logo „Die Eule auf der Säule“ von Hartmut Urban (mit handschriftlicher Signierung: ‚Akademisches‘ Graz, Austria, siehe Bild)Seite über Hartmut Urban auf der Homepage des Akademischen Gymnasiums Graz, abgerufen am 17. Dezember 2013. zeigt eine dorische Säule als Symbol für die ursprünglich klassische Ausrichtung der Schule, desgleichen darüber die Eule als Symbol der Weisheit (aus der griechischen Mythologie), und das alles in leichter Schieflage, die man auf verschiedene Weise deuten könnte.Schriftliche Information durch Wolfgang J. Pietsch, Altphilologe, Germanist und ehemaliger Lehrer für Latein und Deutsch am Akademischen Gymnasium Graz, 13. Juni 2013, liegt dem Autor vor.
In diesem Sinne versteht sich das Akademische Gymnasium Graz durch sein aktuelles Leistungsangebot als Verbindung von einerseits Bildung in klassisch-humanistischer Tradition und andererseits den dem 21. Jahrhundert gerecht werdenden Anforderungen der Allgemeinbildung.vgl. Hildegard Kribitz, Vom Sinn und Nutzen der Allgemeinbildung. In: Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums Graz 2011/2012. Hrsg.: Akademisches Gymnasium Graz. Selbstverlag des Akademischen Gymnasiums Graz, Graz 2012, S. 4 f. Ein besonderer Schwerpunkt der schulischen Ausrichtung liegt auf der Förderung von Begabungen und Interessen (fbi).
Geschichte Geschichte in der Monarchie mini|Akademisches Gymnasium Graz, aktuelles Schul-Logo „Die Eule auf der Säule“, Grafik von Hartmut UrbanErstveröffentlicht in: Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums Graz 1994/95, Herausgegeben vom Akademischen Gymnasium Graz, Juli 1995, S. 3. mini|links|Ausschnitt aus dem Stiftungsbrief des Akademischen Gymnasiums Graz, mit dem Erzherzog Karl II. von Innerösterreich am 12. November 1573 die Schule als Lateinschule der Jesuiten begründete (Reproduktion im Besitz des Akademischen Gymnasiums Graz) mini|links|Portrait-Relief Erzherzog Karls II. (Domherrenhof Graz/Adeliges Jesuitenkonvikt 1597–1775: Detail des Portals mit Skulpturen-Schmuck von Veit Königer, 1768)
Mit dem Stiftungsbrief vom 12. November 1573 begründete Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, der bestrebt war, das geistige Rückgrat der ständischen Macht im Lande, den Protestantismus, zu brechen,vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 15. bei der Grazer Pfarrkirche St. Ägidius, dem heutigen Grazer Dom, das Kolleg mit der Lateinschule der Jesuiten als Gymnasium.Kirchengeschichte der Steiermark. Hrsg. von Karl Amon und Maximilian Liebmann, Verlag Styria, Graz 1993, S. 149, ISBN 3-222-12183-4.Homepage des Akademischen Gymnasiums Graz: 440 Jahre Akademisches Gymnasium GrazWerner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. Edition Strahalm, 7. Auflage, Graz 2013, S. 94, ISBN 978-3-9503597-6-3.
Als Dotation wurden vorwiegend Einkünfte und vorhandene Kirchengüter der leerstehenden Klöster Studenitz, Seitz und Geirach (jeweils im heutigen Slowenien) sowie Griffen in Kärnten, alle in der früheren Diözese Lavant liegend, gewidmet.Kirchengeschichte der Steiermark. Hrsg. von Karl Amon und Maximilian Liebmann, Verlag Styria, Graz 1993, S. 172, ISBN 3-222-12183-4. Die bedeutendste Dotation war jedoch der Besitz des von Kaiser Friedrich III. gegründeten St.-Georgs-Ritterordens unter Einschluss des einstigen Benediktinerklosters Millstadt in Kärnten.
Die Grammatikalklassen des Gymnasiums wurden bereits 1577 durch eine Poetik- und 1578 durch eine Rhetorikklasse (Humanitätsklassen) erweitert, die Schule umfasste damit sechs Klassen. Schon 1574 konnten hier 100 Schüler gezählt werden, 1577/78 waren es bereits 200, darunter auch Schüler aus Ländern außerhalb Innerösterreichs.
Als „Fortsetzung des Gymnasiums nach oben“ wurde am 1. Jänner 1585 die Universität Graz gegründet, doch erst am 14. April 1586 wurden Stiftungsbrief samt Zepter und Siegel dem Ordensprovinzial der Jesuiten und gleichzeitig dem ersten Rektor Pater Heinrich Blyssem SJ (1526–1586) in der St. Ägidius-Kirche feierlich überreicht. Beide Institutionen bildeten nunmehr eine Einheit, woraus sich auch die Bezeichnung Akademisches Gymnasium erklärt. Dieses wurde als facultas linguarum der Universität eingerichtet.Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums Graz 2012/2013. Hrsg.: Akademisches Gymnasium Graz. Selbstverlag des Akademischen Gymnasiums Graz, Graz 2013, S. 2.Seite Universitätsorganisation In: austria-forum.org, abgerufen am 1. Februar 2014.
mini|Wappenverzierte lateinische Bauinschrift am „Stöckl“ bzw. „Taubenkobel“, umgebaut 1619 mit kirchlicher Unterstützung (ehemaliges Schulgebäude des Akademischen Gymnasiums Graz, Hofgasse 10)Graz, Taubenkobel (Gymnasium), abgerufen am 2. Februar 2014.
Das Gebäude der Schule in der Hofgasse 10, das „Stöckl“ oder „Taubenkobel“ genannt wird, wurde vermutlich nach Entwurf von Salustio Peruzzi um 1570/52 für den Hofvizekanzler Wolf(gang) Schranz von SchranzeneggWerner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. Edition Strahalm, 7. Auflage, Graz 2013, S. 89, ISBN 978-3-9503597-6-3. erbaut, später von den Jesuiten übernommen und 1619 umgebaut,Hofgasse 10, Taubenkobel, abgerufen am 2. Februar 2014. wie die über dem Eingang angebrachte lateinische Bauinschrift besagt.vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 96a. Es zeigt die Mitren und Wappen der Diözesanbischöfe von Seckau und Laibach, der Äbte von Admont und St. Lambrecht sowie der Pröpste von Stainz und Vorau (siehe Bild rechts). Das Gebäude steht unter Denkmalschutz ().
Lehrer an der Schule waren zunächst ausschließlich Mitglieder des Jesuitenordens.vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 18 ff. Die „ratio studiorum“ maß der charakterlichen und wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer besondere Bedeutung zu. Sie verlangte von ihnen Gelehrsamkeit, Sorgfalt, Fleiß und Eifer in ihren Vorlesungen und Übungen sowie selbstverständlichen, unbedingten Gehorsam gegenüber dem Orden und ein uneingeschränktes Bekenntnis zur katholischen Lehre. Die religiöse Erziehung wurde als wesentlichste Aufgabe des Gymnasiums angesehen, doch ist es bezeichnend für die Weltoffenheit des Jesuitenordens, dass die Erfüllung dieser Aufgabe nicht so sehr durch Vermittlung religiösen Wissens als durch religiöse Übungen anzustreben war. Der religiöse Lernstoff beschränkte sich auf das Auswendiglernen des Katechismus und eine gründliche Kenntnis der Evangelien. Das Um und Auf des Unterrichtes war die lateinische Sprache, wobei jeder Unterrichtshalbtag mit einer Lateinstunde begann. Der Griechischunterricht setzte erst in der vierten Klasse ein.vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 19 ff.
Ab 1764 wurde die Muttersprache Deutsch zur Grundlage des Unterrichts der untersten Klassen erklärt.vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 29 f. Seit 1765 führte der Leiter des Gymnasiums den Titel „Gymnasialpräfekt“ gleich jenen Gymnasialvorständen, deren Anstalt nicht an eine Universität angeschlossen war.vgl. Ferdinand Tremel: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz. In: 400 Jahre Akademisches Gymnasium in Graz 1573–1973. Festschrift. Verlag des Akademischen Gymnasiums in Graz, Graz 1973, S. 30.
mini|links|Erste Seite der päpstlichen Aufhebungsurkunde des Jesuitenordens Dominus ac Redemptor noster in Latein und Französisch
Mit der Aufhebung des Jesuitenordens am 21. August 1773 durch das Breve (ein päpstliches Schreiben, das sich von einer Bulle außer durch seine Kürze auch durch die geringere Feierlichkeit unterscheidet) Dominus ac redemptor noster des Papstes Clemens XIV. (siehe Bild links), die in Österreich mit 10. September 1773, also während der Regentschaft Kaiser Josephs II., verfügt wurde, wurden Gymnasium und Universität in staatliche Verwaltung übernommen. Der „Entwurf zur Errichtung von Gymnasien in den k. k. Erblanden“ regelte ab 1775 die Beschaffenheit der höheren Mittelschulen, an denen Latein (zum Teil als Unterrichtssprache) ein Bestandteil des Lehrplans war. Das ehemalige Jesuitengymnasium wurde landesfürstlich und führte ab 1776 den Namen „Kaiserlich Akademisches Gymnasium“. Der Lehrplan umfasste Physik, Geometrie, Naturgeschichte, Rhetorik und Poetik, weiters auch noch die Fächer Geografie und Geschichte.
mini|hochkant|Schulkreuz des Akademischen Gymnasiums Graz mit Gravur: „Von den Studierenden des k. k. Obergymnasiums zu Graz gewidmet im Schuljahr 1862“, restauriert 2013Homepage des Akademischen Gymnasiums Graz: Religion (röm.-kath.) mini|Bürgergasse 15, Graz, vor dem Neubau des 1. k. und k. Staatsgymnasiums Graz (1889) mini|1. k. und k. Staatsgymnasium Graz (Neubau), Originalfotografie (um 1900) im Besitz des Akademischen Gymnasiums Graz