mini|300px|Wohn- und Jagdgebiet der Sauk vor 1650 Die Sauk oder Sac sind ein Indianer-Stamm der Algonkin-Sprachfamilie. Von den benachbarten Anishinabe wurden sie als Ozaagii(-wag) („Leute von der Bucht“) bezeichnet. Diesen Namen verballhornten die Franzosen und Engländer zu Sauk oder Sac. Ihr traditionelles Jagd- und Wohngebiet lag vor 1650 östlich, später westlich des Lake Michigan im heutigen US-Bundesstaat Wisconsin. Ihre Nachfahren leben überwiegend in den US-Bundesstaaten Oklahoma, Kansas und Iowa.

Name, Sprache und Territorium mini|300px|Karte der Großen Seen und deren Einzugsgebiet (grün) Die Sauk nennen sich selbst Othâkîwa, Thâkîwa, Thâkîwaki oder Asaki-waki (veraltete Transkription) („Menschen, die von der Bucht kommen, d. h. aus dem Wasser“). Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf ihre frühere Heimat am Huronsee, die Saginaw Bay, die wiederum ihren Namen von den Sauk bekam. Oftmals wird ihre Stammesbezeichnung auch als „Volk der gelben Erde“ wiedergegeben, dies lässt sich eventuell von den Sauk-Wörtern Athâwethiwa bzw. Athâw(i) („gelb“)Meskwaki-Sauk Color Words und Neniwaki („Männer“) herleiten, was dann später zu „Asaki-waki“ verkürzt wurde. Zudem waren die Meskwaki allgemein unter benachbarten Stämmen als „Volk der roten Erde“ bekannt – die Sauk und Meskwaki selbst verwendeten ebenfalls diesen Begriff als Êshkwîha bzw. Meshkwahkîha („Volk der roten Erde“).

Die Sauk/Sac sprechen zusammen mit den eng verwandten und verbündeten Meskwaki und Kickapoo eine gemeinsame Zentrale Algonkin-Sprache, die meist als Meskwaki (Fox-Sauk) (auch: Fox-Sauk-Kickapoo) bekannt ist. Ihre Dialektvariante namens Thâkiwâtowêweni steht hierbei der Dialektvariante MeskwakiatoweniMeskwaki Settlement School – Meskwakiatoweni (Meskwaki Language) der Meskwaki am nächsten und weist größere Unterschiede zum Dialekt der Kickapoo auf.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. S. 648.

Die Regierung der Vereinigten Staaten betrachtete die Sauk und Meskwaki irrtümlich als einen einzigen Stamm, weil sie sich in ihrer Kultur und Sprache sehr ähnelten. Dennoch war ihre Geschichte in der historischen Zeit durchaus unterschiedlich. Von 1733 bis etwa 1850 waren sie zwar durch eine Allianz verbunden, aus der sich jedoch zu keiner Zeit eine Union entwickelte. Die Sauk bestanden aus zwei politisch und administrativ unterschiedlichen Gruppen. Im frühen neunzehnten Jahrhundert trennte sich die Missouri-Band vom Hauptstamm, wurde von der Regierung offiziell als Sac und Fox of the Missouri anerkannt und bekam ein Reservat in Kansas. Der Hauptstamm wurde unter der Bezeichnung Sac- and-Fox of the Mississippi bundesstaatlich anerkannt. Zahlreiche Angehörige der Missouri-Band übertrugen ihre Zugehörigkeit dem Hauptstamm, als sie in Kansas lebten, doch der Rest blieb separat.

Die Sauk lebten zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern im nordöstlichen Wisconsin, wohin sie laut eigenen Angaben vor den Angriffen der Irokesen in den Biberkriegen geflüchtet waren. Ihr traditionelles Wohn- und Jagdgebiet lag im Tal Saginaw Rivers und an der Saginaw Bay, die Bucht der Sauk. Die sprachlichen und kulturellen Ähnlichkeiten lassen vermuten, dass sie einst mit den Meskwaki und Kickapoo zusammen zu einem Stamm gehörten. Möglicherweise gehörten auch die Shawnee als vierter Stamm dazu. Allerdings benutzten die Sauk als einzige das Kanu, eine Eigenschaft, die eher nördlichen Stämmen zugeschrieben wird. Mit dem Kanu erreichten sie um 1640 auf der Flucht vor den Irokesen die gegenüberliegende Seite des Michigansees südlich der Mackinacstraße und zogen ins Quellgebiet des Wisconsin Rivers westlich von Green Bay.Sauk and Fox History, abgerufen am 10. Februar 2013.

Die Region um Green Bay im nordöstlichen Wisconsin blieb bis 1733 ihre Heimat, bis sie als Verbündete der Meskwaki in einen Krieg mit den Franzosen verwickelt wurden. Beide Stämme mussten sich danach über den Mississippi ins östliche Iowa zurückziehen. Um 1740 zogen die Sauk zurück nach Wisconsin und siedelten am unteren Wisconsin River. Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts waren sie an der Mündung des Rock Rivers in den Mississippi zu finden. Ähnlich wie die Kickapoo und Meskwaki haben auch die Sauk als ehemalige Waldlandvölker wesentliche Züge der Präriekultur aufgenommen.

Externe Beziehungen Die Sauk und Meskwaki waren durch gemeinsame kulturelle Einrichtungen, häufige Mischehen und zeitweilige politische Allianzen miteinander verbunden. Im siebzehnten Jahrhundert bestanden auch mit den Potawatomi enge Beziehungen. Ihre ärgsten gemeinsamen Feinde waren die Stämme der Illinois-Konföderation; später am Mississippi standen sie den Dakota und Osage feindlich gegenüber.

Die Sauk hatten zunächst gute Beziehungen zu den Franzosen, bis sie durch ihre Allianz mit den Meskwaki kurzzeitig zu Gegnern der Franzosen wurden. Zu den Engländer pflegten sie gute Beziehungen. Nach Gründung der Vereinigten Staaten waren die Sauk durchweg zweigeteilt. Die konservative Fraktion stand den Amerikanern feindlich gegenüber, während sich die progressive eher freundlich oder neutral verhielt.

Kultur

Die vollständigste Beschreibung der Sauk-Kultur stammt aus der Zeit zwischen 1820 und 1830 von Thomas Forsyth (Indianeragent), Isaac Galland (Händler) und Morell Marston (Offizier). Die Aufzeichnungen betreffen sowohl die Kultur der Sauk als auch die der Meskwaki, da beide Kulturen sich in wesentlichen Merkmalen gleichen. Trotzdem gibt es einige Unterschiede, auf die sich dieser Beitrag schwerpunktmäßig bezieht.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. S. 649–650.

Lebensunterhalt Die Lebensgrundlage der Sauk bildeten Jagd, Fallenstellen, Ackerbau und Sammeln von Beeren und Wildkräutern. Offenbar wurde der Tagebau von Bleierz im Wesentlichen von den Meskwaki betrieben, doch zum Beispiel bei schlechten Maisernten beteiligten sich auch die Sauk an dieser Tätigkeit. Das Bleierz wurde bis auf Ausnahmen direkt an die Händler verkauft. Die Bleiminen lagen im Gebiet der heutigen Stadt Dubuque in Iowa. Die wichtigste jagdbaren Tiere, deren Felle als Handelsware dienten, waren Hirsche, Waschbären, Bisamratten und Biber. Neben Pelzen und Fellen handelten die Sauk mit Talg, Federn, Bienenwachs und Mais. Marston schätzte, dass die Saukfrauen über 300 Acres (rund 1,2 km²) Land in der Nähe ihres Hauptdorfs kultiviert hatten und jährlich rund 7000 bis 8000 Bushel (177.800 bis 203.200 kg) produzierten, wovon sie 1000 Bushel (25.400 kg) an Händler verkauften.

Häuser und Dörfer Die Sauk waren wie viele benachbarte Stämme halbsesshaft und unterhielten im Frühjahr und Sommer große ortsfeste „Sommerdörfer“ entlang der Flussniederungen, dort bewohnten die jeweiligen Klans gemeinsam genutzte Langhäuser oder Ôtêwenikâni („Sommerhaus“), und bauten vorwiegend Mais, Bohnen, Ahpenya (Kartoffel), Wînepitîhi (Squash), Wâpikoni (Kürbisse) und Wêshkihtâhi (Wassermelone) an. Das frische Gemüse wurde entweder roh oder gekocht gegessen oder für den späteren Verzehr getrocknet und gelagert. Auch der Nemêtha (Fisch) bildete eine bedeutende Lebensmittelgrundlage. Im Unterschied zu anderen Stämmen versammelte sich fast der gesamte Stamm in einem gemeinsamen Sommerdorf. Carver beschrieb 1766 ein Saukdorf, das aus 90 rindenbedeckten Langhäusern bestand. Er war stark beeindruckt von der „größten und bestgebauten Indianerstadt“, die er jemals gesehen hatte, und von ihren „geraden und breiten Straßen“. Im frühen neunzehnten Jahrhundert wirkte Saukenuk in der Nähe des heutigen Rock Island ebenfalls sehr beeindruckend auf Besucher. Das Saukdorf enthielt rund 100 Häuser mit einer Bevölkerung zwischen 2000 und 3000 Personen, manche Schätzungen reichen bis zu 4.000 Personen. Während des Herbsts und Winters unterteilten sich die Sauk in mehrere Bands und bewohnten im Pahkwayikâni („Winterhaus“) sog. „Winterdörfer“, diese entsprachen jedoch mehr mobilen Jagdlagern aus mehreren leicht zu errichteten Unterkünften, den Wîkiyâpi („Haus“ oder Wigwam). Während dieser Zeit machten sie Jagd auf Peshekethiwa (Hirsch), Mahkwa (Bär), Meshêwêwa (Wapiti und Elch)im American English wird mit der Bezeichnung "Elk" das Wapiti verstanden, der Elch wird als "Moose" bezeichnet; die Sauk unterschieden nicht zwischen diesen beiden Tierarten, erst in der heutigen Zeit adaptierten sie die amerikanische Bezeichnung für den Elch als Môthwa, Antilopen und kleineres Wild, später – nach ihrer Vertreibung aus dem Gebiet der Great Lakes – wurde die Jagd auf die riesigen Herden des Pakwachinenothwa / Pêhkinenothwa (Bisons/Büffels) immer wichtiger. Das Büffelfleisch konnte natürlich nicht alles sofort verzehrt werden und wurde deshalb zum Teil getrocknet und damit konserviert. Das getrocknete Fleisch wurde in Mörsern zerrieben, mit ebenfalls getrockneten wilden Beeren und Kräutern vermischt und mit ausgelassenem Fett zu einer festen Masse verbunden. Diese wohlschmeckende Dauernahrung hieß Pemmikan und war in weiten Teilen Nordamerikas bekannt.

Soziale Organisation Lineages Die Sauk und Meskwaki untergliederten sich in Patri-Lineages („einlinige Abstammungsgruppe bzw. Familiengruppe“) über die Väterlinie, deren Angehörige blutsverwandt miteinander (leibliche Verwandtschaft) sind. Einige umfangreiche Lineages können sich in größere (Großfamilien) und kleinere Teile (Kernfamilien) untergliedern. Kinder gehören immer zur Familie ihrer „Linie/Lineage“ – eine Lineage als Ganze enthält folglich nur die Hälfte aller Nachkommen, bei den Sauk folglich nur die ihrer männlichen („in der Linie des Vaters“) Angehörigen. Die Bezeichnung der einzelnen Lineages könnten aus Ableitungen der Klannamen ähnlich der bei den Meskwaki bestehen. In der Regel organisieren sich mehrere zusammengehörende Lineages als eigenständiger Klan, dessen Angehörige ihre gemeinsame Abstammung von einem mythischen oder sagenhaften Stammvater herleiten oder sich auf symbolische Totemtiere beziehen; die Sauk und Meskwaki scheinen Letzteres getan zu haben. Solche Abstammungsgruppen fungierten als eigenständige Solidaritäts- und Wirtschaftsgemeinschaft, verfügten meist über gemeinsamen Landbesitz und wohnten oft als Siedlungsgruppe zusammen. Da die Klans als patrilineal und exogam beschrieben werden, war daher nach der Heirat auf Grund der Wohnsitzregeln für das Ehepaar der Wohnsitz beim Mann (Virilokal – „am Ort des Mannes“, siehe: Patrilokalität) vorgeschrieben.

Klans Die Sauk unterteilten sich in zwölf exogame und patrilineale Mîthonî (Klans), die anhand Tiernamen (sog. „Familienabzeichen“) bzw. Totemtiere unterschieden und benannt wurden. Nach der Überzeugung der Sauk und Meskwaki bezeichnete das gleiche Totem die Blutsverwandtschaft in einem Klan, daher durften Klan-Mitglieder untereinander keine sexuellen Beziehungen eingehen, da dies für Inzest gehalten wurde. Man betrachtete sich als von einem gemeinsamen (patrilinearen) Urahn abstammend und damit als blutsverwandt.

Der oberste Stammeshäuptling kam stets aus dem Stör-Klan. Die wichtigsten Aufgaben der Klans und deren Methawihka (Klan-Mitglieder) waren die Ausübung von Ritualen im Zusammenhang mit dem Heiligen Bündel, die in halbjährigen Veranstaltungen stattfanden, sog. Kîkênôni oder Kîkênoweni (Klan-Feste). Wie bei den Meskwaki führte die Betonung der rituellen Aspekte der Klans zur Bildung religiöser Gesellschaften.