Das so genannte Mohrenhaus, auch Schloss Mohrenhaus, ist ein denkmalgeschütztes Herrenhaus in der sächsischen Stadt Radebeul. Es liegt auf einem großen, inzwischen bewaldeten Weinbergsanwesen im Stadtteil Niederlößnitz in der Moritzburger Straße 51/53. Das Gebäude wurde hauptsächlich durch die Baumeister Gebrüder Ziller erstellt. mini|Mohrenhaus, Gartenseite (zweigeschossiger Altan) mini|Mohrenhaus, Gartenseite (eingeschossiger Altan, links der Wintergarten, rechts noch kein Portalflügel), Foto von E. A. Donadini (um 1900)

Heute befinden sich dort eine Kindertagesstätte sowie ein offenes „Kinder- und Jugendhaus“ in der Trägerschaft des Deutschen Kinderschutzbunds, dessen Radebeuler Verwaltung sich dort ebenfalls befindet. Im ehemaligen Gärtnerhaus (Moritzburger Straße 53) befindet sich der Kinderhort „Gärtnerhaus“.

Das Mohrenhaus stand spätestens ab 1979 als Denkmal der Architektur unter Denkmalschutz. Es wurde bereits 1904 von dem Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt in seiner Fundamentalinventarisation der Kunstdenkmäler aufgeführt, noch vor dem Umbau durch Max Herfurt und Alwin Höhne, die insbesondere das mächtige Eingangsportal schufen. Gurlitt schrieb: „Ueber dem Kellereingang ein Kopf als Schlussstein (18. Jahrh.). Die Baulichkeiten gehören dem 19. Jahrhundert an.“Cornelius Gurlitt: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung, Theil 2: Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 26, C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1904, S. 134. (Digitalisat Niederlössnitz. Weitere Bauten. Moritzburger Strasse Nr. 45. Mohrenhaus. Blatt 147)

Beschreibung Das Anwesen, umgeben von Einfriedungsmauern einschließlich Toranlagen, ist ein großer Waldpark auf halber Höhe und auf der westlichen Seite der Moritzburger Straße, zwischen der Mohrenstraße im Süden und der Kottenleite im Norden. Der Waldpark liegt inmitten des Landschaftsschutzgebiets Lößnitz sowie des Denkmalschutzgebiets Historische Weinberglandschaft Radebeul; er steht als denkmalpflegerische Nebenanlage unter Schutz. Darin liegen mehrere als Baudenkmäler ausgezeichnete Bauwerke. Eine Gebäudegruppe, bestehend aus dem Mohrenhaus selbst mit angebautem Wintergarten sowie verbundenen Wirtschaftsgebäuden, liegt am oberen Ende einer Zufahrtsallee, die vom Tor an der südöstlichen Grundstücksecke schräg in das Gelände hineinführt. Westlich des Mohrenhauses stehen ein Gartenpavillon und weiter drinnen im Park eine Künstliche Ruine. Östlich und unterhalb des Mohrenhauses liegt direkt an der Moritzburger Straße das ehemalige Winzerhaus, später Gärtnerhaus (Moritzburger Straße 53).

Herrenhaus mini|links|Portalseite des Mohrenhauses mini|hochkant|Risalit und Eckturm, dahinter der Wintergarten Das Mohrenhaus ist ein burgartiges Herrenhaus im Stil der Neogotik, als deren repräsentatives Beispiel es im Dehio-Handbuch aufgeführt ist, speziell im Tudorstil. Der kräftige, zweigeschossige Kernbau mit schiefergedecktem Satteldach steht mit seiner Längsseite nach Süden ausgerichtet, wo er die sogenannte Gartenansicht zeigt. Auf der linken Seite nach Westen schließt sich der Wintergarten an; vor dem Übergang vom Kernbau zum Wintergarten steht der Eckturm. Auf der Nordseite des Gebäudes schließt sich im Westen ein eingeschossiger Verbindungsbau mit schiefergedecktem Walmdach zu den Wirtschaftsgebäuden an. Auf der Ostseite des Kernbaus verlängert sich die ehemalige Giebelwand nach Norden durch einen zweigeschossigen Flügelanbau, der somit die Ostfassade und mit dem dortigen mächtigen Portal eine zweite Prunkansicht erzeugt.

Die Gartenansicht besteht aus einer zweigeschossigen symmetrischen Fassade sowie dem die Südwestkante des Baus bildenden achteckigen Eckturm. Dieser ist fünf Geschosse hoch, oben schließt ihn ein Zinnenkranz mit neogotischem Zahnschnitt ab. Der Turm ist reich gegliedert, die schmalen Fenster sind teilweise spitzbogig, im Übergangsstück zur Zinne finden sich Dreipasse. Die zurückliegende Hauptansicht weist mittig einen breiten Risalit mit einem dachhohen Dreiecksgiebel auf; seitlich des Risalits befindet sich je eine Fensterachse. Der Risalit ist dreiachsig, was im sich verschmälernden Giebel durch ein Palladiomotiv aufgenommen wird, darüber durch ein kleines Rundfenster mit Dreipass. Vor dem Risalit steht ein zweigeschossiger Altan unten auf Pfeilern, oben auf Säulen, das massive Geländer als Säulenbrüstungen. Die Fenster werden durch profilierte Sandsteingewände umfasst, die verkröpften Verdachungen der äußeren Fensterachsen sind heute verschwunden. Vor der Südseite des Herrenhauses liegt eine Terrasse mit Freitreppen zum Garten.

mini|hochkant|Mohrenhaus, Eingangsportal mini|links|Bauzeichnung Portal, 1910/11 mini|hochkant|Blick vom höhergelegenen Pavillon auf den Wintergarten Die im rechten Winkel auf der Ostseite anschließende Portalansicht nimmt die ursprüngliche Kubatur des Satteldachgiebels auf und erweitert sie nach Norden zum Anblick eines Gebäudeflügels mit hohem Walmdach, auch wenn dieser schmäler ist als der Kernbau. Der vor der Giebelwand stehende dreigeschossige, polygonale Standerker wurde gespiegelt, dann kam zwischen die beiden turmartigen Begrenzungen mit Zeltdächern der Eingangsvorbau mit einem mächtigen Spitzbogenportal mit einem Austritt aus dem Obergeschoss. Über dem Portal befindet sich vor der Brüstung des Austritts eine große von Blättern und Weintrauben gerahmte Kartusche mit leerem Wappenfeld, die von zwei „lebensgroßen Mohrenknaben“ gehalten wird, dazu eine lateinische Datierung auf 1911. „Das Wappen war eine Idee des Eigentümers Alwin Bauer (Fabrikbesitzer und Landtagsabgeordneter), der 1910 die Erweiterung und Umgestaltung hauptsächlich des Ostflügels beim Dresdner Architekten Max Herfurt in Auftrag gab. Da Bauer nicht adlig war, sollte das Wappen wohl nur eine schmückende Funktion haben. Ein Blick auf die Bauzeichnung von 1910 verrät, dass zwei Schriftzeilen (nicht lesbar) auf dem Wappenschild vorgesehen, aber niemals ausgeführt worden waren, wie auch spätere Fotos erkennen lassen.“

Zur Innenausstattung der ursprünglich „phantasievoll gestalteten Räume“ gehören ein Orient- und ein Brunnenzimmer, eine „extravagante Lichtdecke aus der Jugendstilzeit“ und kunstvolle Stuckdecken. Dazu kommen „Holzverkleidungen, Geländer, das Schnitzwerk, farbige Fenstergläser und Parkettboden“, insbesondere der abgedeckte Intarsienparkettboden im „weißen Kaminzimmer“.

Der durch die beiden nördlichen Flügel gebildete Innenhof ist der ehemalige Wirtschaftshof. Während der Verbindungsbau auf der Westseite zu den Wirtschaftsgebäuden im Norden durchgeht und damit den Hof im Westen abschließt, wird die offene Ostseite durch eine Arkadenreihe gebildet. Von diesem Innenhof ist auf „der Nordseite […] ein malerisch bewegter Aufriss mit gestaffelter Dachlandschaft und turmartigen Vorbauten“ zu sehen.

Die an der Straßenecke im Südosten beginnende Zuwegung führt mit dem Blick auf die Gartenansicht direkt vor das Eingangsportal.

Wintergarten Vor dem Westgiebel des Kernbaus steht ein kurzer Übergangsbau, um den dort stattfindenden Geländesprung zu überwinden. Auf dem höherliegenden Gelände, und damit auf Höhe des Obergeschosses, schließt sich nach Westen der langgestreckte historische Wintergarten an, der später als Gartensaal diente und heute als Aufenthaltsraum genutzt wird. Dieser Baukörper ist schmäler als das Haupthaus, seine Südfront liegt in der Flucht der Gartenfassade, womit er diese über den Turm hinaus nach Westen verlängert. Zahlreiche Tudorbögen bilden die Südfront des Wintergartens.

Parkanlage mini|Mohrenhaus-Waldpark entlang der ansteigenden Mohrenstraße Der über fünf Hektar große, denkmalgeschützte Park zum Mohrenhaus ist ein weitläufiges verwaldetes Grundstück, das sich auf dem Westhang des Leimgrunds oberhalb der Moritzburger Straße zwischen Mohrenstraße und Kottenleite nach Westen erstreckt und um etwa 30 Höhenmeter auf die Ebenberge aufsteigt. Teile des Parks gehören zum Landschaftsschutzgebiet.

Es gibt dort einen öffentlichen Abenteuerspielplatz, einen Barfuß- und Naturlehrpfad, einen Beachvolleyplatz sowie ein Amphitheater.Kristin Genge: Anforderungen an Ferienangebote für chronisch kranke Kinder und Darstellung von Möglichkeiten der Angebotsentwicklung bei geeigneten Leistungsträgern. diplom.de, 2010, ISBN 978-3-8366-4083-1, S. 68.

Da das Areal von Norden nach Süden sowie von Westen nach Osten stark abfällt, wird das umfriedete Waldpark-Gelände an der Moritzburger Straße und an der eingeschnittenen Mohrenstraße durch hohe Bruchstein-Stützmauern abgefangen.

Gartenpavillon Das als Gartenpavillon zum Mohrenhaus geschützte Einzeldenkmal steht südwestlich der Südwestecke etwas erhöht über dem langgestreckten Wintergarten inmitten des verwaldeten Parks.

Der achteckige Pavillon ist auf fünf Seiten gemauert und öffnet sich etwa nach Südosten zum Garten durch drei nebeneinanderstehende Seiten, bestehend aus gusseisernen Tudorbögen. Obenauf sitzt eine achteckige, verschieferte Haube.

Zwischen April und September 2026 wurde der Pavillon saniert. Dabei konnten unter anderem die gusseisernen Stützen und Tudorbögen wiederhergestellt, der Sockels und der Stufen saniert, ein neuer Innen- und Außenputz aufgebracht und der Fußboden repariert werden. Der Gipsstuck in und unter der Kuppel wurde befundgerecht wiederhergestellt. Für die Zukunft ist eine Fertigung und Montage von Ziergittern und eines zweiflügeligen Tores geplant.

Künstliche Ruine Die Künstliche Ruine liegt westlich des Pavillons oberhalb eines Abhangs, der zur Südseite des Parks und zur dortigen Stützmauer abfällt. Auf einer halbrunden Bastion aus Bruchstein steht mittig eine scheinbar noch zweigeschossige Turmruine aus Bruchstein mit drei ziegelgemauerten, unterschiedlich hohen Rundbogenöffnungen, darüber ein Ziegelgurt als Geschossgesims. Im Obergeschoss ist eine kleine rechteckige Öffnung in die Bruchsteinwand gemauert.

Beidseits des Turmstumpfs stehen scheinbare Mauerreste, nach Osten mit einer rechteckigen Türöffnung.

Wirtschaftsgebäude, Remise Die nördlich sich um den Wirtschaftshof anschließenden Nebengebäude sind als zwei Einzeldenkmale geschützt, beide im Stil der Reformbaukunst. Auf der Westseite des Mohrenhauses, also zum Wald hin, liegt an einem Verbindungstrakt die Ecke eines eingeschossigen, hakenförmigen Gebäudes mit ziegelgedecktem Satteldach. Es enthielt die Ställe und die Waschküche.

Nördlich davon steht ein rechteckiger Bau mit Walmdach, die ehemalige Remise.

Winzerhaus, später Gärtnerhaus mini|Gärtnerhaus im Mohrenhaus-Park, Straßenseite

Das denkmalgeschützte Gärtnerhaus mit Wirtschaftsanbau, vormals ein Winzerhaus wohl mit Scheune, ist ein zweigeschossiger Bau mit einem ebenfalls zweigeschossigen Anbau in der Verlängerung nach Norden. Das Gebäude direkt unten entlang der Moritzburger Straße hat heute eine eigene Adresse (Moritzburger Straße 53).

Namensherkunft Einer Vermutung nach soll sich der Name für das Haupthaus, „Mohrenhaus“, herleiten von der frühneuzeitlichen Flurbezeichnung eines der beiden Weinberge des Areals namens die Mohrenköpfe. Dieser Name soll entstanden sein, weil von einer bestimmten Stelle im Tal aus zwei Hügel zu sehen sein sollten, die wegen des Buschwerks obenauf die Ähnlichkeit mit zwei Mohrenhäuptern mit Kräuselhaar gehabt haben sollen. Da das Grundstück heute verwaldet ist, lässt sich dies an der Natur nicht nachprüfen.