Das Festspielhaus Beethoven (auch Beethoven Festspielhaus Bonn) war ein Projekt in Ludwig van Beethovens Geburtsstadt Bonn. Nach einem Architekturwettbewerb mit internationaler Beteiligung bekundeten der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und die drei Vorstandsvorsitzenden der in Bonn ansässigen Sponsoren Deutsche Telekom, Deutsche Post und Postbank im April 2010, dass das Projekt „vorerst nicht weiter verfolgt werden“ soll. Die Deutsche Telekom und die Deutsche Postbank stiegen im Verlauf des Jahres endgültig aus dem Projekt aus. Der Rat der Stadt Bonn nahm am 24. November 2011 einen neuen Anlauf und beschloss, die Voraussetzungen für einen Neubau eines Festspielhauses zu klären. Nachdem der letzte Förderer Deutsche Post im Jahr 2015 aus dem Projekt ausstieg, galt das Vorhaben als beendet.

mini|Der „Diamant“, Ansicht vom Rhein, Entwurf 2009, Zaha Hadid, London mini|Die „Welle“, Luftbild, Entwurf 2009, Hermann & Valentiny, Remerschen

Geschichte Ludwig van Beethovens Geburtstag werde sich im Jahr 2020 zum 250. Mal jähren. Sieben Jahre später, 2027, ist Beethovens 200. Todestag. Vor diesem Hintergrund bekundeten im Frühjahr 2007 auf Initiative des Bonner Kulturrats die drei ortsansässigen Dax-Unternehmen (Deutsche Telekom, Deutsche Post, Deutsche Postbank), der Stadt ein Festspielhaus schenken zu wollen. Etwa 60 bis 80 Millionen Euro soll das Konzert-Gebäude kosten. Wesentlich für das geplante Projekt war der Strukturwandel der ehemaligen Hauptstadt Bonn hin zur Internationalität. „Karin Hempel-Soos vom Bonner KulturratDietmar Kanthak: Beethoven braucht ein robustes Mandat. In: Bonner Generalanzeiger, 8. September 2006, abgerufen am 25. Juli 2023. möchte den Konzertsaal auch gar nicht erst als eine lokale Einrichtung verstanden wissen – sondern als Konkurrenz zu großen Kulturmetropolen wie der Mozartstadt Salzburg“.Hans-Christoph Zimmermann: Bonn macht sich zur Kulturmarke. In: Welt am Sonntag, 22. Juli 2007.

Einen Grundsatzbeschluss zur Verwirklichung dieses Projektes fasste am 13. Juni 2007 der Rat der Stadt mehrheitlich. Darin wird die Verwaltung beauftragt, „die Gespräche und Verhandlungen mit den am Projekt ‚Festspielhaus Beethoven’ Beteiligten zu intensivieren, das Konzept für das ‚Festspielhaus Beethoven’ weiterzuentwickeln und auf dieser Grundlage die Errichtung eines hochkarätigen Konzerthauses in Bonn vorzubereiten.“Grundsatzbeschluss des Rates vom 13. Juni 2007. Beschlussvorlage DS.-Nr.: 0711588, Genehmigung/Freigabe durch OB Dieckmann / Amt 02 vom 23. Mai 2007, Memento vom Original bonn.de; abgerufen am 19. November 2022. Zum Standort heißt es in Punkt zwei des Grundsatzbeschlusses: „Gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen hält der Rat das Areal zwischen Beethovenhalle und Rhein als Standort für das ‚Festspielhaus Beethoven’ für geeignet.“ Unter Punkt vier beschloss der Rat die „als Anlage beigefügten städtebaulichen Rahmenbedingungen für das seitens der Deutsche Post World Net, Deutsche Telekom AG und Postbank AG beabsichtigte Architektenauswahlverfahren“. Und zu den Kosten heißt es unter Punkt sieben: „Die weiteren Planungen sind – u. a. durch eine optimale Projektstruktur – so zu gestalten, dass das Ziel, keine zusätzlichen Belastungen für den städtischen Haushalt zu veranlassen, möglichst erreicht wird.“

Standort mini|hochkant=2.5|Beethovenhalle – Nachtansicht

Im Grundsatzbeschluss des Rates der Stadt vom 13. Juni 2007 wird der Bereich der jetzigen Beethovenhalle als Standort für das geplante Haus präferiert. Verwaltung und Projektbeirat wurden darüber hinaus aufgefordert, in das weitere Verfahren neben dem favorisierten Areal Alternativstandorte einzubeziehen. Genannt wurden die Museumsmeile und die Gronau.

Hinsichtlich der Beethovenhalle heißt es in der Anlage zu dem Beschluss: „Das neue ‚Festspielhaus Beethoven‘ soll in unmittelbarer Nähe zur bestehenden Beethovenhalle errichtet werden. Hierbei sind planerische Lösungen für die Anbindung zum Komplex der bestehenden Beethovenhalle vorzuschlagen. Als Baufenster vorgesehen ist das östlich angrenzende Grundstück am Ufer des Rheins zwischen den Straßen Wachsbleiche im Norden und Theaterstraße im Süden.“Festspielhaus Beethoven-Städtebauliche Rahmenbedingungen und Zielsetzungen. Stadt Bonn, 20. Oktober 2009, PDF, Memento vom Original; abgerufen am 19. November 2022.

Elf mögliche Standorte prüfte danach die Bonner Stadtverwaltung, ob sie für die Errichtung des Hauses geeignet sind. Drei dieser Standorte werden in der Stellungnahme der Verwaltung für die Sitzung des Projektbeirates Festspielhaus vom 17. Dezember 2007 als geeignet bezeichnet. Dabei handelt es sich um den Standort Museumsmeile (Areal südlich der Kunst- und Ausstellungshalle) und um zwei Standorte im Bereich der Beethovenhalle – ein Standort westlich und ein Standort südöstlich der Halle. Ein Standort südlich der Beethovenhalle, dort wo sich das Studentenwohnheim Erzberger Ufer befindet, wurde als eingeschränkt geeignet bezeichnet. Vor dem Projektbeirat Festspielhaus sprach sich die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann dafür aus, das neue Konzerthaus in Ludwig van Beethovens Geburtsstadt auf dem Areal der Beethovenhalle zu errichten.

Im April 2008 vollzog Oberbürgermeisterin Dieckmann einen Schwenk: Das Festspielhaus sollte weder neben der Beethovenhalle oder gar an einem anderen Standort gebaut werden. „Das wäre mit 75 Millionen Euro nicht zu machen“,Bernd Leyendecker: Oberbürgermeisterin drückt beim Bonner Festspielhaus aufs Tempo. In: Bonner Generalanzeiger, 19./20. April 2008. zitierte sie der Bonner Generalanzeiger am 19./20. April 2008. Sie setze sich nun für eine „integrative Lösung“ ein. Danach sollten Außenansicht und Dach der Halle „weitgehend erhalten bleiben“, der Innenraum aber völlig umgebaut werden mit zwei Sälen und der Verlagerung des Haupteingangs zum Rhein hin. Zu diesem Konzept würden nun auch die Bauherren tendieren.

Ein halbes Jahr später erfolgte durch die Ankündigung der Stadt, dass sich „Elf international renommierte Architekturbüros aus den USA, Japan, Großbritannien, Italien, Österreich, Luxemburg und Deutschland um den Bau des Festspielhauses bewerben“, eine wichtige Präzisierung für das gesamte spätere Verfahren: „Prinzipiell sind drei Lösungen möglich: – Die Integrative Lösung mit einer in die alte Halle (Hülle) hinein gebautes neues Konzerthaus. – Ein Neubau nach Abriss der bestehenden Beethovenhalle. – Ein Neubau neben dem heutigen, 1959 errichteten und unter Denkmalschutz stehenden Konzertsaal“.World-Class-Architektur und First-Class-Akustik für Beethovens Festspielhaus. Stadt Bonn, 22. Oktober 2008, Memento vom Original; abgerufen am 19. November 2022.

Drei Monate nach der Wahl eines neuen Stadtrates und eines neuen Oberbürgermeisters im September 2009 teilte der Bonner Stadtdirektor Volker Kregel mit, der gleichzeitig städtischer Projektleiter für das Festspielhausprojekt war, dass es hinsichtlich des Standortes eine Alternativ-Planung gebe.Bernhard Hartmann: Kommt das Festspielhaus neben die Telekom-Zentrale? In: Bonner Generalanzeiger, 12. Dezember 2009. In Absprache mit Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch werde laut darüber nachgedacht, „die Entscheidung für den Standort auf dem Gelände der Beethovenhalle aufzugeben“. Als Alternativstandort nannte Kregel ein Grundstück neben der Telekom-Zentrale, auf dem sich derzeit noch das Landesbehördenhaus, das ehemalige Bonner Polizeipräsidium, befindet. In einer Stellungnahme vom Februar 2010 erklärte die Verwaltung, es gebe „keine Pläne zum Standortwechsel, sondern lediglich den Hinweis auf andere Optionen“.Stadtdirektor bringt einen „Plan B“ ins Spiel. Beethoven Festspielhaus Bonn, ehemalige Homepage der Festspielhausfreunde, Januar 2010, Memento vom Original; abgerufen am 19. November 2022.

Zwei Wochen später, am 19. Februar 2010, teilte Oberbürgermeister Nimptsch mit, dass „die Projektpartner jetzt Alternativen“ prüften, „die am Rhein liegen: am Alten Zoll, im Park zwischen Villa Hammerschmidt, Kanzlerbungalow und Palais Schaumburg. Und in der Rheinaue.“Ich glaube an das Kongresszentrum. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 19. Februar 2010. In der dem Projektbeirat im März 2010 vorgelegten „Ergänzenden Standortbewertung“ kam die Verwaltung für den Standort Rheinauenpark/Rheinpavillon zu der Bewertung „sehr eingeschränkt geeignet“, die drei anderen seien nicht geeignet.Erneute Prüfung: Standorte ungeeignet. Beethoven Festspielhaus Bonn, ehemalige Homepage der Festspielhausfreunde, April 2010, Memento vom Original; abgerufen am 19. November 2022.

Finanzierung Das künftige Beethoven Festspielhaus Bonn sollte auf zwei Säulen ruhen. Besitzer und Bauherr sollte eine von den drei Unternehmen, Deutsche Post AG, Postbank und Deutsche Telekom, noch zu gründende Objektgesellschaft sein. Die Objektgesellschaft hätte dann das Festspielhaus an eine ebenfalls noch zu gründende Stiftung, die die Konzerthalle betreiben soll, gestiftet.

Baukosten Die unterstützenden Unternehmen erklärten im Jahr 2007, die Kosten für den Bau des Festspielhauses in Höhe von 75 Millionen Euro übernehmen zu wollen.

Am 2. Februar 2008 berichtete Spiegel Online, dass das Zustandekommen dieser Zusage „ziemlich dubios“ gewesen sei – zumindest aus Sicht der Deutschen Telekom und ihrer Aktionäre. „Der Plan für das Millionengeschenk wurde nämlich“, so Spiegel Online weiter, „keineswegs im Telekom-Vorstand oder in der Marketingabteilung geboren. Die teure Idee kam von Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel“,Millionen für Beethoven. Spiegel Online, 2. Februar 2008. der am 15. Februar 2008, nach einer Razzia der Steuerfahndung, als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post zurücktrat.Der Rücktritt von Post-Chef Klaus Zumwinkel. Welt Online, 15. Februar 2008; abgerufen am 3. November 2022. Ebenfalls am 2. Februar beantwortet die Sprecherin des Bonner Kulturrats, Karin Hempel-Soos, im Bonner Generalanzeiger „die zehn wichtigsten Fragen rund um Bonns anspruchsvollstes Kultur-Projekt“.Bonn braucht einen Konzertsaal, der Beethovens würdig ist. Interview mit Ulrich Bumann in: General-Anzeiger (Bonn); 2. Februar 2008, abgerufen am 17. November 2022. Zu den Baukosten meinte Hempel-Soos: „Der Bonner Kulturrat hat im letzten Jahr mit vielen Architekten, Bausachverständigen und Akustikern gesprochen und sich davon überzeugen lassen, dass man mit 75 Millionen Euro bauen kann, gute Architektur und gute Akustik eingeschlossen“. Zu diesem Zeitpunkt lagen allerdings noch keine Architektenentwürfe vor, auf deren Grundlage eine erste Kostenschätzung möglich gewesen wäre. Wenig später lehnte es die OB ab, neben der Beethovenhalle oder an einem anderen Standort das neue Haus zu bauen, nicht zuletzt aus Kostengründen: „Das wäre mit 75 Millionen Euro nicht zu machen“.