mini|Siegfried Flügge (1961) Siegfried Flügge (* 16. März 1912 in Dresden; Sachsen; † 15. Dezember 1997 in Hinterzarten, Baden-Württemberg) war ein deutscher Physiker und ordentlicher Professor für Theoretische Physik.
Leben und Wirken Flügge studierte an der Technischen Hochschule Dresden und der Universität Göttingen, wo er 1933 bei Max Born mit einer Arbeit über den Einfluß der Neutronen auf den inneren Aufbau der Sterne promoviert wurde. Von Mai 1933 bis April 1935 war er außerplanmäßiger Assistent an der Universität Frankfurt am Main bei Erwin Madelung, von März 1936 bis August 1937 Hilfsassistent an der Universität Leipzig bei Werner Heisenberg sowie Friedrich Hund und von September 1937 bis Ende März 1942 planmäßiger Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem bei Otto Hahn und Lise Meitner.Bundesarchiv Berlin, R 4901/13262. 1939 wies er in der einflussreichen Veröffentlichung Kann der Energieinhalt der Atomkerne technisch nutzbar gemacht werden? in den „Naturwissenschaften“ (Band 27, 1939, S. 402–410)nachgedruckt in Wohlfahrt (Hrsg.) „40 Jahre Kernspaltung“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1979. Ein ähnlicher Aufsatz von Flügge aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 15. August 1939 ist in kommentierter und annotierter englischer Übersetzung in Klaus Hentschel (Hrsg.): Physics and National Socialism. an Anthology of Primary Sources, Basel: Birkhäuser 1996, S. 197–206. auf die technische Realisierbarkeit von Kernreaktoren und Atombomben hin. Unter anderem veranschaulichte er die bei der Kernspaltung frei werdende Energie dadurch, dass mit der aus der vollständigen Spaltung von einem Kubikmeter Urandioxid frei werdenden Energie ein Kubikkilometer Wasser 27 km hoch gehoben werden kann.Dabei setzte er eine Energiefreisetzung von 180 MeV pro Spaltung an, berechnet aus der Massendifferenz des Urankerns zu den bei der Spaltung entstehenden Radioaktivität, nach Flügge, Gottfried von Droste Energetische Betrachtungen zu der Entstehung von Barium bei der Neutronenbestrahlung von Uran, Zeitschrift für Physikalische Chemie B, Bd. 4, 1939, S. 274–280
Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Gottfried von Droste am deutschen Atomenergieprojekt. Nachdem er sich 1938 an der Universität Frankfurt am Main mit einer Arbeit über Wirkungsquerschnitte bei Reaktionen zwischen sehr leichten Atomkernen habilitiert hatte, wurde er am 6. Juli 1940 zum Dozenten für Theoretische Physik an der Universität Berlin berufen. Von April 1942 bis Ende März 1944 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost beschäftigt. Seit April 1944 mit der Vertretung des Lehrstuhls für Theoretische Physik an der Universität Königsberg betraut, wurde er dort im September 1944 zum beamteten außerordentlichen Professor ernannt. Nach Kriegsende war er zunächst als Privatdozent an der Universität Göttingen.
Von 1947 bis 1961 war er ordentlicher Professor an der Philipps-Universität Marburg. 1949/50 war er Gastprofessor an der University of Wisconsin–Madison und 1953 am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh. 1961 wurde er ordentlicher Professor für Theoretische Physik in Freiburg im Breisgau.
Als Direktor des Instituts für Struktur der Materie an der Universität Marburg distanzierte er sich in einem Leserbrief am 1. Juni 1957 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung von der Göttinger Erklärung. Über die Nutzung von Atomwaffen sollten nur Abgeordnete und nicht Physiker als Fachleute entscheiden.
Flügge forschte auf den Gebieten der theoretischen Kernphysik und Quantenmechanik, insbesondere zur Mesonentheorie der Kernkräfte und zur Streuung von Teilchen an Kernen. Sehr bekannt ist sein praktisches Lehrbuch Rechenmethoden der Quantenmechanik im Springer Verlag (zuerst 1947, unter Mitwirkung seines damaligen Assistenten Hans Marschall).
Seit 1955 war er Herausgeber des vielbändigen (54 Bände), von internationalen Autoren verfassten, Handbuchs für Physik.
Er war verheiratet und der Bruder des Ingenieurs und Mechanik-Professors der Stanford University Wilhelm Flügge.
Mitgliedschaften und Ehrungen 1963 Ehrendoktor der Universität Poitiers. 1969 Mitglied der Leopoldina
Veröffentlichungen (Auswahl) mit Krebs: Experimentelle Grundlagen der Wellenmechanik. 1936. mit Mattauch: Kernphysikalische Tabellen. 1942. Rechenmethoden der Quantentheorie. 2. Auflage. 1952; 3. Auflage (Taschenbuch) 1965. Theoretische Optik. 2. Auflage. 1948. als Hrsg.: Handbuch der Physik. 1955 ff. Lehrbuch der Theoretischen Physik. 4 Bände. 1961–1967. Practical Quantum Mechanics. 2 Bände. 1971. Wege und Ziele der Physik. 1974.
Literatur Flügge, Siegfried. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 318.
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Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Kernphysiker Kategorie:Hochschullehrer (Philipps-Universität Marburg) Kategorie:Hochschullehrer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Mann