Beim Kabelfernsehen werden Bild- und Tonsignale, insbesondere Rundfunkprogramme, über ein Koaxialkabel (Breitbandkabel) zu den Endkunden übertragen.
Geschichte Die ersten Fernsehübertragungen mittels Kabel führte die BBC Mitte der 1930er Jahre in London durch (siehe auch unten „Situation in einzelnen Ländern“).
Empfangstechnik mini|Alternativ werden bei HFC-Anschlüssen auch WICLIC-Steckverbinder verwendet Zum Empfang benötigt man ein Empfangsgerät, das die im Kabel genutzte Übertragungsnorm unterstützt. Früher war das PAL B/G, heutzutage ist das meist DVB-C. Das Empfangsgerät kann im Fernseher eingebaut sein, ein Beistellgerät sein oder eine Einsteckkarte/ein USB-Stick für den PC sein. Das Empfangsgerät wird mit einem geeigneten Kabel mit der Antennendose verbunden (meist Koaxialkabel RG-59).
Der prinzipielle Aufbau sieht folgendermaßen aus: Ein Koaxialkabel führt in die Wohnung. Es trifft auf eine Verteilerdose, die stellt drei Signale zur Verfügung: Klassische FM-Hörfunkempfänger: Downstream 85–111 MHz Internet und damit verbundene Dienste: Upstream 5–85 MHz und Downstream 111–864 MHz herkömmliches Kabelfernsehen: Downstream 111–864 MHz Klassische Hörfunkempfänger werden an die erste Buchse angeschlossen (Antennenbuchse weiblich, hohler Innenleiter) Internet und Telefon (VoIP) wird an die mittlere Buchse angeschlossen (F-Buchse) alternativ auch WICLIC-Steckverbinder Fernsehen an die dritte Buchse (Antennenbuchse männlich, massiver Innenleiter)
Diese Antennensteckdose wird gewöhnlich durch einen Techniker vom Kabelfernsehnetzbetreiber in der Wohnung installiert oder ist bereits in der Wohnung vorhanden.
Kosten Im Unterschied zum Antennen- und Satellitenfernsehen muss man für das Kabelfernsehen in der Regel Anschlussgebühren und für Spartenprogramme und private HDTV-Programme meist zusätzliche monatliche Abonnements-Gebühren bezahlen. Die Anschlussgebühr war in Deutschland bis 30. Juni 2024 häufig in den Mietnebenkosten enthalten, so dass der Empfang der ÖR-Programme (Hörfunk- wie HDTV-Fernsehprogramme) sowie vieler Privatprogramme (in SDTV-Qualität, HD gegen Aufpreis) möglich war. Dieses sogenannte Nebenkostenprivileg, also die Möglichkeit, den Kabelanschluss für alle Mieter eines Mehrparteienhauses über die Bruttomiete zu verrechnen, wurde in Deutschland nach einer Übergangszeit zum 1. Juli 2024 abgeschafft, womit seitdem die Mieter selbst entscheiden können, ob und über welchen Weg sie fernsehen wollen und ggf. selbst einen Vertrag mit dem Anbieter ihrer Wahl (DVB-T2, IPTV oder Kabelbetreiber) abschließen können. Unabhängig davon ist die Rundfunkabgabe zu entrichten (Deutschland: Rundfunkbeitrag (bis 2012: GEZ); Österreich: ORF-Beitrags Service (bis 2023: GIS); Schweiz: Serafe (bis 2018: Billag)).
Programmangebot Zu Beginn wurde neben dem analogen Fernsehsignal auch ein analoges UKW-Hörfunkangebot im Band II über das Kabel übertragen. In den bis mindestens 450 MHz ausgebauten Netzgebieten wird im Hyperband (Sonderkanäle beginnend mit S21) auch ein digitales Angebot (siehe auch Angebot von DVB-C) in Form digitaler Senderpakete beziehungsweise Bouquets bereitgestellt. Das digitale Fernsehen hat die alte analoge Übertragungsart bis 2019 weitestgehend abgelöst (siehe Analogabschaltung). Zum Empfang der in den digitalen Angeboten übertragenen Fernseh- und Hörfunkprogramme wird ein Digitalreceiver benötigt – oft eine Set-Top-Box, bei neueren Fernsehern ist der Empfänger meist bereits eingebaut (siehe IDTV) –, der die im DVB-C-Standard codierten Signale für die Wiedergabe umsetzt. Zum Empfang von Bezahlfernsehen wie Sky, den Privatsendern allgemein bei einigen Anbietern, den HDTV-Varianten vieler Sender, Kabel Digital Home oder KabelKiosk wird zusätzlich eine Smartcard benötigt.
Jedoch ist DVB-T und DVB-T2 durch seine Technik und in Bezug auf die Anzahl der Sender in einigen Städten eine kostengünstige Alternative zum Kabelfernsehen geworden und viele Empfänger unterstützen aufgrund der technischen Ähnlichkeit ohnehin beide DVB-Standards. Daher waren die Kabelfernsehanbieter verstärkt dazu gezwungen, ihre Netze für den Kunden durch die Digitalisierung mit dem gleichzeitigen Ausbau ihres Angebotes attraktiver zu machen. Beim Kabelfernsehen werden die digitalen Signale zentral im Playoutcenter oder dezentral in der Kopfstation in analoge Fernsehsignale – meist in PAL – oder in DVB-C-Signale umgesetzt.
Technisch ist die Übertragung von DVB-T und DAB-Radio über ein Kabelfernsehnetz problemlos möglich. Jedoch wird diese Option in der Regel nur bei Gemeinschaftsantennenanlagen aus Kostengründen genutzt.
Bei Fernsehern, die nur beim DVB-T-Empfang eine Versorgungsspannung von 5 V an der Antennendose für einen Antennenverstärker zur Verfügung stellen können, ist es mittels eines zusätzlichen automatischen Umschalters (Relais) möglich, wahlweise Kabelfernsehen oder DVB-T über eine zusätzlich vorhandene DVB-T-Antenne zu empfangen.
In Deutschland wurden häufig von großen Kabelfernsehanbietern UKW-Radio, ARD, ZDF und die lokalen Fernsehsender über analoges Kabelfernsehen als kleine Grundversorgung sehr preisgünstig auf Nachfrage angeboten. Hier wurde mit Hilfe von (Sperr-)Filtern, die sich im Verteilsystem oder in der Kabeldose befinden, die Bandbreite des Kabelanschlusses technisch begrenzt und damit das zusätzliche Angebot ausgesperrt. Mit der Einführung von DVB-C in den Kabelnetzen wurde dies teilweise mit einer Grundverschlüsselung realisiert.
Radioempfang Das Kabelfernsehen kann auch Rundfunksender verbreiten.
Analoges UKW-Radioangebot Im Frequenzbereich von 87,5 MHz bis 108 MHz (VHF-Band II, in einigen Ländern abweichend, siehe OIRT-Band) wird auch ein analoges UKW-Radioangebot im Kabel übertragen. Zum Empfang dieser Radiosender kann jeder handelsübliche UKW-Radioempfänger mit einem 75 Ohm-Antennenanschluss (gemäß IEC 60169-2) für externe UKW-Antenne genutzt werden. Es ist nur eine Verbindung des Antennenanschlusses am UKW-Empfänger mit der entsprechenden Anschlussbuchse an der Kabelanschlussdose mit einem Antennenkabel erforderlich. Die Anschlüsse des Antennenkabels sind die gleichen wie bei dem Fernseh-Antennenkabel. Durch die Umkehrung von Stecker und Kupplung bei den Anschlüssen ist die Verlegerichtung zum Fernsehkabel umgekehrt. Die gleichen Kabeltypen wie beim Fernsehempfang können auch für den Rundfunkempfang verwendet werden. Einige ältere UKW-Empfänger, die statt eines koaxialen Antennenanschlusses einen Anschluss für das symmetrische 240 Ohm-Bandkabel haben, brauchen zusätzlich noch ein Empfänger-Symmetrierglied oder eine Radioantennenweiche mit einem integrierten Symmetrierglied für den symmetrischen UKW-Antennenanschluss.
Einige Netzbetreiber haben das analoge UKW-Radioangebot 2018 (so der größte Anbieter VodafoneÜbersichtsseite von Vodafone) bereits eingestellt. Im Unitymedia-Kabelnetz wird der UKW-Bereich weiterhin genutzt. Geplant ist diese Abschaltung ab Frühjahr 2022 und soll bis zum Februar 2023 komplett umgesetzt sein.
Digitales Radioangebot über DVB-C Neben dem analogen Programmangebot über UKW ist auch die digitale Übertragung von Radioprogrammen über DVB-C in hoher Qualität möglich. Vor dessen Einführung wurde das DSR-Radiopaket im Kabel übernommen. Da die Übertragung mittels DVB-C auch verschlüsselt möglich ist, kann DVB-C für die Übertragung von zusätzlichen kostenpflichtigen Radioprogrammen (Pay-Radio) verwendet werden, was von Sky (eingeschränkt) genutzt wurde und von vielen Kabelnetzbetreibern genutzt wird. Die unverschlüsselte Einspeisung aller Radioprogramme der ARD über DVB-C erfolgte, obwohl mit geringem technischen Aufwand möglich, lange Zeit nur durch die wenigsten Kabelnetzbetreiber. Seit Sommer 2008 werden alle öffentlich-rechtlichen Radiosender digital und unverschlüsselt im digitalen Kabelnetz von Kabel Deutschland übertragen. Inzwischen sind digitale Radioprogramme bei allen Netzbetreibern verfügbar.
Empfangsmöglichkeiten bieten z. B. alte, für Kabelfernsehen geeignete Set-Top-Boxen, die über analoge Cinch-Stecker mit vorhandenen AUX-Eingängen der HiFi-Anlage verbunden werden. Auch die Auskoppelung des Tonsignales aus einem SCART-Stecker ist mittels Adapter möglich. Alternativ eignen sich auch digitale S/PDIF- oder TOSLINK-Anschlüsse zur Übertragung von Rundfunkton zur HiFI-Anlage. Seit 2017 sind auch spezielle Kabelempfänger (DVB-C Radio Tuner) für Rundfunkempfang von TechniSat und Vistron erhältlich.
Digitalisierung des Kabelfernsehens mini|Logo des digitalen Kabelfernsehens „DVB-C“
Die erste digitale Fernsehübertragung im Kabelfernsehnetz gab es bereits 1989 mit der Einführung des D2-MAC-Standards, der sich jedoch nicht durchgesetzt hat.
Schrittweise erfolgte die Einführung von digitalen Zusatzdiensten (Internet, Telefonie usw.) und die Umstellung von analoge auf digitale Bildübertragungsverfahren, dabei wurden analoge und digitale Signale viele Jahre parallel über das Kabel übertragen. Erst 2019 wurde die analoge Verbreitung komplett in Deutschland eingestellt. Über Satellit und Antenne wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie den meisten Ländern weltweit nur noch digital ausgestrahlt (siehe Analogabschaltung). Durch den Einsatz von digitalen Datenübertragungsverfahren wie DVB-C und DVB-C2 lässt sich die aus technischen Gründen begrenzte Bandbreite im Kabelfernsehen wirtschaftlicher nutzen, weil durch diese digitalen Übertragungsverfahren die Bildqualität gesteigert werden kann und mehr Sender im vorhandenen Frequenzspektrum gleichzeitig übertragen werden können. In der Regel sind die verschiedenen analogen und digitalen Angebote je nach Vertragsverhältnis und Anbieter verfügbar. Es wurden viele Programme von digitalen Übertragungswegen, als digitale Signalzuführung in den Kopfstationen des Kabelfernsehens noch in analoge Rundfunksignale für das Kabelnetz umgesetzt.
Empfangsgeräte Der Empfang des digitalen Kabelfernsehens setzt einen DVB-C-Tuner für einen Fernseher voraus. Neuere Fernseher haben digitale Tuner für DVB-C, DVB-S und DVB-T eingebaut sowie CI-Interfaces für Smartcards zum Entschlüsseln von Bezahlsendern. Ältere Fernseher brauchen eine Set-Top-Box (STB), auch als Digitalreceiver oder Kabelbox bekannt. Mit einem DVB-C-Tuner können meist auch digitale Radioprogramme, die meist ebenfalls mit DVB-C übertragen werden, empfangen werden.
Das in Deutschland bekannteste Gerät für das digitale Fernsehen war die d-box, die es auch für Kabelfernsehen gab. Da dieses Gerät nicht mehr weiterentwickelt wurde (die Produktion wurde 2001 eingestellt), haben regionale Kabelfernsehbetreiber ihren Kunden weiterentwickelte Set-Top-Boxen (je nach Vertragsart auch subventioniert) angeboten. Diese Geräte müssen aber nicht für Sky geeignet sein. Jeder Verbraucher kann auch eigenständig einen für DVB-C geeigneten Digitalreceiver im Fachhandel erwerben und anschließen.
Analog wurde in Deutschland kein HDTV-Signal verbreitet. Ältere Fernseher sind zwar oft HDTV-fähig, haben aber oft nur einen Analogempfänger. Erst mit einer für HDTV ausgelegten Set-Top-Box kann mit diesen alten Fernsehern HDTV empfangen werden.
Viele digitale Programme (Bezahlfernsehen) werden verschlüsselt im Kabelfernsehen übertragen und sind nur nach einer zusätzlichen Freischaltung mit einer Smartcard und kostenpflichtigen Zusatzangeboten empfangbar. Um verschlüsselte Programme freischalten zu lassen, muss in den Kartenleser die passende Smartcard des Anbieters eingesteckt werden.
Digitale Fernseher können die DVB-Signale mittlerweile direkt empfangen und brauchen keine separate Set-Top-Box mehr. Diese Fernseher sind Standard im Handel. Eine Set-Top-Box kann gemeinsam mit einer Smartcard in der Regel nur ein Fernsehprogramm dekodieren, so dass beim Einsatz von digitalen Videorekordern häufig eine weitere Smartcard und eventuell CI-Interface für den Decoder erforderlich ist, um weitere verschlüsselte Programme aufzunehmen.