mini|hochkant|Dorfstraße mit Brunnen Vœgtlinshoffen () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Kanton Wintzenheim im Arrondissement Colmar-Ribeauvillé.

Geographie Die Gemeinde liegt im Oberelsass auf Höhe an der Elsässer Weinstraße am Rand der Vogesen, etwa zehn Kilometer südwestlich von Colmar und sechs Kilometer südsüdwestlich von Wintzenheim. Das 3,99 km² umfassende Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.

Das Winzerdorf verfügt am südexponierten Rebhang zwischen Voegtlinshoffen und Gueberschwihr über eine-Grand-Cru-Lage (Hatschbourg).

Geologie Im Osten erstreckt sich die Gemarkung über eine flache Hügelzone, deren Untergrund aus Schichten der tertiären Rheingrabenfüllung besteht. Den Untergrund der Rebbergzone über dem Dorf bildet weithin eine Jurakalkscholle. Für den bewaldeten Steilanstieg des Geländes sind die harten Bänke des Buntsandsteins verantwortlich. Dahinter folgt westwärts ein Mosaik von Muschelkalk- und Keuperschollen. Diese Schollen sind bei der Entstehung des Oberrheingrabens in dessen Randbereich abgesunkene Bruchstücke des einst auch Vogesen und Schwarzwald bedeckenden Deckgebirges. Die Vorbergzone der Vogesen wird von einer großen, die Bumat in NO-SW-Richtung querenden Verwerfung gegen das hier aus Granit bestehende Grundgebirgsmassiv der Vogesen abgegrenzt.

Geschichte Auf der Flur „Altklösterle“ wurden bedeutende Spuren eines altsteinzeitlichen Wohnplatzes entdeckt.

In einer vom Straßburger Bischof Heinrich I. 1188 ausgefertigten und dem Stift Marbach ausgehändigten Urkunde wird ein Ödalrico von Vocelineshoven genannt.Urkunden und Akten der Stadt Straßburg. Hrsg. mit Unterstützung der Landes- und der Stadtverwaltung. Verlag Karl J. Trübner, Strassburg 1879–1900. Teil I: Urkundenbuch der Stadt Straßburg. Band 4, 1. Hälfte (1898): Nachträge und Berichtigungen zu Band I–III gesammelt von Wilhelm Wiegand, Register zu Band II, III und IV,1 bearbeitet von Aloys Schulte und Wilhelm Wiegand, S. 6–7, Ziffer 9 (Google Books). Weitere ältere Ortsbezeichnungen kommen vor als Walchilshove (1212), Vochelmisheim (1222), Walchilnshove (1265), Walchilshove (1265), Vochilishofen (1298), Fockelinishoven (13. Jh.), Vokelinshofe ... Vögkelinshoven (14. Jh.), Vöckelshoffen (1424), Vöchliszhoffen ... Vöklinszhoffen (1433), Vockliszhöuen (1487), Fockelszhouen (1488), Feckelszhoffen (1439) und als Hadstat cum filia Voglishouen (1441).Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band II: Ober-Elsass, Friedrich Bull, Straßburg 1881, S. 683–684 (Google Books). Topographisches Wörterbuch des Ober-Elsasses – die alten und neuen Ortsnamen enthaltend, Georg Stoffel (Hrsg.). Zweite Auflage, Barth, Colmar 1876. S. 573, rechte Spalte (Google Books) 1890 wurden südlich des Dorfs auf der Flur ‚Altes Klösterle‘ in Richtung Geberschweier Gold- und Silbermünzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden.August Hertzog: Der Vöklinshofener Münzfund. In: Mittheilungen der Gesellschaft für Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler im Elsass, II. Folge, Band 15, Straßburg 1892, S. 328–333 (Google Books). Im Dreißigjährigen Krieg suchten die Truppen des in französischem Dienst gegen die Kaiserlichen stehenden Bernhard von Sachsen-Weimar das Dorf heim.

Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Besitz und weltlichen Herrschaftsbereich des Bischofs von Straßburg. Im Streit mit diesem wurde der befestigte Friedhof 1298 durch den Grafen von Pfirt zerstört. 1460 gelangte der Ort durch Kauf in den Besitz der Habsburger, die ihn als Lehen den Herren von Hattstatt übereigneten. Von diesen kam er 1585 als Lehen an die Schauenburger, die erst in der Revolution auf ihre Ansprüche verzichten mussten. Im Westfälischen Frieden 1648 ging der Ort mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone, was im Rahmen der Réunionspolitik Ludwigs XIV. 1680 durch die Réunionskammern in Breisach und Metz bekräftigt wurde.

Durch den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 kam das Gebiet an das deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen, und das Dorf wurde dem Kreis Colmar im Bezirk Oberelsass zugeordnet. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Region aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1919 an Frankreich abgetreten werden. Im Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 die Schikanen der Naziherrschaft. Voegtlinshoffen wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 4. Februar 1945, zwei Tage nach Colmar, durch Truppen der 1. französischen Armee unter General de Lattre de Tassigny von der Naziherrschaft befreit. Dies geschah im Zuge der Endoffensive der Alliierten gegen den von den Deutschen noch immer hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar).

Am 1. Januar 1996 wurde der Name von Vœgtlinshofen in Vœgtlinshoffen geändert.

Demographie

+ Anzahl Einwohner seit 1945 Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2014 Einwohner 433 434 387 392 446 478 531 534 Cassini und INSEE

Bauwerke Die Sankt-Nikolauskirche (Église Saint-Nicolas) wurde 1788 geweiht und besitzt eine beachtenswerte barocke Innenausstattung (aus Marbach und anderen Gotteshäusern), Das Hochaltargemälde von Franz Carl Stauder. Zwei spätromanische Weihwasserbecken (aus Marbach).

Von der 1115 geweihten Abteikirche Marbach sind nur geringe Reste vorhanden (ein Teil der Westwand, dessen Portal, eine Doppelpforte, ein Teil der gotischen Chorapsis). Zwei Pfeiler des romanischen Kreuzgangs. Skulpturenreste am Ort und in elsässischen Museen. Die Klosterbauten wurden im 19. Jahrhundert als Steinbruch benützt. Erhalten hat sich die Klostermauer; unteres Tor 1492, oberes Tor romanisch.

Infrastruktur Durch die Lage unmittelbar an den Vogesen erfolgt die Verkehrsanbindung hauptsächlich in Richtung Osten zur D 83 bzw. noch weiter östlich zur A 35.

Regelmäßige Veranstaltungen Am letzten Wochenende des Monats Juni findet das Dorffest statt.

Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1337–1338.

Siehe auch Liste der Monuments historiques in Vœgtlinshoffen

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Grand Est Kategorie:Weinbauort in Frankreich