Ruppichteroth [] (Betonung auf der ersten Silbe) ist eine Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis rund 30 Kilometer östlich von Bonn im Süden Nordrhein-Westfalens, 18 Kilometer vor der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Sie entstand am 1. August 1969 aus der Zusammenlegung der Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid.
Geographie mini|links|Das Dorf Ruppichteroth 1900 mit den ehemaligen Ortsteilen links|mini|Luftaufnahme von Ruppichteroth Ruppichteroth liegt im Bergischen Land, vom Siegtal durch die Nutscheid getrennt. Ruppichteroth wird auch als Bröltalgemeinde bezeichnet, da sich hier die Bröl und der Waldbrölbach vereinen. Höchste Erhebung ist der Gold-Berg ().
Nachbargemeinden Ruppichteroth grenzt im Süden an die Gemeinden Windeck und Eitorf, die Stadt Hennef im Süd-Westen, die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid im Nordwesten, sowie an die Gemeinde Much im Norden. Im Osten schließt der Oberbergische Kreis mit der Gemeinde Nümbrecht und der Stadt Waldbröl an Ruppichteroth an.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat drei Hauptorte: Ruppichteroth, Schönenberg und Winterscheid. Die heutigen Ortsteile sind unten gelistet.
Frühere Ortsteile sind Bettringen, Buch, Durchhausen, Felderhof, Heide, Höfferhof, Huppach, Schellenbroch, Sieferhof, Stein, Tüschenhohn und Wilkerotherhof.
Das Rathaus der Gemeinde befindet sich mittig zwischen den früher eigenständigen Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid im Ortsteil Schönenberg.
Geschichte mini|links|Blick aus der Burgstraße auf den Turm von St. Severin mini|links|Ehemalige Evangelische Schule Nach den karolingischen Teilungen im Vertrag von Verdun 843 gehörte das Gebiet Bauernschaft Ruppichteroth zum Auelgau. Diese existierte damals wahrscheinlich schon, da der Ortsname auf eine in der Rodezeit entstandene Siedlung hindeutet. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung erfolgte jedoch erst am 31. März 1131 in einer Urkunde des Papstes Innozenz II., in der dem Bonner Stift St. Cassius und Florentius der Besitzanspruch am Kirchspiel Ruppichteroth bestätigt wird.Wilhelm Kaltenbach: Besiedelung, Entstehung und Entwicklung des Kirchspiels Ruppichteroth. In: Harry Hendricks: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit. Erster Band. Ruppichteroth 1977, S. 13. Innerhalb der späteren territorialen Gliederung kam das Amt Blankenberg – zu dem Ruppichteroth damals gehörte – in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1806 zur Grafschaft, bzw. Herzogtum Berg.
Im Zuge der französischen Neuordnung des Rheinlandes wurde das Amt aufgelöst und die Umgebung in Arrondissements aufgeteilt. Das Amt Blankenberg fiel an das Herzogtum Cleve. Napoleons Schwager Joachim Murat wurde als Herzog eingesetzt, das Herzogtum selbst kurz danach zum Großherzogtum erhoben. 1806 bzw. 1808 wurde das Kirchspiel Ruppichteroth mit dem Kirchspiel Winterscheid zur Munizipalität Ruppichteroth zusammengelegt, die dem Kanton Eitorf unterstellt war. 1808 wurde Murat König von Neapel und das Großherzogtum wurde direkt Napoleon Bonaparte unterstellt.
Nach den Befreiungskriegen wurde 1815 aufgrund der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress das Rheinland und damit Ruppichteroth dem Königreich Preußen zugeordnet. Ruppichteroth wurde 1816 Sitz der gleichnamigen Bürgermeisterei, deren Verwaltung auch die eigenständige Gemeinde Winterscheid unterstand. Ebenfalls 1816 bildeten die Preußen den Kreis Uckerath, der bereits 1820 aufgelöst und dem Kreis Siegburg zugeordnet wurde.
1830 gab es in der Gemeinde Ruppichteroth 3848 Einwohner, die Rittersitze Junkersaurenbach und Burg Herrnstein, jeweils drei Getreide- und Ölmühlen, eine Ziegelei, drei Kalkbrennerhütten und eine Eisenhütte, zwei Kaufläden, zwei Gasthöfe und 30 Schenken. Von den 17.500 Morgen Land waren aufgrund des hohen Holzverbrauches für die Hütten nur noch 33 Morgen Hochwald vorhanden, 5000 Morgen Niederwald und 4000 Morgen Heide. An landwirtschaftlicher Fläche fielen für Feldfrüchte 6600 Morgen an, für Gemüsegärten 120 Morgen und für Obstanbau 22 Morgen. Daneben gab es noch 28 Morgen Teiche.
mini|Links das kaiserliche Postamt 1912, daneben Werk I der Fa. Willach, später Huwil Ruppichteroth ist seit jeher land- und forstwirtschaftlich geprägt. Die Industrie fasste erst spät Fuß im Ort. Aus einem 1889 entstandenen Betrieb der Brüder Hugo und Otto Willach entwickelten sich zwei Betriebe, die heute im Bereich Schlösser und Beschläge weltweit führend sind.
Der Zweite Weltkrieg forderte einige Menschenleben. Neben Frontsoldaten aus der Gemeinde kamen auf Gemeindegebiet in den letzten Kriegsjahren auch einheimische Zivilisten, Fremdarbeiter, alliierte und deutsche Militärpersonen um. Vom 7. April bis 9. April 1945 wurde Ruppichteroth von amerikanischen Soldaten erobert. Nach Kriegsende gehörte Ruppichteroth zur britischen Besatzungszone.
mini|Ortskern in Winterscheid Am 23. September 1955 stürzte das belgische Kampfflugzeug FZ 139 vom Typ Thunderjet im Rahmen einer länderübergreifenden Militärübung im Ortsteil Ahe ab. Dabei starb der Pilot und mehrere Häuser wurden teilweise oder komplett zerstört. Am 1. August 1969 entstand mit §18 Bonn-Gesetz die heutige Gemeinde Ruppichteroth durch die Fusion der Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid.
Einwohner 1811 hatte der Ort Ruppichteroth mit Huppach 92 katholische und 82 lutherische Einwohner. Die Spezialgemeinde, früher Kirchspiel, bestand aus der Commüne Ruppichteroth mit 757 katholischen, 295 lutherischen, 67 reformierten und 16 jüdischen Einwohnern sowie der Commüne Velken mit 777 katholischen und 202 lutherischen Einwohnern. Die zur Gesamtgemeinde dazugehörende Spezialgemeinde Winterscheid hatte in ihren drei Commünen 1152 katholische und 17 lutherische Einwohner. Die Gesamteinwohnerzahl der Gemeinde lag somit bei 2304 Einwohnern. Am 31. März 2016 lebten im Hauptort Ruppichteroth alleine 2758 Einwohner, mit allen Ortsteilen hatte die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt 11.108 Einwohner.Wolfgang Eilmes: Bilderbuch Ruppichteroth. Eigenverlag, Ruppichteroth 2016, S. 124. Auskunft Einwohnermeldeamt Ruppichteroth.
Jahr Einwohner 1811 2304 1830 3848Karl Schröder: Die industrielle Entwicklung der Gemeinde Ruppichteroth. In: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit. Bd. II, S. 285. 1894 4034Einwohner-Adressbuch Siegkreis 1894 1910 4115Einwohner-Adressbuch Siegkreis 1910
Religion Christentum mini|hochkant|St. Severin Ruppichteroth
Die Kirche St. Severin ist die katholische Pfarrkirche in Ruppichteroth. Sie wurde am 31. März 1131 erstmals erwähnt und vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet. Der Chor wurde ursprünglich im 15. und 16. Jahrhundert angebaut. Im Jahr 1892 wurde das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgerissen und anschließend neu gebaut, der Turm blieb erhalten. Am 10. September 1893 wurde die Kirche neu geweiht.Die Katholische Pfarrkirche St. Severin in Ruppichteroth. Pastoralbüro Ruppichteroth, abgerufen am 16. Juli 2025.
mini|hochkant|links|Ev. Kirche Ruppichteroth Die Evangelische Kirche in Ruppichteroth wurde im Jahr 1683 gebaut und im Jahr 1863 umfangreich umgestaltet.
mini|hochkant|St. Maria Magdalena Schönenberg Die katholische Kirche St. Maria Magdalena liegt auf einem Bergsporn im Ortszentrum von Schönenberg. Sie wurde im Jahr 1517 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Die Kirche gehörte lange Zeit dem Adelssitz Herrenbröl; erst im Jahr 1866 wurde Schönenberg zu einer eigenen Pfarrei erhoben.Die Katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Schönenberg. Pastoralbüro Ruppichteroth, abgerufen am 16. Juli 2025.
mini|links|hochkant|St. Severatius Winterscheid Die katholische Kirche St. Servatius im Ortsteil Winterscheid ist eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die in der gleichen Urkunde wie die Kirche St. Severin vom 31. März 1131 erstmals erwähnt wurde. Sowohl im 17. als auch im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgestaltet.
Weitere katholische Kapellen befinden sich in den Ortsteilen Beiert, Bröleck, Fußhollen, Honscheid, Kuchem, Neuenhof bei Winterscheid, Oberlückerath sowie in Ruppichteroth und drei Kapellen in Winterscheid.
Judentum In der Herchener Straße am Ortsausgang in Richtung Windeck befindet sich ein Jüdischer Friedhof. Das erhaltene Synagogengebäude in der Wilhelmstraße wird heute als Wohnhaus genutzt.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Ruppichteroth. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 13. September 2020. Partei / Wählergruppe Ergebnis2025 Sitze2025 Ergebnis2020 Sitze2020 Ergebnis2014 Sitze2014 Ergebnis2009 Sitze2009 Ergebnis2004 Sitze2004 CDU 53,9 % 17 53,3 % 16 50,5 % 16 42,8 % 15 56,5 % 17 SPD 15,5 % 5 17,1 % 5 22,6 % 7 26,0 % 9 22,5 % 7 AfD 13,3 % 4 – – – – – – – – Bündnis 90/Die Grünen 8,1 % 2 16,0 % 5 11,8 % 3 12,4 % 4 10,2 % 3 Die Linke 4,9 % 1 5,0 % 1 6,9 % 2 3,3 % 1 – – FDP 4,4 % 1 8,7 % 3 8,3 % 2 15,5 % 5 10,8 % 3 Wahlbeteiligung 61,9 % 53,2 % 54,5 % 63,5 % 60,8 %
Bürgermeister und Gemeindedirektoren Bis 1999 wurden die Gemeinden in Nordrhein-Westfalen durch eine aus einem hauptamtlichen Gemeindedirektor und einem ehrenamtlichen Bürgermeister bestehende Doppelspitze geführt, wobei der Gemeindedirektor als Verwaltungschef und der Bürgermeister als Vorsitzender des Gemeinderates fungierte. Im Jahr 1999 wurden die beiden Ämter zum Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters zusammengeführt.
Bürgermeister 1969–1979: Stephan Lückeroth (CDU) 1979–1994: Ludwig Neuber (CDU) 1994–1999: Dieter Theuer (SPD) 1999–2009: Hartmut Drawz (CDU) 2009–2025: Mario Loskill (parteilos) seit 2025: Matthias Jedich (CDU)
Von 2009 bis 2025 war Mario Loskill Bürgermeister von Ruppichteroth. Er wurde 2014 mit 83,1 Prozent und 2020 mit 87,2 Prozent der Stimmen wiedergewählt.
Bei der Bürgermeisterwahl am 14. September 2025 wurde Matthias Jedich mit 60,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,0 %. Er ist seit dem 1. November 2025 im Amt.
Gemeindedirektoren 1969–1985: Hans-Joachim Becker (CDU) 1985–1999: Hartmut Drawz (CDU)
Wappen
Gemeindepartnerschaften Longdendale (Tameside) Caputh (Brandenburg) Schenkendöbern (Brandenburg)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke mini|Ehemaliges evangelisches Pfarrhaus in Ruppichteroth Sowohl Ruppichteroth als auch Winterscheid verfügen jeweils über historische Ortskerne mit einer Vielzahl an Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert. In der Denkmalliste aufgeführt sind – neben weiteren Gebäuden – alle Kirchen, die historische evangelische Schule mit Pfarrhaus und das ehemalige Landschulheim in Ruppichteroth. In Winterscheid steht unter anderem der Altbau der Grundschule unter Denkmalschutz.
mini|Burg Herrnstein Die Burg Herrnstein entstand ab dem 14. Jahrhundert durch mehrere Erweiterungen eines sogenannten „befestigten Hauses“. Sie befindet sich seit 1436 im Besitz der Herren von Nesselrode. Die Burg wird bis heute von den Grafen Droste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein bewohnt und ist Sitz der „Gräflich Nesselrodeschen Forstverwaltung“. Sie ist daher in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Außenanlagen können in unregelmäßigen Abständen besucht werden, meist jeden ersten Samstag im Monat.
Die Burgruine Herrenbröl befindet sich unmittelbar an der Bundesstraße 478 zwischen Ruppichteroth und Schönenberg und wurde im Jahr 1417 erwähnt; sie gehörte wahrscheinlich den Herren von Scheidt genannt Weschpfennig. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Burg nur noch als Ruine erhalten. Die letzte Besitzerfamilie errichtete später auf dem alten Fundament der Burg ein Wohnhaus. Dieses wurde 1994 abgerissen, nachdem die Gemeinde Ruppichteroth die Burgruine Herrenbröl erworben hatte.
mini|hochkant|links|Rennenbergkreuz