miniatur|Nordtor der Umfassungsmauer von außen. Das am aufwendigsten gestaltete, repräsentative Stadttor hat einen größeren mittleren Durchgang. Vor die drei Eingänge wurde eine Arkade gestellt, die durch korinthische Säulen getragen wird. Seitliche Türme bilden einen Vorhof Resafa () ist eine Ruinenstadt in der Wüste im Norden Syriens, die in der Spätantike den Namen Sergiopolis trug. Aus dieser Zeit stammen die erhaltenen Gebäude und die Stadtmauer. Resafa war seit dem 4. Jahrhundert ein bedeutendes christliches Pilgerziel und im 6. Jahrhundert ein militärischer Posten der östlichen syrischen Provinzen.
Lage
Resafa liegt südlich des Euphrats, 25 Kilometer vom Abzweig der Euphrat-Fernstraße in al-Mansura entfernt am Nordrand der syrischen Wüste. Die von diesem Dorf nächstgelegene Stadt ist 30 Kilometer östlich Ar-Raqqa. In römischer Zeit lag der Ort auf der Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. errichteten Strata Diocletiana, einer Militär- und Karawanenstraße, die den Limes Arabicus bildete. Dieser war die östliche Grenze der römischen Provinz Syria und diente der Abwehr von Angriffen der Parther und später der Sassaniden. Die Straße verband die Festung Sura am Euphrat über Resafa und Palmyra mit Damaskus und führte über Bostra weiter bis Philadelphia (Amman).
Geschichte Im 9. Jahrhundert v. Chr. war ein Resafa ein assyrischer Verwaltungsort. Der assyrische Name lautete Raşappa. In der Bibel wird ein Rezef (; ) erwähnt.Walter Karnapp: Die Stadtmauer von Resafa in Syrien. de Gruyter, Berlin 1976, ISBN 3-11-006535-5, S. 4. Der Ortsname kommt aber häufig vor und ein Zusammenhang mit dem hier beschriebenen Ort ist nicht belegt. Die frühesten archäologischen Funde im nordsyrischen Resafa stammen aus frühflavischer Zeit. Wahrscheinlich wurde der Ort um das Jahr 70 n. Chr. als römischer Wachposten gegründet. Zum ersten Mal erwähnt ist er rund 100 Jahre später von Claudius Ptolemäus.
Wesentlich für die weitere Entwicklung der Stadt war das Martyrium des später heiliggesprochenen römischen Soldaten Sergios um das Jahr 312 n. Chr. vor den Toren des Kastells. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts war Resafa Bischofssitz. Am Ende dieses Jahrhunderts war das Grab des Sergios ein bedeutendes Wallfahrtsziel geworden. Dieser Pilgerverkehr wurde von Kaiser Anastasios I. genutzt, um das Kastell zu einer Stadt auszubauen, denn in den Auseinandersetzungen zwischen Rom und Persien lag Resafa oft auf dem Weg der sich bekämpfenden Truppen. Die neu gegründete Stadt verlieh der Grenze zusätzliche Stabilität und erhielt den Namen Sergiupolis. Innerhalb kurzer Zeit wurden eine gewaltige Stadtmauer und mehrere Kirchen errichtet. Procopius, der Hofschriftsteller Justinians, schildert den Bau der Umfassungsmauer, von Häusern, Wandelhallen und die Anlage von Wasserspeichern. Er erwähnt nicht, dass sein Kaiser auch Sakralbauten finanzierte. Das lässt den Schluss zu, dass der Klerus durch Einkünfte der Wallfahrer reich genug war, um die Basiliken mit eigenem Geld zu finanzieren.Thilo Ulbert: Rusafa-Sergiupolis – Wallfahrtsort und Residenz. In: Kay Kohlmeyer, Eva Strommenger (Hrsg.): Land des Baal. Syrien – Forum der Völker und Kulturen. Philipp von Zabern, Mainz 1982, S. 356–360.
Im 8. Jahrhundert war Resafa Residenz des umayyadischen Kalifen Hischām ibn ʿAbd al-Malik (regierte 724–743), der sich vor den Toren der Stadt mehrere Paläste errichten ließ. Die Große Moschee von Rusafat Hisham, wie die Stadt nun in den Quellen genannt wird, baute der Kalif an die Pilgerkirche, sodass der Schrein mit den Reliquien von Christen und Muslimen gleichzeitig verehrt werden konnte: ein Zeichen für die Koexistenz beider Religionen.
1269 flohen die Bewohner vor den Mongolen nach Salamiyya, Ende des 13. Jahrhunderts wurde Resafa letztmals erwähnt. Der Euphrat bildete nach dem Mongolensturm die Grenze zwischen dem Reich der Ilchane im Osten und dem Reich der Mamluken im Westen. Der Euphrat-übergreifende Handel, die Lebensgrundlage Resafas, war unterbrochen. Seither gab es in Rusafa bis in die Gegenwart keine größeren Siedlungen mehr.
Forschungsgeschichte Die erste Beschreibung der großen Basilika (Basilika A) stammt von dem englischen Geistlichen William Halifax, der 1691 in den Ruinen eine Kirche erkannte.William Halifax: A Relation of a Voyage from Aleppo to Palmyra in Syria. London 1753 (Volltext); Relation of a Voyage to Tadmor in 1691. In: Palestine Exploration Quarterly 22, 1890, S. 273–303. 1896 veröffentlichte X. A. Siderides eine in der Kirche gefundene bilinguale Inschrift. Friedrich Sarre und Ernst Herzfeld begannen 1907 mit der zeichnerischen und fotografischen Dokumentation. Ihr erster Bericht erschien 1909. Die Gesamtergebnisse der bisherigen Forschungen wurden 1920 von Samuel Guyer publiziert. Unabhängig davon führte Harry Spanner 1918 Vermessungen durch, die er 1926 zusammen mit Samuel Guyer als zusammenfassende Monographie publizierte.
Anfang der 1950er Jahre führte Georges Tchalenko erste planmäßige Grabungen durch, bei denen er das Bema im Mittelschiff der großen Basilika freilegte und unabgedeckt anschließend der Witterung überließ. Ab 1952 gruben, vom Deutschen Archäologischen Institut finanziert, Johannes Kollwitz und Katharina Otto-Dorn. Kollwitz hatte bis zu seinem Tod 1968 die Leitung über sieben Grabungskampagnen, deren Schwerpunkte neben der Basilika B und dem Zentralbau auch die Bereiche aus islamischer Zeit außerhalb der Stadtmauer mit dem Palast des Hisam waren. An der Basilika A wurde nicht gegraben, da ihre hochanstehenden Wände zu dieser Zeit einsturzgefährdet waren. Dies wurde 1968 bis 1976 von syrischen Archäologen nachgeholt, die am Nordtor der Stadt und an der Basilika Restaurierungen durchführten. Sie trugen teilweise die hohen Mauern ab und stellten mit dem Material andere Wandteile wieder her. Mit schwerem Gerät wurde das verschüttete Innere der Basilika freigeräumt. Thilo Ulbert beklagte später die dabei an den Wänden und Bodenplatten entstandenen Schäden. Er begann seine Arbeit im unmittelbaren Anschluss nach dem Abzug der Syrer 1976 und führte bis 1994 an der Basilika Grabungen durch.Thilo Ulbert: Die Basilika des Heiligen Kreuzes in Resafa-Sergiupolis. Philipp von Zabern, Mainz 1986, ISBN 3-8053-0815-9, S. 1–4. In den folgenden Jahren untersuchte unter anderem Dorothée Sack die Große Moschee. 2004/05 befestigte das Grabungsteam Teile der Mauerkronen.
Stadtbild Stadtmauer miniatur|Basilika C. Wie bei allen Kirchen liegt die Apsis des Altarraumes im Osten. Die Grundmauer des Eingangsportals ist links erkennbar. Die Stadtmauer ist in diesem Bereich bis in die Höhe des von Rundbögen gebildeten unteren Wehrganges erhalten miniatur|Basilika A. An den Rundbögen der beiden Mittelschiffswände lassen sich zwei Bauphasen erkennen: Die Weitarkadenbögen zwischen den massiven Pfeilern mussten später durch säulengestützte Doppelarkaden untergliedert werden miniatur|Basilika A. Eine Mittelwand im östlichen Chorraum. Reste von Holzbalken, die den Boden des Obergeschosses bildeten. Als Bodenbelag werden aufliegende Steinplatten angenommen. Nur im oberen Bereich dieser Wand wurden Ziegel verwendet miniatur|Basilika A von Nordosten mit den Resten der im 8. Jahrhundert angebauten Moschee. In einer späteren Bauphase konnten die mit 60 cm zu gering dimensionierten, einsturzgefährdeten Außenmauern der Kirche nur noch durch massive schräge Steinhaufen gestützt werden miniatur|Zentralbau. Blick auf die Apsis des einst abgeteilten Chores im Osten In der flachen Steppenwüste ist die bis zu 15 Meter hohe und insgesamt über 1800 Meter lange Umfassungsmauer von weitem zu erkennen. Resafa war als Teil des Limes Arabicus in den Verlauf befestigter Straßen eingebunden, welche die Ostgrenze des Römischen Reiches gegen die Parther absichern sollten. Aus diesen militärischen Überlegungen legten die Römer die erste Umfassungsmauer für ein bescheidenes Kastell an, in dem ein Kamelreiterheer Dienst tat, das aus Beduinen der Umgebung bestand. Die Aufgabe von Resafa war, im Bereich zwischen Euphrat (Station Sura) und Palmyra die Karawanenstraße zu kontrollieren. Die heute noch sichtbaren Mauern und unterschiedlich großen Bastionen stammen aus der Zeit Kaiser Justinians, sie wurden im frühen 6. Jahrhundert zum Schutz gegen die Sassaniden neu errichtet und bis zur arabischen Besetzung 636 ergänzt. Die 3 Meter dicke Umfassungsmauer bildet seither ein unregelmäßiges Rechteck von 536 Meter im Norden, 350 Meter im Osten, 411 Meter an der West- und 549 Meter an der Südseite. An jeder Seite liegt ein monumentales Tor mit seitlichen Ecktürmen. Es sind 50 Bastionen in unterschiedlicher Form teilweise erhalten. Von der Mauerinnenseite waren zwei Wehrgänge über breite Freitreppen zugänglich, der untere Wehrgang lag knapp 6 Meter über dem ursprünglichen Bodenniveau, der obere in 12 Metern Höhe. Die Brüstung des oberen Gangs ist fast überall verschwunden. Die byzantinische Stadtmauer unterscheidet sich von der in römischer Zeit üblichen Stadtanlage, da die Tore nicht in der Mitte liegen, die Abstände zwischen den Türmen ungleich sind und auch sonst keine Symmetrie eingehalten wurde. An allen Seiten war der Umfassungsmauer ein Erdwall vorgelagert.Georg Gerster, Ralf-Bernhard Wartke: Flugbilder aus Syrien. Von der Antike bis zur Moderne. Philipp von Zabern, Mainz 2003, ISBN 3-8053-3249-1, S. 133.
Als Baumaterial verwendete man Quader aus hartem, aber sprödem Gipsstein, der in der Umgebung vorkommt. Kalkstein diente fast ausschließlich zum Bau der Gewölbe, die frühere Holzböden in den Türmen ersetzten. Ansonsten kamen Kalkstein und Ziegel bei einigen Reparaturen zum Einsatz. Die in waagrechten Lagen geschichteten Quader sind durchschnittlich 60 Zentimeter hoch.Catharine Hof: In: Proceedings of the Third International Congress on Construction History, Cottbus, Mai 2009; siehe jetzt Catharine Hof: Die Stadtmauer (= Resafa. Band 9,1). Harrassowitz, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-447-11280-2.
Kirchen Durch die Pilgerströme nach dem Märtyrertod von Sergios vergrößerte sich die Bevölkerungszahl. Die großen öffentlichen Gebäude entstanden im 5. und 6. Jahrhundert. Dazu zählen als Kultbauten vier Kirchen: die Basilika A nahe dem Südtor in der Südostecke des 21 Hektar großen Mauergevierts, die Basilika B in der südlichen Mitte, der sogenannte Zentralbau, eine Bischofskirche um 520, und die kleinere Basilika C am Osttor.
Die vom Nordtor in die Stadtmitte führende Straße mit Läden und Wohngebäuden wurde teilweise freigelegt, sie führte am Zentralbau vorbei. Südlich von diesem liegt ein rechteckiger Ziegelbau, der als Han gedeutet wurde. Das frühbyzantinische Gebäude war somit ein Vorläufer der späteren islamischen Karawansereien, die als Warenlager, Handelsplatz und Herberge dienten.
Alle großen Gebäude innerhalb der Stadt wurden wie die Umfassungsmauer aus weißem oder grauem Gipsstein errichtet, bei einigen späteren Anbauten wurde ein etwas leichteres Sedimentgestein verwendet, das ebenfalls in der Umgebung vorkommt. Material für die Dachdeckung waren Ziegel, die in frühbyzantinischer Tradition auch gelegentlich mit großen Lagerfugen als obere Wandschichten verbaut wurden. An der großen Zisterne bilden Ziegel im Wechsel mit Sedimentsteinquadern das Gewölbe. Die Wände waren verputzt, innen waren sie, wie an Dübellöchern zu erkennen ist, teilweise mit Steinplatten verkleidet.Thilo Ulbert: Die Basilika des Heiligen Kreuzes in Resafa-Sergiupolis. Philipp von Zabern, Mainz 1986, ISBN 3-8053-0815-9, S. 117–120.
Basilika A