Elsdorf ist eine Stadt im nördlichen Teil des Rhein-Erft-Kreises im Rheinland in Nordrhein-Westfalen.

Geografie Geografische Lage Elsdorf ist eine ländliche Gemeinde mit Stadtrechten 30 Kilometer westlich von Köln zwischen Bergheim und Jülich im Rheinischen Braunkohlerevier.Revierkarte Rheinland mit umgesiedelten Orten, aktuellen Betriebsflächen, Art der Rekultivierung und genehmigten Tagebauerweiterungen 377 kB, abgerufen am 3. April 2010. Im Südwesten stößt das Stadtgebiet an den Tagebau Hambach, der große Teile des Stadtgebiets in Anspruch nimmt. Die Ortsteile Etzweiler, Tanneck und die Siedlung Gesolei wurden umgesiedelt. Der Umsiedlungsort ist Neu-Etzweiler. Die ursprünglichen Planungen für den Tagebau Hambach sahen dessen spätere Erweiterung bis zur A 61 vor („Hambach II“). Hier lagern noch heute 2,015 Milliarden m³ Braunkohle. Das ist deutlich mehr als die im Tagebau Garzweiler II (= Frimmersdorf West-West) damals prognostizierten 1,650 Milliarden m³. Für den Abbau wäre jedoch eine Umsiedlung aller Ortsteile notwendig.

Elsdorf grenzt an: die Stadt Bedburg, die Kreisstadt Bergheim, die Kolpingstadt Kerpen (alle im selben Kreisgebiet), an die Gemeinden Merzenich (indirekt), Niederzier (indirekt) und Titz (alle im Kreis Düren).

Stadtgliederung (gemeldete Bevölkerung jeweils zum 30. April 2019) Ortsteil Einwohner Angelsdorf 2.155 Berrendorf-Wüllenrath 3.499 Elsdorf (mit Desdorf) 6.523 Esch 2.716 Frankeshoven 39 Giesendorf 1.307 Grouven (mit Brockendorf) 640 Heppendorf (mit Stammeln) 1.862 Neu-Etzweiler 607 Niederembt 1.373 Oberembt 1.100 Tollhausen 241 Widdendorf 77 Gesamt 22.139

Einwohner jeweils zum 31. Dezember Jahr Einwohner 1975 16.667 1980 17.496 1990 19.944 1995 21.343 1998 21.675 2000 21.692 Jahr Einwohner 2002 21.784 2005 21.674 2008 21.270 2010 21.080 2014 21.337 2016 21.264 Jahr Einwohner 2017 21.539 2018 22.032 2019 22.139 2020 21.745 mini|hochkant=1.3|Einwohnerentwicklung von Elsdorf von 1975 bis 2016

Geschichte mini|hochkant=1.3|Elsdorf auf der Tranchotkarte von 1806/07

Die Wurzeln von Elsdorf reichen zurück bis in die Zeit, als das heutige Stadtgebiet von den Franken besiedelt wurde. Ausgrabungen eines fränkischen Gräberfeldes belegen erste Ansiedlungen gegen Ende des 5. Jahrhunderts.

Einer Sage nach stammt der Name Elsdorf von Egilhard (auch Eilhard) ab, einem Abt der Reichsabtei Kornelimünster bei Aachen. Der Überlieferung nach wurde er im Jahr 881 bei einem Normanneneinfall im Wald zwischen Elsdorf und Bergheim erschlagen. Nach der Entwicklung über Egilo-, Egils- und Eilsdorf entstand schließlich der heutige Name Elsdorf.

In der Römerzeit zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert nach Christi ist ein römischer Vicus in Elsdorf belegt, der an der Römerstraße von Köln nach Aachen und weiter nach Boulogne-sur-Mer lag, die heute meist als Via Belgica bezeichnet wird. Diese ist gut auf der Tranchotkarte zu erkennen und heute noch gut als Köln-Aachener Straße und weiter nach Osten als Römerstraße nach Grouven (Elsdorf) und Thorr zu verfolgen. Im Bereich des Vicus, dessen Name nicht überliefert ist, mündete eine weitere Römerstraße vom Südwesten kommend spitz auf die Straße nach Köln. An dieser wurden die Umrisse eines gallo-römischen Umgangstempels nachgewiesen, während an der Via Belgica senkrecht zur Straße ausgerichtete bis zu 25 m lange Häuser nachgewiesen wurden.Jeanne-Nora Andrikopolou-Strack: Der vicus von Elsdorf. S. 59 ff. In: Landschaftsverband Rheinland – Rheinische Bodendenkmalpflege (Hrsg.): Erlebnisraum Römerstraße – Via Belgica. print'n'press-Verlag Aachen 2008, ISBN 978-3-935522-01-4.

Seit dem Mittelalter gehörte Elsdorf zum Amt Bergheim im Herzogtum Jülich. Im Jahre 1794 besetzten französische Revolutionstruppen den Ort und Elsdorf kam an die Mairie Esch im Kanton Bergheim im Arrondissement de Cologne im Département de la Roer.

Elsdorf kam 1815 an das Königreich Preußen und an den Kreis Bergheim im Regierungsbezirk Köln.

Die Bahnstrecke Neuss – Düren mit dem Bahnhof Elsdorf West wurde 1869 gebaut. Dadurch nahm die Bevölkerung des Ortes stark zu, und Elsdorf stieg zum Mittelpunkt der Orte, die die heutige Stadt bilden, auf.

mini|Direktorenvilla Zuckerfabrik Emil Pfeifer, sein Sohn Valentin Pfeifer und Eugen Langen errichteten 1870 die erste Zuckerfabrik der Firma Pfeifer & Langen.

Die Gemeinde Heppendorf wurde 1937 mit dem Amt Esch vereinigt, das 1938 in Amt Elsdorf umbenannt wurde.

In der NS-Zeit wurden zahlreiche Menschen schikaniert, entrechtet, deportiert und ermordet (Liste der Stolpersteine in Elsdorf).

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges rückten US-Truppen nach dem Überschreiten der Rur (Operation Grenade) zügig Richtung Rhein vor. Einige Ortsteile erlitten im März 1945 bei Abwehrkämpfen der Wehrmacht teils schwere Zerstörungen. Am 27. Februar 1945 rückten US-Panzer in Elsdorf ein. Ein offizieller US-Bericht:

Bekannt und durch Fotografien belegt ist, dass die Panzer-Abteilung (Tiger/Fkl) 301 einen ihrer Führungspanzer in Elsdorf verlor (Panzer 201), nachdem dieser zuvor in einem Gefecht einen der wenigen neuen M26 Pershing („Fireball“) ausgeschaltet hatte, die zur Fronterprobung nach Europa geschickt worden waren. Im Ortsteil Oberembt erbeuteten US-Soldaten den ersten deutschen Sturmtiger. Dieser seltene und sehr schwere Panzer zog eine Aufmerksamkeit der vorrückenden US-Truppen auf sich.

In seiner heutigen Ausdehnung existiert die Gemeinde erst seit der Gebietsreform (vgl. § 8 Köln-Gesetz), in der am 1. Januar 1975 die bis dahin selbständigen Gemeinden Angelsdorf, Elsdorf, Esch, Heppendorf, Niederembt und Oberembt zur Gemeinde Elsdorf zusammengefasst wurden.

Zum 1. Januar 2011 wurde Elsdorf das Stadtrecht verliehen. Damit verbunden waren die Einrichtung eines Jugendamtes und eines Bauamtes., Kölner Stadtanzeiger

Zu Beginn des Schuljahres 2014/2015 begann der Schulbetrieb der Elsdorfer Gesamtschule im Schulzentrum Angelsdorf. Die Realschule und die Hauptschule in Elsdorf liefen aus; seit 2018 ist die Gesamtschule die einzige weiterführende Schule. 2021 machte der erste Jahrgang an der Gesamtschule Elsdorf das Abitur.

Politik

Stadtrat Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Elsdorf. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt in der Kommunalwahl am 13. September 2020.

Bürgermeister Der seit 2015 amtierende Bürgermeister Andreas Heller (CDU) wurde bei der letzten Kommunalwahl am 13. September 2020 mit 58,69 % der Stimmen im Amt betätigt. + Frühere Bürgermeister seit Neugliederung 1975 durch Köln-Gesetz Name Partei von bis CDU 1975 1986 CDU 1986 1989 SPD 1989 2004 SPD 2004 2015

Wappen, Flagge und Dienstsiegel Wappen Der Gemeinde Elsdorf ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Köln vom 13. Dezember 1976 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden; das Wappenführungsrecht besteht kraft Verfügung des Landrats des Rhein-Erft-Kreises vom 18. Oktober 2010 auch für die Stadt Elsdorf fort.

Flagge Der Gemeinde Elsdorf ist ferner mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Köln vom 13. Dezember 1976 das Recht zur Führung einer Flagge verliehen worden; auch diese Befugnis besteht nach der Verfügung des Landrats des Rhein-Erft-Kreises vom 18. Oktober 2010 für die Stadt Elsdorf fort.

Dienstsiegel Der Stadt Elsdorf ist kraft Verfügung des Landrats des Rhein-Erft-Kreises als unterer staatlicher Aufsichtsbehörde vom 18. Oktober 2010 das Recht zur Führung eines Dienstsiegels verliehen worden. Das Dienstsiegel trägt das unter Absatz 1 beschriebene Stadtwappen und die Umschrift „Stadt Elsdorf“.

Städtepartnerschaft Elsdorf hat 1990 eine Städtepartnerschaft mit der nordfranzösischen Stadt Bully-les-Mines und der Nachbargemeinde Aix-Noulette (beide im Département Pas-de-Calais) geschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswerte Bauwerke mini|hochkant|Römischer Meilenstein (Replik) Grouven-Brockendorf: Gutskapelle St. Bartholomäus von 1680, nach Kriegsschäden 1950/1956 wiederhergestellt. Heppendorf-Stammeln: Burg Stammeln, rechteckige Burganlage mit Innenhof. Die beiden Flügel des westlichen Winkels mit einem runden und einem rechteckigen Eckturm stammen aus dem späten 16. Jahrhundert Niederembt: Haus Richardshoven, 1099 ist ein Richardus von Emde bezeugt, 1364 ein Godart von Richardshovenm, Viereckanlage einer einstigen Wasserburg, Vierkantturm mit zwei Achsen, drei Geschossen, geschweifter Haube und geschlossener Laterne Niederembt: Weißes Haus, Hochstraße 1, Fachwerkhaus, 17. Jahrhundert Oberembt: Haus 'Zur Löv', Laubenhaus von 1644, ist das einzige erhaltene Laubenhaus im Rhein-Erft-Kreis. Angelsdorf: Katholische Pfarrkirche St. Lucia (1535), 1865 restauriert Angelsdorf: Haus Angelsdorf, Gutshof, 1750, im Westteil Reste aus dem 16. Jahrhundert Berrendorf: Katholische Pfarrkirche St. Michael (1524), 1825 restauriert, 1903 um Querschiff und neuen Chor erweitert, Palmsonntag 2011 nach 4-jähriger Renovierung wieder ganz nutzbar Desdorf (Brachelsburg), um 1700. Elsdorf: katholische Pfarrkirche St.Mariä Geburt: Turm um 1225. Elsdorf: römischer Meilenstein an der Köln-Aachener-Straße, Ecke Eisenbahnstraße. Elsdorf: Kriegsgräberstätte auf dem Waldfriedhof. Elsdorf: Judenfriedhof an der Nußbaumallee, Belegungszeitraum 1847 bis 1935, darin Umbettungen aus den ehemaligen Judenfriedhöfen Glesch und Niederembt auf Grund des Braunkohleabbaus Esch: Katholische Pfarrkirche St.Laurentius, spätgotischer Westturm mit Treppenturm Grouven: Kapelle der hl. Brigida, 1648 erbaut, 1949 durch einen Saalbau erweitert. Hinter dem Altar um zwei Stufen vertieft, ein Fußboden aus hochkant gestellten Tonplättchen mit farbigen Glasuren (Abfallprodukt aus Töpferöfen) in unregelmäßigem Muster Grouven: Burg Grouven, Gutshof um 1500, 1691 und im 19. Jh. ausgebaut. Heppendorf: spätgotische Kirche St. Dionysios mit zweigeschossigem romanischem Westturm aus dem Ende des 12. Jahrhunderts drei Glocken aus den Jahren 1467, 1473 und 1490. Neu-Etzweiler: Kapelle St. Hubertus, Das Kruzifix aus dem Jahre 1480 wurde aus der St. Hubertuskirche des nunmehr abgebaggerten alten Etzweiler übernommen. Niederembt: Straße Richtung Esch: Alte Windmühle, Anfang 19. Jh. Oberembt: Katholische Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus (Ende 14. Jh. bis Anfang 16. Jahrhundert) Tollhausen: Wegekapelle St.Margaretha, darin Hl. Jakobus, Anfang 16. Jahrhundert Meister Tilmann, Köln Oberembt: In Oberembt befindet sich eine kleine evangelische Kirche, die zur Ev. Kirchengemeinde Kirchherten gehört. Sie wurde 1960 in einer Siedlung errichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg für Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten entstanden ist. Der Glockenturm stammt aus dem Jahr 1970. Heute wird sie noch regelmäßig für Gottesdienste und Frauenkreise genutzt. Terra Nova Speedway: Ehemalige Braunkohle Förderbandstrecke, welche jetzt als Radschnellweg Elsdorf mit Bergheim, Bedburg und Glesch verbindet.

Parks Der bei Berrendorf-Wüllenrath und Heppendorf gelegene Sittarder Hof, der der Unternehmerfamilie Pfeifer der Elsdorfer Zuckerfabrik Pfeifer & Langen gehörte, verfügte bis zu seinem endgültigen Abriss im Jahre 2011 über einen sehenswerten Garten und Park. Der Sittarder Hof lag in einer Sicherheitszone, welche um die Abbruchkante des Tagebaus Hambach gebildet wurde, und konnte deshalb nicht erhalten bleiben.

Tagebau-Aussichtspunkte Einblick in den an Elsdorf angrenzenden Tagebau Hambach bietet sich von:

Aussichtspunkt bei Elsdorf-Angelsdorf Aussichtspunkt bei Elsdorf-Giesendorf Forum :terra nova

Sport Elsdorf bietet ein breites Spektrum an Sportarten und Sportstätten. Die größten Erfolge errang die Judoabteilung der ASG Elsdorf (Allgemeine Sportgemeinschaft Elsdorf e. V.) mit dem dreimaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft bei den Damen. Die Tennisabteilung der ASG verfügt über vier Plätze und zwei Beachvolleyballplätze. Die ASG Elsdorf wurde 1967 von den drei Freunden Paul Kohl, Hans Packmohr und Willy Schmitz gegründet.