miniatur|Galopprennen in Kentucky, Churchill Downs mini|Galopprennen beim Deutschen Derby in Hamburg Galopprennen ist eine Sparte des Pferderennens. Bei dieser Pferdesportart legen die Pferde so schnell wie möglich eine bestimmte Strecke zurück. Dabei sind neben dem namensgebenden Galopp alle Gangarten erlaubt.
Ziel ist es möglichst schnell vom Start zum Ziel zu gelangen. Galopprennen werden hauptsächlich von Englischen Vollblutpferden bestritten, sie werden aber auch für Arabische Vollblüter, Halbblüter und zuweilen für Ponys ausgeschrieben. Die Pferde werden entweder von Jockeys (Berufsrennreitern) oder Amateuren geritten. Galopprennen haben oft unterschiedliche Formate, und viele Länder haben in den vergangenen Jahrhunderten ihre eigenen Variationen rund um diesen Sport entwickelt. Zu den Variationen gehören die Beschränkung der Rennen auf bestimmte Rassen, Rennen über Hindernisse, Rennen auf verschiedenen Bahnbelägen (Gras, Sand, Dirt, Polytrack) und das Rennen über verschiedene Distanzen. Galopprennen werden in der Regel über kurze Distanzen von 800 m bis lange Distanzen über 4200 m ausgetragen. Distanzen größer als 25 km werden im Distanzreiten zurückgelegt. Bei den meisten Rennen werden den Pferden unterschiedliche zu tragende Gewichte zugewiesen, um die unterschiedlichen Leistungsniveaus widerzuspiegeln und eine faire Wettbewerbsbalance unter den konkurrierenden Rennpferden zu ermöglichen. Dieses Verfahren wird weltweit auch als Handicap bezeichnet.
Auch wenn Pferde in der Regel aus rein sportlichen Gründen gegeneinander antreten, liegt ein großer Teil des Interesses und der wirtschaftlichen Bedeutung von Galopprennen in den damit verbundenen Glücksspielen, die 2019 im weltweiten Markt einen Wert von rund 115 Milliarden US-Dollar generierten.
Ausschreibung Die Ausschreibung regelt die genauen Modalitäten eines bestimmten Rennens. Diese umfassen insbesondere Ort, Zeit, Distanz, Dotierung und Bestimmung der zur Teilnahme berechtigten Pferde (Definition der angesprochenen Renn(leistungs)klasse). Diese Ausschreibungen werden in Deutschland vom veranstaltenden Rennverein in Abstimmung mit dem Verband „Deutscher Galopp“ erstellt. Der Deutsche Galopp (bis 2021 bekannt unter dem Namen: Direktorium für Vollblutzucht und Rennen) überwacht die Ordnungsmäßigkeit der als Pferdeleistungsprüfungen veranstalteten Rennen. An einem normalen Renntag (Rennveranstaltung) werden 7 bis 12 Rennen für unterschiedliche Leistungsklassen von Pferden ausgeschrieben.
Preisgelddotierung Das von den erfolgreichen Pferden zu gewinnende Preisgeld richtet sich nach der Bedeutung des Rennens. Je höher die zu prüfende / geprüfte Rennklasse der Pferde ist, desto höher ist auch das Preisgeld. Geldpreise gibt es üblicherweise für die fünf erstplatzierten Pferde eines Rennens, in Ausnahmefällen auch für den sechsten oder siebten, im Verhältnis von etwa 10 : 4 : 2 : 1.
Die international standardisierten Gruppen- und Listenrennen müssen eine Grunddotierung garantieren, diese beträgt z. Zt.
12.000 € für den Sieger eines Listenrennens, 40.000 € für den Sieger eines Gruppe-III-Rennens und 90.000 € für den Sieger eines Gruppe-I-Rennens.
Das höchstdotierte Rennen in Europa ist der Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, Longchamp mit 5.000.000 €.
International liegt das Preisgeldniveau in der Regel deutlich höher. Die höchstdotierten Rennen der Welt sind der Saudi Cup in Riad, Saudi-Arabien mit einer Dotierung von 20.000.000 $, der Dubai World Cup in den Vereinigten Emiraten mit 12.000.000 $, The Everest in Sydney, Australien mit 15.000.000 A$, der Breeders Cup Classic in den U.S.A mit 6.000.000 $ und der Japan Cup in Tokio mit 5.900.000 $.
Flachrennen Beim Flachrennen führt die Rennstrecke durch hindernisfreies Gelände – heute immer eine spezielle Pferderennbahn –, das Steigungen aufweisen kann, aber keine Sprünge erforderlich macht. Die Renndistanzen variieren in Deutschland zwischen 1000 m (Fliegerrennen, Sprints) und 3400 m (Steherrennen) (Stand: 2007). International werden auch Flachrennen über Distanzen von 800 m bis 4200 m veranstaltet. Flieger sind Pferde, die auf kurzen Strecken zwischen 800 und 1.400 Metern besonders leistungsstark sind.
In Deutschland werden Flachrennen auf Grasbahnen und auf Sandbahnen (insbesondere in Dortmund) veranstaltet, wobei die Kursführung unterschiedlich ist. In den schweizerischen Ferienorten Arosa und St. Moritz werden jährlich im Januar beziehungsweise Februar Galopprennen auf einem zugefrorenen See veranstaltet.
Aufgewichtsrennen Bei Aufgewichtsrennen (auch Altersgewichtsrennen genannt) werden den Pferden abhängig von Alter, Geschlecht und ggf. vom bisherigen Erfolg Gewichte zugeordnet, die sie beim Rennen zu tragen haben.
Ausgleichrennen (Handicaps) miniatur|Galopprennen, Memorial Day Weekend, Arlington Park Race Course, Chicago, Illinois, 2007
Beim Ausgleichsrennen werden den Pferden vom Ausgleicher (engl. Handicapper) gemäß ihren vorherigen Leistungen Gewichte zugeordnet, die sie im Rennen zu tragen haben, damit alle Teilnehmer des Rennens möglichst gleiche Siegchancen haben (vgl. Hand-in-cap). Die Gewichte, die Pferde in Ausgleichrennen tragen, leiten sich aus dem Generalausgleich („GA“) ab.
Es gibt in deutschen Flachrennen vier Ausgleichklassen:
Ausgleich I (sehr gute, entspricht im Fußball der Spielklasse „erste Bundesliga“, ca. Skala = GAG-Abzug: GAG minus 28 kg) Ausgleich II (gute, ca. Skala: GAG minus 18 kg) Ausgleich III (durchschnittliche, ca. Skala: GAG minus 8 kg) Ausgleich IV (geringere Klassen, analog zu den „Landesligen“ im Fußball, ca. Skala: GAG plus/minus 0 kg)
in Hindernisrennen drei Ausgleichklassen:
Ausgleich G (gute) Ausgleich M (mittlere) Ausgleich U (untere Klassen)
Ausgleichrennen für Dreijährige werden mittlerweile nicht mehr veranstaltet. Dafür hat man allerdings frühere Startmöglichkeiten für Dreijährige in den Ausgleichen I bis IV geschaffen. Ebenfalls nicht mehr veranstaltet werden Rennquintett-Ausgleiche, nachdem Lotto diese Wette im Jahre 2003 einstellte. Ausgleiche G für Hindernispferde gibt es aktuell auch kaum noch, weil die Leistungsstärke der aktiven Hindernispferde nicht dieses Niveau erreicht.
Am 17. Juni 2008 wurde in Deutschland erstmals ein Ausgleichsrennen gelaufen, bei dem die Festlegung der Skala erst am Tage des Nennungsschlusses durch den Ausgleicher erfolgte. Dieses Rennen fand auf der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch statt. .
Zuchtrennen Ein Zuchtrennen ist ein Flachrennen, in dem alle Pferde eines Jahrgangs, abgesehen von der Stutenerlaubnis, das gleiche Gewicht tragen (Nr. 255 der Deutschen Rennordnung). Im engeren Sinne sind nur die Klassischen, Gruppen- und Listenrennen Zuchtrennen.
Klassische Rennen miniatur|Deutsches Derby, Hamburg-Horn, 1912 Klassische Rennen sind die wichtigsten Zuchtrennen für dreijährige Pferde. Diese Rennen bilden die Triple Crown des jeweiligen Landes. Zu den Klassischen Rennen zählen:
das Derby, das wichtigste Rennen für dreijährige Pferde. Ein Derby (Distanz: 1 1/2 engl. Meilen = ca. 2414 m) wird in fast jedem Land der Erde ausgetragen. Namensabweichungen: USA: Kentucky Derby; Frankreich: Prix du Jockey Club; England: Epsom Derby; Deutschland: Deutsches Derby die 1000 Guineas, (Distanz: 1 engl. Meile = ca. 1609 m) ausschließlich für Stuten. In Deutschland German 1000 Guineas genannt. die 2000 Guineas, (Distanz: 1 engl. Meile = ca. 1609 m) für Hengste und Stuten. In Deutschland auch Mehl-Mülhens-Rennen genannt. der Preis der Diana, das „Stutenderby“, benannt nach dem französischen Prix de Diane. Englisch „The Oaks“. das St. Leger, in der Regel der zuletzt ausgetragene Klassiker über eine Steherdistanz von 1 3/4 Meilen = ca. 2800 Meter; das St. Leger ist das älteste der Klassischen Rennen (seit 1776); seit 2007 sind im Deutschen St. Leger auch Pferde startberechtigt, die älter als dreijährig sind.
Gruppenrennen
Grupperennen sind die weltweit besten Rennen im Galopprennsport und werden nach internationalen Standards klassifiziert und als Aufgewichtsrennen gelaufen. Damit wird es möglich, die Leistungen der Pferde international zu vergleichen. Es gibt Rennen der Gruppen I bis III. Gruppe I-Rennen sind dabei die absolute Elite im nationalen und international Galopprennsport. In diesem Rennen messen sich meist die besten Rennpferde der Welt und laufen um die höchsten Gewinnsummen gegeneinander an (Beispiel: Prix de l’Arc de Triomphe oder Deutsches Derby). Das Niveau der Gruppe 2-Rennen ist leicht unterhalb der Gruppe 1-Rennen einzuordnen, besitzt aber dennoch eine stark überdurchschnittliches Niveau. Gruppe 3-Rennen sind nochmals eine Stufe darunter, besitzen aber ähnlich wie die vorherige Kategorie ein hohes Niveau und werden oftmals von den besten Rennpferden der Welt als Vorbereitungsrennen für höhere Aufgaben bestritten.
Listenrennen Listenrennen sind Aufgewichtsrennen, deren Leistungsniveau wie das der Gruppenrennen international überwacht wird. Listenrennen sind Zuchtrennen, die in Bedeutung und Dotierung unter den Gruppenrennen rangieren (sie sind praktisch eine „Grupperennen IV“). Siege und Platzierungen in Listenrennen dürfen, wie bei Gruppenrennen, in Auktionskatalogen unter Nennung des Renntitels in fetten Druckbuchstaben gelistet werden (sog. „Blacktype“-Rennen).
Verkaufsrennen Verkaufsrennen sind Hindernis- oder Flachrennen, bei denen die teilnehmenden Pferde zum Verkauf stehen. Das vom Pferd zu tragende Gewicht ergibt sich aus Alter und Geschlecht des Pferdes und aus dem so genannten Einsatzpreis, also dem Betrag, den der Besitzer des Pferdes als Mindestkaufpreis festlegt. Nach dem Rennen können Interessierte Gebote für die teilnehmenden Pferde abgeben, diese werden auf Zetteln in eine dafür bereitstehende Box geworfen. Sind mehrere Gebote für ein Pferd vorhanden, erhält es der Bieter mit der höchsten gebotenen Summe, gibt es kein Gebot für ein Pferd, verbleibt es bei seinem bisherigen Eigentümer. Verkaufsrennen sind in Deutschland selten, in anderen Ländern (z. B. Frankreich) finden diese häufig statt.
Jeder Interessierte hat die Möglichkeit, ein Pferd, das als Starter in einem Verkaufsrennen angegeben ist, vorher zu kaufen (claimen). Der Kaufpreis ist dann der Einsatzpreis des Pferdes und der Siegpreis des Rennens.
Wird das Pferd nach dem Rennen zu einem höheren Preis als dem Einsatzpreis verkauft, erhält der veranstaltende Rennverein den überschießenden Betrag, oder der Betrag wird zwischen dem Rennverein und den Verkäufer aufgeteilt.Infoflyer Verkaufsrennen, auf www.deutscher-galopp.de In Deutschland wird im Anschluss an das Verkaufsrennen meist nur der Sieger versteigert.
miniatur|Preis der Diana, Düsseldorf, 2017
Stutenrennen In Stutenrennen sind ausschließlich Stuten startberechtigt. Diese können in Verbindung mit anderen Rennarten wie beispielsweise Gruppen-Rennen ausgeschrieben werden. Die bekanntesten Stutenrennen in Deutschland sind der Preis der Diana und die German 1000 Guineas. Die beiden Rennen gehören zu den klassischen Rennen.
Halbblutrennen Halbblutrennen werden sowohl auf der Flachbahn als auch über Sprünge ausgetragen. Hier dürfen ausschließlich Pferde starten, die aus der Halbblutzucht stammen, also keine reinen Vollblüter sind. Der Begriff Halbblut ist etwas irreführend, weil die meisten der dort startenden Pferde einen Vollblutanteil von über 95 % haben. Die Franzosen nennen diesen Typ Pferd deswegen auch AQPS Autre que pur sang. Pur sang, „reines Blut“, ist in Frankreich der Begriff für Vollblüter, und dementsprechend sind Halbblüter dort eben andere als reines Blut.
Halbblüter zeichnen sich vor allem durch ihre größere Zähigkeit aus und werden deswegen vornehmlich im Hindernissport eingesetzt. Die fehlende Höchstgeschwindigkeit gleichen sie mit größerer Ausdauer und Zähigkeit aus. In den Hochzeiten des Hindernissports wurden viele große Jagdrennen von Halbblütern gewonnen.
Heat (Heatrennen)