zentriert|180px|Corpswappen der Germania. Es zeigt im rechten oberen Feld den Zirkel in gold auf rotem Grund, links oben die Farben auf weißem Grund, links unten die Germania mit Schild und Schwert und rechts unten das kleine Bundeszeichen mit Waffenspruch und Stiftungsdatum. Münchner Hochschulen Ludwig-Maximilians-Universität Technische Universität Universität der Bundeswehr Hochschule für Politik Fachhochschule Stiftungsdatum 14. November 1863 in München Verband Weinheimer Senioren Convent (Weinheimer Senioren-Convent) Wahlspruch Für Ehre und Freundschaft! Waffenspruch Ensis sit noster vindex! Corpsburschenband 75px|links Fuchsenband 75px|links Zirkel 65px|links Homepage www.corps-germania.de Das Corps Germania München ist eine schlagende Studentenverbindung im Weinheimer Senioren-Convent (WSC), deren Mitglieder als „Münchner Germanen“ bekannt sind. Ihm gehören Studenten und Absolventen der Münchener Hochschulen an. Jeder männliche Student oder Absolvent einer Münchner Hochschule kann um Mitgliedschaft im Corps nachsuchen.

Couleur Die Couleur des Corps Germania besteht aus dem Corpsburschenband in den Farben „blau-gold-rot“ bzw. dem von den Füchsen getragenen Fuchsenband in „gold-rot“, jeweils mit goldener Perkussion. Als Kopfbedeckung wird für gewöhnlich eine weiße Tellermütze getragen, Alte Herren tragen oft das bequemere Tönnchen.

Corpsburschen und Füchse tragen zu offiziellen Veranstaltungen eine blaue Kneipjacke, die Chargierten und der Fuchsmajor eine weiße Pekesche. Der Fuchsmajor trägt als Zeichen seines Amtes über das Burschenband gekreuzt auch das Fuchsenband.

Organisation

Kern des Corps ist der Kreis der studierenden Mitglieder, den so genannten Aktiven, der sich in den Corpsburschen-Convent (CC) und den Renoncen-Convent (RC) untergliedert. Dem CC gehören die Vollmitglieder, dem RC die Renoncen (Füchse) an. Immer drei Corpsburschen werden mit der Führung sog. Chargen betraut und durch Wahl aus dem CC heraus bestimmt. Die Chargen treten durch ihre Wahl aus dem engeren Corps heraus und führen für ein Semester die Zeichen x (Senior), xx (Consenior) und xxx (Sekretär) – die sog. Chargensterne – als Zusatz zu ihrem Namen. Der Senior ist der höchste Repräsentant nach außen und leitet den Corpsburschenconvent. Zudem vertritt er die Aktiven gegenüber dem Philisterconvent. Der Consenior leitet die tägliche Fechtstunde und bereitet federführend die Veranstaltungen der Aktiven vor. Der Sekretär ist für den offiziellen Schriftverkehr des Corps zuständig.

Ein wichtiges Amt hat der Fuchsmajor inne: Er leitet den Renoncenconvent und bildet die Renoncen in Comment, Corpsgeschichte und Universitätsgeschichte aus. Die Renoncen werden meist nach zweisemestriger gegenseitiger Probezeit (und zwei gefochtenen Partien) ins engere Corps recipiert (Reception). Nach einigen Semestern als Corpsbursche und mindestens zwei weiteren Partien wird der Corpsbursche inaktiviert. Inaktive Corpsburschen sind von wesentlichen Verpflichtungen, z. B. Teilnahme an allen am Ort stattfindenden Veranstaltungen, befreit, damit sie sich intensiv auf ihre Examina vorbereiten können.

mini|Wesentliche Teile der Organisation des Corps Germania. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Teilbereichen sind vielschichtig. Nach Abschluss des Studiums wird der bisherige inaktive Corpsbursche zum Alten Herrn und bleibt dem Corps in der Regel ein Leben lang verbunden. Die Alten Herrn der Germania sind Mitglieder im Verband Alter Münchner Germanen und stehen den jungen Corpsmitgliedern beratend zur Seite. Stellvertretend für die Gesamtheit der Alten Herren nimmt diese Aufgabe zwischen den Allgemeinen Conventen des Philisteriums der Philistersausschuss wahr.

Höchstes Gremium des Corps ist der in jedem Semester tagende Allgemeine Corps-Convent (ACC). Diesem bleibt es überlassen, über wesentliche Fragen des Zusammenwirkens der Corpsbrüder und Änderungen der Satzung zu beschließen. Auch in finanziellen Fragen größerer Tragweite ist der ACC zuständig. Ein Ehrenrat sucht eventuell auftretende Streitigkeiten zwischen Angehörigen des Corps schiedlich zu regeln. Der Ehrenphilister ist ein verdienter Alter Herr des Corps, er zeichnet sich in der Regel durch jahrzehntelangen herausragenden Einsatz für das Corps aus.

Geschichte Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg

mini|Die Aktiven des Corps Germania im Sommersemester 1864

Am 14. November 1863Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 144. wurde Germania von acht Studenten um den Schleswiger Bernhard Wieck an der Polytechnischen Schule zu München als Burschenschaft Germania gestiftet. Einer der Stifter, Heinrich Lindau aus Ansbach, verstarb bereits einen Monat später, ein zweiter Stifter, Wilhelm Buchheit aus Aufsess, verstarb im Februar 1864. Trotzdem konnte der junge Bund neue Mitglieder gewinnen und so sein Überleben sichern. Anfangs wurden die Farben schwarz-gold-rot getragen, sie sind heute noch im Herzschild des Corpswappens zu sehen. Als Burschenschaft lehnte Germania die Bestimmungsmensur ab, bekannte sich aber zum Prinzip der Satisfaktion mit der Waffe.

Germania benannte sich am 22. März 1865 in Deutsche Landsmannschaft Germania um und wäre möglicherweise auch für längere Zeit Landsmannschaft geblieben, wenn die Verhandlungen über einen Beitritt zum Wetzlarer Allgemeinen Landsmannschaften-Senioren-Convent nicht an den Bedenken der Hannoveraner Landsmannschaften gescheitert wäre. So erklärte sich Germania nur zwei Jahre später, genau am 10. Dezember 1867, zum Corps und schloss sich im Februar 1868 mit den Corps Cisaria, Vitruvia und Rheno-Palatia zum Polytechnischen Senioren-Convent an der Polytechnischen Schule zu München (heute Technische Universität München) zusammen.Herbert Scherer: Die ersten Jahre des Polytechnischen SC zu München (1868–1870). In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 12 (1967), S. 71.

Dieser Polytechnische SC (PSC) sollte – trotz ausdauernden Streits zwischen den Mitgliedscorps, vor allem in den ersten 25 Jahren, und regelmäßigen Aus- und Wiedereintritten – insgesamt über sieben Jahrzehnte lang Bestand haben. Das Corps Germania war von den Corps am Polytechnikum das erste, welches in offizielle Beziehungen zum SC an der LMU treten konnte und mit den Kösener Corps Mensuren ausmachte. Dieses offizielle Verhältnis kann füglich als Urzelle des verbandsübergreifenden Münchner SC aus Kösener und Weinheimer Corps bezeichnet werden. Die ersten Mensuren mit einem auswärtigen Corps fanden 1872 in Innsbruck mit dem Corps Athesia Innsbruck statt.

Ebenfalls 1868 erklärte sich Germania zum Waffencorps, bereits 1874 wurde aber das Lebensprinzip angenommen. Dies hatte zur Folge, dass Germanen nur in äußerst seltenen Fällen auch das Band eines anderen Corps trugen; bis 1988 – also in den ersten 125 Jahren des Bestehens der Germania – gab es insgesamt nur fünf dieser Fälle, davon einer vor Annahme des Lebensprinzips. Wie in allen folgenden Kriegen meldeten sich die aktiven Germanen auch 1870 geschlossen zu den Waffen, 1871 konnten alle 31 Kriegsteilnehmer wieder in der Heimat begrüßt werden. Das zehnte Stiftungsfest fiel im Jahre 1873 der Cholera-Epidemie „zum Opfer“, aus diesem Grund wurde das 11. Stiftungsfest in besonderer Weise begangen (siehe auch Stammbuchblatt weiter unten auf dieser Seite). Am Reformationstag 1893 wurde der Corpsphilisterverein Germania zu München gegründet, dieser trat 1896 in den seit 1889 bestehenden Münchner Corpsphilisterverband (MCPhV) ein. Der MCPhV ist heute mit über 1300 Mitgliedern aus allen Corps Deutschlands und Österreichs der größte Corpsphilisterverband Deutschlands. Die Prinzregentenzeit war für das Corps geprägt von – u. a. durch Gabriel v. Seidl – sehr engen Beziehungen zur Münchner Künstlergesellschaft Allotria um Franz von Lenbach. Anekdotisch sei hier angemerkt, dass der langjährige Corpsdiener der Germania, Franz Berr, dem großen Lenbach im Jahre 1893 für dessen Bismarck-Portrait mehrmals Modell saß; Berrs Stirn und Augen sollen denen des Altkanzlers zum Verwechseln ähnlich gewesen sein.

Am 9. November 1907 konnte das von Cbr. Seidl geplante und erbaute CorpshausVeronika Hofer (Hrsg.): Gabriel von Seidl. Architekt und Naturschützer, München 2002, S. 17, 191. nach anderthalbjähriger Bauzeit eingeweiht werden. Die Freude über dieses Ereignis wurde auch in verschiedenen Liedtexten zum Ausdruck gebracht, der folgende Ausschnitt aus dem zur Einweihungsfeier von Otto Wiedemann eigens komponierten Festlied sei hierfür Exempel:

Im Jahr 1912 trat Germania gemeinsam mit den anderen Corps des SC an der Technischen Hochschule dem Weinheimer Senioren-Convent (WSC) bei, möglicherweise eine Reaktion auf den zwei Jahre zuvor erfolgten Abbruch der Beziehungen zwischen den Kösener Corps des Universitäts-SC und des PSC. Es entstand ein starker SC der Weinheimer Corps mit seinerzeit neun Corps, heute existieren noch deren sieben in München. Das 50. Bundesfest wurde im Jahr 1913 mit besonderem Aufwand begangen, unter anderem ließ das Corps beim damals bekanntesten Grafiker Deutschlands, Ludwig Hohlwein, das Festplakat gestalten, der Festball im Künstlerhaus am Lenbachplatz bildete den gesellschaftlichen Höhepunkt der Feierlichkeiten.

Vom Ersten Weltkrieg bis zur Auflösung 1936

Der nur ein Jahr später ausbrechende Erste Weltkrieg brachte für Germania den Verlust von 19 ihrer Corpsbrüder mit sich, der Aktivenbetrieb ruhte von 1914 bis 1919, und die dem Kriege folgenden Jahre hindurch war auch das Corpsleben von den schweren wirtschaftlichen Verhältnissen der Zeit geprägt.

Trotz Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise erlebten die Korporationen in den Jahren zwischen 1920 und 1933 einen beachtlichen Aufschwung, auch für Germania fallen in diese Periode die Semester mit den stärksten Aktivenzahlen ihrer Geschichte. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde bei Germania zunächst begrüßt, erhoffte man sich doch unter anderem Straffreiheit für Mensuren von der neuen Regierung.

Doch bereits nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Nationalsozialisten nicht bereit sein würden, die von akademischer Freiheit und Conventsprinzip geprägten Corps weiter bestehen zu lassen. Schon die verbindliche Einführung des Führerprinzips auch bei den studentischen Korporationen lief allem zuwider, was an Traditionen in über 130 Jahren Corpsstudententum entstanden war.

Nach der durch den NSDStB erzwungenen Auflösung des Corps im Wintersemester 1935/36 pflegte Germania einen Teil ihrer Traditionen gemeinsam mit dem Corps Vitruvia, mit dem ja seit langer Zeit besonders enge Beziehungen bestanden hatten, in der Kameradschaft „Andreas Hofer“ so gut es eben ging weiter, eine Wiedererrichtung des Corps in seiner alten Form lag zu dieser Zeit außerhalb der denkbaren Möglichkeiten. Mensuren beispielsweise wurden in dieser Zeit – unter anderem wegen der damit verbundenen Gefahr des Verlustes der Fähigkeit zur Verbeamtung der Beteiligten – nur noch sehr selten und unter strikter Geheimhaltung gefochten, die Nationalsozialisten hatten auch vor dieser für die Corps essentiellen Frage nicht Halt gemacht. In diese Zeit fällt auch der Verlust von 21 Corpsbrüdern an allen Kriegsfronten des Zweiten Weltkrieges. Allein in der Schlacht von Stalingrad fielen drei Germanen.

Von der Wiedergründung 1949 bis heute