(japanisch , ) ist ein vom Spieleentwickler Key geschaffenes Ren’ai-Adventure, das das Erbe erfolgreicher Titel wie Kanon und Air antrat. Das im April 2004 veröffentlichte Spiel war dennoch das erste Werk von Key, das mit der langen Tradition erotischer Inhalte brach und von Anfang an nicht als Spiel für Erwachsene (Erogē) konzipiert wurde. Es entfernte sich somit weiter von den Wurzeln des Genres und legte seinen Schwerpunkt noch weiter auf die eigentliche Erzählung. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Schülers Tomoya Okazaki und durchlebt eine Geschichte mit eingeschränkten Möglichkeiten der Interaktion, die auf vorherbestimmten Szenarien aufbaut. Den eigentlichen Reiz des Spiels sollen die fünf weiblichen Hauptcharaktere ausmachen, zu denen der Spieler eine tiefgründige Beziehung eingeht.

Im Zuge des Erfolgs der PC-Umsetzung wurde das Adventure auf zahlreiche Spielkonsolen und Smartphones portiert. Clannad wurde zudem durch eine Vielzahl anderer Medien adaptiert. Das Spiel als auch die Umsetzungen als Anime verbuchten hohe Verkaufszahlen innerhalb Japans und erreichten mehrfach den ersten Platz der japanischen Verkaufscharts.

Spielmechanik mini|Typisches Erscheinungsbild von japanischen Adventures

Wie für japanische Adventures typisch, besteht das Spiel hauptsächlich aus Dialogen, die der Spieler liest. In unregelmäßigen Abständen kann der Spieler, welcher in die Rolle des Schülers Tomoya Okazaki schlüpft, aus unterschiedlichen Antworten oder Fragen wählen, die das Spiel bzw. das Gespräch in eine gewisse Richtung lenken. Aufgrund der sehr geringen Interaktion ist es strittig, ob diese Art von Adventures überhaupt als „Spiel“ bezeichnet werden sollen, da sie mehr einem interaktiven Roman gleichen. In den ersten Versionen des Spiels waren die Charaktere nicht vertont. Dies zwang den Spieler, jeden Text zu lesen, um die Handlung verfolgen zu können. Erst mit der überarbeiteten Fassung für die PlayStation 2 wurde die Sprachausgabe für alle Charaktere ergänzt. Ausgenommen davon war die Rolle des Spielers und Protagonisten Tomoya, was für japanische Adventure durchaus üblich ist. So soll der Spieler sich selbst tiefer in das Geschehen einbezogen fühlen.

Optisch präsentiert sich das Spiel in überwiegend hellen und warmen Farbtönen. Saftig grüne Wiesen und blühende Kirschbäume bestimmen das Erscheinungsbild der meist statischen Hintergrundbilder, was bereits seit Werken wie Sailor Moon immer wieder als optisches Gestaltungsmittel aufgegriffen wurde und ein fester Bestandteil der japanischen Kultur sein soll. Während dramatischer oder angedeutet actionreicher Szenen wurde bewusst auf eine andere Farbpalette und Musik zurückgegriffen, um den entsprechenden Eindruck zu unterstreichen. Im Vordergrund stehen die Charaktere, deren Zeichnungen die typischen Stilelemente von Manga und Anime aufweisen. Hinzu kommt ein für die Künstlerin Itaru Hinoue typischer Zeichenstil, bei dem die Nase einen geringen Abstand zum Mund aufweist und die großen, rundlichen Augen sehr weit voneinander entfernt sind. Wie die Hintergründe ist auch die Präsentation der Charaktere statisch und zweidimensional. Zwischen den einzelnen Szenen wird mit einfachen Übergangseffekten gewechselt, die sich auf das Ein- und Ausblenden von Elementen, scrollen und einfache Rotationen beschränken. Bei Gesprächen mit mehreren Charakteren werden diese jeweils ein- und ausgeblendet und ihre Gesichtszüge sind in einem sehr eingeschränkten Umfang animiert.

Clannad teilt sich grundlegend in zwei größere Handlungsabschnitte – dem Leben in der Schule und dem Leben danach. So ist zunächst nur der Schulabschnitt spielbar, bis der Spieler diesen absolviert hat. Anschließend ist auch der After Story-Abschnitt verfügbar. Damit dies geschieht, muss der Spieler innerhalb des ersten Aktes acht Geisterflecken sammeln, die mit leuchtenden Glühwürmchen vergleichbar sind. Das Schulleben konzentriert sich auf das Abschlussjahr des Protagonisten, der darin mit einer Vielzahl von Charakteren in Berührung kommt. Die Handlung legt dabei besonderen Wert auf die Darstellung der fünf weiblichen Hauptcharaktere, von denen Nagisa Furukawa die bedeutendste Rolle spielt. Für die Entwicklung der Spielgeschichte stehen fünf wesentliche Pfade zur Verfügung, welche jeweils auf eine der Schülerinnen zugeschnitten sind, aber zudem in sich verzweigt sind. Im zweiten Akt übernimmt Nagisa die fast alleinige Hauptrolle, in der sie zusammen mit Tomoya ein Liebespaar bildet, das während der nächsten zehn Jahre begleitet wird. Um ein positives Spielende zu erreichen, muss der Spieler insgesamt 13 der „Geisterflecken“ sammeln, da sonst die Handlung mit einem „schlechten Ende“ abschließt, in dessen Folge sowohl Nagisa als auch einige Zeit später ihr Kind infolge einer angeborenen körperlichen Schwäche versterben. Im Gegensatz zu vielen Spielen dieser Art ist es nicht möglich, durch bestimmte Kombinationen von Antworten erotische Inhalte freizuschalten, da Clannad von Anfang an auf ein Publikum aller Altersklassen zugeschnitten wurde und keine solchen Szenen existieren.

Insgesamt ergeben sich daraus etwa dreizehn Handlungsfäden, die der Spieler durch mehrmaliges Spielen verfolgen kann. Das Erreichen eines dieser „Enden“ benötigt eine ungefähre Spieldauer von 100 Stunden. Mit einem Umfang von 62.830 Textzeilen (Nebenrollen ausgenommen) war Clannad nach Aussage von Yūto Tonokawa das zu diesem Zeitpunkt umfangreichste Spiel von Key, das jedoch von dem Nachfolger Little Busters! Ecstasy um etwa 4000 Worte überboten wurde.

Handlung Schauplatz und Themen Clannad spielt nahezu vollständig innerhalb einer fiktiven Stadt Japans. Im ersten Handlungsbogen steht eine Oberschule, die vom Protagonisten besucht wird, im Mittelpunkt. Neben der Schule, ihrem Gelände, Klassenräumen und Fluren dienen auch die kleine Bäckerei von Nagisas Eltern und das Wohnheim, in dem Tomoyas Freund Yōhei übernachtet, als zentrale Handlungsorte. Im After-Story-Abschnitt steht die Schule nur noch selten im Zentrum der Geschehnisse. Dafür kommen neue Handlungsorte hinzu wie die kleine, gemeinsame Wohnung von Tomoya und Nagisa oder ihre Arbeitsorte. Parallel zu dieser fiktiven, aber realistisch dargestellten Welt existiert noch eine weitere, die immer wieder in kurzen Abschnitten präsentiert wird. In dieser gibt es, abgesehen von einem einzigen Mädchen, kein weiteres menschliches Leben. So sieht es sich dazu gezwungen, aus herumliegenden Resten einen Roboter zu bauen, der zum Leben erwacht. Der Spieler übernimmt dabei die Rolle der mechanischen Figur, kann aber nicht sprechen. Auch in vielen vorherigen Spielen von Key und dem Entwickler Tactics kommen solche Parallelwelten vor, die sich meist beim Tod einer Person oder in besonders tragischen Momenten miteinander verbinden.

Thematisch legt Clannad besonderen Wert auf die Bedeutung einer Familie. Bereits der Titel der Serie soll laut Jun Maeda, einem der Hauptautoren, auf Irisch „Familie“ bedeuten. Jedoch hielt er fälschlicherweise den Namen der Band Clannad für das irische Wort für „Familie“ oder „Clan“, von dem es jedoch nur abgeleitet ist. Aus der irischen als auch aus der walisischen Sprache wurden noch weitere Begriffe übernommen, die sich hauptsächlich in der Musik des Spiels und dessen Parallelwelt widerspiegeln. Der Vorspann-Titel wurde als Mag Mell benannt, der „Ebene (im Sinne von Reich) der Freude“, dem irdenen Paradies der irischen Mythologie.

Von den sechs Hauptcharakteren haben Tomoya, Nagisa und Kotomi keine Geschwister. Folglich steht bei ihnen eher die Beziehung zu ihren Eltern im Mittelpunkt, während bei den anderen Charakteren besonders auf die Beziehung zu ihren Geschwistern eingegangen wird. Einzige Ausnahme bleibt hier Tomoyo, bei der auf die gesamte Familie Bezug genommen wird. Besonderes Gewicht hat dabei die Familie von Nagisa, die laut Maeda als „perfekte Familie“ gedacht war und auch entsprechend präsentiert wird. Innerhalb der Geschehnisse um Nagisa tauchen immer wieder die Dango Daikazoku (, dt. „große Familie von Dangos“, eine fiktive Maskottchenreihe für Kinder) auf, in die sie vernarrt ist und entsprechend von ihnen nie genug bekommen bzw. sammeln kann. Dies passt zu dem Konzept, dass die Charaktere von Tomoya und Nagisa auf ihrem „Weg des Erwachsenwerdens“ bis zum Ende der Geschichte begleitet werden.

Charaktere

Im Spiel übernimmt der Spieler die Rolle von Tomoya Okazaki, einem Oberschüler im letzten Jahrgang. Tomoya ist anfänglich ein aufsässiger Schüler. An der Schule hat er nur geringes Interesse. Er hasst die Stadt und sein eigenes Leben. Seine Kommentare sind dabei sehr direkt und er scheut nicht davor zurück seine Meinung zu äußern, auch wenn dies anderen Personen immer wieder als unhöflich empfinden. Trotzdem ist Tomoya seinen Freunden gegenüber loyal und setzt sich nahezu bedingungslos für ihre Ziele ein. Generell besitzt er eine sehr selbstlose Persönlichkeit, die nicht viel von Anderen als Gegenleistung verlangt. Damit erfüllt er die typischen Klischees des Protagonisten in einem Japanischen Adventure.

Gleich zu Beginn begegnet Tomoya auf dem Schulweg eher zufällig der weiblichen Hauptfigur Nagisa Furukawa. Sie ist ein zurückhaltendes, schüchternes Mädchen mit sehr geringem Selbstvertrauen, das daher immer wieder auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Häufig allein und aufgrund ihrer immanent schwachen physischen Verfassung lange Zeit krank, gewöhnte sie sich an, die Namen ihrer Lieblingsspeisen zu murmeln, bevor sie sie verzehrt. In der Schule trifft Tomoya auf eine Reihe ihm schon länger bekannter Mädchen. Zu ihnen gehört die aggressive und meist von schlechten Absichten ausgehende Kyō Fujibayashi, die unter ihren Freunden aber sehr wohl als gute Köchin bekannt ist. Sehr leicht zu verärgern und schnell Gewalt anwendend zögert sie nicht, nach anderen Personen mit einem Wörterbuch zu werfen, das sie scheinbar genau zu diesem Zweck mit sich herumträgt. Trotz dieser wilden Art besitzt sie auch eine wesentlich ruhigere Seite, die sie besonders gegenüber ihrer jüngeren Schwester Ryō Fujibayashi zeigt. Ryō ist im Vergleich zu Kyō wesentlich zurückhaltender und glaubt daran, dass sie mit Hilfe von Karten die Zukunft vorhersagen kann, obwohl diese Voraussagen eigentlich nie eintreffen.

mini|Tomoyo Sakagami als Motiv auf einem anderen Itasha bei der 14. Fancy Frontier ACG Exhibition In der Bibliothek der Schule trifft er auf die intelligente, aber auch recht weltfremde Kotomi Ichinose. Sie soll zu den zehn besten Schülerinnen des Landes gehören und besucht rein aus Interesse oft die Bibliothek, wo sie die meiste Zeit damit verbringt, fremdsprachige Bücher zu lesen. Ihre ruhige Art und Weltfremdheit machen es jedoch schwer mit ihr zu kommunizieren, da sie zudem alles um sie herum zu ignorieren scheint, wenn sie gerade in ein Buch vertieft ist. Die vierte Hauptfigur aus Clannad ist Tomoyo Sakagami. Sie wechselte zu Beginn der Handlung die Schule und befindet sich im zweiten Jahrgang. Ähnlich wie Kyō kann sie überaus aggressiv sein und wird als eine starke Kämpferin beschrieben, die früher in Bandenkämpfe verwickelt war. Obwohl Tomoya ein Jahr älter ist als sie, bringt sie ihm keinen Respekt entgegen.

Die letzte Protagonistin ist die naive Schülerin Fūko Ibuki aus dem ersten Jahrgang, die sich von den anderen Schülern möglichst zu distanzieren sucht und entsprechend der Handlung eigentlich ein Geist ist, der zwischen den beiden parallelen Welten wandelt. Bevor Tomoya auf sie aufmerksam wird, verbringt sie die meiste Zeit damit, Seesterne aus Holz zu schnitzen, die sie als Einladung zur Hochzeit ihrer älteren Schwester verschenkt. Überhaupt ist sie von der Form dieser Sterne überaus fasziniert und neigt dazu, in einen Traumzustand zu verfallen, in dem sie alle Ereignisse um sich herum ignoriert.

Erzählabschnitte Das Abschlussjahr