mini|300px|Markt Berolzheim, Luftaufnahme (2020)
Markt Berolzheim (umgangssprachl. „B-Heim“, Beheim ausgesprochen und in früherer Zeit – bis in die 1970er Jahre – „Berlza“) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.
Geographie mini|300px|Blick auf den Ortskern von Markt Berolzheim von der Buchleite aus
Geographische Lage Der Ort liegt oberhalb der Altmühl im Altmühltal am Fuße des Hahnenkamms, eines Höhenzugs der Fränkischen Alb, auf ca. 420–. Die Gegend liegt in Westmittelfranken und wird auch als Altmühlfranken bezeichnet. Unweit westlich des Ortes liegt der Berolzheimer Wald. Höchste Erhebung der Gemeinde ist der Gemeindeberg (ca. ). Durch den Ort führen die Staatsstraße 2230 und die Bahnstrecke Treuchtlingen–Würzburg. Im Waldgebiet bei Markt Berolzheim liegen mehrere Quellen, die zum Berolzheimer Mühlbach zusammenfließen. Ein weiteres Fließgewässer in der Gemeinde ist der Vordere Graben. Er fließt in die Altmühl, die die Ostgrenze der Gemeinde bildet. Städte in der Nähe sind Treuchtlingen, Weißenburg in Bayern und Gunzenhausen. Der Weiler Großholz gehört politisch, der Weiler Lengenfeld kirchlich zu Markt Berolzheim. Südlich des Ortes liegt das Naturschutzgebiet Buchleite, als Geotop ausgewiesen ist der Hunnenstein südwestlich von Markt Berolzheim.
Die Nachbargemeinden sind:
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Großholz (Einöde) Markt Berolzheim (Hauptort)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Markt Berolzheim. Die Gemarkung hat eine Fläche von 14,556 km². Sie ist in 1864 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 7808,99 m² haben.
Geologie Das Gemeindegebiet liegt am Rande des Hahnenkamms, eines Teils der Altmühlalb. In hohen Lagen Kalkstein (Weißer Jura), über Sandstein (Brauner Jura) in Lehm (Schwarzer Jura) übergehend.
Klima Das Klima von Markt Berolzheim ist geprägt durch abgeschwächtes Mittelgebirgsklima. Das Sonnenmaximum ist im Juni und im Juli, das Niederschlagsminimum im März. Gemittelte Niederschlagsmenge beträgt 650–800 Millimeter im Jahr, im Winter an rund 35 Tagen Schneefall. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,8 °C.
Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Erste Spuren menschlichen Lebens sind aus der Zeit um 10.000 v. Chr. nachweisbar. Eine erste feste Besiedlung dürfte um 3800 v. Chr. erfolgt sein.
In der Regierungszeit des Kaisers Trajan entstand dort eine römische Siedlung der Provinz Rätien; in der Flur Steinhausäcker fand man eine römische Villa. Im 6. Jahrhundert kam es nördlich einer bereits bestehenden Siedlung namens Benzing auf der gegenüberliegenden Seite des Dorfbaches mit Berol(t)sheim zu einer weiteren Besiedelung,Buchner, S. 47. vielleicht als Sitz eines fränkischen Sippenführers namens Berolt oder Berolf.Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 103, 50/51 (1935/36), S. 29. Der Name des neuen Orts ging im Laufe der Zeit auch auf die Ursiedlung über.Buchner, S. 4. Im 8. Jahrhundert, in der Zeit Karls des Großen, gehörte das Gebiet zum Sualafeldgau. Wohl schon im 11. Jahrhundert entstanden zwei Pfarreien, die zum Bistum Eichstätt gehörten und seit der Reformationszeit evangelisch-lutherisch sind. 1129 und später erschien der Ortsname als Peroluesheim, 1167 als Berolteshaim.
Ab dem 11. Jahrhundert hatte der Ort drei Adelssitze (Burgen), das am Waldrand stehende, wohl auf römischen Grundmauern errichtete Steinhaus am Goppelt, das als erstes der Burgen abging, ein erstmals 1326 erwähntes „stark bewehrtes Wasserhaus“, die Burg Berolzheim, das spätere Untere Schloss, das gegenüber der „wahrscheinlich im 8./9. Jahrhundert an der Stelle eines keltisch-römischen Heiligtums“ erbauten Kapelle (und heutigen Pfarrkirche) St. Michael lag, und das Obere Schloss nahe der St.-Marien-Kapelle, von der 1183 über eine Weihe berichtet wurdeSammelblatt HV Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 107 und die 1352 als St.-Bartholomäus-Pfarrkirche erschien.Kufeld, S. 3, Schrenk/Zink, S. 127, Buchner, S. 45. Als Ortsadelige „von Berolzheim“ nannten sich 1129 ein Tageno, 1167 ein Heinrich, 1212 ein Marquard und 1326 und 1344 ein Willing. Ab 1332 erschien die Adelsfamilie Frick, dann die Vestenberg und 1370 die Lentersheim. 1574 erwarb Wolfgang II. von Pappenheim das Obere Schloss.Carben, S. 34. Auf dem Unteren Schloss saßen 1311 die Truhendinger, die Salacher, 1332 die Holzinger, 1477 die Emser und 1572 die Pappenheimer; 1667 hatten die ansbachischen Markgrafen den Besitz.Sammelblatt HV Eichstätt 39 (1924), S. 4 Die Grundherrschaft war, wie im Mittelalter vielerorts, somit sehr zersplittert. Ein Salbuch von 1491 weist in Berolzheim außerdem Besitz des Klosters Auhausen nach.Historischer Atlas von Bayern. Schwaben Reihe I Heft 8: Nördlingen, S. 304.
1574 erhielt die Gemeinde einen kaiserlichen Wappenbrief, in dem Berolzheim als „Fleckhen“ bezeichnet wird; ob damit ein Marktflecken gemeint war, ist ungewiss.Carben, S. 52. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1631 von den Lothringern verwüstet und niedergebrannt und sieben Jahre später von kaiserlich-bayerischen Truppen gebrandschatzt;Sammelblatt HV Eichstätt 48 (1933), S. 32. nur fünf Häuser blieben stehen.Kufeld, S. 4f. Dem Krieg fiel auch der Chorturm der oberen Kirche zum Opfer; er wurde 1688 bei gleichzeitiger Langhauserweiterung wiederhergestellt.Schrenk/Zink, S. 127f.
1667 kauften die Markgrafen von Bayreuth-Ansbach von pappenheimischen Erben den OrtCarben, S. 35. und errichteten dort ein eigenes Verwalteramt. Der Vogtamtsverwalter hatte neben der grundherrlichen Verwaltung die niedere Gerichtsbarkeit inne; hochgerichtlich war bis 1797 das Oberamt Hohentrüdingen zuständig. Für den Eichstätter Besitz in Berolzheim war das Domkapitelische Kastenamt Pleinfeld zuständig. 1783 ließ ein Großbrand von den 125 Anwesen nur noch 40 Häuser übrig; die 1754 eingeführte Ansbachische Brandversicherung machte aber einen „schmucken Wiederaufbau“ möglich. 1758 bis 1760 wurde das Langhaus der unteren Kirche im Markgrafenstil neu erbaut.Schrenk/Zink, S. 126. Als 1797 das Oberamt Hohentrüdingen und damit das Verwalteramt Berolzheim zum Justiz- und Kammeramt Heidenheim im Wassertrüdinger Kreis umgestaltet wurde, erhielt Berolzheim eine der beiden Gerichtschreibereien.
19. und 20. Jahrhundert 1806 kam Berolzheim zum Königreich Bayern und wurde 1808 mit der Einöde Großholz, wo zwei Familien wohnten, Steuerdistrikt und 1809 Munizipalgemeinde, 1818 Markt im Landgericht Heidenheim. 1809 gab es 143 Hausnummern (125 Wohnhäuser), 1824 166 Anwesen mit 966 Einwohnern. 1835 wurde der Ort Windischhausen von der Oberen Pfarrei als selbständige Pfarrei abgetrennt; ursprünglich zum Dekanat Hechlingen/Dittenheim/Heidenheim gehörend, sind die beiden Pfarreien von Markt Berolzheim seit 1925 dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Pappenheim zugeordnet. Seit 1920 hat die Gemeinde den Namen Markt Berolzheim. 1950 zählte man 223 Anwesen und 1495 Einwohner.
mini|hochkant|Untere Kirche St. Michael
Religionen Die überwiegende Mehrheit der Einwohner ist evangelisch, nur ein kleiner Teil katholisch. Die evangelische Gemeinde teilt sich in die Kirchengemeinden St. Maria (Obere Kirche) und St. Michael (Untere Kirche), die jedoch seit 1941 eine gemeinsame Pfarrstelle bilden, aber noch getrennte Kirchenvorstände haben. Zur evangelischen Gemeinde gehören die Einwohner des Weilers Lengenfeld, der am anderen Altmühlufer liegt. Gottesdienste finden im Wechsel in beiden Kirchen statt, öffentlich wird nur die Kirchweih von St. Maria gefeiert. Die katholische Gemeinde St. Hedwig, eine Kuratie der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Treuchtlingen,Schematismus der Diözese Eichstätt 2007, S. 167. entstand erst in der Nachkriegszeit durch Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten, hauptsächlich aus dem Sudetenland. Die Kirche, im Grundriss ein gleichseitiges Fünfeck mit freistehendem Glockenturm, ist ein Werk des Ingolstädter Architekten Josef Elfinger († 1988) und entstand 1961. Sie wirkt im Innern durch die Glasmosaiken von Max Wendl „wie von warmem Licht durchflutet“.Schrenk/Zink, S. 128. Eine jüdische Gemeinde bestand in Markt Berolzheim vom 17. Jahrhundert (1631 erste Erwähnung) bis 1938. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren zeitweise knapp 20 % der Einwohner israelitischen Glaubens (1812 174 jüdische Einwohner von insgesamt 898). 1933 wurden noch 65 jüdische Einwohner gezählt. Die Synagoge (Standort „In der Hölle“) wurde beim Novemberpogrom 1938 niedergebrannt. Die letzten 24 jüdischen Bewohner wurden inhaftiert und vertrieben. Am Standort der Synagoge befindet sich heute ein Denkmal für die frühere jüdische Gemeinde. Die jüdischen Familiennamen Berolzheimer und Berlitzheimer erinnern in verschiedenen Ländern der Welt an die jüdische Niederlassung am Ort. Auch die Vorfahren des Gründers der Berlitz Sprachschulen stammen aus Markt Berolzheim.
Einwohnerentwicklung Im Ort hatten 1809 912 Einwohner ihren Wohnsitz. Bis 1933 wuchs das Dorf auf 1063 Einwohner. Es folgte die Vernichtung der rund 100 Personen umfassenden jüdischen Gemeinde in der Reichspogromnacht 1938 sowie der Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Krieg. Die Gemeinde wuchs bis 1950 auf etwa 1500 Einwohner, wobei in den Folgejahren wieder ein Rückgang auf 1150 Personen erfolgte. In den letzten Jahren wuchs der Ort durch neue Siedlungen auf etwa 1350 Einwohner, auch durch vermehrte Zuzüge aus dem Städtedreieck Treuchtlingen, Gunzenhausen und Weißenburg.
Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat besteht aus zwölf Mitgliedern:
CSU SPD Grüne Bürgerliste Gesamt 2002 6 3 2 1 12 Sitze 2008 5 2 4 1 12 Sitze 2014 3 3 4 2 12 Sitze2020413253– 12 Sitze 1 CSU/Freie Wähler 2 SPD/Vereinigte Wählergruppe 3 Bündnis 90/Die Grünen-Unabhängige Liste
Bürgermeister Fritz Hörner (Bündnis 90/Die Grünen) wurde bei der Kommunalwahl im Jahre 2008 zum Ersten Bürgermeister des Marktes gewählt und löste am 1. Mai 2008 Hermann Bauer (CSU) ab, der nicht mehr zur Wahl antrat.
Vorherige Bürgermeister (bzw. bis 1881 Gemeindevorsteher): 1837–1840: Bleicher ab 1840: Cramer bis 1862: keine Aufzeichnungen 1862–1863: Georg Bieber 1863–1881: Joh. Georg Hüttmeier 1882–1906: Leonhard Prosiegel 1906–1919: Paul Büttner 1919–1932: Karl Guthmann 1933–1945: Friedrich Seegmüller 1945: Christian Haag (von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt) 1945–1948: Karl Weißlein sen. (von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt) 1948–1978: Ludwig Reichardt 1978–2008: Hermann Bauer (CSU)
Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Altmühltal mit Sitz in Meinheim.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Ehemalige Bierkeller im Wald mini|hochkant|Kirche St. Maria mit Oberem Friedhof mini|Umfangreiche Grabenanlage des Oberen Schlosses
Neben den drei Kirchen und den Denkmälern für Kriegsopfer zählen die Berolzheimer Bierkeller am Waldrand zu den sehenswerten Bauwerken. Letztere, um 1850 errichtet, wurden vor einigen Jahren renoviert und dienen heute als Lagerhallen für Ernte und Gerät von Landwirten und Waldarbeitern.
Die Entstehung der seit der Reformation evangelischen Kirchen ist unklar. Bereits 1186 gibt es in Urkunden ein Bericht über die Renovierung eines Gotteshauses – ob damit jedoch St. Maria oder St. Michael gemeint waren, ist unbekannt.