Centre of Liaison and Information of Masonic Powers Signatories of Strasbourg Appeal bzw. Centre de Liaison et d’Information des Puissances Maçonniques Signataires de l'Appel de Strasbourg (CLIPSAS) ist eine internationale Vereinigung liberaler Freimaurer-Obödienzen (Großlogen und Großoriente). Sie wurde am 22. Januar 1961 in Straßburg gegründet und bildet seither ein weltweites Forum für Freimaurer, die sich zur liberalen oder adogmatischen Freimaurerei bekennen. CLIPSAS dient als zentraler Ansprechpartner und Informationsknotenpunkt zwischen ihren Mitgliedsorganisationen und vertritt deren Interessen auch auf internationaler Ebene, unter anderem bei den Vereinten Nationen (mit Beobachterstatus im Wirtschafts- und Sozialrat der UNO). Der Name CLIPSAS ist ein Akronym aus der französischen Bezeichnung der OrganisationCentre of Liaison and Information of Masonic Powers Signatories of Strasbourg Appeal (CLIPSAS) ist eine internationale Vereinigung von Großlogen der liberalen Freimaurerei.
Allgemein CLIPSAS versteht sich als Dachorganisation der liberalen Freimaurerei in Abgrenzung zur traditionellen rein maskulinen Freimaurerei nach anglo-amerikanischem Vorbild. „Liberal“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass volle Gewissensfreiheit gewährt wird und keine bestimmten Glaubensbekenntnisse oder Dogmen zur Voraussetzung für die Aufnahme oder Anerkennung gemacht werden. So gehören CLIPSAS zahlreiche freimaurerische Großlogen aus verschiedenen Ländern an, die sich an den Prinzipien der absoluten Gewissensfreiheit und der gegenseitigen Toleranz orientieren. Anders als die von der United Grand Lodge of England geprägte traditionell rein maskuline Freimaurerei verlangen die CLIPSAS-Großlogen keinen Glauben an ein „Höchstes Wesen“ (Großer Architekt des Universums) und kein bestimmtes „Heiliges Buch“ als Grundlage ihrer Arbeit – solche Fragen bleiben jeder einzelnen Obödienz und Loge selbst überlassen. Entsprechend sind im CLIPSAS-Bund auch Frauenlogen und gemischte Obödienzen gleichberechtigt vertreten, während in der traditionellen, von der UGLE ausgehenden, Freimaurerei Frauen ausgeschlossen bleiben. Als internationaler Verband hat CLIPSAS zum Ziel, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Freimaurern verschiedener Länder und Kulturkreise zu fördern. Die Organisation ist rechtlich als Verein nach französischem Recht (Gesetz von 1901) in Paris registriert. Offizielle Arbeitssprachen des CLIPSAS sind Französisch, Englisch und Spanisch. Seit 2011 besitzt CLIPSAS beratenden Status bei UNESCO und UNO, wodurch es seine freimaurerischen Werte – insbesondere die Achtung der Menschenwürde und der Gewissensfreiheit – auch in internationale Diskurse einbringen kann.
Ziele Die Hauptanliegen von CLIPSAS liegen in der Förderung freimaurerischer Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit auf globaler Ebene. Zentral ist dabei der Aufbau einer „universellen Kette des Bundes“ (Chaîne d’Union Universelle) zwischen Freimaurern aller Länder. Dies bedeutet, dass alle Mitgliedsorganisationen trotz unterschiedlicher Rituale, Traditionen, Sprachen oder Glaubensvorstellungen auf der Basis gemeinsamer Werte zusammenarbeiten sollen. An erster Stelle dieser Werte steht die Liberté absolue de conscience – die unbedingte Gewissensfreiheit jedes Menschen. CLIPSAS-Mitglieder teilen die Überzeugung, dass die Verwirklichung vollständiger Gewissensfreiheit eine große Errungenschaft der Menschheit darstellt und dass sie zur Überwindung von Barrieren und Vorurteilen beiträgt. Darüber hinaus setzt sich CLIPSAS für Gleichberechtigung und Humanismus innerhalb der Freimaurerei ein. So betonen viele liberale Großlogen – entsprechend den Prinzipien von CLIPSAS – neben der Gewissensfreiheit auch Rechte wie die Versammlungs- und Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Frau und Mann sowie die Achtung der Menschenwürde.
In der Praxis verwirklicht CLIPSAS seine Ziele durch regelmäßige internationale Treffen, Informationsaustausch und gemeinsame Stellungnahmen. Jährlich findet eine Generalversammlung (Konferenz) statt, bei der aktuelle Themen der modernen Welt aus freimaurerischer Sicht diskutiert werden. Dabei präsentieren die Mitglieds-Obödienzen die Ergebnisse ihrer im Laufe des Jahres geführten Studien und Diskussionen zu philosophischen, sozialen und humanitären Fragen. CLIPSAS versteht sich folglich nicht nur als Verband zur internen Vernetzung, sondern auch als Plattform, um zu großen gesellschaftlichen Herausforderungen Stellung zu beziehen. Die Organisation kann z. B. über ihre Kommissionen Beiträge zu Themen wie Menschenrechte, Bildung, soziale Gerechtigkeit oder kultureller Dialog leisten. Politische Ziele im parteipolitischen Sinne verfolgt CLIPSAS dabei ausdrücklich nicht. Stattdessen soll der freimaurerische Grundsatz „Die Menschenliebe und Toleranz über alle Grenzen hinweg“ praktisch gefördert werden.
Ein weiteres konkretes Ziel ist die gegenseitige Anerkennung und der Abbau von Trennlinien innerhalb der Freimaurerei. CLIPSAS ermöglicht es liberalen Großlogen, offizielle geschwisterliche Beziehungen zu unterhalten, ohne dass eine formale Anerkennung durch die traditionelle rein masukline Freimaurerei erforderlich wäre. Die Mitglieder öffnen ihre Tempel einander auf der Grundlage gegenseitiger Achtung – sogar ohne Reziprozitätszwang, d. h. auch dann, wenn die Gegenseite dies (noch) nicht tut. Diese Offenheit soll langfristig dazu beitragen, historisch gewachsene Gräben zwischen verschiedenen freimaurerischen Strömungen zu überwinden und die Idee einer weltweiten Geschwisterkette aller Freimaurer zu verwirklichen.
Appell von Straßburg (1961) Die ideelle Grundlage von CLIPSAS ist der sogenannte Appell von Straßburg (Appel de Strasbourg). Hierbei handelt es sich um eine Erklärung, die am 22. Januar 1961 von den Gründungsobödienzen verabschiedet wurde. In diesem Aufruf, der als Charta des neuen Bundes diente, riefen die Unterzeichner „alle Brüder Freimaurer“ dazu auf, sich zu einer weltumspannenden Bruderkette zusammenzuschließen. Diese Bruderkette solle auf zwei fundamentalen Prinzipien gründen: der absoluten Gewissensfreiheit jedes Einzelnen und einer völligen gegenseitigen Duldsamkeit (Toleranz) untereinander. Der Straßburger Appell hatte programmatischen Charakter. Er stellte klar, dass Unterschiede in Traditionen, Ritualen, Symbolen und Glaubensvorstellungen nicht als Trennungsgrund gesehen werden dürfen, sondern im Gegenteil einen geistigen Reichtum darstellen, der die Freimaurerei bereichert. Weit davon entfernt, eine Quelle der Uneinigkeit zu sein, sollten diese vielfältigen Ausprägungen des freimaurerischen Brauchtums als Ansporn zur gegenseitigen Achtung dienen. Alle Mitglieds-Obödienzen von CLIPSAS erklärten feierlich, dass sie die Verschiedenheit der Wege respektieren und als historisch gewachsene Vielfalt anerkennen.
Ein zentrales Anliegen des Appells war es, die durch Ausschlüsse und Dogmatismus zerrissene Kette der freimaurerischen Einheit wiederherzustellen. Konkret wandten sich die Straßburger Beschlüsse gegen bestimmte Ausschlussklauseln und Doktrinen, die – so die Formulierung – „in Widerspruch zu den Grundsätzen der Anderson’schen Konstitutionen von 1723“ stünden. Insbesondere wurde festgehalten, dass das Anrufen des „Großen Baumeisters aller Welten“ bei der Tempelarbeit oder das Auflegen eines bestimmten heiligen Buches (z. B. der Bibel) nicht zwingend vorgeschrieben werden dürfe, sondern jeder Loge und Großloge zur freien Entscheidung überlassen bleiben solle. Diese Frage – die in der Freimaurerei seit dem 19. Jahrhundert kontrovers diskutiert wurde – markiert bis heute den entscheidenden Unterschied zwischen liberaler und traditioneller rein maskuliner Freimaurerei. Der Appell von Straßburg stellte sich diesbezüglich eindeutig auf die Seite der Gewissensfreiheit: Weder ein Gottesbezug noch ein religiöses Buch dürften autoritativ auferlegt werden.
Darüber hinaus beschlossen die in Straßburg versammelten Obödienzen, untereinander brüderliche Beziehungen anzuknüpfen und jedem Freimaurer, der in einer gerechten und vollkommenen Loge das Licht empfing, die Türen ihrer Tempel zu öffnen – und zwar ohne Gegenseitigkeitszwang, solange es die jeweilige Obödienzstruktur zulässt (unabhängig davon, ob es sich um Männer-, Frauen- oder gemischte Logen handelt). Diese weitreichende Öffnung war revolutionär, da sie die bisher üblichen strengen Anerkennungskriterien durchbrechen sollte.
Der Appell von Straßburg von 1961 hat historische Bedeutung, weil er den formellen Startpunkt für die Organisation CLIPSAS darstellte. Ausdrücklich beziehen sich die Statuten von CLIPSAS auf diesen Gründungsaufruf und übernehmen dessen Prinzipien. In der freimaurerischen Historiografie wird der Appell als Meilenstein der kontinentalen Freimaurerei gewürdigt, da er einen bewussten Gegenentwurf zur englischen Regularität formulierte. Die Unterzeichner betonten, sie verteidigten mit dieser Erklärung die ursprünglichen liberalen Prinzipien der Freimaurerei, wie sie in den Anderson’schen Alten Pflichten von 1723 enthalten sind, und passten sie an die moderne Welt an. Der Text des Appells bekräftigt abschließend die Überzeugung, dass nur auf Grundlage der Gewissensfreiheit Freimaurerei ein Faktor intellektueller, moralischer und spiritueller Bereicherung der Menschheit sein kann. Dieses Bekenntnis bildet seither den „Grundsatz von CLIPSAS“ und den verbindlichen Wertekodex für alle Mitglieder.
CLIPSAS Grundsatz Am 22. Januar 1961 arbeiteten elf Freimaurer-Obödienzen, welche ihre Souveränität in zehn verschiedenen Ländern ausübten, in Straßburg eine Charta aus, die auf der absoluten Gewissensfreiheit basiert, mit der Absicht, die brüderlichen Beziehungen, die sie untereinander pflegen, auf alle Freimaurer und auf alle Freimaurer-Logen auszudehnen. Diese Charta richtet einen Appell an alle Brüder Freimaurer, sich dieser Bruderkette anzuschließen. So entstand «Le Centre de Liaison et d’lnformation des Puissances maçonniques Signataires de l'Appel de Strasbourg», C.L.I.P.S.A.S. genannt (Verbindungs- und Informationszentrum der Freimaurerischen Signatarobödienzen der Straßburger Deklaration).
Durch periodische Arbeitstagungen gewährleistet diese Organisation eine ständige Verbindung unter ihren Mitgliedern. Die auf diese Weise verbundenen Obödienzen sind davon überzeugt, dass der Respekt vor der Gewissensfreiheit eines jeden und eine völlige auf Gegenseitigkeit beruhende Toleranz die Grundpfeiler der freimaurerischen Arbeit sind. Alle Mitglieder des CLIPSAS bekennen sich durch ihren Beitritt zum Appell von Straßburg feierlich zu der Überzeugung, dass die Unterschiede in den Traditionen, Riten, Symbolen und Glaubensrichtungen zwischen den einzelnen Obödienzen oder auch innerhalb derselben, Früchte der historischen Evolution der menschlichen Gemeinschaft sind. Weit davon entfernt, eine Quelle der Uneinigkeit zu sein, stellen diese Unterschiede moralischen Anreiz und geistigen Reichtum dar. Die Unterzeichner des Appells von Straßburg sind der Ansicht, dass ihr Zusammenschluss ein ganz natürliches, den freimaurerischen Geist am besten verkörperndes und aufbauendes Unternehmen ist.
Dieses Bekenntnis zur Toleranz, diese Verkündung der Achtung vor der Denkweise anderer, geben die Grundlage ab für das Entstehen einer Verhaltensweise auf der sich die Freimaurer finden können. Die Signatarobödienzen des Appells von Straßburg sind der Ansicht, dass das Prinzip der Universalität in der Freimaurerei es nicht zulässt, dass gewisse Dogmen und Wahrheiten in autoritärer Art und Weise aufgezwungen werden. Sie glauben, dass die Bruderkette sich auf der Toleranz aufbauen muss, deren Grundlage die vollständige Gewissensfreiheit und der Respekt vor der Menschenwürde ist. Indem sie danach handelt ist die Union von Straßburg davon überzeugt, die Anderson’schen Prinzipien in der modernen Welt zu verteidigen und in die Tat umzusetzen.