mini|Katrin Göring-Eckardt (2026) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift von Katrin Göring-Eckardt Katrin Dagmar Göring-Eckardt, geb. Eckardt (* 3. Mai 1966 in Friedrichroda), ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2005 bis 2013 sowie von 2021 bis 2025 dessen Vizepräsidentin. Von 2002 bis 2005 war sie neben Krista Sager und von 2013 bis 2021 neben Anton Hofreiter Vorsitzende der Bundestagsfraktion ihrer Partei.

Bei der Bundestagswahl 2013 war Göring-Eckardt neben Jürgen Trittin, bei der Bundestagswahl 2017 neben Cem Özdemir Spitzenkandidatin ihrer Partei. Vorausgegangen war jeweils ein Urwahlverfahren, wobei Göring-Eckardt 2017 als einzige Kandidatin allerdings bereits vorab gesetzt war. Sie gilt innerhalb ihrer Partei als Reala.

Sie war von 2009 bis 2013 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und somit Mitglied im Rat der EKD.

Leben Katrin Eckardt wurde am 3. Mai 1966 in der Kleinstadt Friedrichroda im Kreis Gotha als Tochter eines Tanzlehrer-Ehepaares geboren. Nach dem Abitur 1984 an der Erweiterten Oberschule Gotha begann sie ein Studium der evangelischen Theologie an der Karl-Marx-Universität Leipzig, das sie 1988 abbrach. Danach war sie ein bis zwei Jahre als Küchenhilfe tätig.

Parteilaufbahn mini|hochkant|Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Bundestagswahl 2017

Bis zur Wendezeit in der DDR arbeitete Göring-Eckardt ohne Parteimitgliedschaft im Arbeitskreis Solidarische Kirche (AKSK). 1989 wurde sie Gründungsmitglied der in der DDR entstandenen politischen Gruppierung Demokratischer Aufbruch und 1990 der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. Von 1990 bis 1993 war sie Mitglied im thüringischen Landesvorstand von Bündnis 90. Als Mitarbeiterin der Thüringer Landesvorstände von Demokratie jetzt und Bündnis 90 nahm sie an den Verhandlungen zur Zusammenführung von Bündnis 90 und den Grünen teil,Katrin Göring-Eckardt: Ost-Frau, protestantisch, grün. In: Spiegel Online, 10. November 2012. die seit der Fusion mit der Grünen Partei in der DDR 1990 eine gesamtdeutsche Partei waren.

Nach der Fusion von Bündnis 90 mit den Grünen 1993 arbeitete Göring-Eckardt bis 1994 bei der thüringischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen als Referentin für Frauenpolitik, Familie und Jugend. Von 1998 bis 2006 war sie darüber hinaus Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen. Von 1995 bis 1998 war Göring-Eckardt Mitarbeiterin des Grünen-Politikers Matthias Berninger, von 1996 bis 1998 außerdem Beisitzerin im Bundesvorstand der Grünen. Bis 1998 war sie Mitglied des thüringischen Grünen-Landesvorstands. Darüber hinaus war sie ab 1995, mit Unterbrechungen, Landessprecherin. In: bundestag.de, abgerufen am 31. März 2013. 2006 wurde Göring-Eckardt erneut Beisitzerin im thüringischen Grünen-Landesvorstand.

Im Vorfeld der Urabstimmung zur Festlegung der beiden grünen Spitzenkandidaten im November 2012 sprach sich Göring-Eckardt zunächst gegen ein Spitzenduo aus; stattdessen favorisierte sie ein breiter aufgestelltes Spitzenteam. Stark für ihre Kandidatur sprach sich unter anderem der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer aus, der parteiintern ebenfalls als „Realo“ galt. Im Verlauf ihrer Kandidatur bekundete sie die Absicht, sich vor allem gegen das weitere Auseinanderfallen der Gesellschaft einzusetzen. Dabei wolle sie die Menschen mitnehmen und insbesondere auch solche Bevölkerungsschichten dabei ansprechen, für die andere Werte ausschlaggebend seien als rein ökonomische. Beispielgebend für sie sei insbesondere der Wahlerfolg von Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg.Ulrich Schulte: Spitzenkandidaten-Debatte der Grünen: Die Frau für die guten Werte In: taz.de, 13. Juli 2012. Gegenüber den Mitbewerberinnen Claudia Roth und Renate Künast galt Göring-Eckardt eher als Außenseiterin. Bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 am 11. November 2012 lag Göring-Eckardt mit 47,3 % vor ihren Mitbewerberinnen und übernahm, zusammen mit Jürgen Trittin, der die meisten Stimmen gewann, die Funktion als grünes Spitzenduo.Sebastian Heiser: Grüne Urwahl: Gute Nachrichten für Künast. In: die tageszeitung, 11. November 2012. Medien bezeichneten ihr Abschneiden als Korrektur zu dem als eher links geltenden Urwahl-Sieger Jürgen Trittin – vorgenommen von der mittlerweile stark bürgerlich geprägten Parteibasis. Der ihr nachgesagten Affinität zu schwarz-grünen Bündnissen ungeachtet sprach sich Göring-Eckardt nach der Urwahl für eine rot-grüne Koalition aus. Linke Parteimitglieder werteten das gute Abschneiden eher kritisch.

Abgeordnetentätigkeit mini|hochkant|Göring-Eckardt im Bundestag

Seit 1998 ist Göring-Eckardt Mitglied des Deutschen Bundestages. In den Bundestag eingezogen ist sie stets über die Landesliste Thüringen. Von 1998 bis 2002 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin beziehungsweise Erste Parlamentarische Geschäftsführerin (Februar bis Oktober 2002) sowie gesundheits- und rentenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion ihrer Partei. Von Oktober 2002 bis September 2005 war Göring-Eckardt zusammen mit Krista Sager Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Bei der Bundestagswahl 2005 war Göring-Eckardt Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Erfurt – Weimar – Weimarer Land II; dort blieb sie ohne Mandat.

Am 18. Oktober 2005 wurde Göring-Eckardt mit 479 Stimmen bei 69 Nein-Stimmen und 39 Enthaltungen zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags gewählt. Seit Herbst 2005 ist sie zudem kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. 2009 bewarb sich Göring-Eckardt um das Direktmandat im Wahlkreis Gotha – Ilm-Kreis, das sie nicht gewann. Am 27. Oktober 2009 wurde sie am ersten Tag der Versammlung des neuen Parlaments mit 473 Ja-, 9 Nein-, 5 ungültigen Stimmen und 61 Enthaltungen als Bundestagsvizepräsidentin wiedergewählt.

Nach der Bundestagswahl 2013 bewarb sich Göring-Eckardt um den Vorsitz der grünen Bundestagsfraktion. Sie setzte sich in einer Abstimmung am 8. Oktober 2013 mit 41 Stimmen gegen die ebenfalls dem Realo-Lager zugerechnete Freiburger Abgeordnete Kerstin Andreae (20 Stimmen) durch und führte die Bundestagsfraktion gemeinsam mit Anton Hofreiter an.Christina Hebel, Christoph Sydow: Fraktionsspitze: Göring-Eckardt gewinnt Kampfabstimmung bei Grünen. In: Spiegel Online, 8. Oktober 2013.

Im Januar 2019 erklärte Göring-Eckardt, auf die Bewerbung um die Spitzenkandidatur für die nächste Bundestagswahl zu verzichten.

Bei der Neuwahl zum Fraktionsvorstand im Herbst 2019 setzte sich Göring-Eckardt zusammen mit ihrem Co-Fraktionschef Hofreiter erneut in einer Kampfabstimmung gegen die beiden Herausforderer Cem Özdemir und Kirsten Kappert-Gonther durch. Sie erhielt bei der fraktionsinternen Wahl 61,2 Prozent der Stimmen.Tagesschau.de: Fraktionsvorsitz bei den Grünen – Özdemir scheitert, bisheriges Team bleibt, abgerufen am 24. September 2019.

Nach der Bundestagswahl 2021, bei der sie erneut über die Landesliste in den Bundestag einzog, legte sie den Fraktionsvorsitz nieder. Am 9. Dezember 2021 wurde sie im ersten Wahlgang mit 501 von 689 abgegebenen Stimmen zur Bundestagsvizepräsidentin gewählt.

Bei der Bundestagswahl 2025 gewann sie als Spitzenkandidatin der Wahlliste in Thüringen erneut ein Bundestagsmandat. In ihrem Wahlkreis 192 Erfurt – Weimar – Weimarer Land II erhielt sie 3,1 Prozent der Stimmen.

Evangelische Kirche Göring-Eckardt engagierte sich in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Lauf der Jahre übernahm sie im kirchlichen Umfeld eine Reihe von Ämtern und Funktionen. So wurde sie 2007 für eine Amtszeit von sechs Jahren zum Mitglied des Präsidiumsvorstandes des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) gewählt. 2011 leitete sie den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden als Präsidentin. Seit 2013 gehört Göring-Eckardt dem Präsidium des DEKT an.

Göring-Eckardt war Mitglied in der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie wurde am 2. Mai 2009 zu deren Präses gewählt, dabei setzte sie sich gegen den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein durch.vgl. bei tagesschau.de, 2. Mai 2009.Katrin Göring-Eckardt zur Präses der EKD-Synode gewählt. In: ekd.de, 2. Mai 2009. Sie war in diesem Amt Nachfolgerin der Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke.

Nach der gewonnenen Urwahl als Spitzenkandidatin der Grünen im November 2012 gab sie bekannt, ihre Ämter in der EKD bis zum Ende des Bundestagswahlkampfs 2013 ruhen zu lassen. Am 26. September 2013 legte Göring-Eckardt mit sofortiger Wirkung ihr Amt als Präses der Synode der EKD nieder. Sie begründete dies damit, dass sie sich nun „mit ganzer Kraft“ der künftigen Entwicklung bei den Grünen widmen wolle. In der Synode wirkt sie aber weiterhin mit.Katrin Göring-Eckardt legt EKD-Leitungsamt nieder. Pressemitteilung der EKD, abgerufen am 26. September 2013.

Nach einem Bericht in der Welt hält sie nichts von Evangelikalen, bezeichne sich aber selbst als „fromm“.

Seit Ende Oktober 2016 trat Göring-Eckardt neben anderen Prominenten als Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 auf.

Sonstiges Engagement Göring-Eckardt ist Mitglied des Kuratoriums der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. Abgerufen am 11. November 2012.

Weitere Mitglied- und Schirmherrschaften (aktuell und ehemalig): Deutscher Evangelischer Kirchentag (Präsidiumsvorstand) Internationale Martin Luther Stiftung (Kuratorium) Hermann Kunst-Stiftung zur Förderung der neutestamentlichen Textforschung (Kuratorium) Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) (Stiftungsratsmitglied) ehemaliges Mitglied der Atlantik-Brücke e. V. (ausgetreten 2013) Women in Jazz in Halle (Saale) (Schirmherrin)

Privates Sie war ab 1988 mit dem evangelisch-lutherischen Pfarrer Michael Göring in Ingersleben verheiratet, mit dem sie zwei Söhne hat. 2017 wurde die Trennung von ihrem Ehemann bekannt. Ihr neuer Partner wurde Thies Gundlach, einer der Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD, der zwei Kinder aus erster Ehe hat.Göring-Eckardt hat sich von ihrem Mann getrennt – und spricht über ihre neue Liebe In: Focus, 16. April 2017. Auch ihr erster Mann hatte aus erster Ehe drei Kinder.Patrick Krug: 35 Jahre in Ingersleben. Thüringische Landeszeitung, 1./2. Mai 2013.

Politische Positionen Parteiintern sowie seitens der Medien und der Öffentlichkeit wird Göring-Eckardt dem sogenannten Realo-Flügel der Grünen zugeordnet. Göring-Eckardt stellte in der Vergangenheit ihre Entscheidungen wiederholt auf religiös fundierte Gewissensentscheidungen ab. Wegen ihrer starken Verortung im bürgerlichen Milieu sowie ihrer guten Kontakte ins CDU-Lager hinein wird sie darüber hinaus auch immer wieder als geeignete Persönlichkeit für das Schmieden schwarz-grüner Koalitionen aufgeführt. Fundiert wird dieser Ruf durch Göring-Eckardts Teilnahme an der sogenannten Pizza-Connection in den 1990er Jahren – einem informellen Gesprächskreis zwischen grünen und christdemokratischen Nachwuchspolitikern, dessen Bezeichnung auf den damaligen Treffpunkt, ein italienisches Restaurant in Bonn, anspielt.Veit Medick, Severin Weiland: Nach der Urwahl: Wie schwarz sind die Grünen? In: Spiegel Online, 12. November 2012.Julia Halbig: Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt: Die grüne Christin. In: Sueddeutsche.de, 10. November 2012.