Unregelmäßige Verben im Neugriechischen sind Verben, die entweder hinsichtlich ihrer Stämme oder ihrer Endungen Besonderheiten aufweisen und nicht nach den üblichen Konjugationsregeln der neugriechischen Verben flektiert werden.
Vorbemerkungen und Statistik Als unregelmäßige Verben können folgende gelten: Verben, deren Stämme Besonderheiten aufweisen Verben, deren Endungen Besonderheiten aufweisen Defektive Verben, d. h. Verben, die nicht alle Formen bilden und beispielsweise nur im Präsensstamm auftreten, nicht aber im Aoriststamm
Das maßgebliche wissenschaftliche Lexikon zu den Verben im Neugriechischen von Anna Iordanidou umfasst 4500 Verben mit 235 (!) verschiedenen Konjugationsschemata, was die enorme Vielfalt des neugriechischen Verbsystems zeigt. Da natürlich nur ein Teil dieser 235 Konjugationstypen als regelmäßig gilt, ist die Liste der unregelmäßigen Verben entsprechend lang.
Die Liste in diesem Artikel, die auch gelehrte Verben sowie deren Komposita berücksichtigt, umfasst ohne die defektiven Verben etwa 500 unregelmäßige Verben, wobei damit allerdings bei weitem nicht alle in Frage kommenden Verben erfasst sind.
Wie viele und welche Verben zu diesen Gruppen zu zählen sind, hängt unmittelbar mit der Frage zusammen, inwieweit man unter dem Begriff „Neugriechisch“ auch altgriechische bzw. hochsprachliche Wörter und Grammatikstrukturen im Rahmen des Neugriechischen zulässt. Diese Frage ist alles andere als einfach zu beantworten, da sich das Neugriechische nicht wie etwa das Neuhochdeutsche als eine diachron gut eingrenzbare und kompakte Sprache präsentiert, sondern in den letzten Jahrzehnten starke Entwicklungen durchgemacht und sein Aussehen deutlich verändert hat. So sind in das heutige Standard Modern Greek, das sich als eine Art Synthese zwischen der einstigen Volkssprache (Dimotiki) und der Hochsprache (Katharevousa) darstellt, viele hochsprachliche („gelehrte“) Verben eingegangen, die zum Teil nach altgriechischen Konjugationsschemata flektiert werden und im Rahmen des Neugriechischen unregelmäßig sind. Ihr Gebrauch beschränkt sich oftmals auf den schriftlichen oder gelehrten Bereich; vielfach sind auch nur bestimmte Formen (meist die 3. Person Singular und Plural) gebräuchlich.
Schließlich hängt die Zahl der unregelmäßigen Verben auch davon ab, wie man innerhalb des neugriechischen Verbkonjugationssystems die Grenze zwischen „regelmäßig“ und „unregelmäßig“ zieht. Problematisch sind hier beispielsweise alle Verben auf -αίνω, die den Aorist auf -ανα (-άνθηκα), -ανα (-άθηκα), -υνα oder -αξα bilden; sowie diejenigen Verben auf -ώ, die den Aorist nicht auf -ησα (regelmäßig), sondern auf -ασα, -εσα, -υσα, -αξα, -ηξα oder -εψα (unregelmäßig) bilden. In der untenstehenden Liste sind zumindest einige Verben auf -αίνω und die wichtigsten unregelmäßigen auf -ώ (Aorist nicht -ησα) enthalten.
Verben mit unregelmäßiger Stammbildung Die Neugriechisch-Grammatik von Manolis Triantafyllidis (1941) unterscheidet zehn verschiedene Typen unregelmäßiger Verben: Verben, die ihren Aoriststamm von einer anderen Wurzel bilden (βλέπω > είδα). Verben, die im Aoriststamm den Schlusskonsonant des Präsensstamms ändern (außer zu /s/) (βάζω > έβαλα). Verben, die im Aoriststamm den Stammvokal des Präsensstammes ändern (δίνω > έδωσα). Verben auf -αίνω oder -άνω, die im Aorist das ν verlieren und den Vokal des Präsensstammes ändern (αμαρτάνω > αμάρτησα). Verben auf -λλω, die im Aoriststamm ein λ verlieren und teils auch den Vokal des Präsensstammes ändern (σφάλλω > έσφαλα). Verben auf -λνω oder -ρνω, die im Aoriststamm das ν verlieren und oft auch den Vokal des Präsensstammes ändern (δέρνω > έδειρα). Verben auf -αίνω, die im Aoriststamm die Silbe -αιν- verlieren (καταλαβαίνω > κατάλαβα). Verben der ersten Konjugation, die Tempora und Formen wie Verben der zweiten Konjugation bilden (βόσκω > βόσκησα). Verben der zweiten Konjugation (-ώ), die den Aorist auf -ασα, -εσα, -υσα, -αξα, -ηξα, -εψα bilden (γελώ > γέλασα). Verben, die eine unregelmäßige Partizipienbildung aufweisen (αγανακτώ > αγανακτισμένος).
Zusammen mit zahlreichen gelehrten Verben, die in den letzten Jahrzehnten aus der Katharevousa ins Neugriechische eingegangen sind und von Triantafyllidis 1941 noch nicht erfasst wurden, ergibt sich folgende (unvollständige) Liste der Verben mit unregelmäßiger Stammbildung im Neugriechischen. Anmerkung: Komposita sind meist unter dem Grundverb aufgelistet, sofern sie wie dieses konjugiert werden; das Verb επιτρέπω ist beispielsweise unter τρέπω zu finden. Sehr gelehrte Formen sind mit einem Asteriskus* versehen. Eingeklammerte Vorsilben demonstrieren beispielsweise die Bildung des inneren Augments bzw. stehen dann, wenn nur das Kompositum mit Vorsilbe gebräuchlich ist. Ganze eingeklammerte Formen geben an, dass der Gebrauch sehr selten ist. Aufgrund ihrer direkten Übernahme aus dem Altgriechischen ohne Rücksichtnahme auf die veränderte Phonologie beinhalten diese Formen manchmal schwer zu artikulierende Lautkombinationen; dann sind sie mit zwei Asterisken** markiert. Nicht als unregelmäßig erachtet wurden Verben auf -εύω, die den gelehrten Aorist -ευσα bilden (z. B. απαγορεύω, απογοητεύω, γοητεύω, δραπετεύω, σκοπεύω, υπαγορεύω, χρησιμεύω), sowie Verben, die im Aorist ein inneres Augment bilden, sich aber ansonsten normal verhalten (z. B. εκφράζω > εξέφρασα). Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden Verben, die unregelmäßige Imperative bilden, wie beispielsweise τρέχω > τρέχα.