Pattensen ist eine Kleinstadt in der Region Hannover südlich der Stadt Hannover in Niedersachsen. Sie hat etwa 15.000 Einwohner und ist landwirtschaftlich geprägt. Viele der Bewohner sind Pendler in den Wirtschaftsraum Hannover.

Geografie Pattensen grenzt im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten, an Springe, Hemmingen und Laatzen, alle in der Region Hannover, sowie an Sarstedt und Nordstemmen aus dem Landkreis Hildesheim. Der Ort liegt in der historischen Landschaft des Calenberger Landes und innerhalb der Calenberger Lössbörde mit fruchtbaren Ackerböden.

Jeder Stadtteil hat seine eigene Ortslage. Zwischen den jeweils einige hundert bis etwa viertausend Meter voneinander entfernten Ortslagen liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ein Teil der zwischen Pattensen-Mitte und dem etwa vier Kilometer südsüdöstlich benachbarten Jeinsen liegenden Fläche gehört zur Gemarkung Sarstedt.

Im Osten Pattensens fließt die Leine mit dem Naturschutzgebiet Leineaue zwischen Hannover und Ruthe und den Landschaftsschutzgebieten Obere Leine und Calenberger Leinetal. Ganz im Süden liegt auf etwa einem Quadratkilometer Fläche eine bewaldete Erhebung mit dem Marienberg, dem Schulenberger Berg und dem Maßberg, sowie dem Adenser Berg auf Nordstemmer Gebiet. Einige weitere Waldstücke (Jeinser Holz und Oerier Wald) liegen im Südwesten bei Oerie.

Stadtgliederung Die Stadt Pattensen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortschaften Hüpede-Oerie, Jeinsen, Koldingen, Pattensen-Mitte, Reden, Schulenburg (inkl. Ortsteil Lauenstadt) und Vardegötzen (inkl. Ortsteil Thiedenwiese).

Geschichte Mittelalter Die ersten Anzeichen für menschliche Besiedlung in der Umgebung von Pattensen reichen bis in die Mittlere Altsteinzeit zurück. Vermutlich haben sich jedoch erst zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert Menschen im Gebiet der heutigen Altstadt niedergelassen.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 1.3: Frühe Spuren von Menschen, S. 13f. Im 9. Jahrhundert wurde in Pattensen bereits eine Urpfarrei gegründet.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Pattensen im Jahr 986 in den Traditiones Corbeienses, den Schenkungsregister des Klosters Corvey. In diesem Register wurde mehrfach der Ortsname Pathi im Marstemgau erwähnt. Der Zeitpunkt konnte im Abgleich mit dem Mönchsverzeichnis und der Amtszeit des Abtes Thietmarus (983–1001) mit ziemlicher Sicherheit festgelegt werden.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 1.1: Tausendjähriges Pattensen, S. 10 ff. Der Name Pathi (auch Pathihus oder Pathihusen), aus dem später Pattensen wurde, lässt sich vermutlich auf das germanische Wort „Path“ zurückführen, welches sich als „Sumpf“ oder „morastiges Land“ übersetzen lässt und sich auf die Lage Pattensens am Sumpf in der Schille-Niederung beziehen könnte.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 1.2: Der Name: Von "Pathi" zu "Pattensen", S. 12f.

Die Ansiedlung Pattensens lässt sich durch die Lage an der Kreuzung zweier bedeutender mittelalterlicher Handelswege erklären. Einer führte in Nord-Süd-Richtung parallel zur Leine (heutige B3) vermutlich durch Pattensen, da es hier eine Querungsmöglichkeit über den ausgedehnten Sumpf gab (um die heutigen Bruchwiesen). In West-Ost-Richtung führte zudem der Hellweg vor dem Santforde durch den Ort oder nahe daran vorbei. Ein Rastplatz an dieser Stelle ist wahrscheinlich.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 1.4: Die Lage an der Kreuzung zweier Handelswege, S. 15f.

mini|Ortsplan von 1733 mit der Burg Im 13. Jahrhundert gehörte das Go Pattensen zur Grafschaft Hallermund, was sich unter anderem durch den Fund der Hallermunder Münze belegen lässt, ein zwischen 1210 und 1220 in der Münzstätte in Pattensen geprägter Brakteat mit Verweis auf den Prägeort Pattensen und den Münzherrn Ludolf II. von Hallermund.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 1.5: Vom Dorf zur Burg, S. 17ff. Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten die Grafen von Hallermund auf einer hügelartigen Erhebung die Burg Pattensen zur Überwachung der Handelswege. Im näheren Umfeld der Burg entstanden acht Burgmannshöfe, darunter der spätere Weidemannsche Hof. Sie dienten der Versorgung der Burgbewohner mit Nahrungsmitteln aus der LandwirtschaftStephanie Zerm: in Neue Presse vom 11. März 2015, Gebrauchsgütern und Mannschaften (Burgmannen). Die Höfe wurden hufeisenförmig um die Burg angelegt und ließen Platz für das bereits bestehende Dorf und die zwischen 1150 und 1180 erbaute Kirche (St. Lucas). Vermutlich ebenfalls in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verlieh Ludolf II. von Hallermund als zuständiger Territorialherr Pattensen auch die ersten Stadtrechte.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 2.1: Pattensen wird Stadt, S. 20ff.

mini|Reste der Stadtmauer am Ende der Dammstraße Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts erlangten die Welfen die Macht über das Go Pattensen, das somit zum Fürstentum Lüneburg als Teil des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg gehörte. Mit der Lage an der Grenze zwischen Lüneburger und Braunschweiger Gebiet sowie an der Grenze der Bistümer Minden und Hildesheim kam Pattensen eine militärstrategische Bedeutung zu und wurde daher in der Folge stark befestigt. Die Stadt wurde Richtung Westen bis in den Sumpf hinein erweitert, auch um eine bedeutende Anzahl Truppen unterzubringen. Für die Erweiterung wurde der Hüpeder Bach umgeleitet und ein zweites Stadttor (Dammtor) errichtet. Richtung Hiddestorf wurde ein Bohlendamm (heutige Dammstraße) durch den Sumpf angelegt, an dem Weg wurden neue Bauernstellen eingerichtet. Durch diese Erweiterung, die bis in das 14. Jahrhundert andauerte, entstanden in der Stadt zwei Markgenossenschaften, die Steintorgemeinde (östlich der Kirche) und die Dammtorgemeinde (westlich der Kirche). Zu jeder Gemeinde gehörten vor den jeweiligen Toren gelegene Feldstücke, über die die Gemeinden selbstständig entschieden.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 2.2: Der Ausbau des befestigten Stadtbildes, S. 23f.

Im heutigen Pattenser Ortsteil Koldingen wurde im 13. oder 14. Jahrhundert die Burg Koldingen als Wasserburg zur Überwachung des Leineübergangs erbaut. 1292 errichtete Otto der Strenge in Schulenburg die Burg Calenberg, von der das Umland seinen Namen hat. Die Feste wurde gegen die Bischöfe von Hildesheim errichtet und diente später lange Zeit als Residenz und Verwaltungssitz der welfischen Herzöge.

Im 1370 ausgebrochenen Lüneburger Erbfolgekrieg wurde Pattensen am 25. Juli 1373 durch Herzog Albrecht „im Sturm“ erobert. Nach Kriegsende stellten Heinrich und Bernhard am 3. Februar 1390 eine Priveligienbestätigung an die Stadt Pattensen aus.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 3.1: Lüneburger Erbfolgekrieg (1373), S. 26f. 1429 plünderte Otto, der Sohn Bernhards das Calenberger Land, das mittlerweile zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gehörte und verschanzte sich in Pattensen, das zum Fürstentum Lüneburg gehörte. Der Wolfenbütteler Herzog Wilhelm eroberte daraufhin Pattensen, welches damit zum Wolfenbütteler Teil des Herzogtums überging. Die siegreichen Wilhelm und Heinrich gestatteten Pattensen als Entschädigung für die entstandenen Schäden eine sechsjährige Steuerfreiheit.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 3.2: Raubritter und Wegelagerer (1429, 1432 und 1466), S. 31ff. Nach weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen wurde das Wolfenbütteler Fürstentum 1432 aufgeteilt, das Calenberger Land ging als Fürstentum Calenberg an Wilhelm und 1433 wurde schließlich durch Zahlung von 2500 Rheinischen Gulden auch die Zugehörigkeit Pattensens zum Calenberger Teil des Herzogtums geregelt.

mini|Schloss und Burg Koldingen (1654/1658), Pattensen im Hintergrund Im Laufe der Hildesheimer Stiftsfehde kamen die Hildesheimer Truppen am 6. Mai 1519 nach Pattensen, nahmen die Stadt kampflos ein und plünderten. Nach dem Abbruch der darauffolgenden vierwöchigen Belagerung der Festung Calenberg wurde Pattensen, das als Quartier gedient hatte, nahezu vollständig niedergebrannt, nur zwei Häuser überstanden das Feuer. Auch das Schloss Koldingen und die Burg Koldingen wurde zerstört. Am 2. Oktober 1522 und am 21. April 1523 führten weitere Vergeltungsschläge der Hildesheimer zu erneuten verheerenden Bränden und Zerstörungen in Pattensen. Eine im Jahr 1526 erstellte Schadensberechnung wies für Pattensen einen Schaden von 40.000 Gulden aus (der Schaden für Hannover wurde zum Vergleich auf 55.000 Gulden taxiert). Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 3.5: Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523), S. 36ff.

Neuzeit mini|Superintendent Antonius Corvinus Pattensen war bereits seit dem 13. Jahrhundert Sitz eines Archidiakonats und erreichte seinen religiösen Höhepunkt zur Zeit der Reformation, nachdem Antonius Corvinus ab 1542 als Landessuperintendent hier seinen Amtssitz hatte. Zum Archidiakonat gehörten zu der Zeit sogar die drei hannoverschen Altstadtkirchen (St. Georg, Aegidienkirche, Kreuzkirche).Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 7: Zur früheren Bedeutung Pattensens im Calenberger Land, S. 64ff. Die erste große Kirchensynode des Landes fand im Juli 1544 in Pattensen statt. Während dieser Zeit galt Pattensen auch als wichtiger Versammlungsort vieler Landtage und beherbergte Bischöfe und Herzöge. Auch das 1527 gegründete Hannoversche Hofgericht wurde nach Pattensen verlegt und bestand bis 1587. Als auf Betreiben des Herzogs Erich II. die Gegenreformation Einzug erhielt und der Herzog 1549 versuchte, das Augsburger Interim des Kaisers umzusetzen, stellte sich Corvinus dagegen, woraufhin der Herzog ihn und den Pattenser Pfarrer Walter Höker gefangen nahm und drei Jahre lang auf der Feste Calenberg einkerkerte.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 8: Antonious Corvinus und die Reformation im Fürstentum, S. 68ff.

Ebenfalls Herzog Erich war es, der die Hexenprozesse in der Stadt Eldagsen und die Hexenverfolgung in Neustadt am Rübenberge vorantrieb, bei denen von 1568 bis 1574 auch Frauen aus Pattensen vor Gericht gestellt wurden, darunter Annecke Rotschroeder, Annecke Voss und Margarethe Knigge.Eckhard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Calenberger Kleinstadt, Druck- und Verlagshaus Fromm, Osnabrück, 1986. Kapitel 5: Hexenverfolgungen, S. 47ff.

mini|Wietersches Haus (Baujahr 1614)