In den Fesseln von Shangri-La (Originaltitel Lost Horizon; deutscher Titel auch In Fesseln von Shangri-La,Vgl. Filmprogramm Illustrierte Film-Bühne Nr. 589 sowie die Abbildung des Filmplakats als Cinema-Plakatkarte. österreichische Titel Das verlorene Paradies und Der verlorene HorizontIllustrierter Film-Kurier (Wien) Nr. 1836.) ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Frank Capra aus dem Jahr 1937. Die Hauptrollen spielten Ronald Colman, Jane Wyatt und Edward Everett Horton. Als literarische Vorlage für das Drehbuch diente der utopische Roman Der verlorene Horizont von James Hilton.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Shangri-La, ein fiktiver Ort in Tibet, wo Menschen in Frieden und Harmonie leben. Die Uraufführung des oscarprämierten Films fand am 2. März 1937 in San Francisco, die europäische Erstaufführung während der Salzburger Festspiele 1937 statt.American Film Institute Catalog of feature films Details of ‚Lost Horizon‘ (1937). In: afi.com, abgerufen am 6. Juni 2018. Die Produktion wurde damals als „eines der gewaltigsten Filmwerke, die jemals über die Leinwand liefen“, bezeichnet.

Aufgrund seiner pazifistischen Botschaft und Kritik an der westlichen Lebensweise wurde der Film während des Zweiten Weltkriegs und im Kalten Krieg durch die damalige US-amerikanische Filmzensur massiv gekürzt und bearbeitet; von der Fassung der Uraufführung blieb nur die Tonspur erhalten.Jerry Hopkins: Romancing the East: A Literary Odyssey from the Heart of Darkness to the River Kwai. Tuttle Publishing, 2013, S. 151.Lacuna, Sonderfall Lost Horizon. In: Lexikon der Filmbegriffe, filmlexikon.uni-kiel.de, abgerufen am 6. Juni 2018. Nach Abschaffung des Hays Codes initiierte 1973 das American Film Institute eine Restaurierung des Originalfilms.Stephen Farber: Cuts in film ‘Lost Horizon’ restored. In: The New York Times, 3. September 1986, abgerufen am 5. Juni 2018. Über einen Zeitraum von 25 Jahren konnte mittels weltweit zusammengetragenem Filmmaterial eine Anzahl von fehlenden Szenen wieder eingefügt werden. In: sphe.de, abgerufen am 6. Juni 2018.

1999 wurde die wiederhergestellte Urversion von Columbia TriStar veröffentlicht, 2013 von Sony Pictures im 4K-Format digitalisiert, und in dieser Fassung 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes wiederaufgeführt.Cannes Classics 2014. Lost Horizon (Horizons perdus) In: Archives Festival de Cannes, abgerufen am 6. Juni 2018.Lost Horizon. In: thedigitalbits.com, abgerufen am 6. Juni 2018. In den USA stufte die Library of Congress 2016 Frank Capras zeitloses Meisterwerk im National Film Registry als „kulturell, historisch und schöngeistig bedeutsam“ ein.Ashley Hoffman: These 25 Movies Were Just Added to the National Film Registry. In: Time Magazine, 14. Dezember 2016, abgerufen am 6. Juni 2018. Zum 80-jährigen Bestehen des Films wurde die restaurierte Fassung 2018 für den Saturn Award als eine der besten Homevideo-Veröffentlichungen nominiert.

Handlung Während eines Aufstands 1935 in China versucht der pazifistisch eingestellte britische Diplomat Robert Conway gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder George mehrere Ausländer mit hastig organisierten Flugzeugen aus dem (fiktiven) Ort Baskul nach Shanghai zu evakuieren. Dabei kritisiert er, dass nur „Weiße“ ausgeflogen werden können. In der letzten Maschine, mit der die Flüchtlinge starten können, befinden sich außer den beiden Brüdern der wegen Betrugs gesuchte Amerikaner Henry Barnard, der englische Paläontologie-Professor Alexander Lovett und die an einer unheilbaren Krankheit leidende Prostituierte Gloria Stone. Erschöpft schlafen die Passagiere ein. Erst am nächsten Morgen bemerken sie, dass das Flugzeug von seinem Kurs abgewichen ist und am Steuer statt des britischen ein asiatischer Pilot sitzt. Nach einer Zwischenlandung, bei der ein Bergvolk Flugbenzin zur Verfügung stellt, stürzt die Maschine in einem Schneesturm im Himalaya fern von jeglicher Zivilisation ab und landet auf einem schneebedeckten Plateau im Inneren Tibets. Als alle Hoffnung auf Rettung verloren scheint, wird die Gruppe von Mönchen gefunden und in ein entlegenes Tal namens Shangri-La zu einem geheimnisvollen gleichnamigen Kloster gebracht.

In Shangri-La, einem Tal von wunderbarer Schönheit, herrschen nicht nur klimatisch paradiesische Zustände – von der westlichen Welt unbemerkt haben sich die Bewohner einen Garten Eden geschaffen und halten ihre Gemeinschaft für die letzte Oase, in der die geistigen Schätze der Menschheit aufbewahrt werden, geschützt vor Kriegen und Katastrophen. Sie leben in harmonischem Frieden und altern nur langsam. Einführend erklärt der Mönch Chang, dass die Bezirke in Shangri-La stellvertretend für das Reich der menschlichen Seele stehen, die in der heutigen Welt mit ihrer Hast, ihrer Oberflächlichkeit, ihren Dogmen und ihrem Zwang tödlich bedrängt wird. Weiter führt Chang aus, dass es in Shangri-La verschiedene Religionen gibt, unter anderem einen taoistischen und einen konfuzianischen Tempel weiter unten im Tal, und fügt hinzu: „Jedes Juwel hat Facetten, und es ist möglich, dass viele Religionen die gemäßigte Wahrheit enthalten.“

Obwohl das Eintreffen der Gruppe nicht zufällig ist, gewöhnen sich Robert und seine Begleiter schnell an das sagenhafte Leben. Die Abgeschiedenheit zwingt die unfreiwilligen, aber zuvorkommend und gastfreundlich aufgenommenen Gäste zu Selbsteinkehr und innerer Bewährung. Langsam findet Robert Zugang und Vertrauen zum Hohen Lama von Shangri-La, einem über 200 Jahre alten Mönch aus Belgien. Dieser eröffnet ihm, dass er das Flugzeug entführen ließ, weil er Roberts Büchern und öffentlichen Handlungen entnommen habe, dass dieser sich nach Frieden sehne und nach Shangri-La gehöre. Die Besonderheiten und Vorzüge des Lebens in dieser kleinen, abgeschiedenen Welt, in der die Lebensspanne der Menschen bei geistiger und körperlicher Jugend um den Faktor 3 bis 4 verlängert ist, erläutert der Hohe Lama mit den Worten:

„Wir sind keine Wundertäter, wir haben weder den Tod besiegt noch den Verfall. Alles, was wir tun können, ist, den Ablauf dieses kurzen, ‚Leben‘ genannten Zwischenspiels, zu verlangsamen. Wir bewirken dies durch Methoden, die hier so einfach wie anderswo unmöglich sind. Aber täuschen Sie sich nicht, das Ende erwartet uns alle. Haben Sie jemals in diesen Tagen der Kriege und Gerüchte von Kriegen von einem Ort geträumt, an dem es Frieden und Sicherheit gibt, in dem das Leben kein Kampf, sondern eine dauerhafte Freude ist? Natürlich haben Sie das. Jeder Mensch hat diesen Traum. Es ist immer der derselbe Traum. Manche nennen diesen Ort Utopia, andere Jungbrunnen. Schauen Sie sich die Welt von heute an. Gibt es etwas, das erbärmlicher ist? Was für ein Wahnsinn! Was für eine Blindheit! Was für eine geistlose Führungselite! Eine hastige Masse verwirrter Menschen, die kopfüber aufeinanderprallt und von einer Orgie aus Gier und Brutalität angetrieben wird. Es ist unsere Hoffnung, dass sich eines Tages die brüderliche Liebe von Shangri-La auf der ganzen Welt ausbreiten wird. Wenn die Machtgierigen einander verschlungen haben und die Sanftmütigen die Erde erben, kann endlich die christliche Ethik erfüllt werden.“

Zunehmend fühlen sich Robert und seine Begleiter in der neuen Umwelt glücklich und zufrieden. Nur George sehnt sich in die Zivilisation und seine frühere Existenz zurück, obwohl Maria, ein junges Mädchen aus Shangri-La, ihn leidenschaftlich liebt und ihn zum Bleiben animiert. Chang erzählt, dass Maria eigentlich fast 70 Jahre alt ist und ihre Jugend sowie Schönheit der Wunderkraft Shangri-Las verdankt. Auch Robert verliebt sich in eine Bewohnerin, die mysteriöse und schöne Sondra. Zudem entwickelt sich eine herzliche Zuneigung zwischen Gloria, die ihre Gesundheit wiedererlangt, und Henry, und beide lassen ihre düstere Vergangenheit hinter sich.

Kurz vor seinem Tod bittet der Hohe Lama Robert, die Führung und Verantwortung von Shangri-La zu übernehmen. Jedoch weckt George in Robert Zweifel an der Wunderkraft des Ortes und bewegt ihn, gemeinsam mit Maria und einer Gruppe nicht vertrauenswürdiger Sherpas Shangri-La zu verlassen. Auf dem Weg durch die schneebedeckten Berge verlieren die Brüder mit Maria, deren Kräfte zusehends schwinden, immer mehr den Anschluss. Um den Ballast loszuwerden, schießen die Sherpas in Richtung der Zurückfallenden. Durch die Schüsse löst sich eine Schneelawine, die alle Sherpas unter sich begräbt. Robert, George und Maria finden Zuflucht in einer Höhle, wo Maria schlagartig altert und stirbt. Nun erkennt George, dass er seinen Bruder zu Unrecht um den Glauben an Shangri-La gebracht hat. Von Wahnsinn und Reue ergriffen springt er von einem hohen Bergmassiv in den Tod.

Robert erreicht mit letzten Kräften die Zivilisation und wird in einem Hospital gepflegt. Durch eine Reihe von Telegrammen an den Premierminister in London wird klar, dass er eine Amnesie hatte, aber nun von dem britischen Botschaftsangehörigen Lord Gainsford nach England zurückgebracht werden soll. Jedoch erlangt Robert sein Gedächtnis zurück und flieht kurz vor der Abreise, um nach Shangri-La zurückzukehren. Nach zehn Monaten Suche nach Robert gibt Gainsford auf und kehrt nach London zurück. Er erzählt seinen Clubmitgliedern von Roberts erstaunlichen Abenteuern und den Versuchen, seinen verlorenen Horizont zu finden. Während die Männer auf Roberts Erfolg anstoßen, gelangt dieser unter abenteuerlichen Umständen zurück nach Shangri-La, wo er seinen Traum vom Frieden verwirklichen kann.Mein Film – Illustrierte Film- und Kinorundschau. Heft 635 vom 25. Februar 1938, S. 19. In: ÖNB – ANNA Österreichische Nationalbibliothek, abgerufen am 5. Juni 2018..

Produktion Vorproduktion mini|Frank Capra Frank Capra war, nach späteren Aussagen seines Sohnes Frank Capra junior, tief von den Auswirkungen der Great Depression betroffen, gab aber die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht auf. Wie Millionen andere Menschen faszinierte ihn der Roman Lost Horizon des jungen britischen Schriftstellers James Hilton, der mit seinem Paradies „Shangri-La“ das Idealbild einer menschlichen Gemeinschaft entworfen hatte. Für Capra stand fest, dass ein von der Depression mental geschlagenes Volk an die Verwirklichung einer Gemeinschaft in Frieden und Harmonie glauben musste.Kevin Lewis: In: Editors Guild Magazine, The Motion Picture Editors Guild, 2005, abgerufen am 5. März 2025. Zu dieser Zeit galt Capra als bestbezahlter Regisseur in Hollywood und konnte drehen, was er wollte.Barry Gewen: It Wasn’t Such a Wonderful Life. In: The New York Times, 3. Mai 1992, abgerufen am 17. Juni 2018.

Im Auftrag von Capra erwarb Columbia Pictures bereits 1934 die Filmrechte. Als Kameramann konnte Joseph Walker verpflichtet werden, der bei insgesamt 18 Filmen mit Capra zusammenarbeitete. Das Drehbuch schrieb Capras ebenfalls langjähriger Mitarbeiter Robert Riskin. Hierbei stand James Hilton beratend zur Seite. Im Wesentlichen entsprach die spätere Urfassung des Films der Romanvorlage. Hinzugefügt wurden aus romantischen Aspekten die Figur der Sondra sowie der belustigende Professor Alexander Lovett, die beide im Roman nicht vorkommen. Hilton billigte diese Unterschiede.

Die Spezialeffekte wurden von E. Roy Davidson und Ganahl Carson gestaltet. Die Kulisse von Shangri-La, die Stephen Goosson mit 150 Arbeitern in einer Bauzeit von zwei Monaten errichtete, war eine außergewöhnliche künstlerische Leistung und gilt bis heute als die größte Filmkulisse, die jemals in Hollywood gebaut wurde. Ursprünglich wollte Capra den Film im neuen Technicolor-Verfahren drehen. Dies lehnte Harry Cohn nicht nur aufgrund der bedeutend höheren Materialkosten ab. Mitte der 1930er Jahre waren Aufnahmen von Lawinen und schneebedeckten hohen Bergen technisch schwierig zu realisieren, weshalb für diese Szenen Schwarzweißfilm-Material aus einer Dokumentation über Bergsport in den Alpen verwendet werden musste.Joseph McBride: Frank Capra. The Catastrophe of Success. Touchstone Books, 1992, S. 351.

Besetzung