mini|Hörder Brückenplatz
Hörde ist ein Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk im Süden von Dortmund. Die ehemals selbstständige Stadt in der Grafschaft Mark und Kreisstadt des Landkreises Hörde wurde 1928 nach Dortmund eingemeindet. Von 1911 bis 1928 bildete Hörde einen eigenen Stadtkreis.
Heute vollzieht sich in Hörde ein Strukturwandel. Der Ortsteil im Schatten der Hermannshütte entwickelt sich zu einem modernen, freizeitorientierten Dortmunder Stadtteil mit technologieorientierten Unternehmen. Im Rahmen der Stadtentwicklung wurde der Phoenix-See angelegt und ein Zentrum der Mikrosystemtechnik angesiedelt. Kritiker warnen vor Gentrifizierung durch die Aufwertung des Stadtteils.
Geographie Hörde liegt an der Emscher, einem rechten Nebenfluss des Rheins. Im Westen grenzt Hörde an den Stadtbezirk Hombruch, im Süden an die Stadtteile Hacheney, Wellinghofen und Benninghofen im Stadtbezirk Hörde, im Osten an den Stadtbezirk Aplerbeck und im Norden an den Stadtbezirk Innenstadt-Ost.
Geschichte mini|Hörder Burg und Eingangsbereich zum Phoenix-See (2014) Der Name der von dem Grafen von der Mark gegründeten Stadt Hörde geht auf Huryde oder Huride zurück. Dies hieß so viel wie ‚Hürde‘. Zur Gründungszeit sorgten die Emschersümpfe dafür, dass diese Hürden wirklich bestanden.
Die ersten Hörder waren Wellinghofer, die auf Geheiß des Grafen umsiedelten. Erstmals wird Hörde in einer Urkunde Kaiser Ottos IV. im Jahr 1198 erwähnt. Im 12. Jahrhundert wurde von den Herren von Hörde die Hörder Burg errichtet. 1339 wurde von Konrad von der Mark das Kloster Clarenberg gestiftet. Im Jahr 1340 verlieh Konrad von der Mark mit Zustimmung des regierenden Grafen Adolf von der Mark dem Dorf Hörde die Stadtrechte. Der Graf von der Mark wollte so seinen Erzfeind, die Stadt Dortmund, mit einem Kranz von eigenen Städten (neben Hörde noch Herdecke, Witten, Bochum, Castrop, Lünen, Unna und Schwerte) einschließen.
Im Mittelalter wurde an den steilen Südhängen nördlich der Emscher, am „Remberg“ (Rebenberg), Weinbau betrieben. Heute erinnern Straßennamen wie Weingartenstraße, Am Rebstock und Winzerweg an die Weinbaugeschichte. Auch die dort ansässige Weingarten-Grundschule ist danach benannt. Der Hörder Heimatverein hat 2012 wieder Weinreben angebaut und seither mehrere Hörder Weine produziert.https://www.heimatverein-hoerde.de/aktivitaeten/
1388 bis 1390 kam es zur Großen Dortmunder Fehde. Die Kriegsparteien waren einerseits Dortmund mit einigen Verbündeten sowie andererseits der Erzbischof von Köln, Friedrich III. von Saarwerden, und der Graf Engelbert III. von der Mark mit ihren Verbündeten. Im Verlauf der Fehde versuchten Dortmunder Truppen die Stadt und Burg durch List einzunehmen; der Versuch wurde jedoch vorzeitig entdeckt und vereitelt. Im Jahr 1390 beendete ein durch die Stadt Soest, die wie Hörde und Dortmund Mitglied der Hanse war, vermittelter Verhandlungsfrieden die Auseinandersetzung, nachdem Dortmund seinen Hauptgegnern jeweils eine Geldzahlung geleistet hatte.
Hörde wurde durch mehrere große Brandkatastrophen, unter anderem drei Brände im 16. Jahrhundert, jeweils stark beschädigt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Hörder Burg im Dreißigjährigen Krieg von den Spaniern besetzt. Den Dreißigjährigen Krieg überlebten nur zwanzig Familien; zwei Drittel von Hörde wurden zerstört.
Hörde war nach 1753 neben Altena, Wetter und Hamm eine der vier Kreisstädte der Grafschaft Mark. 1817 kam Hörde zum Landkreis Dortmund, von dem 1887 der Kreis Hörde abgespalten wurde. Er reichte bis in das heutige Stadtgebiet von Essen hinein.
Vom 31. März 1911 bis zum 31. März 1928 war Hörde kreisfreie Stadt und zugleich Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, der bis zum 31. Juli 1929 existierte. Hörde wurde am 1. April 1928 zusammen mit etlichen Gemeinden des Landkreises Dortmund in die Stadt Dortmund eingegliedert,Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 247. weitere Gemeinden folgten mit der Auflösung des Landkreises anderthalb Jahre später. Innerhalb von zwei Jahren entstand damit 1928/29 ein neues Groß-Dortmund mit mehr als 540.000 Einwohnern.Günther Högl: Vom Wahlrechtskampf zur Demokratie. Politische Führung, Gemeindeverfassung und Wahlen in Dortmund von 1919 bis 1946. In: Heimat Dortmund (Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark), Nr. 1/2001 (Themenheft: Geschichte des Rates in Dortmund), S. 26–32 (hier: S. 27).
Während der nationalsozialistischen Diktatur befand sich in der Polizeiwache an der Benninghofer Straße der Hörder Gestapokeller. Ein zielgenauer einzelner Bombenabwurf aus einem kleinen Flugzeug auf das Gebäude wird einem entflohenen Folteropfer und Piloten zugeschrieben. Von der Polizeistation aus wurden 1945 die Morde im Rombergpark und in der Bittermark organisiert. Die Gedenkstätte Mahnmal Bittermark und eine Gedenktafel an der Polizeiwache erinnern an diese Verbrechen.
In Hörde befand sich bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine jüdische Gemeinde (siehe Synagoge (Hörde)). Daran erinnert ein 1988 errichtetes Mahnmal am Friedrich-Ebert-Platz in der Hörder Rathausstraße.Das Mahnmal auf dem Friedrich-Ebert-Platz, wirindortmund.de, 2019 (abgerufen am 13. April 2025) Der Name Hörde ist auch im Denkmal im Tal der Gemeinden in Yad Vashem, Jerusalem eingraviert.Gedenkorte in Yad Vashem: Tal der Gemeinden, yadvashem.org (abgerufen am 13. April 2025) In Hörde gibt es einen jüdischen Friedhof. Die Passage, die in den Hof des Wohnblocks am Friedrich-Ebert-Platz führt, ist als „Synagogengasse“ benannt. Stolpersteine vor den ehemaligen Wohnhäusern der Betroffenen erinnern an die verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger Hördes.
Wappen mini|Hörder Wappen als Pflasterstein-Mosaik Das Wappen zeigt die Hörder Burg. Quer durch das Wappen verlaufen, wie bei vielen Städten der Grafen von der Mark, die märkischen Schachbrettbalken. Der (Halb-)Kreis im unteren Bereich links wird durch den Schachbrettbalken an zwei Punkten geschnitten und symbolisiert den Hörder Berg, an dessen Fuße die Hörder Burg steht.
Das Wappen ist heute noch an der Hörder Burg, am Tor der Stiftskirche, an der Bezirksverwaltungsstelle Hörde sowie im Hörder Zentrum auf der Herrmannstraße Ecke Wenzelstraße als Pflasterstein-Mosaik zu finden. Das Wappen zierte einst die alte Hörder Brücke; es wurde beim Abriss der Brücke 1969 jedoch gestohlen.Museum des Heimatvereins Hörde Digital: "Zeichnung: Hörder Brückenwappen" (2022)
Bevölkerung Zum 31. Dezember 2025 lebten 27.585 Einwohner in Hörde.
Struktur der Hörder Bevölkerung:
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 16,1 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 18,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Ausländeranteil: 28,1 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 14,8 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)] (PDF-Datei)
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1858 5.325Adreßbuch der Provinzs Westfalen 1858, S. 132. 1901 25.151Adreßbuch des Kreises Hörde 1901. 1913 33.458Adressbuch für Hörde 1913. 1987 24.913 2003 23.482 2008 22.975 2013 23.118 2016 22.921 2018 25.837 2019 26.301 2022 27.274202327.335202427.660202527.585
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kunst und Kultur Über die Grenzen von Hörde bekannt ist das seit 1985 existierende Cabaret Queue, welches sich auf dem heutigen Fred-Ape-Weg befindet. Das "Home of Lachen" bietet neben Komik und Kabarett auch die kultigen Dinner Attacken an. Dem 2020 verstorbenen Musiker und jahrzehntelangen Programmchef des Cabarets Fred Ape zu ehren wurde das Teilstück der Herrmannstraße Richtung Phoenix-See im Jahr 2024 nach diesem benannt.
Seit 2007 ist das Hansa Theater Hörde im ehemaligen Werk- und Begegnungszentrum an der Eckardtstraße ansässig. In diesem Theater finden neben eigenen Inszenierungen mit dem Schwerpunkt auf musikalischen Revuen auch Gastspiele statt.
In der Hörder Burg befindet sich ein Heimatmuseum des Vereins zur Förderung der Heimatpflege Hörde. Hier vermitteln unter anderem archäologische Funde und historische Haushaltsgeräte die Geschichte des Ortsteils. Im Fokus liegen die Stahlgeschichte und die ehemalige Stiftsbrauerei. Hinter einer Tür auf der Zwischenebene des nördlichen Ausgangs im U-Bahnhof Hörde befand sich das Straßenbahnmuseum, das Ende 2013 aus Brandschutzgründen geschlossen wurde. Mit dem Thema beschäftigt sich im nordwestlichen Stadtteil Nette das Nahverkehrsmuseum Mooskamp.
Ebenfalls im Zentrum liegt eine Stadtteilbibliothek, die älteste Dortmunder Stadtteilbibliothek.https://www.dortmund.de/themen/bildung/stadt-und-landesbibliothek/standorte/stadtteilbibliotheken/stadtteilbibliothek-hoerde/ Neben Angeboten für Kinder und Jugendliche werden dort regelmäßig Kunstwerke von lokalen Kunstschaffenden ausgestellt.https://www.wirindortmund.de/hoerde/anette-goeke-stellt-in-der-stadtteilbibliothek-aus-265395
Der Hoetger-Park ist einer der ältesten Sehenswürdigkeiten Hördes. Er ist nach dem in Hörde geborenen Bildhauer Bernhard Hoetger benannt, dessen Skulpturen an mehreren Standorten in Hörde zu finden sind. Auch dieser Ort hat im Zuge des Hörder Strukturwandels der 2010er Jahre einen großen Umbau erfahren und wurde zum "Emscherverbundsystem" umgewandelt: Nach der Abwasserabtrennung der Emscher 2011 wurde diese im Hoetger-Park wieder an die Oberfläche geführt, und als Hochwasserpuffer ein weitläufiger Auenraum geschaffen.https://www.eglv.de/emscher/faszination-transformation/leuchtturmprojekte/dortmund-emscherverbundsystem-hoetger-park/ Aktuell befinden sich im Park zwei Akt-Werke Hoetgers: "Stehender Mann" (1942/1943) und "Die Liegende". Des Weiteren befindet sich ein von Hoetger angefertigtes Denkmal für den Reichspräsidenten Friedrich Ebert am Friedrich-Ebert-Platz, ein Nachguss seines "Frauentorso" (1984, Orig. 1927) am Clarenberg sowie ein Nachguss seiner Skulptur der Tänzerin Sent M'Ahesa (1922) am Schildplatz.
Glaubensgemeinschaften Im Zentrum von Hörde befinden sich die römisch-katholischen Kirchen St. Clara und Herz-Jesu sowie die evangelische Lutherkirche. Im Friedensweg steht seit 2016 die Sultan-Ahmet-Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde (DİTİB). Des Weiteren gibt es eine Neuapostolische Kirche in der Ermlinghofer Straße.
Veranstaltungen mini|Die Bühne beim Rock in den Ruinen vor dem Hochofen 2011 In Hörde finden über das Jahr verteilt mehrere regelmäßige Veranstaltungen statt. Dazu gehören:
Hörder Brückenfest (seit 2013) Hörder Neumarktfest Hörder Frühling Stiftsmarkt Erntedankmarkt Hörder Sehfest Rocktober Kulturfestival „Culture4kids“
Von 2011 bis 2013 fand jeweils im April auf dem Phoenix-West-Gelände das bedeutende Newcomer-Festival Rock in den Ruinen mit bis zu 15.000 Besuchern statt, das 2014 aufgrund fehlender Sponsoren bei gleichzeitig deutlich erhöhten Kosten durch Sicherheitsauflagen abgesagt wurde und seither nicht mehr stattfand.
Bauwerke In Hörde herrschen an Wohnbebauung mehrgeschossige Altbau-Wohnhäuser vor. Im Ortskern zeigt sich Hördes ehemalige Eigenständigkeit durch den für Dortmunder Verhältnisse üppigen Bestand an historischen Wohn- und Geschäftshäusern. Besonders deutlich ist dies im Bereich Alfred-Trappen-Straße und Penningskamp/Kanzlerstraße sowie im alten Hörder Direktorenviertel im Bereich der Seydlitzstraße. Im Hörder Südosten entstand ab Ende der 1960er Jahre die Hochhaussiedlung Clarenberg, die viele Jahre als sozialer Brennpunkt galt und dank umfangreicher Renovierungsmaßnahmen wieder ein positiveres Image hat. Am Nordufer des Phoenix-Sees sind seit 2011 hochpreisige Einfamilienhäuser und Geschosswohnungen errichtet worden. Am Südufer entsteht seit 2013 ein Wohngebiet.