St. Ruprecht (slow. Šentrupert pri Celovcu) ist der 11. Bezirk der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee (Österreich).

Geographie Der Stadtbezirk St. Ruprecht befindet sich südöstlich der Klagenfurter Innenstadt. Im Norden wird er begrenzt von der Südbahn und der St. Peter-Straße, im Westen von der Rosentaler Straße, im Osten von der Ebenthaler Straße und im Süden von der Glanfurt, die auch teilweise die Grenze zur Gemeinde Ebenthal bildet.

Geschichte mini|Pfarrkirche Klagenfurt-St. Ruprecht

Der Ort hieß ursprünglich Flatschach (1213 erste urkundliche Erwähnung als Vlaschach, 1340 Fletschach, 1488 Flatschach) und leitet sich vom slowenischen Wort blato (= Moos) bzw. blačah (= bei denen im Moos) ab. Der Name der Flatschacher Straße erinnert an den alten Ortsnamen. 1550 wurde der Ort nach dem Kirchenpatron, dem heiligen Rupert, benannt. Dieser war Bischof von Worms und erster Bischof von Salzburg, wo er auch Landespatron ist. Die Pfarre St. Ruprecht lässt sich bis ins Jahr 1283 zurückverfolgen und ist somit älter als die Klagenfurter Stadthauptpfarre St. Egid.

Nach der Aufhebung der Herrschaftsgerichtsbarkeit wurde 1850 St. Ruprecht als eigenständige politische Gemeinde eingerichtet, 1865 wurde die Katastralgemeinde Neudorf von Viktring abgetrennt und an St. Ruprecht angeschlossen. Durch den Anschluss Klagenfurts an das Eisenbahnnetz 1863 – der Klagenfurter Hauptbahnhof lag im Gemeindegebiet von St. Ruprecht – erlebte der Ort einen starken Bevölkerungszuwachs und entwickelte sich zu einer Eisenbahner- und Industriesiedlung. Zwischen 1869 und 1934 stieg die Einwohnerzahl von 758 auf 5518 Personen.

Am 16. Juli 1892 wurde das Gebiet nördlich der Südbahn und der St. Peter-Straße an die Stadt Klagenfurt angeschlossen. 1906 wurde das Gemeindeamt in der Hauptstraße 1 (jetzt St. Ruprechter Straße 64) eröffnet. 1930 wurde St. Ruprecht anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums der Kärntner Volksabstimmung (zusammen mit Spittal, Hermagor, Feldkirchen und Ferlach) zur Stadt erhoben, ohne zuvor Marktgemeinde gewesen zu sein.

Acht Jahre später, am 15. Oktober 1938 wurde St. Ruprecht gemeinsam mit Annabichl, St. Martin und St. Peter in die Stadt Klagenfurt eingemeindet. Die Hauptstraße wurde in St. Ruprechter Straße umbenannt.

Bürgermeister Sebastian Viktor Anderwald, 1850–1860 Josef Kassin, 1861–1870 Josef Weinländer, 1870–1878 Johann Komposch, 1878–1891 Josef Kraßnig, 1891 Friedrich Barbolani, 1892–1896 Johann Kainig, 1896–1898 Cölestin Wenger, 1898–1920 Franz Carl Georgi, 1920–1921 Friedrich Leixner, 1921 Gottfried Pollach, 1921–1926 Friedrich Schatzmayer (soz.), 1926–1934 Otto Merk, 1934–1936 Anton Zaloznik, 1936–1938 Hans Isak, 1938

Wappen Am 5. Mai 1933 erhielt die damalige Stadtgemeinde St. Ruprecht ein Wappen verliehen. Um das Wappenmotiv gab es eine parteipolitische Kontroverse. Klerikale Kreise plädierten für ein geistliches Symbol, etwa den Pfarrpatron Ruprecht. Mit dem Löwen als Symbol für die Kraft, die von Industrie, Gewerbe und Arbeiterschaft ausgeht, und dem Hammer in seinen Pranken als Sinnbild für die Eisenbahn setzte sich aber am Ende die „sozialdemokratische“ Variante durch. Der in den Landesfarben Gelb-Rot-Weiß (bzw. den heraldischen Entsprechungen Gold, Rot und Silber) gehaltene Schildgrund war das für diese Zeit typische patriotische Grundmotiv der Kärntner Kommunalheraldik (siehe z. B. auch das Wappen von Maria Saal).

Die amtliche Blasonierung des Wappens lautete: „In einem von Gold, Rot und Silber geteilten Schilde erscheint abgeledigt ein aufgerichteter schwarzer, rotbezungter Löwe, der mit den Vorderpranken und der rechten Hinterpranke einen eisernen Hammer mit hölzernem Stiele pfahlweis vor sich hält.“zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 332.

Verwaltungsgliederung Der Stadtbezirk St. Ruprecht bildet zugleich die Katastralgemeinde St. Ruprecht bei Klagenfurt. Von 1865 bis 1973 gehörten auch die Ortschaften der Katastralgemeinde Neudorf (Bach, Berg, Greuth, Lak, Neudorf, Schmelzhütte und Straschitz) zu St. Ruprecht, heute gehört dieses Gebiet wieder zu Viktring.

Pfarre, Kirche und Friedhöfe mini|Friedhof St. Ruprecht

Der Bezirk gehört zur Gänze zur Pfarre St. Ruprecht (1283 erstmals urkundlich erwähnt), die mittelalterliche Pfarrkirche wurde 1847 abgerissen und durch einen spätklassizistischen Neubau ersetzt, die heutige Pfarrkirche Klagenfurt-St. Ruprecht.

An die Pfarrkirche schließt der Friedhof St. Ruprecht an, der älteste noch bestehende Friedhof Klagenfurts. Nach der Sperre des Friedhofs um die Kirche St. Egid wurden die Klagenfurter seit 1788 in St. Ruprecht beerdigt, 1869 musste dieser erweitert werden bis im Jahr 1901 in Annabichl nördlich von Klagenfurt ein neuer Zentralfriedhof angelegt wurde. Drei Gurker Bischöfe wurden hier beigesetzt.

Durch eine Mauer getrennt, befindet sich neben dem Friedhof St. Ruprecht seit 1895 der Israelitische Friedhof.

mini|Pfarrkirche St. Ruprecht Aus der Friedhof-Geschichte:Anton Kreuzer: St. Ruprecht – Stadt vor der Stadt, Klagenfurts XI. Bezirk. Kreuzer-Buch, Klagenfurt 2009.

Als der Kaiser in den 1780er Jahren die Friedhöfe aus den dicht verbauten Gebieten verbannte, gaben die St. Ruprechter den Klagenfurtern die Möglichkeit, ihre Toten in St. Ruprecht zu begraben. Das städtische Gräberfeld schloss direkt an den kleinen Gottesacker der Pfarre an und hatte eine Größe, von der man glaubte, dass er 100 Jahre lang aufnahmefähig sein würde. Das war jedoch nicht der Fall. Trotz Erweiterung im Jahre 1868 wurde eine Lösung des Problems immer dringlicher. Abhilfe schuf schließlich das Jahr 1901, als der neue Zentralfriedhof in Annabichl für Bestattungen zur Verfügung stand. Die Totenstadt in St. Ruprecht wurde zwar nicht aufgelassen, aber sie war entlastet.

Auf dem Gottesacker der St. Ruprechter fanden nicht nur die Pfarrangehörigen und Einheimischen ihre letzte Ruhestätte, sondern auch mehrere Gurker Bischöfe bürgerlicher Herkunft verzichteten auf eine Gruft und ließen ihre sterbliche Hülle in St. Ruprecht der Erde übergeben. Den Anfang machte 1827 Jakob Peregrin Paulitsch. Über das Begräbnis heißt es in der Geschichte der Bischöfe von Gurk von Jakob Obersteiner:

„Der tote Bischof war vom 6. bis zum 9. Januar in der bischöflichen Residenzkapelle aufgebahrt und wurde am selben Tage um drei Uhr Nachmittag zu Grabe getragen. Dompropst Jakob Ortner führte den Trauerkondukt. Der Leichnam, angetan mit dem bischöflichen Ornat und im offenen Sarge liegend, wurde von Landpfarrern getragen. Die erste Einsegnung erfolgte in der Elisabethinenkirche, an der der Verstorbene bis zum Tode der Erzherzogin Marianne als Hofpfarrer gewirkt hatte. Nachdem der Zug, der von einer großen Volksmenge begleitet wurde, die Domkirche erreicht hatte, fand daselbst die zweite Einsegnung statt. Der Leichnam, jetzt in einem doppelten Sarg eingeschlossen, sollte wegen der schlechten Wege auf einem vierspännigen Wagen weiterbefördert werden. Doch die Alumnen des Priesterseminars ließen es sich nicht nehmen, ihn auf ihren Schultern zum Friedhof von St. Ruprecht zu tragen. Dort wurde der Bischof, wie er es ausdrücklich gewünscht hatte, inmitten seiner geistlichen Herde zur ewigen Ruhe bestattet.“ Und er wurde in der Tat jenen gleich, deren Grab nach einer gewissen Zeit aufgelassen wird.

Im städtischen Friedhof haben viele bekannte Familien und Persönlichkeiten ihre Grabstätten, so der Bildhauer Josef Kassin (1856–1931) und der Landschaftsmaler Markus Pernhart (1824–1871). 1948 wurde die Aufbahrungshalle in St. Ruprecht neu errichtet.

Sehenswürdigkeiten

Weinländer Papiermühle (stillgelegt, historisches Bauwerk, Privatbesitz) Geburtshaus des Bildhauers Josef Valentin Kassin in der Sankt Ruprechter Straße Nr. 69

Öffentliche Gebäude mini|Bahnstation Viktring mini|Kinder- und Jugendzentrum „blue cube“ mini|Fachhochschule Technikum Kärnten

Bahnhof Stein-Viktring Fachhochschule Kärnten Volksschule 11 und Hauptschule 12 St. Ruprecht BG und BRG Mössingerstraße (AHS) HTL Mössingerstraße Kläranlage Kinder- und Jugendzentrum „blue cube“ (früher „Blauer Würfel“) Tierkörperentsorgungsanlage Umspannwerk Freiwillige Feuerwehr St. Ruprecht Klagenfurt mit Stadtteilmuseum

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen St. Ruprecht verfügt über zahlreiche Nahversorger. Südlich des früheren Ortszentrums von St. Ruprecht befindet sich der Südring, an dem sich viele Betriebe befinden (Industriegebiet Klagenfurts).

Bäckerei Legat Bioenergiezentrum Carinthian Druck Getränkefirma Pago Kärntner Druckerei Schmidt’s Erben GmbH (vormals Einicher) Südpark Einkaufszentrum (ehemals Phil. Knoch, Leder- und Riemenfabrik) Unterkärntner Molkerei Wäscherei Umlauft Bauhaus Baumarkt Baumax Baumarkt Diskothek Bollwerk Klagenfurt Gut Fichtenhof Schweizer, Landwirtschaft, Lagerhallen – Energiegras

In St. Ruprecht befindet sich auch das „Volkskino“, das älteste Kino der Stadt (1926 eröffnet).

Senffabrik Wenger Bürgermeister Zölestin Wenger trug auch als Privatmann zum Aufschwung seines Ortes und seiner Gemeinde bei. Er gründete in den 1890er Jahren eine Fabrik zur Erzeugung von Feigenkaffee, Essig, Essigessenzen und Senf. Der größte Abnehmer war die kaiserliche Armee, die Produkte verließen waggonweise die Fabrik. Damit verbunden waren viele Arbeitsplätze, es förderte auch den Zuzug von Personen und kurbelte die Bautätigkeit an.

Leder- und Riemenfabrik Der zweite große Betrieb war die Lederfabrik der Familie Knoch, eine Gründung des Jahres 1893. Sie gab bis zu 200 Personen Arbeit und Brot. Nach ihrer Stilllegung 1983 diente die Industrieruine Obdachlosen als Unterschlupf.

Tabakfabrik Viele Frauen fanden in der Tabakfabrik in Klagenfurt einen Arbeitsplatz, allerdings unter schlechtesten Bedingungen.

Papiermühle Weinländer Die Papiermühle war überhaupt ein beliebtes Ausflugsziel der Klagenfurter. Ein Zeitgenosse beklagte sich allerdings darüber, „dass sich auf dem ganzen Wege von der Stadt bis zur Glanfurt, der mindestens eine halbe Stunde beträgt, auch nicht ein Baum sich findet, der Schatten gewährt, und somit alle Gäste, denen weder eigene Equipagen noch hinreichende Geldmittel zur Verfügung stehen, der lästigen Nothwendigkeit preisgestellt sind., erhitzt und schweißtriefend bei jenen Badeörtern ankommen zu müssen, die der Natur der Sache nach doch nur in den heißen Sommermonaten besucht werden können“. Die Allee wurde gepflanzt.

Weitere angesiedelte Unternehmen Austrodach Telekom Austria McDonald’s Hagebaumarkt ÖBAU Egger Schrack Technik

Arnold-Riese-Hof Im Arnold-Riese-Hof befand sich das Volksbad St. Ruprecht. Es wurde durch Kriegseinwirkung unbrauchbar und nach Instandsetzung nach Kriegsende wieder eröffnet.

Das Strandbad Sattnitz wurde 1946 neu errichtet, 1948 ausgebaut, um den Klagenfurtern eine entsprechende Bademöglichkeit zu bieten, da das Klagenfurter Strandbad größtenteils von der Besatzungsmacht beansprucht wurde.

Schulen Auf dem Schulsektor konnte 1904 ein erster Erfolg verbucht werden: In einem gemieteten Privathaus in der Feldhofgasse begann der Unterricht für zwei Expositurklassen der Benediktinerschule, in einer saßen die Buben, in der anderen die Mädchen. In ein eigenes und geräumiges Schulgebäude zog die St. Ruprechter Schuljugend 1954 ein. Ab 1975 gab es auch das Hauptschulgebäude. Dem Schulzentrum war eine Ballspielhalle angeschlossen.

Trinkwasserversorgung