Winterlingen ist eine Gemeinde im Zollernalbkreis, etwa zehn Kilometer südöstlich von Albstadt. Sie besteht in der jetzigen Form seit dem 1. Januar 1975, als die zuvor selbstständigen Gemeinden Benzingen mit dem Weiler Blättringen (211 Hektar Gemarkungsfläche) und Harthausen auf der Scher nach Winterlingen eingemeindet wurden.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet liegt auf der zur westlichen Schwäbischen Alb gehörenden Hochfläche. Es gibt weder markante Berge, noch große Höhenunterschiede oder, wegen der Verkarstung der Alb, fließende Gewässer. Die Markungsflächen der drei, zwischen 730 und 820 m hoch gelegenen Ortsteile betragen: Winterlingen 16,88 km², Benzingen 17,09 km², Harthausen 16,67 km².
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Winterlingen: westlich Straßberg nördlich Bitz östlich Veringenstadt und Hettingen südlich Stetten am kalten Markt und Sigmaringen
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den früheren Gemeinden Benzingen, Harthausen auf der Scher und Winterlingen. Zur früheren Gemeinde Benzingen gehören das Dorf Benzingen und der Weiler Blättringen. Zur früheren Gemeinde Harthausen gehört das Dorf Harthausen. Zur Gemeinde Winterlingen in den Grenzen vom 31. Dezember 1974 gehörten das Dorf Winterlingen und die Häuser Sonnenhalden und Weiden. Im Gemeindegebiet liegen die abgegangenen, heute nicht mehr bestehenden Ortschaften Deutenbronn, Bierendorf, Nettendorf, Glashart und Weinstetten. Deutenbronn liegt im Süden der früheren Gemeinde Benzingen der Flurname ist seit dem 17. Jahrhundert genannt. Im Gebiet der früheren Gemeinde und nördlich des Dorfes in einem Waldgebiet liegen die Flure Bierendorf, Nettendorf und Glassert (Wüstung des Ortes Glashart), die als Wüstungen anzusehen sind. Im Südwesten der früheren Gemeinde Benzingen und im Südosten der früheren Gemeinde Winterlingen liegt die Wüstung Weinstetten.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 250–251
Geologie Kalkgestein des oberen Weißen Jura (Quenstedt W δ/ε, Kimmeridgium 2–3) prägt den größten Teil des Gemeindegebiets. Zwischen Harthausen und Bitz hat sich im Zollerngraben W ζ 2–3 (Unter-Tithonium) erhalten. Ablagerungen von Oberer Meeresmolasse bei Harthausen und Korallenkalk bei Winterlingen entstanden im miozänen Molassemeer, dessen Küstenlinie (Kliff) die Grenze zwischen Kuppen- und Flächenalb markiert.
Der Höhenrücken zwischen Benzingen und Blättringen besteht aus Juranagelfluh.
Auf der verkarsteten Albhochfläche sind Oberflächengewässer die Ausnahme. Zwar entspringen entlang des Höhenzugs bei Benzingen mehrere kleine Quellen, ihr Wasser versickert aber nach kurzem Lauf im porösen Untergrund. An wasserreichere Epochen der Erdgeschichte erinnern nur noch die teilweise bis 100 m tief in den Albkörper eingeschnittenen Trockentäler. Bis zum Bau der Albwasserversorgung war die Bevölkerung auf die Hülben angewiesen. Nur östlich von Winterlingen, wo Verwitterungslehm den Abfluss hemmt, befinden sich zwei Weiher und ehemals eine Mühle. Das versickerte Wasser kommt in Karstquellen wieder zu Tage, beispielsweise in der am östlichen Rand der Gemeinde gelegenen Büttnau.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Wie Bodenfunde beweisen, war das Winterlinger Gebiet mindestens seit der Hügelgräberbronzezeit (um 1500 v. Chr.) kontinuierlich besiedelt. Aus der späten Urnenfelderzeit (um 900 v. Chr.) stammen die bronzenen Beile und Sicheln, die im Jahre 1609 entdeckt wurden und heute im Württembergischen Landesmuseum zu sehen sind. Mehrere Grabhügelgruppen der Hallstattzeit (um 800 bis 500 v. Chr.) liegen auf Gemeindegebiet, und aus der spätkeltischen La-Tène-Zeit fand man vier Kelche. In der Antike führte eine von den Römern gebaute Straße, die so genannte Hochstraße, vom oberen Neckar über das Kastell Lautlingen durch das Gemeindegebiet zur Donaufurt bei Laiz. Sie zweigt auf dem heutigen Gemeindegebiet nach BitzScheu: Ortschronik von Bitz. Oberamt Balingen. 1910 und weiter über HermannsdorfKarl Theodor Zingeler: Fundberichte aus Hohenzollern. B. Hügelgräber. 3. Hügelgräber bei Hermannsdorf. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Alterstumkunde in Hohenzollern. 26. Jahrgang 1892/93. Liehnersche Hofdruckerei. Sigmaringen 1893. S. 62–75, hier S. 69. zum Kastell Burladingen an den so genannten Alblimes ab.
Mittelalter Die Ortsnamen Winterlingen und Benzingen belegen die Gründung dieser Siedlungen in der Phase der alemannischen Landnahme. Harthausen ordnet man der Ausbauzeit zu. Im Jahr 793 wurde Winterlingen in einer Schenkungsurkunde des Grafen Berthold an das Kloster St. Gallen erwähnt. Im 8. Jahrhundert zählte das Gemeindegebiet zur Scherragrafschaft, deren Name sich von einem althochdeutschen scorra (mit der Bedeutung Fels, vgl. schwedisch Schäre) ableitet und im Namenszusatz von Harthausen bis heute erhalten blieb. Sie erstreckte sich entlang der oberen Donau von Sigmaringen bis Tuttlingen und nordwestlich davon etwa bis zum Albtrauf.
Im Spätmittelalter bildeten sich neue Herrschaftsformen aus, und die Entwicklungslinien der drei Teilorte trennten sich.
Württembergisches Winterlingen Das Dorf Winterlingen gelangte 1367 in den Besitz der Grafen von Württemberg. Diese erwarben 1403 auch die Herrschaft Schalksburg und rundeten damit ihr Gebiet auf der westlichen Alb ab. Winterlingen gehörte von nun an zum Amt Balingen. Im Jahre 1534 wurde unter Herzog Ulrich die Reformation eingeführt.
Im Ersten Koalitionskrieg, als sich im Oktober 1796 die Revolutionsarmee auf dem Rückzug befand, zogen Truppen des französischen Generals Jean-Victor Moreau am 4. Oktober plündernd durch das Dorf.Hermann-Peter Steinmüller (hps): Als der Pfarrer um sein Leben bangte. In: Südkurier vom 2. Januar 2015 Als die Verwaltungszugehörigkeit im seit 1806 bestehenden Königreich Württemberg im Laufe des Jahres 1810 reformiert wurde, gelangte Winterlingen nach einem kurzen Intermezzo beim Oberamt Ebingen erneut zum Oberamt Balingen. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Balingen. 1945 wurde Winterlingen (wie auch Harthausen, Benzingen mit Blättringen) Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Zum 1. Januar 1973 kam Winterlingen, sowie Harthausen, und Benzingen mit Blättringen, welche bis dorthin zum Landkreis Sigmaringen gehörten, zum neu gegründeten Zollernalbkreis.
Hohenzollerische Orte Wesentlich unruhiger verlief die Geschichte der 1220 beziehungsweise 1275 urkundlich erwähnten Dörfer Benzingen und Harthausen. Beide wurden im 12. und 13. Jahrhundert durch die Grafen von Veringen erworben, die ihre Besitzungen 1291 an Rudolf von Habsburg verkauften. Als Pfand ging die Grafschaft Veringen durch verschiedene Hände, bis sie 1535 an die Grafen, spätere Fürsten, von Hohenzollern kam. Mit dem Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen wurden die dem Oberamt Gammertingen, später Landkreis Sigmaringen, zugeteilten beiden Gemeinden 1850 als Teil der Hohenzollerischen Lande preußisch.
Zwischen Winterlingen einerseits, Benzingen und Harthausen andererseits verlief also über Jahrhunderte eine Territorialgrenze, die seit dem 16. Jahrhundert auch die Konfessionen trennte, das württembergische Winterlingen wurde protestantisch, die hohenzollerischen Dörfer blieben katholisch.
Fürstenbergischer Ort Wiederum anders erging es dem seit etwa 1930 zu Benzingen gehörenden Blättringen, das 1534 fürstenbergisch und erst 1806 hohenzollerisch wurde.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurden Benzingen und Harthausen am 1. Januar 1975 nach Winterlingen eingemeindet. Die Gemeinden entschieden sich gegen eine Beteiligung an der damals neu formierten Großen Kreisstadt Albstadt. Mit der Nachbargemeinde Straßberg besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
Gemarkungsflächen und Entwicklung der Einwohnerzahl mini|Rathaus Winterlingen Winterlingen Benzingen Harthausen Wappen 70px|Winterlingen 70px|Benzigen 70px|Harthausen auf der Scher Fläche 1436 ha 609 ha Jahr Einwohner 1820 1604 1836 717 794 1950 2932 728 818 1961 3636 843 928 1970 4022 942 1166 1976 4166 963 1230 1991 6680 1995 6801 2005 6664 2010 6583 2015 6386
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Winterlingen hat 18 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem amtlichen EndergebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart. Die Wahlbeteiligung betrug 63,90 % (2019: 50,4 %). Partei Stimmenanteil Sitze Sitze 2019 Zukunft Winterlingen 56,08 % 10 8 Sitze BÜRGERLISTE 43,92 % 8 8 Sitze
Bürgermeister Am 21. Juni 2026 wurde Stephan Frickinger, der zuvor in Leibertingen Bürgermeister war, mit 92,4 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Die Wahlbeteiligung lag mit 43,7 Prozent niedriger als bei der Wiederwahl des Amtsvorgängers Michael Maier 2018 (46,3 Prozent).
1941–1946: Hermann Frey 1946–1948: Wilhelm Beck 1948–1958: Hermann Frey 1958–1986: Fritz Wizemann 1986–2002: Klaus Weihing 2002–2010: Gabriele Schlee seit 2010: Michael Maier ab 2026: Stephan Frickinger
Ehemalige Bürgermeister von Benzingen: Josef Hospach (CDU) Paul Hepp (CDU)
Ehemalige Bürgermeister von Harthausen: Xaver Blau (FWV)
Wappen Blasonierung: Gespalten; vorne geteilt von Silber und Rot, hinten in Gold drei liegende schwarze Hirschstangen.
Dieses Wappen führte Winterlingen bereits vor 1975.
Blasonierung des vor 1975 geführten Wappens der Gemeinde Benzingen: Geteilt von Rot und Gold; oben ein goldener offener Flug, unten drei liegende rote Hirschstangen. Benzingen kam Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen von Veringen. Von dieser Zeit zeugen die drei liegenden roten Hirschstangen auf goldenem Grund.
Blasonierung des vor 1975 geführten Wappens der Gemeinde Harthausen auf der Scher: In Gold rotes Spitzenschildhaupt. Das Hauptelement symbolisiert scharfkantige Felszacken (Scheer). Die Farben entsprechen dem Wappen der Grafen von Veringen, den ältesten bekannten Eigentümern im 13. und 14. Jahrhundert.
Städtepartnerschaften Winterlingen pflegt seit dem 24. August 2008 eine Gemeindepartnerschaft mit Izbica in Polen. Im Jahre 2022 wurden alle Hallen in Izbica mit kostenlosen Feldbetten und Decken aus Winterlingen ausgerüstet.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft Etwa seit 1860 setzte eine gewerbliche Entwicklung ein, wobei sich vor allem Betriebe der Textil- und der metallverarbeitenden Industrie ansiedelten.
Im Jahr 2022 erzielte Winterlingen Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 1,81 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 340 % liegt die Gemeinde unter dem durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz Deutschlands. Dieser beträgt 407 % (Stand: 2023).
Landwirtschaft