mini|Suzanne Vega (2006) mini|Tom’s Restaurant in New York

Tom’s Diner [] ist ein A-cappella-Lied der US-amerikanischen Sängerin und Songwriterin Suzanne Vega. Das Lied wurde 1981 geschrieben und 1987 auf Vegas Album Solitude Standing veröffentlicht.

Weltweit bekannt wurde das Lied im Jahr 1990, als Vegas Gesang von dem britischen Dance-Project DNA für einen Remix verwendet wurde. In dieser Version wurde Tom’s Diner am 3. Oktober 1990 zum ersten gesamtdeutschen Nummer-1-Hit.

Inhalt Das Lied beschreibt in Form eines lyrischen Ichs den kurzen Aufenthalt einer Person in einem Café, nämlich Tom’s Restaurant in New York City. Die Erzählerin trinkt einen Kaffee, liest die Zeitung und beobachtet eine Frau, die ebenfalls das Café betritt. Die Erzählerin denkt dabei an eine nicht näher beschriebene zweite Person, insbesondere an ihre Stimme. Das schlechte Wetter draußen erinnert die Erzählerin an das Mitternachtspicknick „bevor der Regen losging“, welches wohl schon einige Zeit zurückliegt.

Während sie das Glockengeläut der Kathedrale hört, trinkt sie ihren Kaffee aus. Danach muss sie sich auf den Weg machen, um den Zug nicht zu verpassen.

Aufnahme Ursprünglich dachte sich Vega das Lied als eine einfache Komposition mit Klavierbegleitung. Da sie jedoch nicht Klavier spielen kann, entschloss sie sich für den ungewöhnlichen Weg einer A-cappella-Aufnahme. Die eigentliche Aufnahme geriet entsprechend sehr einfach: Es ist nur Vegas Gesang zu hören, der lediglich mit einem Halleffekt versehen wurde. Das Lied wurde nicht als Single aus dem Album Solitude Standing ausgekoppelt, sondern das Lied, das auf dem Album auf Tom’s Diner folgt: Luka – ein kommerziell recht erfolgreicher Titel.

Coverversionen DNA-Remix 1990 erstellten zwei Produzenten unter dem Pseudonym DNA ein Remix von Tom’s Diner, indem sie unter Vegas Gesang den Beat von Keep on Movin’ der Band Soul II Soul legten und den Ablauf des Liedes so veränderten, dass das von Vega eigentlich nur im Fadeout gesungene „Dep De Dö Dep“ als Refrain verwendet wurde. Der Remix entstand ohne Kenntnis und Erlaubnis von Suzanne Vega. DNA vertrieb den Remix in kleinen Stückzahlen an Clubs. Vegas Plattenfirma A&M Records erfuhr von der Veröffentlichung und entschloss sich, die Single zu kaufen und selbst zu veröffentlichen, anstatt gegen das Produzententeam DNA gerichtlich vorzugehen. Der Remix war kommerziell erfolgreicher als Vegas Original und erreichte in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Platz 1 der Singlecharts. In Großbritannien und in den USA konnte sich der Remix ebenfalls in den Top 10 platzieren.

Chartplatzierungen

Auszeichnungen für Musikverkäufe

AnnenMayKantereit und Giant Rooks Im Jahr 2019 veröffentlichten die deutschen Bands AnnenMayKantereit und Giant Rooks eine Coverversion zu Tom’s Diner, die zum weltweiten Charthit avancierte. Diese Coverversion blieb vom Aufbau weitgehend unbearbeitet, sodass die Komponistin und Texterin Suzanne Vega auch hier alleinige Urheberin ist. Für die Produktion zeichnete Fabian Langer verantwortlich. Die Erstveröffentlichung dieses Covers erfolgte als Single am 28. Juni 2019 bei Vertigo Records. Diese erschien als digitaler Einzeltrack zum Download und Streaming.

Chartplatzierungen

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Weitere Coverversionen Vor allem der Erfolg des DNA-Remix zog eine ganze Reihe weiterer Interpretationen nach sich, die Vega 1991 auf dem Album Tom’s Album veröffentlichte. Dazu gehörten unter anderem Versionen von Billy Bragg und R.E.M. oder auch von Peter Behrens, dem ehemaligen Schlagzeuger von Trio.

Das deutsche Dance-Projekt After One brachte mit Tom’s Diner Rap eine Coverversion heraus, die 1990 die Top 20 der deutschen Single-Charts erreichte.

Mittlerweile wird das Lied auch im Jazzgenre gelegentlich interpretiert; hier sind etwa die Instrumental-Versionen von Ivo Perelman (mit Guilherme Franco am Berimbau, 1991), Larry Schneider oder Renaud Garcia-Fons/Gérard Marais zu nennen.

Auch der Disco-Veteran Giorgio Moroder hat im Rahmen seines 2015 erschienenen Albums Déjà Vu eine von Britney Spears gesungene Version von Tom’s Diner produziert.

Der Rapper Fard verwendete das Haupt-Thema von Tom’s Diner in seinem Stück Braungebrannt & Hakennase auf der 2015 erschienenen Mezzanin EP.

Die Punk-Rock-Band Fall Out Boy verarbeitet die Melodie als Zitat in „Centuries“ (Album American Beauty/American Psycho).

Historische Bedeutung Erste gesamtdeutsche Nummer 1 Tom’s Diner im DNA-Remix war im Herbst 1990 sieben Wochen lang die Nummer 1 der deutschen Single-Charts. Der Titel löste am 10. September 1990 Matthias Reims Schlager Verdammt, ich lieb’ Dich – eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Lieder – nach 16 Wochen an der Spitzenposition ab. Durch den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990 wurde der Remix automatisch zum ersten Nummer-1-Hit des vereinigten Deutschland. Der Titel wurde erst am 29. Oktober 1990 von der Gruppe Londonbeat mit I’ve Been Thinking About You vom Platz 1 verdrängt.

„Die Mutter der MP3“

Der Erfinder des Audiodatenkompressionsverfahrens MP3, Karlheinz Brandenburg, erfuhr während der Entwicklungsphase in einer Hi-Fi-Zeitschrift davon, dass Tom’s Diner zum Testen hochwertiger Musikanlagen verwendet wurde. Er war von der Aufnahme begeistert und zunächst überzeugt, dass man die Charakteristik der Stimme von Suzanne Vega nicht ohne hörbaren Verlust komprimieren könne. Da Begleitinstrumente fehlten, war auch die psychoakustische Verdeckung kaum vorhanden. Brandenburg wählte das Lied dann, um sein Audiodatenkompressionsverfahren zu testen und gegebenenfalls die Algorithmen zu überarbeiten.

Trivia Zu Beginn der dritten Strophe des Liedes singt Suzanne Vega die Textzeilen „I open up the paper / there’s a story of an actor / who had died while he was drinking / It was no one I had heard of“ (dt.: „Ich schlage die Zeitung auf, darin steht die Geschichte eines Schauspielers, der beim Trinken gestorben ist. Es war niemand, von dem ich je gehört hatte.“) Beim erwähnten Schauspieler handelt es sich um William Holden, der am 16. November 1981 tot in seinem Haus in Santa Monica aufgefunden wurde. Holden war laut Obduktionsberichten vier Tage zuvor in seinem Haus schwer betrunken gestürzt, mit dem Kopf auf eine Kante aufgeschlagen und anschließend verblutet.Frank und Ingrid Laufenberg: Frank Laufenbergs Hit-Lexikon des Rock und Pop, 3 Bände, Ullstein, Berlin 2007; ISBN 978-3-548-36920-4.

Weblinks

100 Songs - Geschichte wird gemacht: ‘Tom's Diner’ - Suzanne Vega: Podcast von Radio Ö1 über die Hintergründe des Songs (deutsch)

Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1987 Kategorie:Popsong Kategorie:Nummer-eins-Hit Kategorie:Platin-Lied (Österreich)