mini|Belfort 1675 mini|Karte von Belfort, um 1750 mini|Ansicht von Belfort (Aquarell) aus dem Jahr 1818 mini|Der Löwe, Wahrzeichen Belforts mini|Der Bahnhof von Belfort mini|Die Zitadelle mini|Kathedrale Saint-Christophe mini|Am Carnaval de Belfort im März 2025 Belfort [] (deutsch veraltet Beffert, Beffort oder Befort) ist eine Industrie- und Garnisonsstadt in Ostfrankreich etwa 50 Kilometer südwestlich von Mülhausen. Die Stadt ist Verwaltungssitz (chef-lieu) des Départements Territoire de Belfort und hat Einwohner (), die Belfortains und Belfortaines genannt werden.
Die Stadt erhielt 2023 die Auszeichnung „Vier Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Dörfer verliehen wird.
Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Belfort (lateinisch Belfortum) wurde 1226 im Friedensvertrag von Grandvillars (Granweiler/Granwiller) zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Der Name taucht im Mittelalter und der frühen Neuzeit in verschiedenen Formen auf, so als [In castro de] Belfort (1226), [Castrum meum] Bellofortem (1228), [Mag. Willelmus de] Belloforti [clericus] (1284), Biafort (1303), [Ad ecclesiam de] Belloforti / [ecclesie] Bellifortis (1342), [Sloss / Statt und herrschafft] Beffort (1492), Befurt (1644), Belfort (1659).
Bedingt durch ihre Lage in der Burgundischen Pforte war die Stadt früher von großer strategischer Bedeutung. Bis zum Westfälischen Frieden 1648 gehörte das französischsprachige Belfort zum habsburgischen Sundgau und zum Heiligen Römischen Reich, danach zu Frankreich. Ab 1686 wurde die Zitadelle der Stadt von Vauban im Auftrag von Ludwig XIV. zur Festung ausgebaut, die Stadt ummauert und mit einer Vielzahl heute noch erhaltener wehrhafter Türme versehen.
19. Jahrhundert Vom Dezember 1813 bis April 1814 widerstand die Festung 113 Tage lang unter dem Kommandeur Legrand einer Belagerung der Koalitionsarmee von Österreichern, Bayern und Russen. Im Juni/Juli 1815 leistete General Lecourbe mit 8.000 Mann erfolgreich Widerstand gegen eine Armee von 40.000 Österreichern.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 widerstanden die Truppen unter Oberst Pierre Marie Philippe Aristide Denfert-Rochereau 103 Tage lang einer Belagerung durch Preußen; erst auf ausdrücklichen Befehl der französischen Regierung wurden Festung und Stadt am 16. Februar 1871 den feindlichen Truppen übergeben, die die Festung teilweise schleiften.
Im Frieden von Frankfurt 1871 wurde das Territoire de Belfort, obwohl historisch zum Sundgau und damit zum Oberelsass gehörig, nicht wie das übrige Elsass und Teile Lothringens vom Deutschen Reich annektiert. Der aus dem Elsass stammende, vormalige französische Beamte Ferdinand Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin gibt bezüglich der Nichtabtretung Belforts die ihm gegenüber nach 1871 gemachte Äußerung des preußischen Feldmarschalls Graf Moltke (1800–1891) wieder: „Auf die Festung haben wir verzichtet, weil der Sieger im Siege Mäßigkeit an den Tag legen muß.“Eckbrecht Graf Dürckheim-Montmartin: Erinnerungen eines elsäßische Patrioten, Stuttgart 1922, S. 351
Der Hauptgrund war jedoch weniger die Generosität der Sieger, sondern lag in primär außenpolitischen Gründen. Otto von Bismarck wollte im Gegensatz zu den preußischen Militärs eine Grenzziehung, die sich im Wesentlichen an der Sprachgrenze orientierte. Dieser Verlauf entlang der Sprachgrenze sollte die internationale Akzeptanz der neuen Grenzziehung erhöhen und französischen Revisionswünschen entgegenwirken. Im Falle von Belfort konnte sich Bismarck durchsetzen, im Gegenzug akzeptierte er die wehrgeographisch motivierte Forderung der preußischen Militärs nach der Annexion auch französischsprachiger Teile Nordlothringens (Gebiet um Metz).
Der Verlauf der neuen deutsch-französische Staatsgrenze im südlichen Elsass orientierte sich im Wesentlichen an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Die einzige Abweichung der Sprach- von der Staatsgrenze stellten drei Ortschaften im Umfeld des Ortes Montreux-Vieux (dt. Altmünsterol) dar. Dieser Grenzvorsprung ergab sich aus dem Verlauf der Eisenbahnstrecke und der Lage des Grenzbahnhofes Altmünsterol. Das aus dem abgetrennten Südteil des Sundgaues entstandene neue französische Département erhielt die Bezeichnung Territoire de Belfort. Es umfasste ausschließlich französischsprachige Orte. Sein Verwaltungszentrum wurde die Stadt Belfort.
Wahrzeichen der Stadt ist der aus gehauenen Sandsteinquadern gebildete monumentale Löwe von Belfort des Bildhauers Frédéric-Auguste Bartholdi aus den Jahren 1875/80, der an die Belagerung von 1870/71 erinnert.
In der Folgezeit wuchs die bisher im Schatten der Festung gelegene Stadt durch Industrialisierung rasch an, es entstanden die Vorstädte (faubourgs) und die klassizistische Bebauung am Ufer der Savoureuse.
Ab 1791 durften sich Juden in Belfort ansiedeln, die ersten kamen aus dem Sundgau und zogen in die Altstadt. 1811 erwarb die Gemeinde ein Grundstück als Friedhof, 1857 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Auf dem Friedhof findet man Gräber von Angehörigen der Familie Alfred Dreyfus. Von den 700 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde vor dem Zweiten Weltkrieg wurden während der Deutschen Besatzung 245 ermordet, nach dem Krieg zogen Juden aus Nordafrika in die Stadt. Friedhof und Synagoge sind noch vorhanden.
20. Jahrhundert Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen wieder französisch, Belfort blieb aber weiter der Franche-Comté zugeordnet. Erst am 11. März 1922 wurde Belfort ein eigenes Département unter dem Namen Territoire de Belfort mit der Ordnungszahl 90.
Am 10. Mai 1940 begann der Westfeldzug, in dem die Wehrmacht innerhalb weniger Wochen Paris und große Teile Frankreichs besetzte. An der raschen Eroberung von Belfort – ab dem 18. Juni 1940 – war der spätere General Walther Wenck unter General Heinz Guderian beteiligt. Die Kollaborateure des Vichy-Regimes flüchteten nach der Landung der Alliierten in der Normandie und in Südfrankreich am 17. August 1944 von Paris nach Belfort. Am 6. September 1944 war ihnen auch dieser Aufenthaltsort nicht mehr sicher genug und sie flüchteten nach Nazi-Deutschland. Nach fünftägigen Kämpfen wurde Belfort am 25. November 1944 von der 1. Französischen Armee befreit.
Heute gehört das Territoire de Belfort mit seiner Hauptstadt Belfort zur Region Bourgogne-Franche-Comté.
Bevölkerungsentwicklung + Bevölkerungszahlen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1780 – 520 Feuerstellen (Haushaltungen)Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten. Basel 1782, S. 83–86 (books.google.de). 1824 4738 davon 4194 Katholiken, 17 Protestanten, 52 Täufer und 475 JudenJohann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente. Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 151–153 (books.google.de). 1852 ≈ 6000 1906 34.649
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017 Einwohner 48.070 53.214 54.615 51.206 50.125 50.417 50.863 47.656 Quellen: Cassini und INSEE
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Weltliche Bauwerke Die Zitadelle (La Citadelle), ein 1687 begonnenes und 1703 vollendetes Festungswerk der Baumeister Gaspard de la Suze, Vauban und Général Haxo, verantwortlich für den Umbau ab 1817, mit 1872 von privater Seite gegründeten Kunst- und Stadthistorischem Museum in der Kaserne und Aussichtsplattform Rathaus am Place d’Armes (1724 vom Ingenieur Mareschal als Stadtpalais für François Noblat erbaut; 1784 von der Bürgerschaft Belforts aufgekauft; 1789 umgebaut unter Jean-Baptiste Kléber nach Plänen von Pierre Valentin Boudhor, bemerkenswertes Treppenhaus, Ehrensaal (1810) von Kléber mit Gemälden zur Geschichte Belforts, Fassade ebenfalls von Kléber) Place de la République mit dem 1913 aufgestellten Bartholdi-Denkmal des Trois Sièges (französisch: die drei Belagerungen) zur Erinnerung an die Belagerungen von 1813/1814, 1815 und 1870 und mit einigen markanten Bauten Markthalle (1905 eröffnet) L’Étang des Forges (See mit Rundwanderweg) mit darüberliegendem La Tour de la Miotte, Turm eines Forts von 1830 Breisacher Tor (Porte de Brisach, 1687 von Vauban erbaut), nordöstlich der Altstadt gelegen, auf dem Frontgiebel das Emblem des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Fassadenmalerei in Fresko-Technik, 47 berühmte Personen auf einer Fläche von 403 Quadratmetern, dargestellt von Ernest Pignon-Ernest (* 1942) Kunstmuseum Donation Maurice Jardot mit mehr als 100 Gemälden bedeutender Künstler, 1997 von Jardot der Stadt Belfort vermacht, gleichzeitig eine Hommage an Daniel-Henry Kahnweiler, einem bekannten Kunsthändler, dessen Mitarbeiter Jardot 20 Jahre lang war Maison du Peuple (Volkshaus), aus Stahlbeton konstruiert, 1933 eingeweiht, mit Dekoration im Stil des art déco Die ehemalige Maschinenhalle der Textilfabrik DMC. Sie wurde 1878 in Paris zur Weltausstellung gebaut vom Architekten Léopold Amédée Hardy und dem Ingenieur Henri de Dion, 1879 von DMC gekauft, abgebaut und in Belfort wieder aufgebaut. Sie steht am westlichen Rand des Étang Bull im Industriepark Techn’Hom. Patrimoine en Bourgogne Franche-Comté. Abgerufen am 30. August 2021
Sakralbauten Die Kathedrale Saint-Christophe de Belfort des Bistums Belfort-Montbéliard wurde zwischen 1727 und 1752 aus Vogesen-Sandstein am Place d’Armes erbaut, in der Zeit der Französischen Revolution zum „Tempel der Vernunft“ erklärt und mit der Errichtung des Bistums Belfort-Montbéliard im Jahr 1979 zur Kathedrale erhoben. Ihre Orgel (1752) von Johann Baptist Waltrin gestaltete Callinet im 19. Jahrhundert um, bevor sie 1966 von Schwenkedel renoviert wurde. Nennenswert sind zwei Gemälde von Gustave Dauphin (1830 und 1843). Synagoge, erbaut 1857 Kirche Sainte-Jeanne-Antide Kirche Sainte-Jeanne-d’Arc Kirche Sainte-Odile Orthodoxe Kirche Sainte-Résurrection-du-Christ Kirche Sainte-Thérèse-de-l’Enfant-Jésus Kirche Saint-Joseph Kirche Saint-Louis Evangelische Kirche Saint-Jean Kapelle Saint-François in der rue de la Paix ehemalige Kirche Notre-Dame-des-Anges (heute Gymnasium)
Denkmäler Der Löwe von Belfort (22 Meter lang, 11 Meter hoch) aus Vogesen-Sandstein ist ein Werk von Auguste Bartholdi (1834–1904).
Das Denkmal Quand Même (1884) von Antonin Mercié am Place d’Armes stellt eine Elsässerin während der Belagerung von 1870/71 dar, die einen sterbenden Soldaten in ihren Armen hält.
Regelmäßige Veranstaltungen Jeden ersten Sonntag von März bis Dezember stellen in der Altstadt von Belfort seit 1966 rund 200 Antiquitätenhändler aus. Abgerufen am 20. Juni 2020
Seit 1983 findet jedes Jahr am Pfingstwochenende das Festival international de musique universitaire statt. Musikgruppen und Chöre aus Bildungseinrichtungen aus aller Welt treten auf zahlreichen Bühnen bei diesem für die Besucher kostenlosen Festival auf, das in der Altstadt von Belfort stattfindet.
Jährlich (November/Dezember) wird dort das internationale Filmfestival Entre Vue veranstaltet. Bei seiner Gründung 1969 hieß es noch Festival des jeunes auteurs de Belfort, bis zu seiner Neugründung 1986., vorletzter Absatz
Am Lac du Malsaucy, wenige Kilometer nordwestlich von Belfort, findet alljährlich im Juli eines der größten Rockmusikfestivals in Frankreich statt, Les Eurockéennes de Belfort.
Wirtschaft und Infrastruktur