Der Wolfenbütteler Sportverein von 1945 e. V. wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs im September 1945 als neuer Großverein in Wolfenbüttel gegründet. Ab 1948 wurden die früheren Vereine wieder zugelassen, so dass viele Mitglieder den WSV verließen und dieser als reiner Fußballverein weitergeführt wurde.
Erst ab den 1970er Jahren kamen mit Tennis, Tischtennis, Gymnastik, Handball, Badminton und Wing Chun Kung Fu weitere Sportarten hinzu. Im Jahr 1970 begann zudem mit der Gründung einer Frauenmannschaft für die Fußballabteilung eine Erfolgsgeschichte, die bis in die 2. Bundesliga führte. 2002 ging der WSV in dem MTV Wolfenbüttel auf.
Herrenfußball Erfolge Niedersächsischer Pokalsieger: 1965 Meister Verbandsliga Niedersachsen Ost: 1966, 1996 Aufstieg in die Amateur-Oberliga Nord: 1985
Geschichte 1945 bis 1948 Der WSV wurde im September 1945 im Hotel Kronprinz gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen 14 Personen teil. Hierzu gehörten Franz Hüther, Erich Bertram, August Kleinschmidt, Fritz Liebold und Hermann Seuber als treibende Kräfte sowie Gerhard Dernedde, Karl Fricke, Hermann Kick, Emil Lipke, Erich Schlöttig und Heinz Ziehe.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden von der britischen Besatzungsmacht zunächst alle bisherigen Vereine verboten. In Wolfenbüttel wurde nur ein Großverein für den Sport zugelassen, der keinen traditionellen Namen führen durfte. Somit erhielt der neue Verein den Namen Wolfenbütteler Sportverein von 1945 e. V.
Sogleich begann man mit dem Aufbau einer Fußballmannschaft. Diese setzte sich größtenteils aus Spielern des (aufgelösten) BV Germania Wolfenbüttel und des Luftwaffen-Sportvereins (LWSV) Wolfenbüttel zusammen. Trainer wurde Ferdinand Fabra, zuvor Trainer der schlesischen Gaumannschaft und der finnischen Nationalmannschaft sowie Assistent des Reichstrainers Otto Nerz. Als Wettkampfstätte erhielt man nach Verhandlungen mit den englischen Besatzern den Sportplatz an der Meesche.
Einen regulären Punktspielbetrieb gab es nach dem Krieg noch nicht. Im Herbst/Winter 1945/46 wurden vorerst nur Freundschaftsspiele ausgetragen – u. a. gegen den Hamburger SV und den TSV Braunschweig. Zu Beginn des Jahres 1946 einigten sich dann zehn Vereine aus dem südöstlichen Gebiet Niedersachsens ohne einen übergeordneten Verband auf die Durchführung einer einfachen Punktrunde. Dies waren der TSV Braunschweig, VfB Brunswiek 04/Rot-Weiß Braunschweig, Schwarz-Gelb Göttingen, SV Arminia Hannover, Hannover 96, Werder Hannover, VfV Hildesheim, SV Linden 07, VfB Peine und der WSV (siehe dazu: Bezirksmeisterschaftsliga (britische Zone)).
Das erste Punktspiel bestritt der WSV am 24. März 1946 und erreichte ein 2:2-Unentschieden bei Arminia Hannover. Jedoch wurde die noch als Freundschaftsspiel ausgetragene Partie gegen den VfV Hildesheim (Endstand 3:1 für den WSV) mit in die Wertung aufgenommen. Zum Ende der Punktrunde belegte der WSV den zweiten Tabellenplatz und durfte auch an der Norddeutschen Meisterschaft teilnehmen, die im K.-o.-System ausgespielt wurde. Doch in der ersten Runde verlor man beim TSV Braunschweig mit 1:2.
In der Saison 1946/47 musste man einen der ersten drei Plätze belegen, um sich für einen Platz in der neuen Oberliga Nord, die in der Saison 1947/48 ihren Spielbetrieb aufnahm, zu qualifizieren. Nach mittelmäßigem Start erreichte der WSV trotz zwischenzeitlicher Leistungssteigerung nur den fünften Platz. Somit musste man 1947/48 in der neuen Verbandsliga Braunschweig, der höchsten Amateurklasse, spielen. In dieser Liga, die bundesweit die zweithöchste Spielklasse war, blieb der WSV bis 1964.
Zu Beginn des Jahres 1948 wurde das Verbot zur Vereinsgründung aufgehoben. Ebenso war es gestattet, dass alte Vereine auch wieder ihren traditionellen Namen tragen durften. Für den WSV bedeutete dies, dass der Großverein auseinanderbrach. Als erstes gründeten die Leichtathleten, Turner und Handballer den MTV Wolfenbüttel wieder. Später gingen auch die Schwimmer, Tischtennisspieler, Radfahrer und Schwerathleten. Auch einige Fußballer verließen den WSV, um den traditionellen Wolfenbütteler Fußballverein, den BV Germania Wolfenbüttel wiederzugründen. Der WSV selbst behielt vorerst nur noch die Fußballsparte.
Saisondaten 1945–1948 Saison Liga Platz Tore Punkte 1945/46 Oberliga Niedersachsen Süd 2. 28:17 13-5 1946/47 Oberliga Niedersachsen Süd 5. 66:48 20-20 1947/48 Verbandsliga Braunschweig 3. 41:23 20-12
1948 bis 1964 Ende der 40er Jahre gab es weitere Reformen im niedersächsischen Ligafußball. Zur Saison 1949/50 sollte unterhalb der Vertrags-Oberliga die Amateuroberliga als höchste Amateurklasse eingeführt werden. Dementsprechend war die Saison 1948/49 wieder ein Qualifikationsjahr, die ersten sechs (dann erweitert auf sieben) Plätze berechtigten zum Start in der neuen Spielklasse. Der WSV erreichte den sechsten Platz und konnte ab 1949 in der Amateur(ober)ligaDen Namenszusatz ”Oberliga” trug sie erst ab 1950. Niedersachsen-Ost antreten.
Nach einem dritten Platz im ersten Jahr in der neuen Klasse geriet der WSV 1950/51 durch einen personellen Umbruch in Abstiegsgefahr. Jedoch konnte zu Saisonende noch der 10. Platz und somit der Klassenerhalt erreicht werden. Auch 1953/54 kämpfte man um den Ligaverbleib, der erst in einer Entscheidungsrunde mit den punktgleichen Konkurrenten FC Grone und Werder Hannover gesichert werden konnte.
Anschließend folgte bis 1959 eine erfolgreichere Ära. In diesen fünf Jahren landete der WSV immer zwischen Platz drei und sechs. 1955/56 durften die Wolfenbütteler als Dritter gegen den Zweiten der Weststaffel im Entscheidungsspiel um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord antreten. Doch das Spiel gegen Eintracht Osnabrück in Bückeburg wurde 0:2 verloren. 1956 erfuhr die Mannschaft durch die Verpflichtung des Stürmers Gerhard Gollnow eine erhebliche Stärkung. Gollnow, der von Viktoria Woltwiesche kam und 1958 zwei Einsätze in der Amateur-Nationalmannschaft verzeichnen konnte, erzielte in seinen ersten beiden Spielzeiten für den WSV 30 bzw. 29 Tore. 1958 wechselte er zum Oberligisten Hannover 96, mit dem er auch international aktiv war, u. a. gegen Inter Mailand. 1962 kehrte Gollnow zum WSV zurück.
1956 begannen zudem Renovierungsarbeiten am Meesche-Stadion, die fast zwei Jahre dauerten. Zur Einweihung bestritt der WSV am 10. August 1958 ein Freundschaftsspiel gegen die damalige deutsche Spitzenmannschaft Rot-Weiss Essen, für die der deutsche Weltmeister von 1954, Helmut Rahn, aktiv war.
1963/64 spielten die WSVer unter der Leitung des neuen Trainers Ernst Naab (als Spieler früher bei Eintracht Braunschweig aktiv). Durch die Einführung der Fußball-Bundesliga 1963 war die Amateuroberliga Niedersachsen-Ost nur noch die dritthöchste Spielklasse. Ein Jahr später zog die Bundesliga-Gründung auch Reformen der Amateur-Spielklassen nach sich. So musste 1963/64 der achte Platz erreicht werden, um in die neue, eingleisige Landesliga Niedersachsen zu kommen. Der WSV wurde nur Neunter und stieg in die vierte Liga ab.
Saisondaten 1948–1964 Saison Liga Platz Tore Punkte 1948/49 Verbandsliga Braunschweig 6. 57:47 24-20 1949/50 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 3. 71:46 42-26 1950/51 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 10. 95:81 31-37 1951/52 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 7. 60:65 41-35 1952/53 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 11. 54:69 30-34 1953/54 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 13. 65:82 23-37 1954/55 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 5. 65:50 36-24 1955/56 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 3. 65:48 40-20 1956/57 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 5. 85:56 38-22 1957/58 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 4. 82:50 38-22 1958/59 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 6. 70:44 33-27 1959/60 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 11. 56:63 29-35 1960/61 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 8. 45:41 33-31 1961/62 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 11. 49:54 27-33 1962/63 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 7. 63:59 30-30 1963/64 Amateuroberliga Niedersachsen-Ost 9. 52:66 26-30
1964 bis 1980 Anfang bis Mitte der 60er Jahre spielte sich eine Mannschaft ein, die über Jahre dem Verein treu blieb und so zu einer echten Einheit wurde. In der Verbandsliga Ost avancierte man Trainer und Ex-Spieler Emil „Zucker“ Lipke gleich im ersten Jahr zur Spitzenmannschaft. So gewann der WSV 1965 den Niedersachsenpokal und 1966 die Meisterschaft der Verbandsliga Ost. Bei der Meisterschaft zeigte sich eine deutliche Überlegenheit mit elf Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten SC Uelzen 09. Doch der Aufstieg gelang nicht, da der WSV in der Aufstiegsrunde nur Dritter wurde.
Auch ab 1967 unter dem neuen Trainer Rudolf Stolzenberg spielte der WSV regelmäßig in der Spitzengruppe mit. Nur die Saison 1970/71 schloss man auf dem 13. Platz ab, ansonsten befand man sich immer unter den ersten Fünf. Der Aufstieg in die Landesliga gelang 1974 mit einer knappen Entscheidung. Nach Punktgleichheit in den Gruppenspielen mussten Entscheidungsspiele ausgetragen werden. Insgesamt benötigten die Wolfenbütteler neun Partien, bis der Aufstieg feststand. 1976 wurde Hannes Wittfoth Trainer. In den folgenden vier Jahren führte er die Mannschaft viermal auf den fünften Platz der Landesliga (bzw. Verbandsliga, wie sie ab 1979/80 hieß).
Saisondaten 1964–1980 Saison Liga Platz Tore Punkte 1964/65 Verbandsliga Ost 3. 71:42 42-18 1965/66 Verbandsliga Ost 1. 90:35 49-11 1966/67 Verbandsliga Ost 2. 64:35 40-20 1967/68 Verbandsliga Ost 3. 70:38 37-23 1968/69 Verbandsliga Ost 2. 63:40 41-19 1969/70 Verbandsliga Ost 5. 73:54 35-25 1970/71 Verbandsliga Ost 13. 45:56 27-33 1971/72 Verbandsliga Ost 2. 63:63 42-18 1972/73 Verbandsliga Ost 2. 53:41 38-22 1973/74 Verbandsliga Ost 2. 77:45 42-18 1974/75 Landesliga Niedersachsen 9. 56:45 29-31 1975/76 Landesliga Niedersachsen 9. 59:46 31-29 1976/77 Landesliga Niedersachsen 5. 67:37 38-22 1977/78 Landesliga Niedersachsen 5. 53:33 36-24 1978/79 Landesliga Niedersachsen 5. 49:40 34-26 1979/80 Verbandsliga Niedersachsen 5. 63:47 34-26
1980 bis 1991 1980 wurde Ernst Menzel, von 1968 bis 1978 Stürmer beim WSV, als neuer sportlicher Leiter eingestellt. In den folgenden fünf Jahren landete man nur 1981/82 auf dem siebten Platz. Ansonsten befand man sich immer unter den ersten Drei und konnte jeweils an der Aufstiegsrunde zur Amateur-Oberliga Nord teilnehmen. 1985 wurde der Aufstieg geschafft. Ähnlich wie beim Aufstieg 1974 war es eine knappe Entscheidung. Der WSV war punktgleich mit dem VfL Herzlake. Beide Teams hatten zudem die gleiche Tordifferenz. Da jedoch der WSV zwei Tore mehr geschossen hatte, stieg er auf.
In der Anfangsphase der Saison 1985/86 wurde der WSV von der Aufstiegseuphorie getragen. Nach einem 3:1-Sieg am 6. Spieltag gegen den Zweitligaabsteiger und späteren Aufsteiger FC St. Pauli belegte man zwischenzeitlich den zweiten Platz. In der Endabrechnung wurde Wolfenbüttel Zwölfter und schaffte so das Ziel Klassenerhalt. In den Folgejahren konnte man sich mit namhaften Gegnern wie Arminia Hannover, Holstein Kiel, dem VfB Oldenburg oder dem VfL Wolfsburg messen. In der Saison 1987/88 spielte man zudem gegen Eintracht Braunschweig. Beim Hinspiel am 10. Oktober 1987 wurde mit 7.000 Besuchern der Zuschauerrekord des Meesche-Stadions aufgestellt.
1989/90 wollte sich der WSV in der Spitzengruppe der Oberliga etablieren. In der Hinrunde sah es so aus, als würde dieses Ziel erreicht. Nach zwischenzeitlicher Tabellenführung belegte das Team zur Winterpause den vierten Platz. Doch durch Verletzungspech geriet man in der Rückrunde in Abstiegsgefahr und landete zum Schluss auf dem 14. Tabellenplatz. Trainer Menzel verließ 1990 nach zehn Jahren den WSV und wechselte zum VfL Wolfsburg. Ihm folgte mit Wolfgang Grobe ein ehemaliger Profi von Eintracht Braunschweig und Bayern München. Doch der WSV spielte eine schlechte Saison und musste am Ende mit nur 33 Toren in 34 Spielen als Drittletzter absteigen.