mini|Emblem der Seestreitkräfte mini|Flagge der Seestreitkräfte
Die Marine der Volksrepublik China (, abgek.: PLAN) ist Teil der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Sie verfügt über 215.000 Mann und ist in drei Flotten gegliedert. Mit rund 340 Schiffen und Unterseebooten handelt es sich um die größte Kriegsmarine weltweit.
Bedeutung des Seehandels, der Seefahrt und der Seeverteidigung für China mini|Chinas wichtigste Ölversorgungswege auf See (Quelle: DoD) China besitzt die nach Schiffseinheiten größte Kriegsmarine der Welt und ebenfalls den größten zivilen maritimen Sektor. China hat 14.500 Kilometer Küsten, beansprucht vier Millionen Quadratkilometer Meeresfläche (zum Vergleich: Die Landesfläche beträgt knapp 9,6 Mio. km²) und betreibt über 1400 Häfen. China ist, nach Gesamttonnage, die größte Schiffsbauernation der Welt. In der ersten Jahreshälfte 2025 gingen etwa 60 Prozent aller weltweiten Schiffbauaufträge nach China. In Bezug auf die reinen Schiffbaukapazitäten hat die Volksrepublik China die Vereinigten Staaten bei weitem überholt. Nach Schätzung von Experten des International Institute for Strategic Studies betrug die Schiffbaukapazität Chinas im Jahr 2025 etwa das zweihundertfache der der Vereinigten Staaten. Die Schiffbaukapazität und damit verbundene Expertise sei langfristig auch militärstrategisch von großer Bedeutung. In Krisenzeiten könnten rasch größere Zahlen an zivilen und militärischen Einheiten hergestellt werden.
Die Marine der Vereinigten Staaten hat mit Stand 2025 eine größere Tonnage und weit mehr Flugzeugträger und Unterseeboote als die chinesische Marine. Auch beurteilen viele Experten die US-Marine als technologisch besser aufgestellt. Dieser Abstand verringert sich nach Experteneinschätzung jedoch mit großer Geschwindigkeit, da der Ausbau der chinesischen Kriegsmarine seit Jahrzehnten schnell voran geht. In den vier Jahren zwischen 2019 und 2023 liefen in den vier größten Schiffswerften Chinas – Dalian, Guangzhou, Jiangnan und Hudong-Zhonghua – 39 Kriegsschiffe mit einer Gesamttonnage von 550.000 Tonnen vom Stapel – mehr als die Tonnage der gesamten britischen Royal Navy. Auch Marinebasen, wie Yulin auf der Insel Hainan, wo wohl künftig die Typ 094-Atom-U-Boote stationiert werden sollen, werden massiv ausgebaut. Technologisch hole China ebenfalls in großem Tempo auf.
Nach einigen Statistiken hat China mehr Seefahrer, Tiefseeflotten und Hochseefischereischiffe als jedes andere Land. Sieben Meeresuniversitäten bzw. -fachschulen und 18 berufsbildende maritime Institute sorgen (Stand: 2006) für die Ausbildung der chinesischen Seeleute. Diese seegestützte Wirtschaftsrevolution hängt zunehmend von der maritimen Sicherheit des Heimatlandes ab. China verfügte im Jahr 2025 über sieben der zehn weltgrößten Häfen, gemessen am Umschlag – Vgl. Wirtschaft der Volksrepublik China.
China ist abhängig von Importen auf dem Seeweg, insbesondere von den Öllieferungen, die zu 80 Prozent durch die Straße von Malakka kommen und erhebt Ansprüche auf das Ost- und Südchinesische Meer.Hauke Friederichs, Steffen Richter: Das große Machtspiel auf dem Pazifik. Zeit online vom 12. August 2011, abgerufen am 12. August 2011.
Führung Oberkommandierender ist seit Anfang 2017 Admiral Shen Jinlong (* Nanhui, Shanghai 10.1956), zuvor Befehlshaber der Südflotte. Shen ist damit von Amts wegen Mitglied der Zentralen Militärkommission. Er trat die Nachfolge von Admiral Wu Shengli an, der seit 2008 diese Funktion innehatte.Former navy deputy commander stripped of NPC post (Xinhua, 29. Juni 2006) Im Herbst 2007 hatte es ein umfangreiches Revirement in den Führungskadern der gesamten chinesischen Streitkräfte gegeben. (Asia Times Online, 2. Oktober 2007)Gang Chen u. a.: PDF; 344 kB; 25 S. The University of Nottingham – China Policy Institute, 2. Januar 2008
Oberstes politisches Entscheidungsorgan ist das 13-köpfige ständige Marinekommitee der Kommunistischen Partei Chinas.
Das Oberkommando der Marine ist in Peking angesiedelt. Es gliedert sich in die Stabsabteilung, die politische, logistische und Rüstungsabteilung. Allen Gliederungsebenen sind, wie in der restlichen Volksbefreiungsarmee, jeweils Parteikomitees zugeordnet. Der jeweilige militärische Kommandeur ist in der Regel der stellvertretende Vorsitzende des Komitees.
Gliederung mini|Stationierung der chinesischen Marineverbände Die Nordflotte (Beihai) operiert im Gelben Meer. Ihr Hauptquartier befindet sich in Qingdao. Weitere wichtige Stützpunkte sind Xiaopingdao und Lüshunkou.
Die Ostflotte (Donghai) ist für das südliche Gelbe Meer und das Ostchinesische Meer zuständig. Das Hauptquartier ist Ningbo, weitere Stützpunkte sind Shanghai und Fujian.
Operationsgebiet der Südflotte (Nanhai) ist das Südchinesische Meer. Ihre Zentrale befindet sich in Zhanjiang, große Stützpunkte bei Yulin (Sanya) auf der Insel Hainan und in Guangzhou. Bei der Südflotte handelt es sich um die bedeutendste der regionalen Gliederungen. Sie wird von einem Vizeadmiral geführt (im Gegensatz zu Konteradmirälen bei den beiden anderen Flotten). Zudem sind ihr die modernsten Schiffe zugeordnet.
Neben den Flotten steht als weitere Komponente das Marineinfanterie-Korps. Die Flotten selbst sind entsprechend ihrer „Himmelsrichtung“ den gleichnamigen Militärbezirken unterstellt. Die Vizekommandeure der Flotten leiten jedenfalls die zugeordneten Marinefliegerkräfte in Brigadestärke.
Strategie und Operationsfähigkeit mini|Die angestrebte Ausdehnung des Operationsraumes der PLAN nach Angaben des China Report 2006 des US-Verteidigungsministeriums Die Marine der Volksbefreiungsarmee steht im Mittelpunkt der Modernisierungsanstrengungen: China braucht sie, um seinen Anspruch als Regionalmacht geltend zu machen – und mehr noch, um Taiwan drohen zu können. Die Seestreitkräfte entwickeln sich derzeit über den bisher an die Küstengewässer gebundenen Einsatzmöglichkeiten deutlich hinaus. Die Fähigkeit zu Hochseeoperationen wächst. 2002 unternahm ein chinesischer Marineverband erstmals eine Fahrt um die ganze Welt. US-Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass die PLAN derzeit für kurze Zeit Seegebiete in bis zu 400 Seemeilen Entfernung von der chinesischen Küste kontrollieren kann.
Seit 2008 ist Chinas Marine im Rahmen der multinationalen Pirateriebekämpfung permanent im Indischen Ozean mit min. einem und max. drei Schiffen, teilweise auch mit Spezialkräften an Bord präsentSusanne Kamerling, Frans-Paul Van der Putten: An Overseas Naval Presence without Overseas Bases: China’s Counter-piracy Operation in the Gulf of Aden. In: Journal of Current Chinese Affairs, Vol. 40, Nr. 4, (2011), S. 119–146.Daniel J. Kostecka: Places and Bases: The Chinese Navy’s Emerging Support Network in the Indian Ocean. In: Naval War College Review, Vol. 64, Nr. 1, 2012, S. 59–78. und kooperiert in diesem Rahmen auch mit der NATO und den USA (Stand Februar 2013). Mittlerweile hält Chinas Marine zur Vorbereitung auf weiter entfernte Operationen regelmäßig Manöver im westlichen Pazifik ab und unternimmt Hafenbesuche in Ländern wie Australien. Zusammen mit dem deutlich aggressiveren Auftreten Ende 2012/Anfang 2013 im Konflikt um die Senkaku/Diaoyu-Inseln veranschaulicht dies einen Strategiewechsel Chinas hin zu dem Ziel, auf offener See und weiter entfernt von den eigenen Küsten militärische Überlegenheit herstellen oder eigene Interesse durchsetzen zu können.
Für die Verteidigung gegen einen seeseitigen Angriff, auch während eines eigenen Vorgehens gegen Taiwan, spielt das Konzept der beiden Inselketten eine Rolle. US-Analysen zufolge will die Volksbefreiungsarmee innerhalb der zweiten Inselkette gegnerische Überwasserschiffe durch den Einsatz von konventionell bestücken Mittelstreckenraketen des Typs CSS-5 bekämpfen, wobei die geringe Größe der Ziele große Herausforderungen an die Zielerfassung und Steuerung der Raketen stellt. Innerhalb der ersten Inselkette sollen Seeminen, Marschflugkörper, Über- und Unterwasserschiffe eingesetzt werden.
Seit dem Jahr 2015 hat die Volksrepublik China mit zahlreichen anderen Nationen weltweit Verträge zur Hafennutzung abgeschlossen, die in erster Linie dem Seehandel dienen, aber auch von militärischen Schiffen genutzt werden können. Ausgeweitet wurden auch die Meeresforschungsaktivitäten der Marine. Sie finden inzwischen im gesamten Pazifik und punktuell auch im Atlantik statt.
Mannstärke und Ausbildung In der Gesamtzahl von 215.000 Angehörigen der Marine sind 40.000 Wehrpflichtige, 26.000 Mitglieder der Marinefliegereinheiten und 20.000 Marineinfanteristen enthalten.
Die Ausbildung war ursprünglich stark an den Zeitabläufen der jährlichen Zuführung von Wehrpflichtigen ausgerichtet und fand im Wesentlichen innerhalb einzelner Einheiten, innerhalb der Schiffsgemeinschaften und in Küstengewässern statt. Inzwischen werden Ausbildungen innerhalb größerer Verbände, mit den Werftaufenthalten von Schiffen und mit den übrigen Teilstreitkräften koordiniert. Zudem sind verstärkt Schiffssimulatoren an Land in Verwendung und es finden häufiger Übungen auf Hoher See statt.
Marineinfanterie Bis zu den Militärreformen des Jahrs 2016 war die Marineinfanterie der Volksbefreiungsarmee auf zwei Brigaden mit zusammen rund 10.000 Mann und im Wesentlichen auf offensive und defensive Einsätze im Zusammenhang mit Basen auf Inseln im Südchinesischen Meer und an dessen Küste beschränkt. Seitdem wird ein Aufwuchs auf acht Brigaden angestrebt, die auch jenseits des ersten Inselrings einsatzfähig sein sollen. Im Einzelnen sind vier weitere Einsatzbrigaden, eine Spezialeinheiten- und eine Hubschrauberbrigade geplant. Rund 400 Marineinfanteristen (Stand 2022) sind in der chinesischen Militärbasis in Dschibuti stationiert. Für das Jahr 2021 ging das US-Verteidigungsministerium von drei voll und drei beschränkt einsatzfähigen Marineinfanteriebrigaden aus. Voll einsatzfähig sei auch die Spezialeinheitenbrigade, während die Hubschrauberbrigade diesen Status wohl nicht vor 2025 erreichen werde. Insgesamt umfasse die chinesische Marineinfanterie rund 30.000 Mann. hier: S. 56.
Ausrüstung mini|Marineinfanteristen der Volksbefreiungsarmee (See) mini|Marineinfanteristen im Jahr 2025
Der US-Marinegeheimdienst (ONI) ging im Jahr 2015 von folgenden größeren Kriegsschiffen im Arsenal der Volksbefreiungsarmee aus: 26 Zerstörer, 52 Fregatten, 20 Korvetten, 86 Schnellboote mit Raketenbewaffnung, 56 Landungsschiffe, 42 Minenkampfschiffe, mehr als 50 größere Hilfsschiffe. Die U-Boot-Flotte umfasst 62 Jagd-U-Boote, davon fünf atombetrieben und vier U-Boote mit ballistischen Raketen. Es existieren Strukturen, die eine Nutzung der zivilen Flotte für militärische Zwecke, insbesondere den Transport von Bodeneinheiten und Versorgungsgütern, ermöglichen. Das US-Verteidigungsministerium schätzte das Arsenal im Jahr 2022 über rund 340 Über- und Unterwasserschiffe, darunter rund 125 größere Überwasser-Kriegsschiffe. hier: S. VI.