mini|Peter Spuhler (2011) Peter Spuhler (* 7. Juli 1965 in Berlin) ist ein deutscher Dramaturg, Theaterintendant Kulturmanager und Dozent. Er war Intendant des Landestheaters Tübingen, des Theaters und Orchesters Heidelberg und bis 2021 des Badischen Staatstheaters Karlsruhe.
Leben
Peter Spuhler setzte sich bereits in der Schulzeit für gesellschaftliche Veränderung und soziale Gerechtigkeit ein. Er war Schülersprecher, Bezirksschülersprecher und zeitweilig Landesschülersprecher der Landesschülervertretung von Berlin. Als solcher engagierte er sich für den Erhalt des Bafögs und war in der Friedensbewegung aktiv. Anschließend studierte er Regie und Dramaturgie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er erhielt sein Diplom mit Auszeichnung sowie einen Preis des Österreichischen Wissenschaftsministeriums für seine Diplominszenierung. Darüber hinaus war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Nach diversen Hospitanzen und Regieassistenzen an verschiedenen Wiener Theatern, unter anderem am Burgtheater bei Andrea Breth und am Theater „Der Kreis“ bei George Tabori, arbeitete er von 1990 bis 1991 als Dramaturg am Schauspielhaus in Wien. Dort verhalf er dem noch unbekannten österreichischen Dramatiker Werner Schwab zu überregionaler Aufmerksamkeit (Einladung zu den Mülheimer Theatertagen) und initiierte ein Programm von Uraufführungen und österreichischen Erstaufführungen gemeinsam mit dem Intendanten Hans Gratzer, das deutschlandweit Beachtung fand.
Von 1993 bis 1996 übernahm er für drei Jahre die Leitung des Kinder- und Jugendtheaters am Theater der Altmark / Landestheater Sachsen Anhalt-Nord in Stendal und war zudem als Regisseur und Dramaturg tätig. In diesem Zeitraum erweiterte er das theaterpädagogische Angebot, konzipierte neue Vorstellungsreihen, steigerte die Besucherzahlen erheblich und beteiligte sich an öffentlichen Diskussionen zur Bedeutung des Kinder- und Jugendtheaters.
1996 wechselte er zum Volkstheater Rostock, wo er während seiner Amtszeit verschiedene Leitungspositionen bekleidete. So war Spuhler leitender und geschäftsführender Dramaturg und übernahm die dortige Schauspieldirektion. Darüber hinaus war er maßgeblich daran beteiligt, das Haus gegen Spartenschließungen zu verteidigen. In diesem Zusammenhang gründete er ein Bündnis gegen Kultur- und Sozialabbau und startete eine Unterschriftenaktion, die knapp 70.000 Unterschriften erreichte und an der sich u. a. Prominente wie Udo Jürgens, Nina Hagen, Nena und die Söhne Mannheims beteiligten. Auch die TV-Serie Lindenstraße thematisierte die geplante Schließung. In der Folge konnten die Schließungspläne abgewendet werden. Bereits in Rostock begann Spuhler mit der Förderung junger Dramatiker durch die Reihe „Die Lesung“, in der neue, noch nicht aufgeführte Theaterstücke vorgestellt wurden.
2001 in Rostock wurde Peter Spuhler zum Intendanten des Landestheaters Württemberg-Hohenzollern in Tübingen/Reutlingen gewählt. In seiner Zeit als Intendant von 2001 bis 2005 steigerte er die Zuschauerzahlen und Auslastung des Theaters und gewann diverse Bestplatzierungen in Fachzeitungen. Das Landestheater erreichte unter seiner Leitung die höchste Vorstellungszahl aller Theater im deutschsprachigen Raum sowie den besten Effizienzschlüssel aller Theater in Baden-Württemberg und wurde vor allem durch seine innovativen Inszenierungen und seine Arbeit mit jungen Autoren überregional bekannt. U. a. wurde das Landestheater Tübingen mit „Nomaden“ von Ulrike Syha zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. In Anerkennung seiner Arbeit erhielt er zum Abschied die Hölderlin-Medaille der Stadt. „Peter Spuhler war in Tübingen für ein ambitioniertes und auch finanziell sehr erfolgreiches Theater verantwortlich. Die Bilanz seiner dreijährigen Tätigkeit am dortigen Landestheater kann sich sehen lassen.“ würdigte der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst den scheidenden Intendanten. „Mit jungen Regisseuren und Schauspielern wurde in Tübingen drei Jahre lang leidenschaftliches und erfolgreiches Theater gemacht.“
Von 2005 bis 2011 war Peter Spuhler Intendant des Theaters und Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg. im ZDFtheaterkanal am 24. Juli 2008 Die Arbeit von Spuhler und seinem Team stand unter dem Motto „Sehnsucht“ mit jährlich wechselnden Schwerpunktthemen. Alle Inszenierungen und Konzerte waren thematisch am jeweiligen Spielzeitmotto ausgerichtet. Auch in Heidelberg erreichte er wieder Rekordbesucherzahlen und -einnahmen und konnte ein deutlich jüngeres Publikum für die Aufführungen und Konzerten gewinnen. Die Abonnentenzahlen stiegen auf den höchsten Stand der letzten 19 Jahre. Mit einem außergewöhnlichen und innovativen Spielplan, den er mit Deutschlands jüngstem Generalmusikdirektor, Cornelius Meister, mit den Operndirektoren Bernd Feuchtner und Joscha Schaback sowie den Schauspieldirektoren Axel Preuß und Jan Linders realisierte, erreicht er überregionales Ansehen. In der Jahresumfrage der Deutschen Bühne erreichte Heidelberg viermal einen vorderen Platz in der Rubrik „außergewöhnliche Theaterleistung abseits der großen Theaterzentren“. Bereits in den drei Jahren in Tübingen hatten Spuhler und sein Team mit ihrer Arbeit diesen Platz eingenommen. Darüber hinaus gewann das Heidelberger Theater eine Auszeichnung für das „Beste Konzertprogramm“, den „Junge Ohren Preis“ für sein spartenübergreifendes Projekt „Das neue Wunderhorn“, Förderungen der Bundeskulturstiftung für beispielgebende Projekte und diverse Einzelnennungen in Jahresumfragen für die Künstler des Hauses. Der Opernregisseur und Intendant Benedikt von Peter erhielt für seine Heidelberger Inszenierung von Hans Zenders Chief Joseph den Götz-Friedrich-Preis. Die Heidelberger Oper wurde bekannt als ein Ort, an dem es junge Talente zu entdecken gab. So wurde die junge Dirigentin und jetzige Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz mit ersten Aufgaben betraut, und der Regisseur und Intendant Tobias Kratzer schuf seine erste Inszenierung an einem Stadttheater. 2010 wurde das Heidelberger Theater aufgrund seines Engagements, Oper Blinden und Sehbehinderten zugänglich zu machen, einer der 365 Orte bei „Deutschland – Land der Ideen“.
1996 war Spuhler Mitbegründer des „Forums junge Dramaturgie“ innerhalb der Dramaturgischen Gesellschaft, deren langjähriges Vorstandsmitglied er ab 1998 und deren Vorsitzender er von 2007 bis Januar 2011 war. Anschließend wurde er zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt. Darüber hinaus war er Mitglied der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins, des Verleger- und Rundfunkausschusses des Bühnenvereins sowie Stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat des Bühnenvereins und Mitglied im Verwaltungsrat der Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen. 2011 wurde er in den Vorstand des Landesverbands Baden-Württemberg des Bühnenvereins gewählt und war dort bis Sommer 2020. Im Januar 2012 wurde er sachverständiges Mitglied im Kulturausschuss der Stadt Karlsruhe bis 2022. Darüber hinaus ist er Mitglied der Akademie für Darstellende Kunst und der Freien Akademie der Künste Rhein-Neckar, des Chambre Professionnelle des Directeurs d’Opéra, der französischen Intendantenvereinigung, Vorstandsmitglied des europäischen Opernnetzwerkes „Opera Europa“.
Peter Spuhler lehrt als Honorarprofessor an der Karlshochschule International University in Karlsruhe in den Bereichen „Cultural Management“, „Sustainable Urban Development“ und „German Cultural Studies“. Er wird immer wieder als Gastdozent angefragt, so von der Ludwig-Maximilians-Universität München in Verbindung mit der dortigen Theaterakademie, von der Universität Mannheim, der Universität Heidelberg und auch für den Studiengang Arts-Administration der Universität Zürich. Er war und ist in verschiedenen Jurys und Beiräten tätig, auch für die Evangelische Kirche, deren Landessynode er als vom Landesbischof berufenes Mitglied angehörte, und z. B. zur Erstellung der Kunstkonzeption des Landes Baden-Württemberg, der Studienstiftung des deutschen Volkes, des Rotary Clubs Karlsruhe und des Heidelberg Clubs International.
Von Juli 2006 bis Oktober 2010 war Peter Spuhler, der innerhalb seiner Heidelberger Intendanz auch die Festivals „Heidelberger Stückemarkt“, „Heidelberger Schlossfestspiele“ und „Winter in Schwetzingen“ verantwortet, Sprecher der Festivalgruppe der Metropolregion Rhein-Neckar, die sich mit der Profilierung der Metropolregion als Festivalregion beschäftigt. Zusammen mit dem Nationaltheater Mannheim und dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen rief das Theater Heidelberg das Theaterfestival „Junges Theater im Delta“ ins Leben. Das Festival vernetzt die theaterpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Rhein-Neckar-Region. Für diese Initiative erhielten die beteiligten Theater 2010 mit der BASF den „Kulturpreis der Deutschen Wirtschaft“. Als weitere Auszeichnungen erhielt das Heidelberger Theater darüber hinaus den „1. Preis des Deutschen Musikrats“ für das Konzert „Rap it Like Heidelberg“ sowie den „Götz-Friedrich-Studiopreis“, der erstmals vergeben wurde, für den Heidelberger Regieassistenten Elmar Supp und die Kirchenoper „Noahs Flut“. Als weitere Anerkennung war die Förderung aus dem „Wanderlust“-Fonds der Bundeskulturstiftung. Das Theater kooperierte zwei Jahre lang mit dem Beit-Lessin-Theater in Tel Aviv und gestaltete so eines der umfangreichsten deutsch-israelischen Kulturprojekte der letzten Jahre. Darüber hinaus wurde das Heidelberger Theater Mitglied der europäischen Theaterverbände „Opera Europa“ und „European Theater Convention“ (ETC). Innerhalb der ETC entstand ein Klassenzimmerstück mit dem Théâtre de Genève im Rahmen der Initiative „Young Europe“. Die Produktionen des Heidelberger Theaters wurden zu verschiedenen Festivals eingeladen, so u. a. zur Wiesbadener Biennale oder zu „Augenblick mal“, dem Theatertreffen des Kinder- und Jugendtheaters in Berlin.
Spuhler leitete eine Generalsanierung des Heidelberger Theaters in die Wege. Mit Hilfe eines „Bürgerkomitees zur Rettung des Theaters“ gelang es, innerhalb von nur wenigen Jahren, fast 20 Millionen an Spendengeldern für dieses Vorhaben zu sammeln. Diese Initiative wurde 2007 ebenfalls vom Bundespräsidenten als einer der „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Im März 2009 wurden Cornelius Meister und er erste Ehrenmitglieder des „Bürgerkomitees“; Spuhler war darüber hinaus bis zum Ende seiner Intendanz in Heidelberg Mitglied der Lenkungsgruppe der Theatersanierung. Im Herbst 2012 wurde das sanierte und erweiterte Theater wiedereröffnet und erhielt zahlreiche positive Würdigungen in der Fachwelt. Auch für den Theaterbetrieb konnte Spuhler das Spenden- und Sponsoringaufkommen erheblich steigern.
Anlässlich seines Abschieds in Heidelberg wurde Spuhler von Oberbürgermeister Eckart Würzner in Anerkennung seiner Verdienste um das Heidelberger Theater zu dessen Ehrenmitglied ernannt. Weitere Ehrenmitgliedschaften verliehen der Theaterfreundeskreis, den Spuhler ins Leben gerufen hatte, wie auch die Heidelberger AIDS-Hilfe.