The Rocky Horror Picture Show aus dem Jahr 1975 ist die Kinofassung des Musicals The Rocky Horror Show von Richard O’Brien, das vor Beginn der Dreharbeiten am 21. Oktober 1974 bereits mehr als ein Jahr erfolgreich an verschiedenen Orten im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gelaufen war.

Die Premiere des Films war am 14. August 1975 in London. Im Juni 1977 kam der Film in Deutschland in die Kinos und im November desselben Jahres in Österreich. Heute gilt er als Kultfilm und wird auch nach mehr als 50 Jahren immer noch regelmäßig in vielen Programmkinos gezeigt.

Handlung Der Film beginnt mit dem Lied Science Fiction/Double Feature, bei dem nur die rot geschminkten Lippen von Patricia Quinn auf der Leinwand zu sehen sind; es singt Richard O’Brien.David Laderman: Punk Slash! Musicals. University of Texas Press, 2010, ISBN 0-292-77791-4, S. 32 ()

Die Handlung beginnt mit einer Hochzeit, bei der Brad Majors und seine Freundin Janet Weiss Gäste sind. Mit dem Song Dammit Janet macht Brad ihr einen Heiratsantrag. Sie wollen nun ihren alten Lehrer Dr. Everett von Scott besuchen, in dessen Klasse sie sich kennengelernt hatten. Nachts im Gewitterregen haben sie eine Reifenpanne und erreichen auf der Suche nach Hilfe ein Schloss (Song: Over at the Frankenstein Place). Der Butler Riff Raff öffnet und führt die beiden, begleitet vom Hausmädchen Magenta, in den Festsaal, wo sich zu den Klängen von Time Warp eine Gesellschaft amüsiert und tanzt.

Hausherr Dr. Frank N. Furter, gekleidet in Mieder, Strapsen und hochhackigen Schuhen (Song: Sweet Transvestite), lädt das Paar zur Besichtigung seines Labors ein. Dort stellt er ihnen seine Schöpfung Rocky vor (Song: The Sword of Damocles), einen muskulösen blonden Mann (Song: I Can Make You a Man). Eddie, der frühere Geliebte des Hausherrn, der in eine Tiefkühlkammer gesperrt worden war, kommt auf einem Motorrad ins Labor gefahren (Song: Hot Patootie – Bless My Soul). Frank N. Furter ist verärgert und erschlägt ihn.

Janet und Brad werden in getrennte Gästezimmer geführt, wo sie jeweils von Frank N. Furter besucht und verführt werden. Janet irrt im Schloss umher und entdeckt den verängstigten Rocky im Labor. Schnell kommen sich die beiden näher (Song: Touch-A, Touch-A, Touch Me).

Auf der Suche nach seinem Neffen Eddie kommt Dr. Scott im Schloss an. Im Esszimmer wird den Anwesenden ohne deren Wissen der zerteilte Eddie serviert (Song: Eddie). Es kommt zu einer Verfolgungsjagd (Song: Wise up, Janet Weiss), die im Labor endet, wo Janet, Brad, Dr. Scott, Columbia und Rocky schließlich in nackte Marmorstatuen verwandelt und auf eine Bühne gebracht werden. Wieder zurückverwandelt, führen sie gemeinsam mit Frank N. Furter eine Floor Show auf (Rose Tint My World/Fanfare/Don’t Dream It – Be It/Wild and Untamed Thing).

Plötzlich erscheinen Riff Raff und Magenta und geben zu erkennen, dass sie wie auch Frank N. Furter Außerirdische vom Planeten Transsexual in der Galaxie von Transsylvanien sind. Sie erklären Frank N. Furter für abgesetzt (Song: I’m Going Home), da er den Zweck seiner Mission auf der Erde verfehlt und sich stattdessen weltlichen Genüssen hingegeben habe.

Riff Raff tötet Columbia, Frank N. Furter und Rocky mit einem Laserstrahl und erklärt Dr. Scott, Brad und Janet, dass sie in Kürze das gesamte Gebäude zurück auf ihren Planeten beamen werden und sie den Ort verlassen sollten. Sie fliehen aus dem Schloss, das kurz darauf von der Erdoberfläche abhebt.

Der Film endet mit einer Szene, in der Janet, Brad und Dr. Scott auf dem Boden kriechen (Song: Super Heroes), wobei ihre Kleidung von der Explosion beim Start des Schlosses zerrissen ist, und einer letzten Zeile des Erzählers: „Und über die Oberfläche des Planeten krabbelnd, Insekten, die man die menschliche Rasse nennt, verloren in der Zeit und verloren im Raum, ohne jede Bedeutung“. Zum Abspann wird eine veränderte Version von Science Fiction/Double Feature gefolgt von The Time Warp gespielt.

Besetzung In der Filmproduktion der 20th Century Fox von Lou Adler und Michael White unter der Regie von Jim Sharman und Richard O’Brien, der auch Drehbuch, Musik und Texte beisteuerte, wurden die meisten Rollen von der Londoner Original-Bühnenbesetzung übernommen: Tim Curry als Frank N. Furter, Richard O’Brien selbst als Riff Raff, Nell Campbell alias „Little Nell“ als Columbia, Patricia Quinn als Magenta und Jonathan Adams als Dr. Everett von Scott (auf der Bühne hatte er den Erzähler gespielt).

Die Rolle des Eddie wurde besetzt mit Meat Loaf aus der Bühnenversion des Roxy Theatre in Los Angeles. Für den Film neu besetzt wurden die Rollen des Brad Majors mit Barry Bostwick und der Janet Weiss mit Susan Sarandon, zwei zu der Zeit relativ unbekannten US-amerikanischen Schauspielern. In einer stummen Rolle erscheint Peter Hinwood als Rocky, seine Gesangsparts wurden im Studio von Trevor White eingesungen. Außerdem tritt Charles Gray als Erzähler auf.

Drehorte Die Studioaufnahmen des Filmes wurden in den englischen Bray Studios (Down Place, Oakley Green, Berkshire) gedreht. Die Bray Studios befanden sich bis 1970 im Eigentum der für ihre Horrorfilme bekannten Hammer Films, welche dort zahlreiche ihrer Klassiker drehte. In unmittelbarer Nähe der Studios befindet sich das Herrenhaus Oakley Court, wo die Außen- sowie einige Innenaufnahmen des Schlosses gemacht wurden. Im August 2006 fand hier ein Fan-Treffen statt, bei dem auch Richard O’Brien anwesend war.

Entwicklung zum Kultfilm mini|Museum Lichtspiele in München Nachdem der Film anfangs miserabel anlief, nur 300.000 Dollar einspielte und ihm bereits die Absetzung drohte, zeigte sich relativ bald das Phänomen einer hartnäckigen Fangemeinde, die sich den Film wieder und wieder ansah und die Produzenten an einen Erfolg glauben ließ. Er wurde umgeschnitten und mit neuem Ende und einem geänderten Marketingkonzept als Midnight Movie (damals eine relativ neue Idee) nach sechs Monaten wieder in die Kinos gebracht. Das Konzept ging auf; durch Mundpropaganda erhielt der Film eine ständig wachsende Fangemeinde, die vielfach Texte mitsang und Filmszenen mitspielte und -tanzte.

Sie wuchs weiter an, so dass der Film heute Kultstatus besitzt und auch nach mehr als 40 Jahren noch in vielen Programmkinos regelmäßig gezeigt wird. Einen weltweiten Rekord halten dabei die Museum Lichtspiele in München, denn hier befindet sich der Film seit dem 24. Juni 1977 regelmäßig wöchentlich und somit seit mehr als 48 Jahren ununterbrochen im Programm (Stand August 2026). In dem Kino wurde ein Saal nach der Kulisse des Films eingerichtet. Verkleidungen sind gerne gesehen, und an der Kasse gibt es für Gäste, die sich nicht schon vorher eingedeckt haben, ein zum Film passendes „Mitmach-Päckchen“.

Beteiligung des Publikums Zu dem Kult, der im Laufe der Jahre um den Film entstanden ist, gehört vor allem das aktive Mitmachen der Zuschauer in bestimmten Szenen des Filmes sowie das Verkleiden als Transvestit. Bei folgenden Szenen kann sich das Publikum aktiv beteiligen:

Der Erzähler: Der Schnitt auf den Erzähler wird vom Publikum mit lauten „boring“-Rufen quittiert. Die Hochzeitsszene: Hier wird mit Reis geworfen. (In manchen Aufführungen/Theatern wird der Reis durch Konfetti ersetzt) Die Gewitter-Szene: Bei dieser Szene bedeckt das Publikum die Köpfe mit einer Zeitung, sobald Janet zum Schutz gegen den Regen dies tut, als sie aus dem Auto steigt. Der Regen selbst stammt in diesem Falle aus Wasserpistolen. Außerdem werden dann bei der Textzeile „there’s a light …“ ein Feuerzeug oder Wunderkerzen angezündet. Der Time Warp: Wenn das Lied gespielt wird, tanzt das Publikum. Die Ansprache Frank N. Furters im Labor: Frank N. Furter zieht dreimal seinen Gummihandschuh in die Länge und lässt ihn wieder los. Das dabei entstehende Geräusch snap wird dabei vom Publikum zeitgleich mit eigenen Gummihandschuhen verstärkt. Die „Geburt“ von Rocky: Das Publikum unterstützt die Szene mit Tröten und – wenn Rocky aus seinen Bandagen gewickelt wird – mit dem Werfen von Klopapierrollen. Die „Dinner-Szene“ mit dem toten Eddie im Tisch: Wenn Frank N. Furter sein Glas erhebt und „A toast!“ sagt, werfen alle mit Toastbrotscheiben. Sobald Frank N. Furter einen Partyhut aufzieht, zieht das Publikum nach. Szene I’m Going Home: Bei den Textzeilen „… cards for sorrow, cards for pain“ wirft das Publikum mit Spielkarten.

Shadowcast Vereinzelt bilden sich regionale Showgruppen, sogenannte Shadowcasts, die den Film im Kino mitspielen. Dabei wird der Film regulär auf der Leinwand gezeigt und das Ensemble spielt den Film mit Requisiten und Kostümen auf einer Bühne vor der Leinwand nach. Je nach Ensemble handelt es sich dabei entweder nur um einzelne ausgewählte Szenen oder um die gesamte Handlung. Traditionell wird die Rolle des Eddie und die Rolle des Dr. Everett von Scott von derselben Person verkörpert.

Regelmäßige Shadowcast-Vorführungen gibt es beispielsweise in Berlin im Babylon-Theater und in Nürnberg in der Katharinenruine zum Sommernachtfilmfestival.

Referenzen mini|American Gothic von Grant Wood In der Eingangsszenerie an und in der Kirche von Denton sind mit den Kirchendienern (Riff Raff, Magenta, Columbia) und dem Pfarrer (Frank’n’Furter) die wichtigsten transsylvanischen Gestalten bereits vorhanden. Der Erzähler hat sie auf seiner Projektion markiert, bevor er das Publikum auf eine „strange journey“ einlädt. Mit zahlreichen Anspielungen auf Frankenstein (zum Beispiel Frank’n’Furter, das künstliche Geschöpf Rocky) und Transsylvanien, das Land des Grafen Dracula, nimmt die Rocky Horror Picture Show Motive aus den beiden bekanntesten Erzählsträngen des Horrorfilms auf.

Direkt nach der Hochzeit sieht man in einer kurzen Einstellung ein bäuerliches Ehepaar (die Kirchendiener) mit einer Heugabel vor der Kirchentür. Diese Szene stellt eines der bekanntesten amerikanischen Gemälde, American Gothic von Grant Wood nach. In einer der ersten Szenen im Schloss taucht das Gemälde neben der Standuhr innerhalb der Eingangshalle auf. Die Kirchendiener erscheinen als Riff Raff und Magenta im transsylvanischen Schloss.

Die Figur des Dr. Everett Scott alias Dr. Everett von Scott, was eine deutsche Herkunft andeutet (er spricht im Film auch mit deutschem Akzent), ist eine Parodie auf die Figur des Dr. Strangelove (in der deutschen Übersetzung: Dr. Seltsam) aus dem Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben von Stanley Kubrick.

In einer Szene kurz vor Ende des Films erscheinen Riff Raff und Magenta in futuristischer Kleidung, um Frank’n’Furter abzusetzen. Riff Raff bedroht Frank’n’Furter mit einem Laserstrahler in Form eines Dreizacks, was wiederum auf die Heugabel aus dem Gemälde American Gothic anspielt. Der Film veralbert auf diese Weise den ländlichen Evangelikalismus in den USA des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Im Film Fame – Der Weg zum Ruhm von Alan Parker wird der Rocky Horror Picture Show eine komplette Szene gewidmet, in der die von Maureen Teefy und Barry Miller gespielten Figuren in entsprechender Verkleidung während einer Kino-Vorstellung die Time-Warp-Sequenz rezitieren.

Soundtrack Neben dem Soundtrack erschien mit dem Untertitel Audience Par-Tic-I-Pation Album auf zwei Langspielplatten auch ein „Original Soundtrack to the Original Soundtrack from the Original Movie“, der eine komplette US-Aufführung des Filmes inklusive Sprechszenen mit der typischen Soundkulisse aus dem Zuschauerraum eines Filmtheaters zur Zeit des Höhepunkts der „Mitmach-Aufführungen“ wiedergibt. Die Aufnahme beginnt mit einem Willkommensgruß von Sal Piro.

Auf der DVD finden sich auch die wichtigsten Lieder als Karaoke-Version. Auf der Doppel-DVD gibt es einige Extras wie Aufnahmen vom Set und dem Einüben der Tänze der Schauspieler.

Songs Science Fiction/Double Feature (die Lippen von Patricia Quinn; gesungen von Richard O’Brien) Dammit Janet (gesungen von Barry Bostwick, Susan Sarandon und Chor)