Die Bahnstrecke Berlin–Görlitz ist eine Hauptbahn in Berlin, Brandenburg und Sachsen, die ursprünglich durch die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft erbaut und betrieben wurde. Sie führt von Berlin über Cottbus nach Görlitz. Der Abschnitt von Berlin bis Cottbus ist elektrifiziert.

Verlauf Die Strecke verläuft von Berlin über Königs Wusterhausen, Lübben, Lübbenau/Spreewald, Cottbus, Spremberg, Weißwasser und Horka nach Görlitz. Ursprünglicher Ausgangspunkt und bis heute Nullpunkt der Streckenkilometrierung ist der Görlitzer Bahnhof in Berlin. Die Strecke von dort Richtung Görlitz wurde 1952 an der Berliner Sektorengrenze unterbrochen. Heute kommen die Züge von der Berliner Stadt- und Ringbahn zur Görlitzer Bahn. Die Strecke verläuft Richtung Südosten durch den Spreewald, den Muskauer Faltenbogen und das Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet in der Nieder- und Oberlausitz zum Eisenbahnknoten in Görlitz.

Von Berlin bis Lübbenau ist die Strecke mit Ausnahme eines kurzen Abschnitts in Königs Wusterhausen zweigleisig, sie ist auf diesem Abschnitt und darüber hinaus bis nach Cottbus elektrifiziert.

Die Fortsetzung der Linie in Görlitz ist die Neißetalbahn in Richtung Zittau. Die ursprüngliche Fortsetzung verlief bis 1945 entlang der Bahnstrecke Görlitz–Seidenberg zur ehemaligen preußisch-österreichischen Grenze.

Zur Entlastung der Görlitzer Bahn ging 1909 eine parallele Vorortbahnstrecke zunächst bis Grünau in Betrieb, die später bis Königs Wusterhausen verlängert wurde. Die Vorortbahn bediente allerdings nie den Görlitzer Bahnhof, sondern schließt im Bahnhof Berlin Treptower Park an die Berliner Ringbahn an und bezieht auch die bereits 1871 eröffnete Südringkurve zum Bahnhof Berlin Warschauer Straße ein. Sie wird heute von den Zügen der S-Bahn Berlin genutzt.

Geschichte mini|links|Berlin Görlitzer Bahnhof im Jahr 1928 mini|links|Berlin Görlitzer Bahnhof: Tor für die Güterzüge und Beschaubrücke der DDR-Grenzsoldaten, 1986 mini|links|Plan des Bahnhofs Ausstellung in Treptow mini|links|Das alte Bahnhofsgebäude in Görlitz links|mini|Eingleisiger Abschnitt zwischen Lübbenau und Cottbus in Raddusch Planungen für eine Eisenbahnstrecke von Berlin nach Görlitz bestanden seit 1852. Ihr Bau wurde vom „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg als Generalunternehmer umgesetzt. Strousberg deckte seine Kosten nur zu einem geringen Teil mit Bargeld, die ausführenden Bauunternehmen erhielten überwiegend als Gegenleistung Aktien, deren Wert sich mit dem Baufortschritt änderte. Der erste Spatenstich fand am 13. April 1865 bei Treptow statt. Durch den Preußisch-Österreichischen Krieg erfuhr das Vorhaben eine wesentliche Beschleunigung. Ab dem 13. Juni 1866 fuhren die ersten Militärzüge zwischen Berlin und Kottbus, am 13. September 1866 nahm die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft einen beschränkten Reise- und Güterverkehr auf demselben Abschnitt auf. Die Gesamtstrecke ging am 31. Dezember 1867 in Betrieb. Die Baukosten beliefen sich auf 36 Millionen Taler, umgerechnet 10 Millionen Mark.

Am 1. Juni 1874 ging zwischen der 1871 eröffneten Ringbahn, die die Görlitzer Bahn bei Treptow kreuzte, und Grünau das zweite Streckengleis in Betrieb. Zwischen Berlin Görlitzer Bahnhof und Grünau fuhren zusätzliche Omnibuszüge mit Kastenlokomotive und Doppelstockwagen. 1882 ging die Gesellschaft in das Eigentum des Staates Preußen über und wurde damit Teil der Preußischen Staatseisenbahnen. Am 17. September 1890 ging das zweite Gleis zwischen Grünau und Königs Wusterhausen in Betrieb. 1893 folgte der Abschnitt von Königs Wusterhausen bis Kottbus, 1894 das kurze Stück vom Görlitzer Bahnhof in Berlin bis zur Ringbahn.

Im Jahr 1896 existierte bei Kilometer 2,7 der Bahnhof Ausstellung mit sieben Gleisen, darunter fünf Stumpfgleise an vier Bahnsteigen. Er wurde eigens für den Publikumsverkehr der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 errichtet und nach deren Ende wieder geschlossen. Der Bahnhof war über ein separates Gleispaar an die Ringbahn angeschlossen.

Am 7. August 1905 kam es zwischen Spremberg und Schleife nach einem Fahrdienstfehler zu einem Frontalzusammenstoß zweier Züge, durch den 19 Menschen starben und 40 weitere schwer verletzt wurden.

Um 1906 wurde die gesamte Bahntrasse der Görlitzer Bahn im Berliner Raum hochgelegt, um höhengleiche Kreuzungen mit dem Straßenverkehr zu vermeiden. In diesem Zuge wurden für den starken Berliner Vorortverkehr zusätzliche Gleise zwischen Berlin (Stadt- und Ringbahn) und Grünau verlegt. Die Bahnhöfe erhielten zusätzliche Bahnsteige an diesen Vorortgleisen. Diese erhielten bis 1929 Stromschienen und gehören seitdem zum Berliner S-Bahn-Netz. 1951 wurden die S-Bahn-Gleise bis Königs Wusterhausen verlängert.

Als Reparationsleistung wurde nach 1945 eines der beiden Streckengleise abgebaut. 1951 wurde der Görlitzer Bahnhof in Berlin für den Personenverkehr geschlossen, bis 1985 bestand noch Güterverkehr.

Ab 1970 begann schrittweise der Wiedereinbau des zweiten Gleises, trotzdem ist der überwiegende Teil der Strecke auf einer Länge von 112,9 km zwischen Lübbenau und Görlitz noch immer eingleisig. Ab Ende 2026 soll die Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus zweigleisig ausgebaut werden.Bahnstrecke Lübbenau-Cottbus ab Ende 2026 gesperrt. In: rbb24.de, 30. September 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025.

Das überregionale Personenverkehrsangebot auf der Strecke in den 1970er und 1980er Jahren bestand aus drei Eilzugpaaren am Tag zwischen Berlin und Görlitz sowie weiter bis Zittau, einem Schnellzugpaar Berlin – Görlitz (in den 1970er Jahren weiter in Richtung Polen verkehrend) sowie dem Interzonenzugpaar Köln–Görlitz. Hinzu kamen auf Teilstrecken einige weitere Eilzüge und zwei Schnellzugpaare am Tag zwischen Berlin und Bautzen, die bis Lübbenau die Strecke nutzten.

1988 wurde der Abschnitt Berlin Grünauer Kreuz – Lübbenau und 1989 Lübbenau – Cottbus mit Oberleitung elektrifiziert.

Im Februar 2010 wurde die zweigleisige, elektrifizierte Ostanbindung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) planfestgestellt und bereits ein Jahr später fertiggestellt. Sie mündet mit einer jeweils eingleisigen nördlichen und südlichen Verbindungskurve niveaugleich in die Görlitzer Bahn zwischen Eichwalde und Grünau ein. Die alte Güterstrecke zum Tanklager Berlin-Schönefeld Flughafen Süd („Kerosin­bahn“), die am Bahnhof Grünau begann, wurde Ende März 2011 stillgelegt und anschließend abgebaut. Die Bedienung des Tanklagers und des BER-Betonwerkes erfolgt seitdem auf den neuen Gleisen der Ostanbindung, wobei das Anschlussgleis westlich der BAB 113 abzweigt und bis zum Übergabebahnhof elektrifiziert ist.

Mit Bescheid vom 23. Juli 2012 stellte das Eisenbahn-Bundesamt eine 4,5 ha große, im Bezirk Treptow-Köpenick liegende Fläche zwischen den Streckenkilometern 0,9 und 2,2 vom Bahnbetrieb frei. Hierbei handelt es sich um den Streckenteil zwischen Landwehrkanal und Höhe Ringbahn inklusive der ehemaligen Südkurve.

Ausbau der Strecke Die kürzeste Fahrzeit von Görlitz nach Berlin mit dem Schnellzug betrug im Jahr 1900 3 Stunden 19 Minuten, 1941 3 Stunden 8 Minuten, heute bis zum Hauptbahnhof mit Umstieg in Cottbus 2 Stunden 41 Minuten.

ABS Berlin–Görlitz Der Ausbau der Strecke war im Bundesverkehrswegeplan 2003 als vordringlicher Bedarf enthalten. Das Projekt ABS Berlin–Görlitz sah hierbei den zweigleisigen Ausbau zwischen Lübbenau und Cottbus, die Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf 160 km/h sowie die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Cottbus–Görlitz vor bei einem geplanten Investitionsvolumen von 237,9 Mio. Euro.

2008 wurde der Teilabschnitt Lübbenau–Cottbus saniert und für eine Geschwindigkeit von 160 km/h vorbereitet. In Vetschau wurde ein elektronisches Stellwerk (ESTW-A) errichtet, welches an die ESTW-Z Lübbenau angeschlossen ist. Ende November 2010 folgte ein weiteres elektronisches Stellwerk in Cottbus, dessen Kosten beliefen sich auf rund 50 Mio. Euro. Es ersetzte 13 alte Stellwerke und wird von der Betriebszentrale in Berlin-Pankow aus fernbedient.

mini|links|Bahnhof Lübbenau (Spreew) Zwischen Mai 2010 und (nach ursprünglicher Planung) Ende April 2011 folgte der 60 km lange Abschnitt Königs Wusterhausen–Lübbenau. Die Gleis- und Oberleitungsanlagen wurden im Rahmen einer Vollsperrung vollständig erneuert. Neue elektronische Stellwerke wurden in Königs Wusterhausen und Lübbenau errichtet. Mehrere Moorstellen erschwerten die Arbeiten. Die Wiederinbetriebnahme der Strecke verzögerte sich dann u. a. durch wiederholten Kabeldiebstahl bis September 2011. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 konnte die Streckengeschwindigkeit zwischen Königs Wusterhausen und Cottbus auf 160 km/h angehoben werden. Der Ausbau konnte durch den Einsatz von Mitteln aus den Konjunkturprogrammen des Bundes vorgezogen werden. Insgesamt wurden für diese Maßnahmen 130 Mio. Euro investiert.

Im März 2016 vereinbarten das Land Brandenburg und die Deutsche Bahn den zweigleisigen Ausbau der Strecke Lübbenau–Cottbus. Anlage 4 Abschnitt 2 laufende Nummern 6, 19 Das Land übernahm Planungskosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Im Februar 2025 lagen die Planfeststellungsbeschlüsse vor. Die Deutsche Bahn plante mit den Beginn von bauvorbereitenden Maßnahmen 2025 und einer Inbetriebnahme im Dezember 2027. Mit dem Ausbau sollen die Kapazitäten für den Regional- und Fernverkehr von Berlin nach Cottbus, Görlitz und Breslau erhöht werden. Damit soll ein Halbstundentakt zwischen Berlin und Cottbus eingerichtet werden. Das Investitionsvolumen beträgt 265 Millionen Euro.

In Horka wurde im Juni 2022 ein elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen, welches auch die Betriebsstellen Mückenhain, Kodersdorf und Charlottenhof steuert.

Südlich von Weißwasser sollte zudem die Strecke für den Tagebau Reichwalde nach Osten an die B 115 verlegt werden. Die Planungen dafür liefen bereits. Die Bauarbeiten sollten 2025 beginnen und Ende 2026 abgeschlossen sein. Im Januar 2026 teilte die LEAG jedoch mit, dass die Verlegung der Strecke nicht mehr erforderlich sei, da auf die Erweiterung des Tagebaus verzichtet werde.

Im Juli 2024 wurde eine Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn für den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Cottbus und Görlitz unterzeichnet. Dadurch wird auch die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h angehoben, wodurch sich die Fahrtzeit zwischen Berlin und Görlitz von aktuell 3 Stunden auf zukünftig etwas über anderthalb Stunden deutlich verringern soll. Die Finanzierung der bis zu 100 Millionen Euro prognostizierten Kosten erfolgt auch aus Strukturhilfemitteln aufgrund des Kohleausstiegs.

Grunderneuerung im Raum Berlin Am 12. Juli 2006 erfolgte der erste Spatenstich zur grundhaften Erneuerung der Strecke zwischen der Berliner Ringbahn und Königs Wusterhausen einschließlich des Abzweigs zum Bahnhof Schönefeld (bei Berlin) im Zuge des Projekts Grunderneuerung S-Bahn Berlin, S9 Süd. Dies betrifft neben den Anlagen der S-Bahn auch die parallel verlaufenden Fernbahngleise in diesem Abschnitt. Darin eingeschlossen sind die Erneuerung des Bahnhofs Schöneweide sowie die Erneuerung von sieben Eisenbahnüberführungen, darunter die Errichtung neuer Stabbogenbrücken über den Britzer Verbindungskanal und den Teltowkanal zur Verbreiterung der Wasserwege. Weiterhin ist die Erneuerung der Gleise, die Errichtung von elektronischen Stellwerken und die Grunderneuerung der Bahnstromversorgung inkl. Unterwerken und Oberleitungsanlagen vorgesehen. Die geplanten Kosten liegen bei 350 Mio. Euro.

Im Bahnhof Königs Wusterhausen soll der eingleisige Engpass der Fernbahn beseitigt werden. Zudem wurde im März 2023 ein neues Kehrgleis für die Linie RB 22 in Betrieb genommen.