mini|300px|Blick vom Wiehengebirge über Bad Essen mit der evangelischen St.-Nikolai-Kirche zum Stemweder Berg Bad Essen (bis 1902 Essen) ist eine Gemeinde im Osten des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen. Bad Essen liegt mit seinem historischen Ortskern an der Deutschen Fachwerkstraße und im Natur- und Geopark TERRA.vita.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Bad Essen liegt am Übergang der Mittelgebirge zum Norddeutschen Tiefland. Das Wiehengebirge bedeckt ungefähr das südliche Drittel der Gemeinde und erreicht mit seine größte Höhe auf dem Schwarzen Brink im Ortsteil Lintorf. Die höchste Erhebung Bad Essens liegt jedoch mit 215 m ü. NN auf einer Ackerfläche im Norden von Büscherheide. Der mittlere Teil der Gemeinde ist eben, liegt durchschnittlich und gehört zum Naturraum des Lübbecker Lößlandes. Der Norden des Gemeindegebiets gehört bereits zur Rahden-Diepenauer Geest. Die Hunte durchfließt Bad Essen von Süden nach Norden und kreuzt im Ortsteil Wittlage den Mittellandkanal, der das Gemeindegebiet in west-östlicher Richtung durchquert.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Bad Essen grenzt – im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend – an folgende Städte und Gemeinden: Stemwede, Preußisch Oldendorf (beide Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen), Melle, Bissendorf, Ostercappeln und Bohmte.
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in 17 Ortschaften:
Eine Besonderheit ergibt sich für die ca. 160 Einwohner der Ortschaft Büscherheide, welche postalisch zum nordrhein-westfälischen Preußisch Oldendorf zählt, wohin auch die Schüler zur Schule gehen. Auch für die Kirchgänger sind die Evangelische Kirche von Westfalen und das hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen gelegene Erzbistum Paderborn zuständig, da Büscherheide zur Pfarrgemeinde des Preußisch Oldendorfer Stadtteils Börninghausen zählt. Angesichts dieser Lage gibt es im Ortsteil Bestrebungen, nach Preußisch Oldendorf eingemeindet zu werden.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Gemeindegebiet von Bad Essen erstreckt sich über zwei Flusssysteme: Teile gehören zum Flusssystem der Weser, Untereinheit Hunte, andere zum Flusssystem der Ems, Untereinheit Hase.
Die Hunte ist ein rund 190 km langer Nebenfluss der Weser. Sie entspringt im Wiehengebirge bei Bad Essen und durchfließt das Gemeindegebiet in nördlicher bis nordwestlicher Richtung.
Ein wichtiger Nebenfluss der Hase ist die Wierau. Sie ist etwa 14 km lang, entspringt ebenfalls im Wiehengebirge bei Bad Essen, durchquert Teile des Gemeindegebiets und mündet bei Bissendorf in die Hase.
Weitere Fließgewässer sind der Rabber Bach, ein kleiner Nebenbach der Hunte im Ortsteil Rabber, sowie die Rattinghauser Bäche – mehrere kleine Quellläufe im Bereich Rattinghausen, die der Wierau zufließen. Ergänzt werden diese durch zahlreiche kleinere, meist namenlose Quellbäche und Entwässerungsgräben, die überwiegend in die Hunte münden und dem lokalen Wasserabfluss dienen.
Kleinere Teiche und Rückhaltebecken sind im Gemeindegebiet verbreitet. Sie erfüllen vor allem wasserwirtschaftliche und ökologische Funktionen, besitzen jedoch keine überregionale hydrologische Bedeutung.
Neben Hügel- und Waldlandschaften prägen auch Moor- und Feuchtgebiete das Gemeindegebiet, die ökologisch besonders wertvoll sind. Dazu zählen das lokal sogenannte Große Moor (Teilbereich), ein im Nordwesten der Ortschaft gelegenes Niedermoorgebiet, das teilweise unter Schutz steht und als Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dient, sowie die Huntebrüche und Hunte-Niederungen entlang der Quellbereiche der Hunte. Hier finden sich kleinere Hoch- und Niedermoorflächen, die überwiegend extensiv genutzt oder renaturiert sind.
Weitere Feuchtgebiete liegen in den Quell- und Sumpfbereichen des Wiehengebirges. Sie bestehen aus Sumpfwiesen, Röhrichten, kleinen Wasserflächen sowie extensiv genutzten Feucht- und Auwiesen, insbesondere entlang der Hunte und ihrer Zuflüsse. Diese Lebensräume stellen wichtige Rückzugsgebiete für Amphibien, Insekten und wassergebundene Pflanzen dar.
Die Gemeinde Bad Essen steht vor typischen hydrologischen und ökologischen Herausforderungen, darunter veränderte Gewässerstrukturen, Hochwasserrisiken und Nährstoffeinträge. Lokale und regionale Akteure begegnen diesen Problemen mit Renaturierungsmaßnahmen, Gewässerentwicklungsprojekten sowie dem Schutz von Auen- und Gewässerlandschaften. Ziel ist es, die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer zu verbessern und gleichzeitig den Hochwasserschutz zu stärken, im Einklang mit den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL).
Ein bedeutendes Beispiel hierfür ist ein Renaturierungsprojekt an der Hunte in der Bad Essener Gemarkung Rabber, das zwischen Juni 2021 und Juni 2023 vom Unterhaltungsverband Nr. 70 „Obere Hunte“ umgesetzt wurde. Dabei wurde ein zuvor begradigter Flussabschnitt in ein naturnah mäandrierendes Gerinne umgestaltet. Durch die Schaffung von Sekundärauen, die Vergrößerung von Retentionsräumen und die Verlängerung des Flusslaufs um rund 250 Meter wird der Hochwasserschutz verbessert, die ökologische Struktur aufgewertet und der Phosphoreintrag in den Dümmer reduziert. Die Gemeinde Bad Essen beteiligte sich finanziell an der Umsetzung der Maßnahme.
Ein zentraler Bestandteil der hydrologischen und ökologischen Strategie ist zudem der Schutz wertvoller Gewässerabschnitte. So steht der Oberlauf der Hunte mit seinem Auenbereich als Naturschutzgebiet „Obere Hunte“ (NSG WE 251) unter besonderem Schutz. Dieses Gebiet umfasst neben dem Hauptgewässer auch Nebengewässer und Uferzonen, die für den Biotop- und Artenschutz von hoher Bedeutung sind.
Darüber hinaus ist die revitalisierte Hunte zwischen Bad Essen und Bohmte als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Hier wurden breite Ufer- und Randstreifen entwickelt, die wertvolle Lebensräume für gefährdete Arten, wie beispielsweise den Steinbeißer, bieten.
Untergrundverhältnisse Bad Essen liegt am Nordrand des Wiehengebirges im südwestlichen Niedersachsen. Der geologische Untergrund besteht überwiegend aus mesozoischen Sedimentgesteinen der Trias und des Jura, insbesondere Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, die tektonisch beansprucht und teilweise gefaltet sind. In den tiefer gelegenen Talbereichen werden diese Festgesteine von quartären Lockersedimenten aus Sanden, Kiesen, Lehmen und Geschiebemergeln überdeckt.
Von besonderer Bedeutung sind die im Ortsgebiet auftretenden salzhaltigen Tiefenwässer, die seit dem Spätmittelalter zur Salzgewinnung und später zu Badezwecken genutzt wurden. Diese Solequellen stehen im Zusammenhang mit tiefreichenden Störungszonen, entlang derer mineralisiertes Tiefengrundwasser aufsteigt.
Hydrogeologisch ist das Gebiet durch eine mehrstöckige Grundwasserführung mit zwei Hauptgrundwasserleitern gekennzeichnet. Der erste Grundwasserleiter (5–25 m Tiefe) besteht aus pleistozänen Sand- und Kiesablagerungen mit guter bis mäßiger Durchlässigkeit und wird überwiegend durch Niederschläge gespeist. Aufgrund der geringen Überdeckung ist er vergleichsweise empfindlich gegenüber Verunreinigungen. Der zweite Grundwasserleiter (30–300 m Tiefe) liegt in den tieferen mesozoischen Festgesteinen, vor allem im Muschelkalk und Buntsandstein, und bildet einen Kluft- und Karstgrundwasserleiter. In ihm zirkulieren teils stark mineralisierte Tiefenwässer, die als Solequellen austreten und erhöhte Gehalte an Natriumchlorid aufweisen.
Geschichte mini|Dorfstraße um 1900 Herausbildung des Ortes und wechselnde Herrschaften (Bad) Essen wurde erstmals im Jahr 1075 urkundlich erwähnt. Um diesen Zeitraum herum wurden die Kirchspiele Barkhausen, Essen und Lintorf gegründet.
Im Jahre 1309 wurde der Bau der Burg Wittlage begonnen, um hierdurch die Besitzansprüche des Bischofs von Osnabrück über das Gebiet zu sichern.
Durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 und den Übergang vom Hochstift Osnabrück zum Fürstentum Osnabrück kam Essen zum Kurfürstentum Hannover. Im Jahr 1806 fand dann schon wieder ein Wechsel der Obrigkeit statt, man gehörte nun zum Königreich Preußen. Im Folgejahr 1807 wurde man westfälisch, das heutige Gemeindegebiet gehörte nun zum Königreich Westphalen unter Jérôme Bonaparte, dem Bruder von Napoleon Bonaparte. 1811 gelangte das Gebiet unter die Hoheit des napoleonischen Frankreich, es entstand der Kanton Essen im Arrondissement Osnabrück. Nach dem Ende der Franzosenzeit kam Essen erneut, gemeinsam mit dem Fürstentum Osnabrück, an Hannover, um dann im Jahr 1866 als Folge des Deutschen Kriegs preußisch zu werden. Seit 1885 gehörte Essen zum Kreis Wittlage. Im 20. Jahrhundert war Bad Essen Sitz der Samtgemeinde Bad Essen, zu der neben Bad Essen die Gemeinden Eielstädt, Harpenfeld, Hüsede, Lockhausen, Wehrendorf und Wittlage gehörten.
Wirtschaftliche und Infrastrukturentwicklung mini|Kunstschule im Bahnhof Bad Essen Eisenbahnbau Im Jahre 1899 wurde in Bad Essen der erste Spatenstich für die normalspurige Eisenbahnstrecke der Wittlager Kreisbahn ausgeführt. Das erste Teilstück führte von Bohmte über Bad Essen zum Bahnhof Holzhausen-Heddinghausen und konnte im Jahr 1900 eingeweiht werden. Das Gemeindegebiet erhielt mit neun Bahnhöfen und Haltestellen Anschluss an eine wichtige Infrastruktur, die einen wirtschaftlichen Aufschwung für das Gebiet bewirkte und auch den öffentlichen Personennahverkehr erheblich erleichterte.
mini|Mittellandkanal in Bad Essen
Bau des Mittellandkanals Durch Entscheidung vom 1. April 1905 wurde der Bau des westlichen Teilstücks des Mittellandkanals zwischen Bergeshövede (Anschluss an den Dortmund-Ems-Kanal) und Hannover genehmigt, nachdem das Preußische Abgeordnetenhaus zunächst 1903 den Bau abgelehnt hatte. Dieses erste Teilstück des Kanals führt auch durch Bad Essen und zerschnitt das Gemeindegebiet in eine nördliche und südliche Hälfte. Bei dem Bau wurden in der Gemeinde rund 90 Hektar Fläche in Anspruch genommen.
Kurbetrieb und Tourismus Seit 1902 darf Bad Essen offiziell den Titel Bad tragen. Hauptgrund für diese Ehrung ist eine Solequelle 800 m unter der Erdoberfläche als Grundlage des Kurbetriebs. Ihr Salzgehalt ist höher als der des Toten Meeres.Kurorte: Bad Essen. rehakliniken.de
Projekt Cittàslow Bad Essen hat sich in den 2010er Jahren um eine Mitgliedschaft in der Bewegung Cittàslow beworben. Die Bewegung nahm 1999 in Orvieto (Italien) ihren Anfang. In Analogie zur Slowfood-Bewegung geht es ihr darum, eine „Amerikanisierung“ von Städten unter 50.000 Einwohnern zu verhindern. Die Unterstützung und Betonung von kultureller Diversität und den eigenen und speziellen Werten der Stadt und ihres Umlandes sind zentrale Cittàslow-Ziele. Dem Bewegungsnamen entsprechend geht es Cittàslow-Städten insbesondere darum, den Lebensrhythmus der in ihnen Wohnenden und sich Aufhaltenden zu entschleunigen.
2015 wurde Bad Essen vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium für den Projektentwurf „Bad Essen wird Cittàslow!“ mit dem Niedersächsischen Zukunftspreis ausgezeichnet. Kurz danach wurde Bad Essen einstimmig mit Wirkung vom 8. Februar 2016 als 14. Cittàslow-Stadt in Deutschland in das Netzwerk aufgenommen.
Eingemeindungen Die heutige Gemeinde Bad Essen wurde durch eine Gemeindegebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, aus den Gemeinden Bad Essen, Barkhausen, Brockhausen, Büscherheide, Dahlinghausen, Eielstädt, Harpenfeld, Heithöfen, Hördinghausen, Hüsede, Linne, Lintorf, Lockhausen, Rabber, Wehrendorf, Wimmer und Wittlage gebildet. Der damalige Landkreis Wittlage wurde aufgelöst. Die neu entstandene Gemeinde Bad Essen gehört seitdem zum Landkreis Osnabrück. Der Landkreis Wittlage war bis dahin einer der wenigen deutschen Landkreise, deren Sitz in einer Gemeinde ohne Stadtrechte lag.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung in Bad Essen seit 1987 Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Bad Essen im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.