mini|600px|Die Meeresschutzgebiete (MPA) weltweit nach Schutzstufe und inklusive geplanter aber noch nicht eingerichteter SchutzzonenQuelle: Meeresatlas 2017 – Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem OzeanMeeresatlas 2017 - Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem Ozean, dort S. 31 Ein Meeresschutzgebiet (, kurz MPA) ist ein Schutzgebiet, das mindestens teilweise Seegebiet umfasst.

Meeresschutzgebiete sind ein wesentliches Instrument des Meeresschutzes. Eine Sonderform ist das Küstenschutzgebiet, unter diesem Begriff versteht man speziell Übergangsgebiete Land–Meer, wie Watt, Mangroven und andere.

Bis 2030 sollen insgesamt 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz gestellt werden. Im Jahr 2021 waren es nur 7,9 Prozent, wobei allerdings lediglich 2 Prozent vollständig vor Fischerei geschützt waren.Lawson Parker & Shelly Sperry: Rettung der Meere. In: National Geographic Nr. 1 vom Januar 2021, S. 120–21

Definition Meeresschutzgebiet Der Terminus „Meeresschutzgebiet“ wird international für ein weites Feld an Meeresgebieten gebraucht, in denen menschliche Aktivitäten eingeschränkt sind, um ökologische, geologische, kulturelle und historische Ressourcen zu schützen. Die Schutzmaßnahmen sind lokal sehr unterschiedlich und reichen von einer Einschränkung der Entwicklung, Begrenzung auf bestimmte Fischfangmethoden, Einführung von Schonzeiten, Fangmengenregulation, Moratorien bis zum absoluten Entnahmeverbot von jeglichem marinen Leben in bestimmten Seegebieten.

International wird der Begriff für Gebiete gebraucht, die unter unterschiedliche rechtliche und praktische Schutzmaßnahmen fallen.

Die International Conservation Union (IUCN) definiert ein Meeresschutzgebiet als:

Sie führt Meeresschutzgebiete unter der Kategorie V Geschützte Landschaft / geschütztes marines Gebiet (Protected Landscape/Seascape). Neben der genauen Definition eines Meeresschutzgebietes schreibt die IUCN zur Ausgestaltung eines Meeresschutzgebietes:

Gemeinsam veröffentlichten 43 Experten 2021 wissenschaftliche Richtlinien, die eine standardisierte Bewertung (einschließlich eindeutiger Klassifizierung) und Verbesserung des Schutzniveaus von Meeresschutzgebieten ermöglichen. Die Wissenschaftler, die unter anderem dem Research Institute for Development und dem IUCN angehören, gehen davon aus, dass das Artensterben im Meer nur durch globale Schutzmaßnahmen aufgehalten werden kann.

Terminologie auf verschiedenen räumlichen Betrachtungsebenen In den Vereinigten Staaten werden Meeresschutzgebiete meistens mit dem Term System bezeichnet. Eine „Region“ wird vom World Conservation Monitoring Center bezeichnet als: „A collection of individual MPAs operating cooperatively, at various spatial scales and with a range of protection levels that are designed to meet objectives that a single reserve cannot achieve.“

In der Biodiversitätskonvention (CBD), Entscheidung VII/5, stimmt man darin überein, die Bezeichnung Network auf internationaler Ebene und System auf nationaler und regionaler Ebene zu verwenden. Die globale Ebene kennt keine übergeordneten Autoritäten, deshalb wird hier von einem System gesprochen. Die CBD definiert die Rolle des global network als ein großräumiges Netzwerk, um regionale und lokale Systeme von Meeresschutzgebieten zu etablieren. Häufig wird der Term ‚Meeresschutzgebiet‘ verwandt, um politischen Fortschritt zu dokumentieren und gleichzeitig die Gebiete touristisch besser vermarkten zu können.

Schutzmaßnahmen In den Schutzgebieten werden teilweise selektiver Fischfang betrieben und Fischerei-Schutzzonen eingerichtet. In diesen Zonen ist der freie und ungehinderte Fischfang zeitlich begrenzt bzw. dauerhaft eingeschränkt oder durch festgeschriebene Fangquoten reglementiert. In „No-Take“-Zonen findet dagegen gar keine Fischerei statt.

Ein großes Problem, besonders geographisch weiträumiger Meeresschutzgebiete und solcher auf hoher See, ist die Durchsetzung von Regelungen. Häufig sieht sich bei internationalen Abkommen kein Anrainerstaat für eine wirksame Kontrolle zuständig und fürchtet bi- oder multinationale Konflikte bei einer Anwendung von vereinbarten Gesetzen. Andererseits sieht sich bei politischen Territorialunstimmigkeiten der aktive Staat auch dem Vorwurf ausgesetzt, MPAs als strategisches Mittel einzusetzen, wie etwa im Jahr 2013 Gibraltar beim Fischereistreit mit Spanien.

Schutzbemühungen von Nichtregierungsorganisationen Die Sea Shepherd Conservation Society geht unmittelbar gegen Walfänger und illegal operierende Fischfangflotten vor, besonders in Marine Parks des Südatlantiks. Sea Shepherd operiert mit seinen Schiffen vor allem in der südlichen Hemisphäre in internationalen Meeresschutzgebieten, die u. a. zum Schutz verschiedener Walarten ausgewiesen wurden. Die Organisation will die Befolgung der internationalen Schutzabkommen erzwingen und die illegalen Aktivitäten von Walfängern stoppen. Bei ihren Angriffen beruft sich Paul Watson, der Leiter der Organisation, auf die United Nations World Charter for Nature.http://www.un.org/documents/ga/res/37/a37r007.htm Die Verstöße gegen die Fangverbote in den Meeresschutzgebieten zu dokumentieren und dagegen zu protestieren, hält Sea Shepherd für nicht ausreichend. Greenpeace beschränkt sich auf die Dokumentation und mediale Aufbereitung und betont die Gewaltfreiheit.

Marine Park In Kenia schützen Marine Parks marine Ressourcen und sorgen dafür, dass sich die Lebensräume regenerieren können. In Tansania existieren zonierte Marine Parks, in denen beispielsweise Fischerei nur in bestimmten Zonen erlaubt ist.

In Australien schützen Landesregierungen durch Marine Parks schützenswerte 3-Meilen-Gebiete entlang ihrer Küste und der Commonwealth durchaus bis zu weiteren 200 Seemeilen (370 km). In bestimmten schützenswerten Gebieten, beispielsweise im Korallenmeer, die weiter als 200 Meilen vom australischen Kontinent entfernt sind, weist Australien darüber hinaus weitere Meeresschutzgebiete aus, beispielsweise das Coringa-Herald National Nature Reserve.

Meeres-Nationalpark Einige Staaten haben innerhalb des Nationalpark-Konzeptes (IUCN-Kategorie II – Großschutzgebiete mit strengerer Kernzone und umfangreicher Tourismus-Rahmeninfrastruktur) auch eine Klasse von Meeresnationalparks () geschaffen. Dazu gehören beispielsweise Kanada, Indien, Griechenland, Kenia und etliche andere.

Meeresreservate Meeresreservate (engl. Marine Reserves) wie das Meeresreservat von Akaba werden in der Regel von einzelnen Staaten in ihren Hoheitsgewässern bzw. nationalen ausschließlichen Wirtschaftszonen ausgewiesen. In Kenia (und Belize), sind in diesen Gebieten Formen von low-risk-Fischerei erlaubt.

Globale Entwicklung mini|Sogenannte Geisternetze tragen zur Verschmutzung der Meere bei und gefährden zahlreiche Tierarten 2012 soll im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten eingerichtet und effektiv gemanagt sein. Es soll alle bedeutsamen biogeographischen Regionen sowie Lebensräume und Arten exemplarisch abdecken (Ecologically and Biologically Significant Marine Areas – EBSA). Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Meeresschutzgebiete rapide an. Das 2012-Ziel wurde nicht erreicht, da neben starken wirtschaftlichen Interessen vor allem Mechanismen fehlen, die eine Ausweisung von Schutzgebieten in den Meeresgebieten, jenseits national-staatlicher Rechtsbefugnisse auf der Hohen See ermöglichen. Bis 2020 sollten, nach den Beschlüssen der CBD-Staaten, 10 Prozent der gesamten Meeresoberfläche unter Schutz gestellt werden. Sebastian Tilch, 24. August 2011 Obwohl dieses Ziel klar verfehlt wurde, ist bis 2030 geplant 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen. Laut EU-Biodiversitätsstrategie, soll ein Drittel dieser Fläche sogar unter strengen Schutz gestellt werden, um die ökologischen Funktionen der Meere zu sichern und wiederherzustellen.Meeresschutzgebiete. Oasen der Vielfalt Naturschutzbund Deutschland, abgerufen am 21. März 2023

Europa: Natura 2000 In Europa werden im Rahmen des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 Meeresschutzgebiete in Atlantik und Nordsee, im Mittelmeer sowie der Ostsee ausgewiesen. Dabei weisen die Mitgliedstaaten erstmals Gebiete in ihrer ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) aus.

In dem Report „Schützt die Schutzgebiete“ wies der WWF darauf hin, dass die bloße Ausweisung von marinen Gebieten im NATURA 2000 Kontext alleine noch kein effektiver Schutz ist. Forderungen sind daher, den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf das Ökosystem wesentlich geringer sein muss als im umliegenden Gebiet. Auch müsse mindestens 50 % der Fläche jedes Schutzgebietes direkte Entnahme von Ressourcen untersagt werden. Fischerei, die innerhalb der Schutzgebiete auf der nicht geschlossenen Fläche stattfindet, solle langfristig vollständig durch ökologisch nachhaltigere Fischereitechniken ersetzt werden. Mindestbedingungen seien das vollständige Verbot von Baumkurren mit Ketten oder Kettenmatten, die Umsetzung gewichts- und beifangreduzierender Maßnahmen. Auch sollten gebietsspezifische, saisonale Beschränkungen und technische Anpassungen für beifangintensive Fischereien umgesetzt werden, um die ungewollten Seevogel-, Schweinswal- und Wanderfischbeifänge zu minimieren.WWF Fischereirport 2011 https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Fischereireport_Web.pdf

Meeresgebiete Antarktis mini|Westliches Rossmeer (im Hintergrund das Transantarktische Gebirge) Nach fünf Jahren Verhandlungen einigten sich Ende Oktober 2016 im australischen Hobart in der „Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources, CCAMLR) 24 Staaten und die EU auf eine Ausweisung des „Meeresschutzgebiets Rossmeer“, des dann größten Meeresschutzgebiets der Erde mit einer Fläche von 1,55 Mio. Quadratkilometern (etwa die Fläche Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs zusammen) im Rossmeer, was als eines der letzten „unberührten“ maritimen Ökosysteme gilt. Hier soll z. B. auf 1,12 Millionen Quadratkilometern 35 Jahre lang jegliche Fischerei verboten sein.taz.de, 28. Oktober 2016, Urs Wälterlin: Glück für die Antarktis (28. Dezember 2016)deutschlandfunk.de, Nachrichten vertieft, 28. Oktober 2016: Rand der Antarktis wird größte Meeresschutzzone der Welt (28. Dezember 2016)deutschlandfunk.de, Interview, 28. Oktober 2016, Sandra Schöttner im Gespräch mit Christiane Kaess: „Ein absolut historischer Deal“ (28. Dezember 2016)

Eine weitere Schutzzone mit einer Fläche von einer Mio. Quadratkilometern ist für die Ostantarktis geplant; hierfür konnte in der Kommission noch keine Einigung erzielt werden. Darüber hinaus liegt der CCAMLR ein Schutzvorschlag für das Weddellmeer vor, das größte Randmeer des Antarktischen Ozeans.

Atlantischer Ozean und Arktis Ende 2016 vereinbarte Präsident Barack Obama mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau 115 Millionen Acres des Arktischen Nordmeeres und 3,8 Millionen Acres des Atlantiks von einer Ausbeutung dauerhaft auszuschließen. Der Schutz bezieht sich auf Nutzung durch Offshore Aktivitäten, nicht auf die Fischerei. Zuvor hatte Obama eine Nutzung für fünf Jahre per Präsidentenerlass untersagt, schloss nun aber eine spätere Nutzung mit dem „Continental Shelf Lands Act“ aus. Obama sagte, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse deutlich zeigten, wie wertvoll diese Gebiete sind und die im Falle einer möglichen Ölkatastrophe die Schutzmaßnahmen ob der rauen Bedingungen im Norden sehr begrenzt seien. Die Entscheidung fiel im Angesicht einer absehbar industriefreundlicheren Umweltpolitik des künftigen Präsidenten Donald Trump. Präsident Trump wollte den Schutzstatus durch eine executive order im Jahr widerrufen um Öl- und Gas-Explorationen durch Unternehmen wieder möglich zu machen. Ein District-Gericht urteilte jedoch, der Präsident verstoße damit gegen Umweltrecht des Bundes.

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