miniatur|Darstellung des Lärad und der Ziege Heidrun (1895)

Lärad (←schwedisch, norwegisch: Lærad, altnordisch: Læraðr) ist ein Baum der nordischen Mythologie nahe Walhall. Auf dem Dach Walhalls stehen der Hirsch Eikthyrnir und die metspendende Ziege Heidrun und nagen von den Zweigen des Baums. Unterhalb Lärads ist die Quelle Hvergelmir, denn vom Geweih des Hirschs fallen Tropfen in die Quelle, woraus alle Flüsse der Welt entstehen.Grimnismál 25 f.; Gylfaginning 39

Quellen

Rezeption Der Name Lärad bedeutet vielleicht ‚Schaden-Bereiter‘ (altnordisch læ ‚Schaden‘ und *raðr von indogermanisch *redh- ‚bereiten‘Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch. 2. Auflage, 2003. . Altnordisch læ ‚Schade, Schaden, Verlust, List, Betrug‘, altnordisch *raðr ‚beratend‘?, aus germanisch *redaz, aus indogermanisch *redh- ‚bereiten, zurechtmachen, geraten, überlegen‘) und verweist möglicherweise auf den Göttervater Odin, vergleiche die Bedeutung von Yggdrasil ‚Ross des Schrecklichen‘ = Odins Pferd. Für die Nähe zu Odin spricht auch der Standort Walhall. Andere Deutungen, die aber sprachlich weiter entfernt sind, lauten ‚Schutzspender‘Altnordisch *hléráðr. Vergleiche Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch. 2. Auflage, 2003. . Altnordisch hlé ‚Schutz‘ oder ‚Feuchtigkeitsspender‘.Vergleiche Gerhard Köbler: Altnordisches Wörterbuch. 2. Auflage, 2003. . Altnordisch là ‚Strandwasser, Meer‘Zur Etymologie insgesamt: siehe Simek (2006) S. 240.

Der Baum wird mit dem Weltenbaum Yggdrasil gleichgesetzt, da Yggdrasil wie Walhall zum Zentrum der Welt gehört und auch Hvergelmir sich unter dem Weltenbaum befindet.

Bei Lärad könnte es sich insbesondere um eine Variante des Weltenbaums als Schutzbaum handeln. In Schweden wuchs oft neben dem Haus ein Schutzbaum, der Vårträd, der mit dem Haus verbunden war. Starb der Schutzbaum, so ging man davon aus, dass auch die weitere Entwicklung des Hauses enden werde. Dazu passe, dass Lärad neben Odins Halle wachse und dass von des Hirschen Geweih Tropfen in Hvergelmir fallen.John Arnott MacCulloch: Eddic. In: Canon John Arnott MacCulloch (Hrsg.). The Mythology Of All Races, 13 Bd.e. New York 1964, Bd. 2 S. 333

Da Lärad in der nordischen Mythologie lediglich im Grimnirlied genannt wirdDie Textstelle in Gylfaginning, das zur Prosa-Edda gehört, in der der Baum ebenfalls erwähnt wird, scheint unmittelbar aus dem Grimnirlied zu schöpfen., hält man den Baum für ein mythologisches Schaubild der heidnischen Spätzeit.Simek (2006) S. 240

Literatur

Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.

Einzelnachweise

Kategorie:Germanische Mythologie Kategorie:Mythologischer Baum