mini|Gesamtansicht von Westen
mini|Marktplatz in Storkow
Storkow (Mark) (Deutsch-Niedersorbisches Wörterbuch, Stichwortsuche) ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Die Stadt bei der Burg Storkow bildete im Mittelalter den Kern einer eigenständigen Herrschaft in der Niederlausitz.
Geografie Die Stadt Storkow (Mark) liegt im westlichen Teil des Landkreises Oder-Spree. Sie grenzt im Norden an das Amt Spreenhagen, im Osten an das Amt Scharmützelsee und die amtsfreie Gemeinde Rietz-Neuendorf, im Südosten an die amtsfreie Gemeinde Tauche, im Süden an die amtsfreie Gemeinde Märkische Heide und das Amt Unterspreewald, im Südwesten an das Amt Schenkenländchen und im Westen und Nordwesten an die Gemeinde Heidesee (letztere fünf Gebietseinheiten im Landkreis Dahme-Spreewald). Storkow (Mark) liegt am (Großen) Storkower See, östlich der Stadt befindet sich der Scharmützelsee, im Süden der Unterspreewald und im Westen das Dahmeland. Im Südosten erstreckt sich das Gebiet Storkows bis zum Schwenowsee und Blabbergraben.
Stadtgliederung Die Stadt Storkow (Mark) gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung in die Kernstadt und in folgende Ortsteile.
Storkow (Mark) mit den Wohnplätzen Hubertushöhe, Neu Boston und Wolfswinkel
Ortsteile sind: Alt Stahnsdorf (Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. ISBN 3-515-08664-1, S. 226–228;siehe auch: ) mit dem Wohnplatz Neu Stahnsdorf Bugk (Buk) Görsdorf/b. Storkow (Górice) mit dem bewohnten Gemeindeteil Busch Groß Eichholz (Dubina) mit dem Wohnplatz Groß Eichholzer Kolonie Groß Schauen (Sowje) mit dem Wohnplatz Fischerhaus Köllnitz Kehrigk (Keŕki) mit dem Wohnplatz Forsthaus Tschinka Klein Schauen (Małe Sowje) mit dem Wohnplatz Wolziger Straße Kummersdorf (Komorow) mit dem Wohnplatz Alte Mühle Limsdorf (Limšojce) mit den bewohnten Gemeindeteilen Möllendorf (Mólin) und Schwenow (Žwěnow) sowie dem Wohnplatz Försterei Grubenmühle Philadelphia (Skopica) mit dem Wohnplatz Kiesberg Rieplos (Rěpkow) Schwerin (Zwěrin) mit dem Wohnplatz Kurtmühle Selchow (Želchow) Wochowsee (Wochow)
Geschichte Ortsname Der Name wird naheliegenderweise gern mit dem Storch (der in der seenreichen Gegend häufig anzutreffen ist) in Verbindung gebracht, und dementsprechend zeigt auch das Stadtwappen dieses Tier. Wie jedoch bei alten brandenburgischen Orten häufig, hat der Name wohl eigentlich einen slawischen Ursprung. Er geht auf das Wort Sturkuowe zurück, das einen Weg durch den Sumpf bezeichnet.
Mittelalter und frühe Neuzeit Storkow ist die sechstälteste der 112 brandenburgischen Städte (Stand: 1. Mai 2007). Zwei Urkunden, eine des Markgrafen Konrad von Landsberg aus dem Haus Wettin vom 2. Mai 1209 und eine zweite Kaiser Ottos IV. vom 26. Dezember 1209, weisen ihre vollen Stadtrechte nach. Damit ist Storkow zwischen Dahme und Oder die erste urkundlich belegte Stadt, älter als Berlin, Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde.
Storkow lag an der Nordgrenze der Lausitz (oder Ostmark, wie die Region damals bezeichnet wurde) und an einer alten Handelsstraße, die vom Barnim nach Lübben und Leipzig führte. Es war um 1200 die bedeutendste Siedlung des Umlandes. Für die wettinischen Landesherren hatte Storkow eine strategische Bedeutung bei der Eingliederung des Gebietes in das Heilige Römische Reich und die Sicherung der Grenzen. Dies war auf die Lage an einem schmalen Durchgang zwischen Sumpf und See (Gegend der heutigen Klappbrücke) und die auf einem aufgeschütteten Hügel nach 1136 errichtete Burg Storkow zurückzuführen. Um 1202 setzte Markgraf Konrad das bedeutende Adelsgeschlecht von Strele als seine Beauftragten ein, die bis 1382 Besitzer der Herrschaften Beeskow und Storkow waren.
Die wettinische Herrschaft Storkow war um 1200 in der Lausitz die größte und bedeutendste. Sie reichte von Baruth im Westen bis Sternberg östlich der Oder und Reichwalde bei Luckau im Süden. Auch Teile von Senftenberg und Fürstenberg waren zeitweilig Strelescher Besitz. Zur Herrschaft gehörten sechs Städte, fünf Burgen, etwa 60 Ortschaften unterschiedlicher Größe, zahlreiche Flüsse, Seen, Wälder und Felder. Nach dem Aussterben der Strele waren von 1384 bis 1518 die Herren von Biberstein in Besitz von Stadt und Burg Storkow. Hoch verschuldet verpfändeten sie die Herrschaft Storkow / Beeskow an die reichen Bischöfe von Lebus, die in Fürstenwalde ihren Bischofssitz hatten. Der letzte katholische Bischof Johannes VIII. von Horneburg verschrieb sich der Alchemie und verstarb 1555 auf der Storkower Burg. Im Ergebnis der Reformation gingen 1556 die Herrschaften Storkow / Beeskow in den Besitz des Markgrafen Johann von Küstrin aus dem Geschlecht der Hohenzollern über.
Noch bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde in Storkow Sorbisch gesprochen, wobei der Pirnaische Mönch in seiner Beschreibung der Stadt schon 1530 anmerkt: „Storkow hat windisch und dewczß volk“ („Storkow hat wendisches und deutsches Volk“). Die Bevölkerung war zu dieser Zeit also schon zweisprachig.Richard Andree: Wendische Wanderstudien. Stuttgart 1874, S. 170
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) halbierte sich die Bevölkerungszahl auf 200 Personen.
Neuzeit
Bis 1949 mini|Gefallenendenkmal auf dem Platz an der Berliner Straße Nunmehr zu Brandenburg-Preußen gehörig, legte König Friedrich II. im 18. Jahrhundert durch die so genannte „innere Kolonisation“ eine Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. 1748 wurden unter anderem Bleicher, Färber und Weber im Amt Storkow angesiedelt, und mit einer Verordnung vom Sommer desselben Jahres wurde der Anbau von Kartoffeln in 24 Amtsdörfern eingeführt. Die Anlage des Storkower Kanals stellte 1745/1746 die Verbindung über die Dahme zu den Berliner Gewässern her, die lange der Flößerei und ab Ende des 19. Jahrhunderts dem Transport von Baumaterial und dem Tourismus diente.
Die wirtschaftliche Entwicklung Storkows erhielt durch den Bau der Eisenbahnlinie Beeskow–Königs Wusterhausen im Jahre 1898 einen spürbaren Schub. Im 20. Jahrhundert entstanden Betriebe für industrielle Schuhproduktion, den Bau geophysikalischer Geräte, die Möbelproduktion sowie industrielle Geflügelmast.
1949–1989 (DDR) In der Zeit der DDR, in der Storkow von 1952 bis 1990 zum Kreis Beeskow im Bezirk Frankfurt (Oder) gehörte, bestand in der Stadt eine Garnison der NVA. Im Stadtteil Wolfswinkel betrieb die Reichsbahndirektion Berlin für Kinder ihrer Betriebsangehörigen das Kinderferienlager „Ernst Thälmann“.
Der vielfach ausgezeichnete Film Das schweigende Klassenzimmer basiert auf wahren Ereignissen in Storkow im Jahre 1956: Eine Abiturklasse der Oberschule Storkow entscheidet sich anlässlich des Ungarischen Volksaufstands im Unterricht für fünf Schweigeminuten für die Opfer. Diese Solidaritätsbekundung hat dramatische Reaktionen zur Folge, mit denen weder die Schüler noch ihre Eltern oder Schulleitung und der DDR-Volksbildungsminister Fritz Lange gerechnet haben, der die Klasse im Dezember 1956 persönlich aufsuchte und nach einem Schuldigen fahndete. 12 der 16 Schüler fliehen nach dem daraufhin erteilten Schulverweis in die Bundesrepublik Deutschland und legen dort ihr Abitur ab.Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer: eine wahre Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 978-3-550-07892-7 (Neuauflage 2007, 2008)
Verwaltungsgeschichte Storkow und seine heutigen Ortsteile gehörten seit 1817 zum Kreis Beeskow-Storkow in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Beeskow im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1990 gehört die Stadt zum rekonstituierten Bundesland Brandenburg und seit 1993 zum neu gebildeten Landkreis Oder-Spree.
Der Minister des Innern des Landes Brandenburg erteilte am 23. Juni 1992 seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Storkow/Mark.In der Zustimmung des Ministers im Amtsblatt wird die Verwaltungseinheit noch Amt Storkow/Mark genannt. Später setzte sich die Schreibweise Amt Storkow (Mark) durch. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 26. Juni 1992 festgelegt. Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Storkow (Mark) und bestand zunächst aus 14 Gemeinden im damaligen Landkreis Beeskow: Alt Stahnsdorf Bugk Görsdorf bei Storkow Groß Eichholz Groß Schauen Kehrigk Kummersdorf Limsdorf Philadelphia Rieplos Schwerin Selchow Wochowsee und der Stadt Storkow
Zum 31. März 2002 schlossen sich die Gemeinden Alt Stahnsdorf, Limsdorf, Schwerin, Wochowsee und die Stadt Storkow zur neuen Stadt Storkow (Mark) zusammen. Die Gemeinden Bugk, Görsdorf bei Storkow, Groß Eichholz, Groß Schauen, Kehrigk, Kummersdorf, Philadelphia, Rieplos und Selchow wurden zum 26. Oktober 2003 per Gesetz in die Stadt Storkow (Mark) eingegliedert. Das Amt Storkow (Mark) wurde aufgelöst, die Stadt Storkow (Mark) amtsfrei.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2 461 1890 2 434 1910 3 113 1925 3 462 1933 3 971 1939 4 316 Jahr Einwohner 1946 4 738 1950 4 774 1964 4 798 1971 4 953 1981 5 486 1985 5 374 Jahr Einwohner 1990 6 383 1995 6 048 2000 6 081 2005 9 476 2010 9 077 2015 9 020 Jahr Einwohner 2020 9 352 2021 9 373 2022 9 150 2023 9 127 2024 9 196 2025 9 202
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingliederung mehrerer Gemeinden in den Jahren 2002 und 2003 zurückzuführen.
Politik Stadtverordnetenversammlung mini|Rathaus Die Stadtverordnetenversammlung von Storkow besteht aus 18 Stadtverordneten und der hauptamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,1 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 13,4 % 2 24,4 % 4 SPD 24,7 % 4 20,6 % 4 Freie Wählergemeinschaft Storkow (FWG) 14,1 % 3 18,1 % 3 Neues Storkow 19,6 % 4 17,1 % 3 CDU 6,9 % 1 8,4 % 2 Die Linke 9,1 % 2 3,8 % 1 Einzelbewerber Enrico Graß 3,2 % 1 3,8 % 1 Einzelbewerber Ingo Kittler – – 1,9 % – Bündnis 90/Die Grünen – – 1,9 % – Einzelbewerber Johann Kney 2,8 % 1 – – FDP 2,0 % – – – Verein Haus und Grund Storkow 2,0 % – – Einzelbewerber Nico Neidthardt 1,5 % – – – Einzelbewerber Robert Voß 0,6 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18
Bürgermeister 1897–1923: Robert Runge 1923–1933: Otto Graul 1933: Otto Süß 1933–1941: Alfred Eichel 1941–1944: Hermann Tinius 1944–1945: Erich Mauche 1945: Werner Stephan 1945–1949: Franz Becker 1950–1958: Wilhelm Winkler 1958–1963: Hildegard Grünberg 1963–1969: Horst Greulich 1969–1990: Rudolf Fessel 1990–1993: Gabriele Baum 1994–1998: Werner Chudak 1998–2003: Günter Dettlaff 2003–2011: Christina GerickeKommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 29 seit 2011: Cornelia Schulze-Ludwig (SPD)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 11. September 2011
Schulze-Ludwig wurde in der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 mit 58,0 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74
Wappen und Flagge mini|hochkant=0.5|Historisches Wappen von Storkow Das Wappen wurde am 19. November 2004 genehmigt.
Blasonierung: „In Blau mit einem goldenen und mit 14 schwarzen Kugeln belegten Saum ein natürlicher Storch auf grünem Boden, überhöht von drei goldenen Sternen.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg.
Historisches Wappen