mini|Das Kölner Rathaus im Jahre 2004 mini|Das Rathaus von Köln um 1900 (Photochromdruck) Das historische Kölner Rathaus, im Zentrum der Kölner Innenstadt gelegen, ist aufgrund seiner Bauzeugnisse als ältestes Rathaus Deutschlands anzusehen. Seine dokumentierte Baugeschichte erstreckt sich über 800 Jahre. Die Verwaltungsbauten des Historischen Rathauses sind ein Baudenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalens (Denkmalnummer 114).
Lage mini|hochkant|Der Plan des jüdischen Viertels ist in den heutigen Straßenbezeichnungen nachvollziehbar Der Kölner Rathauskomplex gruppiert sich mit teilweise miteinander verbundenen Gebäudesegmenten am Rathausplatz in der Kölner Innenstadt. Das historische Rathaus befindet sich zwischen der an Obenmarspforten beginnenden Judengasse und der Bürgergasse an der östlichen Seite des Platzes. Es besteht aus dem um 1330 errichteten Kernbau mit Walmdach, dem 1407–1414 an dessen Schmalseite angebauten Rathausturm und der seit 1569–1573 vorgelagerten Renaissance-Laube sowie einem später angegliederter Verwaltungstrakt. Durch späteren Grundstückszukauf an der Ostseite des Hauptgebäudes grenzt der Rathauskomplex fast an den auf tieferem Niveau liegenden Alter Markt.
Der sogenannte Spanische Bau, am Ort vorheriger gotischer Erweiterungsbauten erst 1660/61 geschaffen, begrenzt den heutigen Rathausplatz an der Nordwestseite. Er liegt zwischen Portalsgasse, Bürgergasse, Große Budengasse und Theo-Burauen-Platz an seiner Nordseite. Im Westen, an der Straße Unter Goldschmied, endet das langgestreckte Gebäude wieder an der Portalsgasse und dem Rathausplatz. Am südwestlichen Eckpunkt Obenmarspforten / Unter Goldschmied befinden sich drei markante Gebäude: Das ebenfalls historische Farina-Haus, das Haus Neuerburg am Gülichplatz und das sich südlich an dieser Ecke des Rathausplatzes anschließende Museum, das die Namen des Kölner Kunstsammlers Wallraf und des Kölner Kaufmanns Richartz trägt.
Historisches Rathaus mini|Kölner Rathaus, Kupferstich um 1655 mini|Zustand des Kölner Rathauses (rechts im Bild) im September 1954 Der Rathauskomplex steht im Kernbereich der um das Jahr 50 in den Rang einer Stadt (Colonia) erhobenen römischen Siedlung. Urkunden belegen die Anfänge des historischen Bauwerkes. Die ersten aus den Jahren 1135/52 erwähnen ein domus in quam cives conveniunt, ein Haus, in dem die Bürger zusammenkommen. Ein weiteres Dokument beschreibt die Lage des Hauses. So heißt es 1149, dass das Haus, domus inter judeos sita, im Judenviertel gelegen sei. Bei diesem ersten Bauwerk, dessen Fundament teilweise auf Resten der römischen Stadtmauer ruhte, handelte es sich vermutlich um ein zweigeschossiges, in romanischem Stil errichtetes Gebäude.
Der älteste auch heute noch erhaltene Bauteil des Rathauses entstand um das Jahr 1330. Ein Dokument aus diesem Jahr besagt, dass der Nachbar des Rathauses, Anselm von Osnabrück, dem anfragenden Rat gestattet, den Unterzug einer Balkenlage in seine nördlich angrenzende Hauswand zu legen. Dieser Vorgang verweist auf ein damaliges größeres Bauvorhaben, in dessen Folge der alte romanische Bau durch einen gotischen Saalbau ersetzt wurde. Da der Saal das gesamte Obergeschoss einnahm, erhielt er den Namen Langer Saal und später Hansasaal. Hier tagte am 19. November 1367 eine Versammlung der Hansestädte und bildete eine Konföderation, um gegen den dänischen König Waldemar IV. Krieg zu führen.
Während der im Jahr 1349 stattfindenden Pogrome gegen die jüdischen Bewohner im umliegenden jüdischen Viertel wurde durch übergreifendes Feuer der Nachbarhäuser auch das Rathaus beschädigt. 10 Jahre nach der Machtübernahme der Gaffeln beschloss der Rat den Bau des Ratsturmes.
mini|Köln, Rathaus, 1. Obergeschoss, Heinrich Bartmann 1938 Ratsturm mini|hochkant|Kölner Rathausturm, Ostseite (Detailansichten hier) mini|Kölner Rathausturm, Figuren der Kölner Stadtgeschichte mini|hochkant|Keller und Fundament am Treppenaufgang vom Alter-Markt Als Vertretung der Bürger beschloss der Rat Concordatum anno 1406 quo supra feria quinta post assumptionis beate Marie (am 5. Tage nach Maria Himmelfahrt, also am 19. August) den Bau des Ratsturms, eines mehreren Zwecken und Aufgaben dienenden Gebäudes.
Der von 1407 bis 1414 erbaute Ratsturm, um 1440 raizthorn genannt, war von seinen Erbauern auch zur Aufnahme und sicheren Lagerung städtischer Urkunden, Privilegien und Geldbriefen bestimmt. Verantwortlicher Baumeister (d. h. Bauverwalter) war der Rentmeister Roland von Odendorp (zeitweilig auch Bürgermeister der Stadt Köln). Das spätgotische Bauwerk ähnelt niederländischen Belfrieden, hat zwei vierkantige Obergeschosse mit weiteren zwei aufgesetzten achteckigen Geschossen und erreicht eine Höhe von 61 Metern. Aufgrund dieser Höhe war das oberste Geschoss, die Kure, die Wachstube des Feuerwächters.
Im ersten Stock des massigen Turmes wurde die Ratskammer für die Sitzungen des Rates eingerichtet. 1424 wurden die Juden up ewige tyden aus der Stadt verbannt, wodurch das Grundstück des Juden Anselm von Osnabrück zwischen Rathaus und Turm nun zur Verfügung stand. Es ergab sich die Möglichkeit, Turm und Rathaus endgültig baulich miteinander zu verbinden. Es entstand ein zweigeschossiger Bau auf dem ehemals in jüdischem Besitz befindlichen Grundstück, in dessen erstem Stock die Prophetenkammer als Übergang zur Ratskammer diente.
Die acht Prophetenfiguren in der Prophetenkammer dienten nicht nur dem Schmuck und der repräsentativen Ausgestaltung des Rathauses, sondern auch der „virtuellen Herstellung von Öffentlichkeit“. Die Funktion der Prophetenfiguren wurde lange Jahre als Mahnung an die Ratsherren verstanden, sich dem Gemeinwohl verpflichtet zu fühlen. Diese mussten die Prophetenkammer – so die zeitgenössische Bezeichnung – auf dem Weg zum Ratssaal durchqueren und somit die Figuren passieren. Eine bestimmte Funktion dieser Kammer kann aufgrund der disparaten Quellenlage nicht präzise zugewiesen, sondern muss aufgrund von Indizien interpretiert werden. Schon vor 1424, bevor der Rathausturm und der Hauptbau miteinander verbunden wurden, ist in Quellen die Rede von einem Raum „vor der Ratskammer“, in dem offensichtlich Rechtsgeschäfte vollzogen wurden. Die Ersterwähnung der Prophetenkammer mit just dieser Bezeichnung im Jahre 1448 berichtet in der Form einer notariellen Urkunde vom Besuch eines Gesandten Kaisers Friedrich III., dessen Weg durch die Prophetenkammer führte.
Spätestens ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Prophetenkammer für die Durchführung von Rechtsgeschäften und Besprechungen im kleinen Kreis genutzt, in der sich zudem ein separates Kämmerchen für noch diskretere Konsultationen befand. Ein Hinweis darauf lieferte der Eid der Türsteher im Rathaus, in dem der Schutz dieses Raumes ausdrücklich eingeschlossen war. Nur Personen, die befugt waren, die Ratskammer zu betreten, durften auch die Tür zur Prophetenkammer passieren; dieser Kreis bestand aus den Ratsmitgliedern und -dienern, Greven, Schöffen sowie Personen, die vom Rat geladen worden waren. Der Kölner Historiker Max Plassmann vermutet, dass auf Außenstehende der Eindruck der acht großen Figuren „besonders groß“ gewesen sein muss und dass diesen auch das beruhigende Gefühl vermittelt werden sollte, dass die Ratsherren dem Gemeinwohl verpflichtet seien. Da die Prophetenkammer und das Kämmerchen zudem für Beratungen und Rechtsgeschäfte im kleinen Kreis genutzt wurden, blieb die Verpflichtung auf das Gemeinwohl zumindest in der Gegenwart der mahnenden Propheten präsent.
Im Turm, dem neuen städtischen Wahrzeichen bürgerlicher Macht, befanden sich auch: Ein Kelre zo der Stede Weynen (Weinkeller), eine Ratskammer, eine Kammer zo der Stede Reyschap (für Kriegsgerät der Reisigen) und ein Gevolwe zo der Stede Privilegien.Adam Wrede: Neuer Kölnischer Sprachschatz. 3 Bände. Band II. Greven Verlag, Köln 1984, ISBN 3-7743-0155-7, S. 369.Chronik Kölns, S. 132. Die den Turm seit seiner Vollendung schmückenden steinernen Skulpturen verwitterten und zerfielen im Laufe der Jahrhunderte. Um 1800 hatte das Turmäußere seinen Schmuck fast vollständig eingebüßt. Etwa 80 der Figuren konnten am Anfang des 20. Jahrhunderts ersetzt werden, wurden jedoch zum großen Teil im Krieg erneut zerstört. Zwischen 1988 und 1995 wurde der Rathausturm mit 124 Figuren neu bestückt. Durch einen Konservierungsfehler mussten alle Figuren 2006 wieder abgenommen werden. Inzwischen sind neue Figuren aus Savonnièrestein angefertigt worden. Diese wurden ab Juli 2008 am Turm aufgestellt und am 29. November 2008 in einem kleinen Empfang der Öffentlichkeit erneut feierlich übergeben.
mini|hochkant|Turmuhr und Platzjabbeck An der ostwärts gewandten Seite des Turmes streckt den Passanten des Alter Markts der Platzjabbeck (Kölsch für ‚den Mund aufreißen‘, ‚jappen‘) zur vollen Stunde die Zunge heraus. Der schon im 15. Jahrhundert entstandene Kopf mit Schlapphut ist unter der Turmuhr angebracht und wurde 1913 mit der entsprechenden Mechanik ausgerüstet. Der Platzjabbek erinnert auch an das Selbstbewusstsein des Bürgertums, das nach der Machtübernahme den Patriziern die Zunge herausstrecken konnte. 1426 errichtete der Rat auf dem Grundstück der während der Pogrome vernichteten ersten Kölner Synagoge gegenüber dem Rathaus die Ratskapelle St. Maria in Jerusalem als ihr Gotteshaus.
Rathausglockenspiel Der Turm des Rathauses besitzt seit 1958 ein Glockenspiel. 45 bronzene Glocken wurden von den Nachfolgern der mittelalterlichen Zünfte, den Kölner Handwerksinnungen, gestiftet.Peter Fuchs, S. 21. Dazu kamen zwei von Vereinen gestiftete Glocken und die größte von allen, die Konrad Adenauer gestiftet hat. Das insgesamt 14 Tonnen schwere Geläut aus 48 Glocken kann von Hand über Drahtzüge oder elektromechanisch und rechnergesteuert zum Klingen gebracht werden. Täglich um 9, 12, 15 und 18 Uhr spielt das Glockenspiel aus einem Repertoire von 24 programmierten Melodien.Glockenspiel erklingt seit 50 Jahren. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 19. Juni 2008. Zu bemerken ist, dass um 12 Uhr der Tierkreis – 12 Melodien der Sternzeichen von Karlheinz Stockhausen gespielt wird. Deshalb sei Köln die einzige Stadt Deutschlands, in der kontinuierlich und täglich Neue Musik an einem öffentlichen Platz gespielt wird. Die Mitarbeiter des 2007 gestorbenen Komponisten haben die Melodien für die Wiedergabe durch das Glockenspiel und sein steuerndes Computerprogramm eingerichtet.Begleitheft zum CD100: Jubiläum für Orchester; Tierkreis-Zehn Sternzeichen für Orchester; Tierkreis für das historische Glockenspiel des Kölner Rathauses. Stockhausen-Verlag.
Turmgeschosse Der Rat nutzt die Räume des zweiten und dritten Obergeschosses derzeit für die Aufbewahrung und die Präsentation von Gastgeschenken. Es sind dies vornehmlich Gaben der mit der Stadt verbundenen Partnerstädte, aber auch Präsente, welche bei anderen Anlässen überreicht wurden. Im vierten Turmgeschoss ist das Lapidarium untergebracht. Es beherbergt den Fundus weniger noch erhaltener Originale des bildhauerischen Fassadenschmuckes.Peter Fuchs, S. 29.
Rathauslaube mini|Entwurf des Rathausportals von Wilhelm Vernuken mini|Heutige Rathauslaube im Renaissancestil Erstmals im Jahr 1404 wurde eine dem Rathausbau vorgelagerte Laube erwähnt. Der Vorbau im Renaissancestil, 15 Meter breit und zweigeschossig, wurde jedoch erst in den Jahren 1569–1573 nach den Plänen des Baumeisters Wilhelm Vernuken aus Kalkar am Niederrhein gebaut. Sie wurde als Ersatz für die baufällig gewordene mittelalterliche Vorhalle des Saalbaues geschaffen. Der prächtige Neubau, bei dessen Planung sich Vernukken von dem Architekten und Bildhauer Cornelis Floris de Vriendt aus Antwerpen inspirieren ließ, diente nicht nur der Verschönerung der Westfassade des Rathauses, sondern auch praktischem Zweck: Vom Obergeschoss aus verkündete der Rat seine Beschlüsse als sogenannte „Morgenansprachen“. Für das in vierjähriger Bauzeit errichtete Kunstwerk entstanden dem Rat Kosten von 110.000 Goldgulden.Carl Dietmar, Chronik Kölns, S. 168.