Wutha-Farnroda ist eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen, Deutschland. Sie entstand am 1. Januar 1987 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Wutha und FarnrodaBeschluß des Staatsrates der DDR vom 20.10.1986. GBl. Teil I, Seite 446 und hat rund 6300 Einwohner.

Geografie Die Gemeinde liegt am Fuße der Hörselberge (), im Südwesten grenzt sie an den Rennsteig. Sie liegt rund fünf Kilometer östlich der Wartburg im Thüringer Wald bzw. in dessen Vorland an der alten Handelsstraße Via Regia.

Im Norden und Osten grenzt Wutha-Farnroda an die Gemeinde Hörselberg-Hainich, im Südosten an die Gemeinde Seebach im Süden an die Stadt Ruhla, im Südwesten an die Gemeinde Gerstungen und im Nordwesten an die Stadt Eisenach.

Berge Die Landschaft um Wutha-Farnroda wird im Norden von den Hörselbergen geprägt. Als höchster Punkt der Gemeinde gilt der mit dem Nachbarort Ruhla geteilte Hangstein (). Anteilig in der Wuthaer und Kahlenberger Gemarkung liegen der Herrenberg () und der Kleine Hörselberg (). In der Mosbacher Gemarkung befinden sich: Hangstein (), Großer Drachenstein (), Elsterberg (), Heiligenberg () und der Triftberg (). In der Farnrodaer Gemarkung liegen: Großer Ebertsberg (), Rehberg () und der Wittgenstein (). In der Schönauer und Deubacher Gemarkung befindlich sind der Kambühl () und der Fuchsberg an der Seebacher Grenze ().Thüringer Landesvermessungsamt TK25 – Blatt 5028 Eisenach O, Erfurt 1998, ISBN 3-86140-048-0

Gewässer Die Hörsel bildet mit ihren Zuflüssen Erbstrom, Mosbach, Deubach und Burbach das natürliche Gewässersystem. Der untere Abschnitt des Erbstroms wurde im Frühmittelalter auch als Wuthaha bezeichnet – daher der Ortsname Wutha. Zahlreiche kleine Teiche befinden sich in allen Ortsteilen und werden zur Fischzucht genutzt.

Ortsgliederung mini|300px|Gemeindegliederung Wutha-Farnroda besteht seit der Gebietsreform von 1994Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinden Kahlenberg, Mosbach und Schönau und ihre Eingliederung in die Gemeinde Wutha-Farnroda vom 1. März 1994 (GVBl S. 407) aus den Ortsteilen Wutha-Farnroda mit Farnroda (etwa 1785 Einwohner) Wutha (etwa 1160 Einwohner) Eichrodt (etwa 280 Einwohner) Wohngebiet Mölmen (etwa 1.440 Einwohner) Rehhof Schönau a. d. Hörsel mit Schönau (etwa 320 Einwohner) Deubach (etwa 310 Einwohner) Mosbach (etwa 1.350 Einwohner) Kahlenberg mit Kahlenberg (360 Einwohner) Burbach (24 Einwohner) mini|Die Hörselbrücke im Ortsteil Eichrodt

Geschichte mini|Die Kirche von Mosbach

Mittelalter Die Herren von Farnroda wurden 1260 erstmals erwähnt, Kirche und Ort Farnroda erstmals 1272 bzw. 1278, in dieser Zeit ebenfalls eine Burg Kahlenberg. Die Herrschaft Farnroda umfasste neben Farnroda unter anderem auch Eichrodt, Wutha, Seebach und Burbach und war seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Burggrafen von Kirchberg, die Farnroda lange Zeit als Hauptsitz nutzten, bis es 1799 als erledigtes landgräflich-thüringisches Lehen an den Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zurückfiel. In Farnroda kann man noch den Turm einer inzwischen nicht mehr existierenden Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert besichtigen. Die dortige Laurentiuskirche mit separatem Glockenturm wurde im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt.

Wutha entstand aus zwei ländlichen Siedlungen, aus dem westlich gelegenen Eichrodt (1349 als Eichriet erwähnt) und dem östlich gelegenen Weiler Wutha – ursprünglich Wuathaha (der wütende rollende Bach, Ersterwähnung ebenfalls 1349).

Neuzeit Spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts bildeten Eichrodt, Wutha, der Rehhof und Burbach eine Gemeinde mit dem Namen Eichrodt. Zwischen Eichrodt und Fischbach (Letzteres seit 1922 zu Eisenach) befreite am 17. Oktober 1806 Leutnant Hellwig mit 55 Husaren 4000 nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt gefangengenommene Preußen aus den Händen der napoleonischen Armee. Seit 1907 erinnert eine Tafel an einem steinernen „Hellwig-Denkmal“ zwischen Weinbergstraße und der Auffahrt zum Autobahnzubringer daran.

Mit dem Bau der Eisenbahn zwischen Gotha und Eisenach, 1847 eröffnet, erhielt zunächst Wutha einen Haltepunkt, um Gepäck und Waren schneller in die Nachbarstadt Ruhla – schon im 19. Jahrhundert ein von Industrie geprägter Ort – befördern zu können. Mit dem dann folgenden Bau der Bahnstrecke Wutha–Ruhla wurde 1879/80 die Haltestelle zum Bahnhof aufgestuft und ein Güterschuppen sowie eine Ladestraße gebaut. Vom Bau der Eisenbahn profitierte besonders der Betrieb Spezialmaschinenbau Gebrüder Röber, ein 1852 in Wutha gegründetes Familienunternehmen, welches sich früh auf die Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Saatgutreinigungsanlagen spezialisiert hatte. Die exportorientierte Firma bestand bis 1948 am Hauptsitz in Wutha-Farnroda. Rechtsnachfolger wurde in der DDR die Firma Petkus Landmaschinenwerk Wutha.

1922 wurde Eichrodt nach Eisenach eingemeindet (Burbach kam zu Kahlenberg) und 1924 – wie zahlreiche andere Umlandgemeinden – wieder aus Eisenach ausgemeindet. Seitdem trug die Gemeinde den Namen Wutha.

Ältester Ortsteil der Gemeinde ist Mosbach (erstmals erwähnt 1197). Kittelsthal (heute Stadtteil der Stadt Ruhla) gehörte bis ins 18. Jahrhundert zu Mosbach. Beide Dörfer bilden noch heute eine gemeinsame Kirchgemeinde.

mini|Petkusfabrik Kahlenberg wurde 1250, Schönau und Deubach wurden 1350 erstmals erwähnt. Bis zur Gründung des Landes Thüringen am 1. Mai 1920 gehörten diese Orte lange Zeit zum Herzogtum Sachsen-Gotha, bis 1828 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und bis 1918 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, danach bis 1920 zum Freistaat Sachsen-Gotha.

Religionen und Konfessionen mini|Die Dorfkirche in Deubach In Wutha-Farnroda gibt es historisch bedingt drei evangelisch-lutherische Kirchengemeinden: Wutha-Farnroda, Mosbach-Kittelsthal und Schönau-Kälberfeld mit Deubach und Kahlenberg. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch konfessionslos. Römisch-katholische Gläubige und Anhänger der Neuapostolischen Kirche gehören den Pfarreien in Eisenach oder Ruhla an.

Eingemeindungen Zum 1. Januar 1987 erfolgte der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Wutha und Farnroda wegen des 1984 begonnenen Baus der Plattenbausiedlung Auf dem Mölmen, die sowohl in der Gemarkung Wutha als auch in der Gemarkung Farnroda liegt. Im Frühjahr 1994 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Mosbach, Schönau an der Hörsel und Kahlenberg eingegliedert.

Wutha-Farnroda wehrte sich am 18. Dezember 1997 vor dem Thüringer Verfassungsgerichtshof erfolgreich gegen eine gesetzlich vorgesehene Eingemeindung in die Stadt Eisenach.

Einwohnerentwicklung mini|Der Mölmen Anfang 2002 Die Gemeinde Wutha-Farnroda ist, bezogen auf die Einwohnerzahl, die drittgrößte Gemeinde im Wartburgkreis. 1990 lebten im heutigen Gemeindegebiet etwa 8900 Einwohner.

Die seit 1984 im Aufbau befindliche Plattenbausiedlung Auf dem Mölmen bildete einen Schwerpunkt des Wohnungsbauprogramms der DDR. Neben knapp 1700 Wohnungen entstanden zwischen 1984 und 1990 zwei Kindertagesstätten (Kindergärten mit Kinderkrippen), zwei zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschulen, eine Wohngebietskaufhalle (HO), eine Wohngebietsgaststätte, ein hauptamtlich betreuter Jugendklub mit Diskothek, Arztpraxen und einer Ladenpassage. 1990 war der geplante Ausbau des Wohngebiets fast zur Hälfte fertiggestellt. Der Weiterbau wurde 1990 gestoppt.

mini|Das Ortsbild von Deubach Bis 1994 wuchs die Bevölkerung in dieser Plattenbausiedlung auf über 4000 Einwohner an. Danach stagniert sie. Insbesondere 1998 bis 2002 verlor das Wohngebiet, besonders hervorgerufen durch den Wegfall von Arbeitsbeschaffungsprogrammen, mehr als 1000 Einwohner. Die Leerstandsquote der Wohnblöcke im Wohngebiet betrug 2002 über 40 %. Seit 2003 erfolgte im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau Ost ein radikaler Rückbau der vorhandenen Bausubstanz. Gleichzeitig konnte die Gemeinde das Wohngebiet mit Unterstützung dieses Förderprogramms der Bundesrepublik Deutschland aufwerten. Es entstanden großzügige gestaltete Grünanlagen. Der Kindergarten mit Kinderkrippe sowie die Zufahrtsstraßen wurden saniert. Zwei neue Lebensmittelmärkte und ein Altersheim entstanden.

Anfang bis Mitte der 1990er Jahre entstanden die benachbarten Wohnsiedlungen Rehbergsiedlung, Hörselbergblick sowie die Wohnanlagen Auf der Hutweide in Kahlenberg, Eisenacher Straße in Eichrodt, Stüblingshof und Am Schloßpark in Farnroda. Auch in Mosbach und Deubach entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser.

Jahr Einwohner 1994 8.770 1995 8.697 1996 8.526 1997 8.302 1998 8.224 1999 7.956 Jahr Einwohner 2000 7.794 2001 7.704 2002 7.589 2003 7.492 2004 7.405 2005 7.248 Jahr Einwohner 2006 7.089 2007 6.976 2008 6.846 2009 6.675 2010 6.560 2011 6.572 Jahr Einwohner 2012 6.312 2013 6.297 2014 6.360 2015 6.340 2016 6.278 2017 6.369 Jahr Einwohner 2018 6.382 2019 6.335 2020 6.278 2021 6.271 2022 6.374 2023 6.315 Jahr Einwohner 2024 6.268 (Stand jeweils zum 31. Dezember)

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat von Wutha-Farnroda setzt sich aus 20 Gemeinderatsmitgliedern zusammen. Die Gemeinderatswahl vom 26. Mai 2024 führte zu folgender Sitzverteilung:Gemeinderatswahlen 2024 Wutha-Farnroda, aufgerufen am 28. Mai 2024 Partei / Liste Sitze +/− Bündnis Wutha-Farnroda 7 + 1 CDU / Bürgerteam für Wutha-Farnroda 6 + 1 AfD 6 + 2 Die Linke / Offene Liste Wutha-Farnroda 1 − 1 Grüne 0 − 1 SPD / Aufbruch Wutha-Farnroda n.k. − 2

Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist Jörg Schlothauer (parteilos). Er trat das Amt im Januar 2021 als Nachfolger von Torsten Gieß (parteilos, ehemals SPD) an.

Bisherige Bürgermeister von Wutha-Farnroda:

Name Partei von bis Helmut Heilwagen SED Januar 1987 Oktober 1989 Frank Engel SDP November 1989 Mai 1990 Ernst Kranz SPD Mai 1990 September 2002 Ingo Jary(kommissarisch) CDU Oktober 2002 Januar 2003 Torsten Gieß parteilos, bis 18. November 2013 SPD, aufgerufen am 22. November 2013 Januar 2003 Januar 2021 Jörg Schlothauer parteilos seit Januar 2021

90px|rechts|Wappen Wappen Blasonierung: „Das Wappen zeigt ein von silber und rot gespaltenes Schild, belegt mit einem gespaltenen Herzschild, der vorn fünfmal von silber und schwarz gespalten ist und hinten auf silber einen aufrechtgehenden schwarzen Löwen zeigt.“

Partnerschaften Gemeinde Weimar (Lahn), Kreis Marburg-Biedenkopf in Hessen, seit 1991 Gemeinde Kamienica, Powiat Limanowa, Woiwodschaft Kleinpolen, seit 2007

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen und Galerien mini|Das Hörselbergmuseum in Schönau Hörselbergmuseum

Das Hörselbergmuseum befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude neben der Schönauer Kirche, der alten Schule und dem Pfarrhaus. Das Heimatmuseum zeigt mit wechselnden Schwerpunkten die Geologie, Fauna und Flora der Hörselbergregion, erläutert die bekannten Höhlen der Hörselberge und Karsterscheinungen im Naturschutzgebiet, es widmet sich auch der Erforschung der Sagen und Mythen der Hörselberge. In der Dauerausstellung befinden sich eine Mineraliensammlung und eine umfangreiche Sammlung über das Backhandwerk. Eine Besonderheit ist der mehrfach im Jahresverlauf genutzte Gemeindebackofen, welcher von den Schönauer Backfrauen betrieben wird.

Rathausgalerie

In den Treppenhäusern der Gemeindeverwaltung Wutha-Farnroda wurde auf Initiative des in Wutha-Farnroda wohnenden und aus Bulgarien stammenden Malers Todor Naidenow eine Galerie etabliert, die halbjährlich wechselnd Künstlern bis 2013 die Möglichkeit gab, ihre Bilder, Kunstfotografien und Skulpturen auszustellen.

Altes Rathaus Farnroda

Der Vorraum des heute als Gemeindebibliothek und Vereinsgebäude genutzten alten Rathauses von Farnroda ist seit 2006 ein Diorama Schloßanlage Farnroda um 1900 ausgestellt. Es wurde von Winfried Nolte unter Mitarbeit von Karl Rennert gebaut, der die Idee dazu hatte.

Musik