Die Stummelfußfrösche (Atelopus) werden manchmal auch Harlekinfrösche oder Harlekinkröten genannt und bilden eine im tropischen Lateinamerika – zwischen Costa Rica im Norden und Bolivien im Süden – beheimatete Gattung aus der Familie der Kröten (Bufonidae). Es werden 104 beschriebene Arten zu diesen Amphibien gezählt – einige weitere ehemalige Atelopus-Arten werden mittlerweile anderen Gattungen zugeordnet. In älteren Systematiken wurden die Stummelfußfrösche zusammen mit den Sattelkröten (Brachycephalus) als eigene Familie Atelopidae abgegrenzt. Unter anderem das Vorhandensein des Bidderschen Organs weist sie aber als Angehörige der „Kröten“ aus.

Beschreibung Es handelt sich um meist sehr kleine, schlanke und mitunter bizarr gebaute, sehr farbenfrohe und giftige Froschlurche (siehe beispielsweise: Panama-Stummelfußfrosch). Der deutsche Name bezieht sich auf die häufig stark verkürzten inneren Finger und Zehen.

Die Pupille ist horizontal. Die Zunge ist elliptisch, ganzrandig und hinten frei abhebbar. Gaumenzähne und Gaumenfalten sind nicht vorhanden. Das Trommelfell ist nicht sichtbar. Die Finger sind entweder frei oder an der Basis mittels einer Schwimmhaut miteinander verbunden. Diese greift nicht zwischen die Metatarsen der 4. und 5. Zehe ein. Die Spitzen der Finger und Zehen sind höchstens leicht verdickt, aber niemals zu deutlichen Haftscheiben verbreitert. Die Endglieder der Zehen sind einfach und knöchern. Die Coracoide und Praecoracoide divergieren mehr oder weniger stark. Das Omosternum ist nicht vorhanden. Das Sternum ist knorpelig. Mäßig stark verbreitert sind die Querfortsätze das Sakralwirbels.

Lebensweise Zu ihren bevorzugten Lebensräumen zählen Schluchten von Berg-Nebelwäldern. Sie halten sich dort am Boden auf und sind in der Regel tagaktiv auf der Jagd nach Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Die Wanderungen zu Laichplätzen in schnellfließenden Bergbächen und kleinen Flüssen können Stummelfußfrösche wochen- oder sogar monatelang in Paarungsumklammerung zubringen. Die Männchen vieler Arten stoßen leise trillernde oder zirpende Balzrufe aus. Der Laich wird in Schnüren abgelegt und an Pflanzen oder Steine im Wasser geheftet. Die Kaulquappen verfügen über große Saugnäpfe, um in der Strömung der Bäche nicht verdriftet zu werden.

Gefährdung Bekanntheit haben Stummelfußfrösche in jüngster Zeit dadurch erlangt, dass fast alle Arten in ihrem Fortbestand akut gefährdet sind: Die IUCN stuft von 101 bewerteten Arten allein 67 in der höchsten Gefährdungskategorie, vom Aussterben bedroht (critically endangered), ein, wobei 38 dieser Arten mit dem Zusatz möglicherweise ausgestorben (possibly extinct) versehen sind. Drei Arten gelten als sicher ausgestorben (extinct).IUCN (2025). IUCN Red List of Threatened Species. Version 2025-2 Nach einer Studie von 2005 zeigten von den damals berücksichtigten 113 beschriebenen Arten 42 einen deutlichen Rückgang, 30 Arten wurden als verschollen bewertet. Nur 10 Arten galten als in ihrem Bestand stabil.La Marca et al.: Catastrophic Population Declines and Extinctions in Neotropical Harlequin Frogs (Bufonidae: Atelopus), Biotropica 37, 2005, S. 190-201 Artikel auf researchgate Die Art Atelopus balios wird von der IUCN inzwischen sogar zu den einhundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten gezählt.Informationsschrift der IUCN zu den 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten, engl.

Der massive Rückgang der Stummelfußfrösche wird neben anderen Ursachen in erster Linie auf Infektionen durch den Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) zurückgeführt, insbesondere bei den Populationen in Mittelamerika. Dessen vermehrtes Auftreten bringen Untersuchungen wiederum mit einem beginnenden Klimawandel in Zusammenhang. So soll eine verstärkte Wolkenbildung über den Berghabitaten zu höheren Durchschnittstemperaturen in den Nächten führen, wodurch sich die für das Gedeihen des Chytridpilzes optimale Temperaturspanne ausdehnt.Studie in „Nature“, zit. in: Philip Bethge: Eine Arche für die Frösche. – Der Spiegel 47/2006: S. 176–178.

Zum Rückgang dürften ferner (frühere) Massenexporte in die westlichen Industrieländer beigetragen haben, wo diese Lurche in Terrarien gehalten wurden – oft mit geringem Erfolg und entsprechend hohem „Tierverbrauch“.

Arten mini|Atelopus carrikeri mini|Atelopus flavescens mini|Atelopus franciscus mini|Atelopus glyphus mini|Atelopus laetissimus mini|Atelopus nahumae mini|Atelopus patazensis mini|Atelopus spumarius mini|Atelopus spurrelli mini|Atelopus varius mini|Panama-Stummelfußfrosch (Atelopus zeteki)

Die Gattung umfasst 104 Arten.

Stand: 31. Oktober 2025

Atelopus andinus , 1968 Atelopus angelito & , 1998 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus ardila , , , , & , 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus arsyecue , 1994 Atelopus arthuri , 1973 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus balios , 1973 Atelopus barbotini , 1981 Atelopus bomolochos , 1973 Atelopus boulengeri , 1904 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus calima , , & , 2024 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus carauta & , 1978 Atelopus carbonerensis , 1974 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus carrikeri , 1916 Atelopus certus , 1923 Atelopus chiriquiensis , 1936 (†) Atelopus chirripoensis & , 2009 Atelopus chocoensis , 1992 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus chrysocorallus , 1996 Atelopus colomai , , , , , , , , , & , 2024 Atelopus coynei , 1980 Atelopus cruciger ( & , 1856) Atelopus dimorphus , 2003 Atelopus ebenoides , 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus elegans (, 1882) Atelopus epikeisthos , & , 2005 Atelopus erythropus , 1903 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus eusebianus & , 1993 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus eusebiodiazi , , & , 2008P.J. Venegas, A. Catenazzi, K. Siu-Ting & J. Carrillo: Zwei neue Harlekinfrösche (Anura: Atelopus) aus den Anden von Nord-Peru, in: Der Salamander (Übersetzung der Salamandra), Band 44, Heft 3, S. 163–176, Rheinbach 20. August 2008. – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus exiguus (, 1892) Atelopus famelicus & , 1995 Atelopus farci , 1993 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus flavescens & , 1841 Atelopus franciscus , 1974 Atelopus fronterizo & , 2021 Atelopus galactogaster & , 1993 Atelopus gigas , , , , & , 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus glyphus , 1931 Atelopus guacharo , , , , , & , 2025 Atelopus guanujo , 2002 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus guitarraensis , & , 2001 Atelopus halihelos , 1973 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus harlequin , , , , , , , & , 2025 Atelopus histrionicus , , , , , , , , & , 2025 Atelopus hoogmoedi , 1974 Atelopus ignescens (, 1849) Atelopus laetissimus , & , 1994 Atelopus limosus , & , 1995 Atelopus loettersi , , , & , 2011 Atelopus longibrachius , 1963 Atelopus longirostris , 1868 Atelopus lozanoi , & , 2001 Atelopus lynchi , 1981 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus manauensis , & , 2020 Atelopus mandingues , & , 2001 Atelopus marinkellei & , 1970 Atelopus mindoensis , 1973 Atelopus minutulus , & , 1988 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus mittermeieri , , , & , 2006 Atelopus monohernandezii , & , 2002 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus moropukaqumir Herrera-Alva, Díaz, Castillo, Rodolfo & Catenazzi, 2020 Atelopus mucubajiensis , 1974 Atelopus muisca & , 1992 Atelopus nahumae , & , 1994 Atelopus nanay , 2002 Atelopus nepiozomus , 1973 Atelopus nicefori , 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus nocturnus & , 2011 Atelopus onorei , , & , 2007 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus orcesi , , , , & , 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus oxapampae , & , 2008 Atelopus oxyrhynchus , 1903 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus pachydermus (, 1857) – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus palmatus , 1945 Atelopus pastuso , , , , & , 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus patazensis , , & , 2008 Atelopus pedimarmoratus , 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus peruensis & , 1985 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus petersi , , & , 2007 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus petriruizi , 1999 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus pictiventris , 1986 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus pinangoi , 1982 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus planispina , 1875 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus podocarpus , , , , & , 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus pulcher (, 1882) Atelopus pyrodactylus & , 2005 Atelopus quimbaya & , 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus reticulatus , , & , 2002 Atelopus sanjosei & , 1989 Atelopus seminiferus , 1874 Atelopus senex , 1952 (†) Atelopus sernai & , 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus simulatus & , 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus siranus & , 2000 Atelopus sonsonensis & , 1997 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus sorianoi , 1983 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus spumarius , 1871 Atelopus spurrelli , 1914 Atelopus subornatus , 1899 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) Atelopus tamaense , & , 1990 Atelopus tricolor , 1902 – Dreifarben-Stummelfußfrosch Atelopus varius ( & , 1856) Atelopus vogli , 1934 (†) – Vogls Stummelfußfrosch Atelopus walkeri , 1963 Atelopus zeteki , 1933 – Panama-Stummelfußfrosch Atelopus vermiculatus , 1973 wird teilweise auch als Unterart von A. flavescens angesehen The IUCN Red List of Threatened Species – Atelopus flavescens = Atelopus vermiculatus

Einzelnachweise Fritz Nieden: Anura II. In: F. E. Schulze, W. Kükenthal, K. Heider (Hrsg.): Das Tierreich. Walter de Gruyter & Co., Berlin/Leipzig 1926, S. 76. Darrel R. Frost: Atelopus Duméril & Bibron, 1841. Amphibian Species of the World: An Online Reference. Version 6.2. Electronic Database accessible at American Museum of Natural History, New York 1998–2024. Abgerufen am 16. Februar 2024. Rainer Schulte: Frösche und Kröten. Ulmer-Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8001-7048-5, S. 110 ff. V. Herrera-Alva, V. Díaz, E, Castillo, C. Rodolfo & A. Catenazzi: A new species of Atelopus (Anura: Bufonidae) from southern Peru. Zootaxa, 4853, 2020. M. Veselý & A. Batista: A new species of Atelopus (Amphibia: Bufonidae) from eastern Panama. Zoological Research/Dōngwùxué yánjiū, 42, Kunming 2021, S. 272–279, . D. A. Velásquez-Trujillo, F. Castro-Herrera, S. Lötters & A. Plewnia: A new species of harlequin toad from the Western Cordillera of Colombia (Bufonidae: Atelopus), with comments on other forms. Salamandra 60: 2024, S. 67–81. A. Plewnia, A. Terán-Valdez, J. Culebras, R. Boistel, D. J. Paluh, A. B. Quezada Riera, C. H. Heine, J. P. Reyes-Puig, D. Salazar-Valenzuela, J. M. Guayasamin & S. Lötters: A new species of harlequin toad (Bufonidae: Atelopus) from Amazonian Ecuador. Salamandra, 60, 2024, S. 237–253.