mini|Degodehaus am Markt in Oldenburg (2017)
Das Degodehaus am Markt ist ein historisches Fachwerkhaus in der Innenstadt von Oldenburg (Niedersachsen). Es gilt als das älteste erhaltende Gebäude der Stadt Oldenburg und steht unter Denkmalschutz.
Lage und Umgebung Das Degodehaus ist Teil des Ensembles des Oldenburger Marktplatzes. Es befindet sich an der Stelle, an der die Kleine Kirchstraße und die Lange Straße in der Fußgängerzone aufeinandertreffen und in den Marktplatz münden. Gegenüber der Ostfassade liegt das Alte Rathaus.
Geschichte Der stattliche Fachwerkbau überstand den großen Stadtbrand von 1676 und gilt als letztes mittelalterliches Patrizierhaus Oldenburgs.
Das typische spätmittelalterliche Wohndielenhaus wurde 1502 von Christopher Stindt erbaut, wie aus der Datierung an einem Querbalken der Giebelfront hervorgeht. Seine heutige Gestalt erhielt es 1616 bis 1618 durch den in der gräflichen Finanzverwaltung beschäftigten Rentmeister Johannes Mausolius, der im Dienst von Graf Anton Günther stand. Sein Schwiegersohn Mylius von Gnadenfeld erbte später das Haus und lebte zeitlebens dort.
Im Haus zeigt eine 1645 von Mylius von Gnadenfeld in Auftrag gegebene bemalte Holzdecke eine allegorische Darstellung der damals bekannten Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika nach dem Vorbild niederländischer Kupferstiche. Das seit 1790 durch eine Stuckdecke verdeckte 39 Quadratmeter große Deckengemälde wurde 1992 wiederentdeckt.
Im Laufe der Zeit wechselte das ehemals „adlig freie Haus“ mehrmals seinen Besitzer und diente verschiedenen Zwecken. Die Verwendung als „Kaufmannshaus“ datiert erst aus dem 19. Jahrhundert.
Im Jahr 1860 übernahm der aus Jever stammende Wilhelm Degode das Gebäude mitsamt des Kolonial- und Manufakturwarengeschäfts, erst seitdem trägt das Haus den Namen Degode. Der Maler Georg Wilhelm Degode wurde 1862 in dem Haus geboren und wuchs dort auf. Die Familie kaufte das Haus im Jahr 1872. Bis in die 1960er wurde im Degodehaus Kaffee geröstet.
Von 1958 bis 1960 wurde im Keller der Jazzclub „Alluvium 1502“ betrieben, der allerdings nach kurzer Zeit aufgrund von Brandschutzauflagen wieder schließen musste.
Ein Sturm beschädigte das Degodehaus im Jahr 2013. Die Schäden insbesondere am Dach wurden noch im selben Jahr behoben. Das denkmalgeschützte Haus befindet sich in Privatbesitz und beinhaltet 2026 ein Schuhgeschäft.
Architektur mini|Degodehaus von Süden aus betrachtet (2017) Das giebelständige, zweieinhalbgeschossige Wohn- und Geschäftshaus wurde ursprünglich vermutlich als Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet. Der als Steinhaus ausgeführte Bau besitzt ein vorkragendes Obergeschoss sowie einen vierfach vorkragenden Fachwerkgiebel an der Nordostseite. Das Satteldach ist mit einer Ladeluke versehen.
Die bauzeitliche Fachwerkfarbigkeit mit rotem und schwarzem Sichtfachwerk ist sowohl an der Außenfassade als auch im Inneren erhalten beziehungsweise rekonstruiert. Der Torbogen mit Oberlicht stammt aus der Zeit um 1800.
An den Südwestgiebel schließt auf Firsthöhe unmittelbar ein vollständig unterkellertes Hintergebäude an. Der ebenfalls als Steinhaus ausgeführte Bau wurde 1617/18 errichtet.
Siehe auch Degodehaus (Düsseldorf)
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Oldenburg (Oldb) Oldenburg Kategorie:Patrizierhaus Kategorie:Baudenkmal in Oldenburg (Oldb) Kategorie:Geburtshaus einer berühmten Person