Becherbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Nahe-Glan an.

Geographie Becherbach liegt in der Pfalz südlich von Meisenheim.

Ortsteile sind die Dörfer Becherbach (437 Einwohner), Gangloff (199 Einwohner) und Roth (245 Einwohner).Stand: Juni 2025, Website der Ortsgemeinde (abgerufen am 27. September 2026). Zum Ortsteil Becherbach gehören auch die Wohnplätze Kirnbuscherhof, Römerhof und Rothenbaumerhof.

Geschichte In der heutigen Gemarkung Becherbach wurden einige jungsteinzeitliche Funde gemacht. In Roth und Gangloff fand man jeweils ein Steinbeil, in Gangloff zusätzlich eine Silexklinge (aus Feuerstein).

Deutlich mehr archäologische Funde stammen aus der Römerzeit: Auf dem Friedhof von Gangloff wurde ein Viergötterstein gefunden, der zur Römerzeit die Basis einer Jupitersäule bildete. Jupitersäulen wurden hauptsächlich im 2. und 3. Jhd. bei Siedlungen oder Gutshöfen aufgestellt. Auf dem Gipfel des Rossbergs wurden zwei quaderförmige Steine, die Mercurius und seiner Mutter Maia geweiht waren, gefunden. Bei dem ersten handelt es sich um einen Altar, der kleinere diente als Gedenkstein. Darüber hinaus fand man zwei römische Münzen und Ziegel samt Stempel. Entsprechend wird in diesem Bereich des Gemeindegebiets eine römische Straße vermutet, wovon sich die heutigen Namen „Römerhof“ und „Römerstraße“ ableiten. Die genannten Fundstücke befinden sich allesamt im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.Friederike und Ortolf Harl, Datenbank Ubi Erat Lupa, 2020–2022, zuletzt abgerufen am 27. September 2027. Die Nennung eines römischen Grabsteins „in der Dorfkirche“ in der älteren Literatur bezieht sich dagegen wohl auf Becherbach bei Kirn:

Roth wird erstmals 1336 urkundlich erwähnt, Gangloff 1519, Becherbach in einer undatierten Urkunde aus dem Zeitraum um 1363.Zu den verschiedenen Varianten des Ersterwähnungsdatums in der ortsgeschichtlichen Literatur vgl. Güter im Dorf Becherbach besaß damals ein auf der Burg Odenbach ansässiger Adeliger, der sie wiederum von den Grafen von Veldenz zum Lehen hielt. Zudem besaß im Mittelalter die Johanniterkommende Meisenheim Rechte auf Abgaben im Ort Becherbach. Die in der älteren Literatur genannten Abgaben an die Abtei Otterberg beziehen sich dagegen wohl auf den Bach „Becherbach“ bei Mehlbach: Seit dem Aussterben der Grafen von Veldenz gehörte das Gebiet der Ortsgemeinde zum Wittelsbacher Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, das bis ins späte 18. Jahrhundert Bestand hatte.

Nach dem Wiener Kongress lag Becherbach an der Grenze zweier Staaten: Meisenheim, das zuvor zeitweise (wie auch heute wieder) Becherbach als Verwaltungssitz übergeordnet gewesen war, gehörte nach 1815 zu Hessen-Homburg und ab 1866 bis 1946 zu Preußen; Becherbach selbst dagegen zum Königreich Bayern. Die Grenze war damit nur wenige Kilometer von den heute zur Ortsgemeinde gehörenden Dörfern entfernt.

Seit den Reichstagswahlen 1928 stellte die NSDAP in allen drei Dörfern die Mehrheit. Andererseits warf die antisemitische Zeitung „Der Stürmer“ 1936 den Einwohnern Becherbachs mangelndes Bewusstsein in der „Judenfrage“ vor: Viele von ihnen hatten die Beerdigung einer Odenbacher Jüdin besucht. Die drei Dörfer selbst hatten nationalsozialistischer Zeit keine jüdische Bevölkerung.

1954 bekam Becherbach die erste Wasserleitung, was der erste Schritt zur „Modernisierung“ des kleinen Dorfes war. Bis 1962 wurde auch der große Weiher in der Ortsmitte beseitigt.

Die heutige Ortsgemeinde Becherbach entstand am 7. Juni 1969 durch Neubildung aus den zuvor eigenständigen Gemeinden Becherbach/Pfalz (532 Einwohner), Gangloff (270) und Roth (274). Gleichzeitig erfolgte die Ausgliederung aus dem Landkreis Kusel und die Neuzuordnung zum Landkreis Bad Kreuznach. Damit endete die seit dem Wiener Kongress gültige administrative Zuordnung der drei Dörfer zur Pfalz und zugleich ihre Trennung vom vormaligen Amtssitz Meisenheim.

Am 22. Januar 2011 musste die gesamte Bevölkerung Becherbachs (ohne Gangloff und Roth) evakuiert werden, da in einer Scheune neben Maschinengewehren und Handgranaten große Mengen Sprengstoff gefunden wurden. Nach Angaben der Polizei war es vermutlich die größte Menge Sprengstoff, die bundesweit je bei einem Privatmann gefunden wurde. Nach der Evakuierung brachten Experten den Sprengstoff u. a. unter Einsatz eines ferngesteuerten Roboters erfolgreich kontrolliert zur Explosion.70 Waffen, 120.000 Schuss Munition und ca. 60 kg Sprengstoff auf rhein-zeitung.de, 1. Februar 2011, abgerufen am 24. November 2020.

Bergwerkswesen Unter Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken wurde 1546 das sogenannte „Odenbacher Flöz“ (Steinkohle) entdeckt, das unter anderem in Reiffelbach gefördert wurde. In der heutigen Gemeinde Becherbach wurde dieser Rohstoff nur in den Dörfern Gangloff und Roth abgebaut. Das Bergwerk in Roth stand mit dem Odenbacher Bergwerk durch einen Gang in Verbindung, eines nahe bei Roth in der (Hollerbach) stand in Verbindung mit dem Reiffelbacher Bergwerk. Untereinander gab es jedoch zwischen den Dörfern der heutigen Ortsgemeinde Becherbach keine Verbindungsgänge. Im Ortsteil Becherbach wurde 1799 ein reines Kalkbergwerk an den südlichen Hängen in Richtung Reipoltskirchen betrieben.

Religion mini|Kirche im Ortsteil Becherbach Die Einwohner sind vorwiegend evangelisch.

Becherbach gehört seit 1975 zur Kirchengemeinde Odenbach, die wiederum – als eine der nördlichsten Gemeinden – der Evangelischen Kirche der Pfalz zugeordnet ist.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Becherbach besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, sowie dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Bürgermeister Roland Riemenschnitter (SPD) wurde am 8. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Becherbach.

Ortsbürgermeister seit 1991: Wolfgang Paulus, (SPD; 1991–2009) Manfred Denzer (SPD; 2009–2024) Roland Riemenschnitter (SPD, seit 2024)

Die Wiederwahl Manfred Denzers 2019 sowie die Wahl Roland Riemenschnitters 2024 erfolgten durch den Gemeinderat, nachdem zu den Direktwahlen im Rahmen der jeweiligen Kommunalwahl kein Kandidat angetreten war.

Sonstiges Der Name „Becherbach“ bezieht sich vermutlich auf die Pechbrenner (mittelhochdeutsch und pfälzisch Becher), die dort früher arbeiteten. Der Name „Gangloff“ kommt von St. Gangolf; der in Deutschland sehr häufige Name „Roth“ weist auf eine Rodung hin. Das Wappen Becherbachs entstand 1952 aus einem Symbol für die Namensgeber Becherbachs, die Pecher, dem Pechkorb, und den Farben von Pfalz-Zweibrücken, rot und gold. Ein inoffizielles Wappen Roths besteht aus einem auf einem Dreiberg stehenden Baum sowie zwei gekreuzten Bergwerkshämmern links und einer Pflugschar rechts, während Gangloff im Wappen des dort ansässigen Dudelsackbläser-Vereins „St. Gangolf Pipes & Drums“ durch ein Bild St. Gangolfs, ein Ross für den zwischen Becherbach und Gangloff gelegenen Rossberg und einen heiligen Brunnen symbolisiert wird. Größtes Fest in jedem drei Dörfer ist die Kerb, die jährlich von Freitag bis Montag – mit einem Umzug am Sonntag – gefeiert wird: Am 4. Wochenende im August feiert Roth, am ersten Septemberwochenende findet die Kerb im Ortsteil Becherbach statt und Gangloff folgt am dritten Wochenende im Oktober. Becherbach wird oft mit dem ebenfalls im Landkreis Bad Kreuznach liegenden Becherbach bei Kirn verwechselt. Gangloff hat einen eigenständigen Fußballverein, der auch in der Jugendarbeit aktiv ist.

Literatur

In Becherbach geboren Jule Polsz (* 2001), Handballspielerin Erich Müller-Gangloff (1907–1980), evangelischer Akademie-Direktor und Autor Emil Gauer (1905–1991), Politiker (NSDAP)

Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Becherbach

Weblinks

Becherbach auf den Seiten der Verbandsgemeinde Nahe-Glan

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Bad Kreuznach