Michael Maria Waldstein (* 25. Oktober 1954 in Salzburg) ist ein österreichisch-amerikanischer römisch-katholischer Theologe.
Leben Michael Waldstein studierte Philosophie und Theologie am Thomas Aquinas College in Santa Paula bei Los Angeles, wo er 1977 den Bachelor of Arts erlangte, sowie anschließend in Dallas, am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom und in Harvard. Er promovierte 1981 in Dallas mit einer Arbeit zur Theologie Hans Urs von Balthasars, erlangte 1984 das Lizenziat für Bibelwissenschaften in Rom und promovierte 1989 erneut in Neutestamentlichen Wissenschaften in Harvard über das Thema The Mission of Jesus in John: Probes into the Apocryphon of John and the Gospel of John. Von 1988 bis 1996 lehrte er als „Assistant Professor“ für Neues Testament an der University of Notre Dame in South Bend (Indiana), wo er 1996 tenuriert wurde.
Anschließend wirkte er auf Einladung des neuen Wiener Erzbischofs Christoph SchönbornJohn Allen: Conservative Austrian intellectual played key role in lectionary group. In: National Catholic Reporter, 25. September 1998, abgerufen am 7. August 2026. an dem von diesem initiierten Internationalen Theologischen Institut für Studien zu Ehe und Familie (ITI) im österreichischen Gaming, das er als Gründungspräsident von 1996 bis 2006 leitete. Bis Sommer 2008 war er dort weiterhin „Senior Professor“ und lehrte Neues Testament. Von August 2008 bis Dezember 2017 war Waldstein „Max Seckler Professor of Theology“ an der Ave Maria University in Florida. Seit Anfang 2018 ist er als Bibelwissenschaftler an der Franciscan University of Steubenville im Bistum Steubenville tätig, wo er seit August 2018 wiederum als Professor für Neues Testament lehrt.
Ein Schwerpunkt seiner Vorlesungs- und Vortragstätigkeit ist neben bibelwissenschaftlichen Themen die von Papst Johannes Paul II. entwickelte „Theologie des Leibes“, deren Texte Waldstein 2006 unter Heranziehung polnischer Originalmanuskripte Wojtyłas in einer neu angeordneten und neu ins Englische übertragenen Fassung veröffentlichte.John Paul II: Man and Woman He Created Them. A Theology of the Body. Translation, Introduction, and Index by Michael Waldstein. Pauline Books and Media, Boston 2006.,Theologie des Leibes’ neu übersetzt. In: Kath.net, 24. August 2006, abgerufen im Februar 2019. Er fand dabei heraus, dass die polnischen Manuskripte und nicht wie zuvor angenommen der italienische Text der „Mittwochskatechesen“ des Papstes als Originalfassung seiner Abhandlungen über die theologische Bedeutung der Sexualität des Menschen anzusehen sind.An Interview with Michael Waldstein. Onlineveröffentlichung. Internationales Theologisches Institut für Studien zu Ehe und Familie (ITI), Herbst 2006, abgerufen im Februar 2019.
1997 gehörte Waldstein als einziger Bibelwissenschaftler zu einer vom damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Ratzinger handverlesenen Gruppe aus elf Männern, die innerhalb von zwei Wochen in Rom eine Neuübersetzung aller biblischen Lesungstexte des römisch-katholischen Lektionars in die englische Sprache erstellten, um damit der Fertigstellung der offiziell von der International Commission on English in the Liturgy (ICEL) im Auftrag der englischsprachigen Bischofskonferenzen vorbereiteten Übersetzung zuvorzukommen, an der seit über sechs Jahren unter Beteiligung vieler namhafter Wissenschaftler gearbeitet wurde. Mit diesem Coup konnte der Vatikan erfolgreich verhindern, dass in die aktualisierte Übersetzung der Texte Ansätze inklusiver Sprache einflossen, die Ratzinger ebenso wie Waldstein strikt ablehnte. Wie der spätere Vatikanist John L. Allen im Jahr darauf in seiner Hintergrundreportage zu dem Fall aufdeckte, waren Waldstein und mehrere andere Mitglieder der Arbeitsgruppe schon vorher durch antifeministische Äußerungen aufgefallen und offenbar deswegen vom Glaubenspräfekten ausgewählt worden. So hatte Waldstein in einem Arbeitspapier über „androzentrische Rede von Gott“ (androcentric God-language) versucht zu begründen, dass Gott ein Mann sein müsse und deswegen nur mit männlichen Attributen wie „Vater“ von ihm gesprochen werden dürfe, wobei er sich einen scharfen Streit mit Elisabeth Schüssler Fiorenza über diese Frage lieferte. Die von Allen enthüllte klandestine Aktion gehört zur Vorgeschichte der wenig später veröffentlichten Übersetzerinstruktion Liturgiam authenticam aus dem Jahr 2001, mit der Ratzinger restriktive Regeln für liturgische Übersetzungen erließ. Zwar wurde die Instruktion 2017 von Papst Franziskus durch das Apostolische Schreiben Magnum principium entschärft, die Ergebnisse von Waldsteins Arbeit wirken aber bis heute in den Texten der englischsprachigen Liturgie fort.Tom Roberts: John Allen: How a kid from Kansas made his mark. In: National Catholic Reporter, 13. Februar 2025, abgerufen am 7. August 2026.
Waldstein war seit 2003 Mitglied des 2016 im Rahmen der Kurienreform von Papst Franziskus aufgelösten Päpstlichen Rates für die Familie. 2011 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Mitglied der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas von Aquin ernannt.Mitteilung der Ave Maria University, 25. Januar 2019, abgerufen im Februar 2019.
Michael Waldstein ist ein Sohn des österreichischen Rechtshistorikers Wolfgang Waldstein. Seine gleichaltrige Frau Susan Waldstein geborene Burnham ist ebenfalls Theologin; die beiden lernten sich als Studenten am Thomas Aquinas College kennen und heirateten nach Burnhams Abschluss im Sommer 1978. Sie haben acht Kinder, darunter der rechtsgerichteteSigrid Rettenbacher: Vom „rechten“ Glauben und seinen Ansprüchen. In: Feinschwarz.net, 23. April 2025, abgerufen am 31. März 2026. Theologe und Zisterziensermönch Edmund Waldstein aus dem Wiener Stift Heiligenkreuz,Moraltheologe Waldstein wehrt sich gegen Unterstellungen. In: Die Tagespost, 7. Mai 2025, abgerufen am 18. Juni 2025. dem Verbindungen in die obersten Kreise der US-Politik um Vizepräsident J.D. Vance nachgesagt werden.Katholische Fakultät distanziert sich von Heiligenkreuzer Theologen. In: Katholisch.de, 7. Mai 2025, abgerufen am 18. Juni 2025.
Veröffentlichungen (Auswahl) Glory of the Logos in the Flesh. Saint John Paul’s Theology of the Body. Sapientia Press, Ave Maria 2021. Pope John Paul II’s personalist teaching and St. Thomas Aquinas: Disagreement or development of doctrine? Thomas Aquinas College, Santa Paula 2001. Als Herausgeber und Editor mit Frederik Wisse: The Apocryphon of John. Synopsis of Nag Hammadi Codices II,1; III,1 and IV,1, with Papyrus Berolinensis Gnosticus 8502,2 (= Nag Hammadi and Manichaean Studies, Band 33), Brill, Leiden 1995. Als Übersetzer: Johann Auer (1910–1989): The Church. The Universal Sacrament of Salvation (= Dogmatic Theology, Band 8). The Catholic University of America Press, Washington, D.C. 1993.Original: Die Kirche, das allgemeine Heilssakrament (= Kleine Katholische Dogmatik, Band 8), Pustet, Regensburg 1986.
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Einzelnachweise
Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Rektor einer Hochschule in Österreich Kategorie:Hochschullehrer (Gaming) Kategorie:Hochschullehrer (University of Notre Dame) Kategorie:Hochschullehrer (Ave Maria, Florida) Kategorie:Hochschullehrer (Steubenville) Kategorie:Mitglied der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas von Aquin Kategorie:Übersetzer ins Englische Kategorie:Österreicher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Mann