Lena Gorelik (geboren am 1. Februar 1981 in Leningrad, Sowjetunion) ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Zu ihren Werken, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, zählen Meine weißen Nächte (2004) und Die Listensammlerin (2013).
Leben Lena Gorelik wurde 1981 in Leningrad (seit 1991 wieder Sankt Petersburg) als zweites Kind russischer Eltern geboren; sie hat einen älteren Bruder. Sie wanderte 1992 zusammen mit den Eltern, der Großmutter und ihrem Bruder als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland aus. Die Familie musste zunächst achtzehn Monate in der Baracke einer Flüchtlingsunterkunft in Ludwigsburg leben.Lena Gorelik: Dieses Gefühl von Fieber. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 71 vom 26./27./28. März 2016, S. 17. Gorelik ist in Stuttgart aufgewachsen und zur Schule gegangen.
Gorelik erhielt ihre Ausbildung zur Journalistin an der Deutschen Journalistenschule in München. Anschließend absolvierte sie den Masterstudiengang Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2006 bis 2007 studierte sie Politik an der Hebräischen Universität von Jerusalem, wo sie parallel Hebräisch und Arabisch lernte.
Gorelik lebt in München, ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Wirken Gorelik veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Gorelik ist Mitglied der Autorenedition Sarabande.Autorenedition Sarabande Sie verfasst Beiträge für Deutschlandradio Kultur und schreibt zudem regelmäßig über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen, u. a. in der Süddeutschen Zeitung, der ZEIT und im Magazin des schweizerischen Tages-Anzeigers.Lena Gorelik: Putin und ich. Meine Cousine kauft einen Kühlschrank. Mein Bruder verschwindet im Wald. Und was macht dieses Land mit mir? Das Magazin, Tamedia, Zürich 17. Juni 2017, S. 10–17
Bereits mit ihrem ersten Roman Meine weißen Nächte gelang ihr der literarische Durchbruch, für den sie 2005 den bayerischen Kunstförderpreis erhielt. Ihr Roman Hochzeit in Jerusalem, der 2005 erschien, wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert.
In ihrem 2012 erschienenen Buch Sie können aber gut Deutsch! setzt sie sich mit Migration auseinander. Sie schildert die Erfahrungen von Migranten, angereichert mit persönlichen Erlebnissen. Besonders setzt sie sich mit Thilo Sarrazins 2010 erschienenem Buch Deutschland schafft sich ab auseinander, das sie in den wesentlichen Punkten widerlegt.
Im Roman Die Listensammlerin, der 2013 erschien, setzt sich die Autorin mit ihrer russischen Heimat auseinander und beschreibt den Alltag einer jungen Emigrantin aus der Sowjetunion, die gerne Listen anlegt. Diese entdeckt über die Zeit, dass ein Bruder ihrer Mutter ebenfalls gerne Listen angelegt hat; dieser Bruder wird aber selten erwähnt, da er in der Sowjetunion politisch in Ungnade gefallen war und nicht nach Deutschland mitkommen konnte.
Ihr 2017 erschienener Jugendroman Mehr Schwarz als Lila wurde für die Bühne adaptiert und 2021 beim Münchner Marstall aufgeführt. Der Inhalt des Romans beschreibt die Gruppendynamik zwischen drei Jugendlichen, zwei Mädchen und einem Jungen, ihre Gefühle und ihren Alltag. Diese Dynamik führt zu einem Kuss zweier der Jugendlichen während einer Schülerfahrt nach Auschwitz. Dieser wird überregional bekannt und missinterpretiert, da er aus der Beziehung der Jugendlichen heraus entstanden ist und kein politisches Statement darstellt.
In ihrem 2021 erschienenen autobiografischen Roman Wer wir sind thematisiert Gorelik ihre Emigration. Im Roman werden Alltagsgegenstände wie ein sowjetisches Schulheft zu Metaphern der Immigration. Im Roman entwickelt Gorelik eine Sprache, die den Gegenständen der Einwanderung und den mit ihr verbundenen Verlusten gerecht zu werden versucht. Zentral verhandelt der Roman beispielsweise die Frage, was man einpackt und was man zurücklässt, wenn man per Zugreise ein neues Leben beginnt, und letztlich auch die Frage, wie man die Geschichte solcher schwerer Entscheidungen literarisch erzählt.
Auszeichnungen 2001: Scheffelpreis 2005: Bayerischer Kunstförderpreis für Meine weißen Nächte 2007: Nominierung zum Deutschen Buchpreis mit Hochzeit in Jerusalem 2009: Ernst-Hoferichter-Preis gemeinsam mit Matthias Politycki 2009: Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg 2012: Literaturstipendium des Freistaats BayernLiteraturstipendium für Die Listensammlerin 2014: Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag für Die Listensammlerin 2020: Gorelik wird Ordentliches Mitglied in der Abteilung Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 2022: Literaturpreis „Text & Sprache“ 2022: Poetikdozentur neue deutsche Literatur der Leibniz Universität Hannover und des Literaturhaus Hannover 2023: Marieluise-Fleißer-Preis 2024: Heinrich-Mann-Preis 2026: Preis der Literaturhäuser
Werke miniatur|hochkant|Autograph Meine weißen Nächte. Roman. Graf, München 2004, Taschenbuchausgabe: ISBN 978-3-453-35106-6. Hochzeit in Jerusalem. Roman. SchirmerGraf Verlag, München 2007, Taschenbuchausgabe: ISBN 978-3-453-35253-7. Verliebt in Sankt Petersburg. Meine russische Reise. SchirmerGraf Verlag, München 2008, ISBN 978-3-86555-054-5. Lieber Mischa ... Du bist ein Jude. Graf, München 2011, ISBN 978-3-86220-012-2. Sie können aber gut Deutsch! Pantheon Verlag, München 2012, ISBN 978-3-570-55131-8. Diese eine Frage. Literatur-Quickie. Probsthayn, Hamburg 2013, ISBN 978-3-942212-90-8. Die Listensammlerin. Rowohlt, Berlin 2013, ISBN 978-3-87134-606-4. Null bis Unendlich. Rowohlt, Berlin 2015, ISBN 978-3-87134-806-8. Unter dem Baumhaus. Rowohlt Rotation, Berlin 2016, ISBN 978-3-644-12271-0. Mehr Schwarz als Lila. Rowohlt, Berlin 2017, ISBN 978-3-87134-175-5. Wer wir sind. Roman. Rowohlt, Berlin 2021, ISBN 978-3-7371-0107-3. Ich schreibe, weil ich, glaube ich, bin, Poetikvorlesung, Verbrecher Verlag 2024, ISBN 978-3-95732-578-5, Als Herausgeberin zusammen mit Miryam Schellbach und Mirjam Zadoff: Trotzdem sprechen. Ullstein, Berlin 2024, ISBN 978-3-55020-304-6. Alle meine Mütter. Rowohlt, Hamburg 2026, ISBN 978-3-498-00762-1.
Übersetzungen Lena Muchina: Lenas Tagebuch. Leningrad 1941–1942. Zusammen mit Gero Fedtke aus dem Russischen übersetzt und mit Vorwort, Nachwort sowie Anmerkungen versehen. Graf, München 2013, ISBN 978-3-86220-036-8.
Literatur Sylvia Jaworski: Gorelik, Lena. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02457-2, S. 175–177. Natasha Gordinsky: Mit leeren Heften. Wandernde Objekte in Lena Goreliks Roman, in: Mimeo 26. April 2022.
Weblinks
Webpräsenz von Lena Gorelik
Interview im Münchner Merkur vom 7. November 2004 Interview mit Lena Gorelik von www.EastTalk.de Lena Gorelik im Literaturportal Bayern Autobiographisches auf jetzt.de vom 16. Oktober 2006 Podcast Lena Gorelik mit Carolin Emcke über Herkunft vom 8. Juni 2022
Einzelnachweise
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