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Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Slowenien ist rechtlich sichergestellt. Allerdings sind queere Menschen auch heute noch gesellschaftlichen Diskriminierungen aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung ausgesetzt.

Geschichte Vor der Unabhängigkeit Slowenien war traditionell römisch-katholisch. Aufgrund kirchenrechtlicher Bestimmungen waren homosexuelle Handlungen illegal und führten häufig zu schweren Strafen bis zur Hinrichtung der Beteiligten. Der älteste dokumentierte Fall eines Prozesses gegen Homosexuelle im Gebiet des heutigen Slowenien stammt vom Gericht in Hrastovec (heute zu Lenart, deutsch: Sankt Leonhard in Windischbüheln) in der Untersteiermark, wo im Mai 1749 Peter Vombek und Anton Gabrovec aus dem Dorf Vinička verurteilt wurden. Da die Tat unter Alkoholeinfluss geschah, ging der Richter von mildernden Umständen aus und schlug der Landesherrin Maria Theresia vor, die Täter zu zehn Jahren Zwangsarbeit und Verbannung aus dem Land Steiermark zu verurteilen. Maria Theresia stimmte dem Vorschlag nicht zu und ordnete die Hinrichtung wegen „Unzucht gegen die Natur und Gott“ an.Mozetič, S. 11–20.

1921 wurde Anton Pesek zum Bürgermeister von Ljubljana gewählt. Er konnte das Amt aber nicht antreten, weil er in ein Gerichtsverfahren verwickelt und wegen Homosexualität verurteilt wurde.Mozetič, S. 21–25.

Erst 1929 kam es zu einem einheitlichen StrafgesetzbuchDas Strafgesetzbuch des ehemaligen Königreichs Jugoslawien vom 27.Januar 1929. Druckerei des Zuchthauses, Stein (Donau), . für das nach dem Ersten Weltkrieg neu formierte Königreich Jugoslawien. Es basierte auf klassischen westeuropäischen Modellen, insbesondere dem deutschen und österreichischen Strafrecht. Im deutschen Strafrecht waren homosexuelle Handlungen damals strafbar. Die Strafbarkeit war jedoch auf Handlungen zwischen Männern begrenzt. Lesbische Beziehungen waren nicht erfasst.

Das sozialistische Jugoslawien gab sich 1951 ein neues Strafgesetzbuch, das zum 30. Juni 1959 novelliert wurde. Dort stellte Art. 186 homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Die entsprechende Passage lautete: „Bei widernatürlicher Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts wird der Täter mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft.“August Munda: Das Jugoslawische Strafgesetzbuch vom 2. März 1951. (= Sammlung außerdeutscher Strafgesetzbücher in deutscher Übersetzung, Band 56). 2. Auflage De Gruyter, Berlin 1961. [Neudruck: 2017].

Mit der Dezentralisierung des jugoslawischen Staates trat 1977 ein neues Strafrecht in Kraft. Es teilte die Gesetzgebungskompetenz auf: Ein Bundesstrafgesetz regelte fortan Staats- und Militärverbrechen, während die Teilrepubliken eigene Strafgesetzbücher für klassische Delikte erließen. Auch Slowenien gab sich ein neues StrafgesetzbuchKazenski zakon Republike Slovenije. Auf Pravni informacijski sistem Republike Slovenije., das homosexuelle Handlungen erstmals entkriminalisierte.

Nach der Unabhängigkeit Das Gesetz von 1977 blieb mit späteren Änderungen auch nach der Unabhängigkeit Sloweniens in Kraft, bis es am 1. Januar 1995 durch das heute geltende Strafgesetzbuch (Kazenski zakonik – KZ) abgelöst wurde. Homosexuelle Handlungen blieben straffrei.

mini|Radenska-Mineralwasser mini|Kassenzettel aus der Protestaktion im Café Galerija

2001 wurden die beiden Schriftsteller Brane Mozetič und Jean-Paul Daoust daran gehindert, das Café „Galerija“ in Ljubljana zu betreten. Der Türsteher wies sie mit den Worten ab, sie „sollten sich langsam daran gewöhnen, dass das Lokal nicht mehr für diese Art von Menschen gedacht sei“. Der Pächter des Lokals rechtfertigte das Verhalten des Türstehers. Das Lokal befand sich in der Stadtgalerie (Mestna galerija), die der Stadt Ljubljana gehört. Die queere Gemeinschaft forderte, dass die Behörden auf diese Diskriminierung reagieren und das Verhalten des Türstehers und des Pächters verurteilen sollten. Das geschah nicht. Die queere Gemeinschaft und Aktivisten organisierten daraufhin ein „Protest-Trinken“, das immer am Freitag stattfand. Die Teilnehmenden besetzten im Café „Galerija“ so viele freie Tische wie möglich, bestellten ausschließlich Radenska-Mineralwasser, zögerten das Trinken extrem in die Länge und schmälerten so den Gewinn des Pächters. Ein weiteres Ergebnis des Schweigens der Stadtverwaltung war, dass die Aktivisten ihren Protest gleichwohl in die Öffentlichkeit tragen wollten. Daraus entstand noch im gleichen Jahr die erste Pride-Parade in Slowenien. Sie stand unter dem Motto „Bypass vorbei an der Intoleranz – Marsch gegen Homophobie“ (Obvoznica mimo nestrpnosti – pohod proti homofobiji). Seitdem findet jedes Jahr in Ljubljana eine Pride-Parade statt.Zgodovina. Stonewalški upor. Auf: Ljubljiana pride; abgerufen am 30. August 2026.

Die Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare wurde 2006 gesetzlich anerkannt, allerdings mit Einschränkungen in Bezug auf das Erbrecht, die soziale Sicherheit und die Rechte der nächsten Angehörigen.United Press International: Slovenia passes same-sex marriage law.

Im Juli 2009 stellte das Verfassungsgericht der Republik Slowenien fest, dass Teile des Gesetzes über die Registrierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften das Nichtdiskriminierungsverbot von Art. 14 der Verfassung des Landes verletzten, und forderte die Legislative auf, die festgestellten Unvereinbarkeiten innerhalb von sechs Monaten zu beseitigen. Dies war dann auch der Anstoß für den Versuch, das Familiengesetzbuch 2011 grundlegend zu reformieren. Unter anderem sollte dort auch die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft rechtlich verankert werden. Allerdings war die gemeinsame Adoption von Kindern ausgeschlossen, ein Partner oder eine Partnerin in einer solchen Lebensgemeinschaft allerdings hätte das Kind seines Partners oder ihrer Partnerin adoptieren können. Ebenso schloss das Gesetz künstliche Befruchtung aus. Gegen diese Neuerungen sammelte eine Bürgerinitiative mit Unterstützung der römisch-katholischen Kirche und massiver Falschinformation Unterschriften für ein Referendum gegen diese Änderung des Familiengesetzbuches.Podpisi za referendum o družinskem zakoniku jutri v DZ. Auf: Slovenske Novice vom 2. Februar 2012, zuletzt geändert am 1. September 2025: abgerufen am 29. August 2026; Vloženi podpisi za referendum o družinskem zakoniku. Vom 3. Februar 2012; abgerufen am 29. August 2026; Lucija Cestnik: Družinski zakonik: zapleti že prvi dan. Auf: Zurnal 24 vom 1. September 2011; abgerufen am 29. August 2026; STA: Primc: Družinski zakonik največ prinaša istospolnim parov, ničesar pa otrokom. Auf: siol.net vom 10. März 2012; abgerufen am 29. August 2026. Das Referendum fand am 25. März 2012 statt. Mehrheitlich lehnten die Abstimmenden das Gesetz mit 54,55 % ab. Die Beteiligung an der Abstimmung lag allerdings nur bei 30,3 %.Zakonodajni referendum o Družinskem zakoniku – offizielle Ergebnisbekanntgabe der Wahlkommission.

mini|Graffito am Gymnasium von Koper vor dem Referendum 2015: „Wählen darf ich, weil ich ein Mensch bin, und nicht, weil ich ein Mann bin. Zur Schule gehen kann ich, weil ich ein Mensch bin, und nicht, weil ich eine weiße Hautfarbe habe. Eines Tages möchte ich heiraten, weil ich ein Mensch bin, und nicht, weil ich hetero bin.“ Am 3. März 2015 verabschiedete der Nationalrat der Republik Slowenien, die Erste Kammer des Slowenischen Parlaments, mit 51 von 79 Stimmen ein Gesetz zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe.Dave Keating: Slovenian parliament backs gay marriage. Auf Politico vom 4. März 2015. Am 10. März 2015 lehnte die Zweite Kammer, der Staatsrat der Republik Slowenien, das Gesetz mit 23 von 37 Stimmen ab. Erneut starteten die Gegner des Gesetzes eine Petition für ein Referendum, erneut wurde mit Falschinformationen argumentiert.STA, D. J.: S pomočjo Cerkve do podpisov za referendum. Auf: Zurnal 24 vom 23. März 2015; abgerufen am 29. August 2026. Die Abstimmung fand am 20. Dezember 2015 statt. Erneut fiel das Gesetz bei dem Referendum durch. Diesmal stimmten 63,5 % der Abstimmenden dagegen, bei einer Beteiligung von 36,4 % der Abstimmungsberechtigten.Poročilo o izidu referenduma o Zakonu o spremembah in dopolnitvah Zakona o zakonski zvezi in družinskih razmerjih. Bericht der Wahlkommission zum Referendum vom 20. Dezember 2015.

Am 21. April 2016 verabschiedete der Nationalrat ein Gesetz, das gleichgeschlechtlichen Paaren alle gesetzlichen Rechte gewährt, mit Ausnahme der Bezeichnung „Ehe“, der Adoption und der künstlichen Befruchtung. Es trat am 24. Mai 2016 in Kraft und wurde am 24. Februar 2017 angewandt.Zakon o partnerski zvezi (ZPZ). Auf Pravni informacijski sistem Republike Slovenije; sm/pse/ep: New civil unions act enters into force. Auf: STA vom 24. Mai 2016. Gegner des Gesetzes starteten erneut eine Petition für ein Referendum. Der Präsident der Nationalversammlung, Milan Brglez, lehnte das ab und stufte die Initiative als Missbrauch des Referendumsgesetzes ein.

Am 16. Juni 2016 stellte das Verfassungsgericht der Republik Slowenien fest, dass Familienangehörige eines in gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft lebenden Antragstellers nicht anders zu behandeln seien als Familienangehörige eines Antragstellers, der eine Ehe lebt.Odločba o ugotovitvi, da je bil 16.b člen Zakona o mednarodni zaščiti v neskladju z Ustavo ter razveljavitvi sodb Vrhovnega in Upravnega sodišča (Entscheidung des Gerichts in slowenischer Sprache); U-I-68/16, Up-213/15 (Zusammenfassung in Englisch). Das Gericht entschied dann am 16. Juni 2022 weitergehend, dass die gesetzliche Definition der Ehe als Verbindung ausschließlich zwischen „Mann und Frau“ sowie die Beschränkungen bei Adoption und künstlicher Befruchtung verfassungswidrig und diskriminierend sind.U-I-91/21, Up-675/19 (die beiden grundlegenden Entscheidungen in der Datenbank des Verfassungsgerichts auf Slowenisch); englischsprachige Version. Um dem Urteil des Verfassungsgerichts nachzukommen, novellierte die slowenische Nationalversammlung am 4. Oktober 2022 das Familiengesetzbuch entsprechend.Zakon o spremembah Družinskega zakonika (DZ-B).

2019 wurde in Maribor die erste Pride-Parade in Slowenien außerhalb von Ljubljana organisiert.STA: Parada ponosa danes popoldne prvič tudi v Mariboru. Auf: Reporter vom 29. Juni 2019; Milica Savić: Maribor Holds First Pride Parade – Diplomats for Equality. Auf: Diplomacy & Commerce Slovenia vom 1. Juli 2019. 2020 fand die erste Pride-Parade im ländlichen Raum Sloweniens – in Koroška – statt.Izak Košir: V soboto prva Parada ponosa na Koroškem . In: Mladina vom 8. September 2020.

Rechtliche Lage Strafrecht Homosexuelle Handlungen sind in Slowenien seit 1977 straffrei.

Eherecht Die Ehe steht seit 2022 unabhängig vom Geschlecht der Beteiligten allen offen.Zakon o spremembah Družinskega zakonika (DZ-B). Sie ersetzte für künftige Fälle auch das Institut der Verpartnerung. Es können nur noch Ehen geschlossen werden. Bestehende Verpartnerungen können in eine Ehe umgewandelt werden.Slowenische Republik (Hg.): Implementation of the amendment to the Family Code vom 30. Januar 2023; abgerufen am 30. August 2026.

Antidiskriminierungsrecht 1998 wurde jegliche Form der Diskriminierung am Arbeitsplatz und bei der Arbeitsplatzsuche aufgrund der sexuellen Orientierung verboten.Queer law edit Slovenia: Ban on discrimination in employment nationwide vom 24. November 1994; abgerufen am 30. August 2026.

Das slowenische Antidiskriminierungsgesetz stammt vom 17. Februar 2016. Es verbietet unter anderem Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, der geschlechtlichen Identität und des geschlechtlichen Ausdrucks. Es setzt EU-Recht um. Ein dagegen angestrengtes Referendum lehnte der Präsident der Nationalversammlung, Milan Brglez, ab, da es sich um einen Missbrauch des Referendumsgesetzes handele.G. C., T. H.: Brglez je zavrnil še tri referendumske pobude. Odbor 2014 protestiral pred DZ-jem. Auf: Radiotelevizija Slovenija: MMC vom 5. Mai 2016; abgerufen am 30. August 2026.