Chrom () ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Cr und der Ordnungszahl 24. Es zählt zu den Übergangsmetallen, im Periodensystem steht es in der 6. Nebengruppe (6. IUPAC-Gruppe) oder Chromgruppe. Die Verbindungen von Chrom haben viele verschiedene Farben und werden oft als Pigmente in Farben und Lacken verwendet.

Geschichte mini|links|Louis-Nicolas Vauquelin, Entdecker des Chroms Lange Zeit wurde diskutiert, ob Chromverbindungen schon im China der Qin-Dynastie technisch eingesetzt wurden. Bei der Erforschung des Mausoleums Qin Shihuangdis wurden Bronzewaffen der Terrakotta-Armee gefunden, in deren Oberflächen Chromspuren gefunden wurden. Eine These hierfür war, dass die Chinesen eine Art Chromatierungs-Verfahren einsetzten, um die Waffen vor Korrosion zu schützen. Diese These wurde inzwischen widerlegt, die Chromspuren waren Verunreinigungen, die aus Lacken stammten, mit denen Holzteile der Waffen überzogen waren.Marcos Martinón‐Torres, Xiuzhen Li, Yin Xia, Agnese Benzonelli, Andrew Bevan, Shengtao Ma, Huang Jian-hua, Liang Wang, Desheng Lan, Jiangwei Liu, Siran Liu, Zhao Zhen, Kun Zhao, Thilo Rehren: Surface chromium on Terracotta Army bronze weapons is neither an ancient anti-rust treatment nor the reason for their good preservation. In: Scientific Reports. 2019, Band 9, Nummer 1 .

1766 beschrieb Johann Gottlob Lehmann das heute als Krokoit bekannte Mineral, das erstmals von Michail Wassiljewitsch Lomonossow erwähnt wurde, genauer. Dieses von ihm als Sibirischer roter Bleispat bezeichnete Mineral, das in Beresowsk bei Jekaterinburg gefunden wurde, enthielt Blei, unterschied sich aber von anderen bekannten roten Bleierzen. Unter anderem zeigte das Mineral beim Versetzen mit verschiedenen Säuren unterschiedliche Farben. Er vermutete einen Selen- und Eisengehalt des Minerals.Johann Gottlob Lehmann: De Nova Minerae Plumbi Specie Crystallina Rubra, Epistola Ad Virum Illustrem Et Excellentissimum Dominum De Buffon Directorem Horti Regii Botanici Parisini. Petropoli Acad. Scientiarum, 1766, (lateinisch). Weitere Untersuchungen wurden von Louis Charles Henri Macquart und Johann Jacob Bindheim angestellt. Dieser vermutete, dass das Mineral unter anderem Molybdän und Nickel enthalte.Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie: Chrom. Teil A, Springer, 1962, ISBN 978-3-662-11864-1, S. 52-1 bis 52-5.

1797 entdeckte schließlich Louis-Nicolas Vauquelin, dass im späteren Krokoit ein bislang unbekanntes Element enthalten sein muss. Er ließ Krokoit mit Kaliumcarbonat reagieren und konnte einen Niederschlag, der das Blei enthielt, von einer gelben Lösung trennen. Eine weitere von Vauquelin genutzte Methode war es, das Mineral mit Salzsäure reagieren zu lassen, so dass unlösliches Blei(II)-chlorid ausfiel. In der Lösung verbliebene Salzsäure wurde mit Silberoxid entfernt. Er untersuchte die Lösung (Chromsäure) und konnte daraus verschiedene Chromate wie Natriumchromat oder Bariumchromat gewinnen. Als er diese erhitzte, bildete sich grünes Chrom(III)-oxid.Louis-Nicolas Vauquelin: Du Plomb rouge de Sibérie, et expériences sur le nouveau métalqu' il contient. In: Journal des Mines. Band 34, 1797, S. 737–760 (). Die Chromsäure war der schon bekannten Molybdänsäure ähnlich, es zeigten sich jedoch bei weiterer Untersuchung auch Unterschiede. So färbte sich Molybdänsäure mit Zinn und Salzsäure sofort blau und später braun, während Chromsäure zunächst gelblichbraun und schließlich grün wurde.Louis-Nicolas Vauquelin: Erste Abhandlung über eine neue, im rothen Sibirischen Bleyerze enthaltene metallische Substanz, welche man mit dem Namen Chromium zu bezeichnen denkt, weil sie die merkwürdige Eigenschaft hat, allen Verbindungen, von denen sie Mischungsteil ist, Farbe zu geben. In: Crells Annalen. Band 1, 1798, S. 183–196 (online).

Vauquelin gelang es auch, ein unreines metallisches Chrom durch Reduktion von Chromsäure bzw. des daraus entstandenen Chromoxides mit Holzkohle herzustellen. Er beschrieb ein graues, sprödes Metall und einige weitere Eigenschaften. Auf Grund der verschiedenen Farben seiner Verbindungen nannte Vauquelin das Metall nach einem Vorschlag von René Just Haüy nach dem griechischen Wort χρῶμα, chrōma, Farbe, Chrom. Vauquelin entdeckte auch, dass Chrom das farbgebende Element in den Edelsteinen Rubin und Smaragd ist.Louis-Nicolas Vauquelin: Analyse du Rubis Spinelle. In: Journal des Mines. Band 38, 1797, S. 82–92 ().

Gleichzeitig mit Vauquelin beschäftigte sich auch Martin Heinrich Klaproth mit der Untersuchung von Krokoit. Ihm standen jedoch nur geringe Mengen Materials zur Verfügung und er konnte seine Experimente erst nach Vauquelin abschließen, so dass dieser als Entdecker des Chroms gilt.

Verwendet wurden Chromverbindungen zunächst vor allem als Pigmente in der Malerei. Als erstes Chrompigment wurde zwischen 1804 und 1809 das Chromgelb eingeführt. Eines der ersten bekannten Bilder, in dem Chromgelb nachgewiesen wurde, wurde 1810 von Thomas Lawrence gemalt.Herrmann Kühn, Mary Curran: Chrome Yellow and Other Chromate Pigments. In: Robert L. Feller (Hrsg.): Artists’ Pigments. A Handbook of Their History and Characteristics. Archetype Publications London, 1986, ISBN 978-1-904982-74-6, S. 188–189. Bald darauf folgten auch Chromgrün, Chromorange und Chromrot.Nicholas Eastaugh, Valentine Walsh, Tracey Chaplin, Ruth Siddall: Pigment Compendium: A Dictionary of Historical Pigments. 1. Auflage, 2004, ISBN 978-0-080-47376-5, S. 97–99. 1821 stellte Pierre Berthier die Eisen-Chrom-Legierung her und stellte fest, dass chromhaltige Stähle härter und korrosionsbeständiger sind als Eisen.Harold M. Cobb: The History of Stainless Steel. ASM International, 2010, ISBN 978-1-615-03011-8, S. 10–11.

1854 stellte Robert Bunsen metallisches Chrom elektrolytisch aus einer Chrom(III)-chlorid-Lösung her.Robert Bunsen: Ueber die Darstellung von metallischem Chrom auf galvanischem Wege. In: Poggendorffs Annalen. Band 91, 1854, S. 619–625 (). 1893 konnte Henri Moissan im von ihm erfundenen elektrischen Ofen Chromoxid mit Kohle bei hohen Temperaturen reduzieren. Das erhaltene Chrom enthielt allerdings noch 8,6 % Kohlenstoff.Henri Moissan: Préparation rapide du chrome et dum manganése à haute température. In: Comptes Rendus. Band 116, 1893, S. 349–351 (. Hans Goldschmidt entwickelte schließlich 1898 die aluminothermische Reduktion von Chrom(III)-oxid.Hans Goldschmidt, Essen a. d. Ruhr: Ueber ein neues Verfahren zur Darstellung von Metallen und Legirungen mittelst Aluminiums. In: Justus Liebig s Annalen der Chemie. 1898, Band 301, Nummer 1, S. 19–28, .

Vorkommen mini|links|Chromit (schwarz) Chrom ist auf der Erde ein häufiges Element, in der kontinentalen Erdkruste kommt es mit einem Gehalt von etwa 100 ppm vor, ähnlich häufig sind Vanadium und Rubidium. Chrom kommt neben der Erdkruste auch im Erdmantel und Erdkern vor, so enthält der Erdkern 0,84 % Chrom.Rebecca A. Fischer, William F. McDonough: Earth's core composition and core formation. In: Ariel Anbar, Dominique Weis (Hrsg.): Treatise on Geochemistry. 3. Auflage, Elsevier, 2025, ISBN 978-0-323-99763-8, S. 27. Zwar besitzt das Element unter den meisten Bedingungen lithophile Eigenschaften, es wird jedoch vermutet, dass es unter sehr hohem Druck und Temperatur stärker siderophil (eisenliebend) wird und daher bei der Entstehung der Erde es teilweise in den Kern abgesunken ist.Christine K. Gessmann, David C. Rubie: The origin of the depletions of V, Cr and Mn in the mantles of the Earth and Moon. In: Earth and Planetary Science Letters. Band 184, Nr. 1, 30 December 2000, S. 95–107, .

Auf die fraktionierte Kristallisation von Magma reagiert Chrom sehr stark und wird in die ersten kristallisierenden Gesteine und Minerale eingebaut. Darum enthalten viele Basalte und ultramafische Gesteine hohe Chromgehalte, während Granit meist nur geringe Mengen des Elementes enthält. Unter den gesteinsbildenden Mineralen enthalten vor allem Spinelle und Pyroxene viel Chrom.Keiichi Shiraki: Geochemical Behavior of Chromium. In: Resource geology. Band 47, Nr. 6, 1997, S. 319–330, . Auf diese Weise bildet sich auch das häufigste Chrommineral Chromit Fe2+Cr2O4, das zu den Spinellen gehört Martin Okrusch, Hartwig E. Frimmel: Mineralogie. 10. Auflage, Springer, 2022, ISBN 978-3-662-64064-7, S. 132., ein überwiegend aus Chromit bestehendes Gestein ist Chromitit.Makoto Miura, Shoji Arai, Tomoyuki Mizukami, Vladimir R. Shmelev, Satoko Ishimar: Petrology of Chromitites in the Higashi-Akaishi Ultrahigh-Pressure (UHP) Peridotite Complex, Japan: Toward Understanding of General Features of the UHP Chromitites. In: Minerals. Band 8, Nr. 11, 2018, Artikel 525, . Weitere, häufig stark chromhaltige Minerale sind Chlorite, Granate, Epidot sowie Eisenoxide wie Goethit und Hämatit.J. Kotaś, Z. Stasicka: Chromium occurrence in the environment and methods of its speciation. In: Environmental Pollution. Band 107, Nr. 3, 2000, S. 263–283, . Da Chromit sehr stabil ist, kann es sich bei der Verwitterung von chromhaltigen Gesteinen anreichern. So enthält etwa Saprolith höhere Chromgehalte als das Ursprungsgestein Basalt.Sheng-Sheng Sun et al.: Enrichment and speciation of chromium during basalt weathering: Insights from variably weathered profiles in the Leizhou Peninsula, South China. In. Science of The Total Environment. Band 822, 2022, Artikel 153304, .

Unter speziellen Bedingungen kann das vorherrschende dreiwertige Chrom durch Sauerstoff zum sechswertigen Chromat (CrO42−) oxidiert werden. An dieser Reaktion sind wahrscheinlich Manganerze wie Braunstein und Manganit beteiligt, auch eine biologische Oxidation durch Bakterien wird diskutiert. Die direkte aerobische Oxidation durch gelösten Sauerstoff läuft in wässriger Umgebung nur sehr langsam ab. Auch eine Reduktion von Chromat zu dreiwertigem Chrom ist möglich, verantwortlich hierfür könnten Eisen(II)-haltige Minerale, Sulfide, organisches Material oder Bakterien sein. Chromat ist im Gegensatz zum dreiwertigen Chrom sehr gut in Wasser löslich, wodurch sich das Element in der Natur verteilen kann.Josselin Gorny, Gabriel Billon, Catherine Noiriel, David Dumoulin, Ludovic Lesven, Benoît Madé: Chromium behavior in aquatic environments: a review. In: Environmental Reviews. Band 24, Nr. 4, 2016, S. 503–516, . In Gebieten mit vielen Chromerzen sind auch die Chromatgehalte in Böden und Grundwasser erhöht. Hohe Chromatmengen gelangen auch durch menschlichen Einfluss, etwa durch die Stahl-, Leder- und Textilindustrie in die Umwelt. Besonders mit Chromat verschmutzt sind Gewässer und Böden am Columbia River in Washington (Vereinigte Staaten) da Natriumchromat als Korrosionsschutz bei der Plutoniumherstellung in der Hanford Site genutzt wurde.Monica Vasiliu, David A. Dixon: Chromium. In: William White (Hrsg.): Encyclopedia of Geochemistry. Springer, 2018, ISBN 978-3-319-39311-7, S. 255–256.

mini|Krokoit Das weitaus häufigste Chrom-Mineral ist Chromit Fe2+Cr2O4, auch Magnesiochromit, ebenfalls ein Spinell, der Magnesium anstatt Eisen enthält, ist relativ häufig. Weiterhin finden sich das Silikat Uwarowit (Ca3Cr2[SiO4]3) und das Sulfid Daubréelith (FeCr2S4) an relativ vielen Orten. Neben diesen und weiteren Mineralen mit dreiwertigem Chrom sind auch verschiedene, durchweg seltene, Chromat-Minerale bekannt. Beispiele hierfür sind Krokoit (Pb[CrO4]), Fornacit (Pb2Cu[OH|CrO4|AsO4]) oder Chromatit (Ca[CrO4]). Insgesamt sind (Stand Mai 2026) 105 chromhaltige Minerale bekannt.The mineralogy of Chromium. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Mai 2025.