miniatur|Einblick in Sidibés Arbeitsstudio in Bamako (2004) Malick Sidibé (* 1935 oder 1936 in Soloba, Französisch-Sudan; † 14. April 2016 in BamakoRoxana Azimi : Disparition du photographe malien Malick Sidibé. Nachruf in Le Monde, 15. April 2016, abgerufen am 15. April 2016 (französisch).) war ein malischer Fotografiekünstler. Er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen Afrikas.
Leben Vom Dorfältesten von Soloba, das im Kreis Yanfolila bei Sikasso im Süden des Landes liegt, wurde Malick Sidibé als Achtjähriger ausgewählt, die Schule zu besuchen. Sein künstlerisches Talent kam dort schon zum Vorschein. Mit Unterstützung der Französischen Kolonialverwaltung wurde er später zum Studium nach Bamako an die École des Artisans Soudanais (heute Institut National des Arts) geschickt. Dort studierte er Schmuck und Design. Um 1954 fotografierte er sein erstes Porträt unter Anleitung des malischen Fotografen Baru Koné, der ihn in Bildkomposition unterrichtete. 1955 wurde er Assistent des französischen Fotografen Gérard Guillat-Guignard, für den er Handreichungen ausführte und Kamera-Equipment verkaufte. Die Fotografie lernte Sidibé durch die aufmerksame Beobachtung seines Arbeitgebers.
1962 eröffnete Malick Sidibé in Bamako sein eigenes Studio. Die Republik Mali, zuvor Kolonie Französisch-Sudan, war zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren unabhängig. So wurden Sidibés Porträts von Malierinnen und Maliern, die sich selbst zwischen der Hinwendung zu westlicher Mode und dem Tragen traditioneller Frisuren, Schmuck und Kleidung präsentierten, auch zur Dokumentation eines neuen Lebensgefühls in der Gesellschaft Malis. Seinen Fokus richtete er auf Schwarz-Weiß-Fotografie und zeigte damit das Leben der Jugend im Aufbruch, das Nachtleben mit Durchfeiern in den Tanzclubs von Bamako und die Arbeiterschicht des neuen Staates Mali.Adrian Kreye: Afrika – Total normal. In: Geo 12/1997, S. 68/69.
Sidibé selbst sah sich allerdings weder als Chronist des sich wandelnden Mali noch als Künstler. Er sei selbstständiger Fotograf und müsse von seiner Arbeit leben. Ähnlich wie sein malischer Kollege Seydou Keïta erklärte er: „Ich habe meine Kunden so fotografiert, dass sie mit ihrem Bild zufrieden waren.“
Auf Initiative der französischen Fotografin Françoise Huguier fanden Sidibés Bilder erstmals in den Neunzigerjahren über Mali hinaus Beachtung. Seit 1994 wird sein Werk international auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt.
Ausstellungen (Auswahl) 1994: Premières Rencontres de la Photographie Africaine Bamako, Mali 2010: Malick Sidibé. Soirées à Bamako, Museum für Photographie Braunschweig 2010: Malick Sidibé, Espace Verney-Carron, Lyon 2011: Malick Sidibé, Jack Shainman Gallery, New York City 2011: Malick Sidibé: The Eye of Bamako, M+B Almont, Los Angeles 2012: Africa, There and Back, Museum Folkwang, Essen 2012: Studio Malick, DePaul Art Museum, Chicago 2012: Malick Sidibé, TRINTA arte contemporánea, Santiago de Compostela 2016: Malick Sidibé | Seydou Keïta, MC2Gallery Contemporary Art, Mailand 2015/2016: In and Out of the Studio: Photographic Portraits from West Africa, Metropolitan Museum of Art, New York 2015/2016: Dare You To Look: Radical Realizations in Portraiture, Malin Gallery, New York City 2016/2017: Malick Sidibé, Somerset House, London 2016/2017: Regarding Africa: Contemporary Art and Afro-Futurism, Tel Aviv Museum of Art
2017/2018: Malick Sidibé. Mali Twist, Fondation Cartier, Paris.Als die Bilder tanzen lernten. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 12. November 2017, Seite 51. 2019/2020: Under Malick Sidibé’s Eye And a Song against AIDS, Museum Barbier-Mueller, Genf 2019/2020: UNSEEN: 35 Years of Collecting Photographs, J. Paul Getty Museum im Getty Center, Los Angeles 2021/2022: Breaking the Frame: New Directions in Photo History, Royal Ontario Museum, Toronto 2023: An Alternative History of Photography: Works from the Solander Collection, The Photographers’ Gallery, London
Preise und Auszeichnungen 2003: Hasselblad Foundation Award in Fotografie 2007: Goldener Löwe bei der 52. Biennale in Venedig für sein Lebenswerk 2008: Infinity Award des International Center of Photography in New York City für sein Lebenswerk 2009: PHotoEspaña-Preis von Baume & Mercier 2010: World Press Photo, 1. Preis in der Kategorie Arts and Entertainment
Weblinks
Der Afrika-Fotograf. Der Spiegel, 17. Januar 2017 Malick Sidibé, Malian, 1936–2016. Porträt beim MoMA (englisch) Interview with Malick Sidibé . LensCulture (englisch)
Einzelnachweise
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