Tambach-Dietharz ist eine Landstadt im Landkreis Gotha in Thüringen (Deutschland) mit rund 4.500 Einwohnern. Es liegt mitten im Thüringer Wald auf dem Rennsteig. Tambach-Dietharz ist staatlich anerkannter Erholungsort. Tambach ist zudem möglicher Geburtsort von Meister Eckhart und wurde auch von Martin Luther besucht. mini|Altes Rathaus von 1919 mini|Altes Postamt von 1888 mini|Blick entlang der Hauptstraße zur Lutherkirche mini|Lutherkirche und Heimatmuseum mini|Antikes Haus, Hauptstr. 88 (2012, als Disco genutzt)
Geographie
Lage und Ortsteile Tambach-Dietharz liegt an der Nordabdachung des Thüringer Waldes westlich von Ohrdruf. Die Stadt liegt auf einer höheren Rodungsinsel an der Landesstraße 1028, die hinab in das nördliche Vorland des Thüringer Waldes führt. Südlich von Tambach-Dietharz verläuft der Kammweg Rennsteig. Tambach-Dietharz liegt am südwestlichen Rand des Landkreises Gotha.
Die Apfelstädt trennt Tambach-Dietharz grob in seine beiden zusammengewachsenen Ortsteile, das größere Tambach westlich und das kleinere Dietharz östlich des Flusses. Im Norden befindet sich das Industriegebiet. Am nördlichen Ortsrand liegt der Weiler Lohmühle und die teilweise dauerhaft bewohnte Bungalowsiedlung „Vitzerod“, beide sind aber offiziell nicht Teil der Gemeinde Tambach-Dietharz, sondern von Georgenthal, obwohl dessen Hauptort mehrere Kilometer entfernt liegt.
Gewässer Südöstlich von Tambach-Dietharz liegt die große Talsperre Schmalwasser. Direkt am südlichen Ortsrand liegt die etwas kleinere Talsperre Tambach-Dietharz, die die davor noch sehr kleine Apfelstädt sowie deren südöstlichen Zufluss „Mittelwasser“ aufstaut. Die Apfelstädt fließt mitten durch die Stadt Richtung Norden. Es fließen noch mehrere Bäche durch Tambach-Dietharz; der nächstgrößere ist die Spitter, die von Westen kommend durch den Ort fließt und in der Ortsmitte in die Apfelstädt mündet.
Geschichte Tambach Das erste Mal erwähnt wurde der Ort 1039 als Dambahc. Bereits im 10. und 11. Jahrhundert führte vermutlich eine Handels- und Heerstraße durch die Tambacher Mulde über den Kamm des Thüringer Waldes (Frankenstic, der heutige Rennsteig) nach Franken mit Anbindung an das süddeutsche Straßennetz. Die strata magna und die communis strata hatten ihre Blütezeit im 14./15. Jahrhundert.
Tambach ist seit 1251 urkundlich bezeugt. Das Castrum Walinvels (Burg Waldenfels oder Burg Altenfels), auf dem Altenfels am Ende des Schmalwassergrundes (heute Talsperre Schmalwasser) gelegen, könnte eine Zoll- und Geleitstelle gewesen sein. Einer der Vögte zu Waldenfels war um 1260 Eckehard, Ritter von Hochheim, der Vater des berühmt gewordenen Philosophen und Theologen Meister Eckhart, der um 1260 geboren wurde, wobei als Geburtsort diese Burg in Betracht kommen kann. 1293 überließen die Herren von Meldingen das Dorf dem Kloster Georgenthal. Nach dessen Auflösung gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.
Die Bezeichnung der örtlichen Mundart sowie der in dieser Mundart von den Bewohnern des Dorfes verwendete Name für das Dorf ist „Tammich“.
Dietharz Die erste urkundliche Erwähnung von Dietharz datiert in das Jahr 1246 als Ditteritz. 1293 wurde er mit Dietharz und der Burg Waldenfels dem Kloster Georgenthal überlassen. Nach dessen Auflösung gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.
Als Anfang des 17. Jahrhunderts ein großer Teil des Ortes (vermutlich infolge Kriegswirren) verwüstet war, wurde 1691 in Weimar eine Verordnung erlassen, die den Bürgern zusprach, dass
Dietharz wird in der lokalen Mundart „Detersch“ genannt.
Zusammenlegung Tambach schloss sich 1919 mit dem benachbarten Ort Dietharz zu Tambach-Dietharz zusammen. Die Gemeinde erhielt 1925 das Stadtrecht.
Luther und der Ort Die alte Straße zwischen Schmalkalden und Tambach-Dietharz erlangte auch Berühmtheit durch Martin Luther. Dieser war auf dem Konvent in Schmalkalden, auf dem die Schmalkaldischen Artikel im Februar 1537 unterzeichnet wurden, an einem Blasen- oder Nierenleiden schwer erkrankt. Er trat die Heimreise nach Wittenberg über Tambach-Dietharz an. Hier wurde er, nachdem er vom Wasser des heutigen Lutherbrunnens getrunken hatte, von seinen Leiden erlöst und schrieb an seinen Freund Philipp Melanchthon: „[…] aus Tambach, dem Orte, da ich gesegnet wurde, denn hier ist mein Phanuel, an dem mir Gott erschienen ist.“ Laut Ludwig Bechstein fühlte er sich sogar zu einem Graffito berufen: […] im Gasthaus zu Tambach nahm er eine Kohle und schrieb damit an die Wand: „Tambach est mea Pniel“ – den Namen der Stätte, wo Jakob mit Gott gerungen – „ibi apparuit mihi dominus. M.L“. Das hat lange in jenem Hause gestanden […]
Dies war der Anlass, im Jahre 1717 zum Reformationsjubiläum im Tammichgrund einen Brunnen als Lutherbrunnen (aus diesem soll das Wasser entnommen worden sein) zu bezeichnen. Welchen Weg der kleine Reisezug von Schmalkalden über den Rennsteig nach Tambach genommen hat, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln. Der Weg von der „Alten Ausspanne“ in Richtung Nesselhof – als Lutherweg gekennzeichnet – ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Weg, den Martin Luther und seine Reisebegleiter 1537 vom Nesselhof aus in Richtung Tambach genommen haben. Er ist für Pferdefuhrwerke im Winter viel zu steil und wurde sicher in dieser Zeit selten – wenn überhaupt – zur Überquerung des Rennsteiges benutzt. Die Überlieferung, dass die Reisegruppe am Rennsteigstein R 57 in der Nähe des heutigen Parkplatzes an der „Neuen Ausspanne“ den Rennsteig überquerte, scheint schon eher realistisch zu sein. Am Rennsteigstein R 57 stand zu Luthers Zeiten die mächtige „Diebesbuche“ als Hoheitszeichen zwischen Sachsen und Hessen. Der Überlieferung zufolge wurde dieser Stein auch als „Gerichts-Stein“ bezeichnet, denn hier soll der Austausch von Delinquenten aus Sachsen nach Hessen und umgekehrt stattgefunden haben.
Weitere Geschichte Während des Zweiten Weltkriegs mussten 307 Frauen und Männer, vorwiegend aus der Sowjetunion, bei den Firmen Hopf und Fritz Braun Zwangsarbeit leisten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8: Thüringen). Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 102.
Zu DDR-Zeiten wurde am Hubenstein ein Ferienlager (am Schmalwassergrund) errichtet, das später durch Brand zerstört wurde.Facebook-Eintrag
Im Rahmen der Energiewende gab es Planungen der Thüringer Landesregierung, oberhalb von Tambach-Dietharz ein Pumpspeicherkraftwerk, vorrangig zur Speicherung von Strom aus Windkraftanlagen, zu errichten. Vor Ort gab es Widerstand dagegen.Gerlinde Sommer: Viele hier haben einfach Angst. In Tambach-Dietharz rumort es wegen des geplanten Pumpspeicherkraftwerks. Thüringische Landeszeitung, 30. Januar 2013 2018 teilte die Trianel-Gruppe, eine Stadtwerke-Kooperation für Energiehandel und -versorgung mit Sitz in Aachen, mit, das von ihr geplante Projekt nicht weiter zu verfolgen, «weil die energiepolischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für solche Großprojekte nicht gegeben sind».Zeitung für Kommunale Wirtschaft, 31. Juli 2018
Tambach-Dietharz besaß mindestens bis 2023 den Status als staatlich anerkannter Luftkurort2024 kein Luftkurort mehr, siehe , seitdem als staatlich anerkannter Erholungsort.
Bahnstrecke Am 19. Dezember 1892 erhielt Tambach-Dietharz mit der Stichstrecke von Georgenthal den lang ersehnten Bahnanschluss. Am 1. September 1969 wurde der Personenverkehr eingestellt, die Infrastruktur allerdings für den verbleibenden Güterverkehr saniert. Aufgrund des mittlerweile schlechten Gleiszustandes verließen die letzten Güterwagen am 27. Dezember 1995 Tambach-Dietharz. Bemühungen um den Erhalt scheiterten. Die Bahntrasse wurde in Tambach-Dietharz zu einem Radweg umgebaut.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Tambach-Dietharz besteht aus 16 ehrenamtlichen Mitgliedern. Die Stadtratswahl am 26. Mai 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):
Partei / Liste Stimmenanteil 2024 Sitze 2024 Stimmenanteil 2019 Sitze 2019 Sitze 2014 Freie Wähler T-D 64,5 % 10 46,9 % 6 6 Pro T-D 35,5 % 6 12,4 % 2 1 SPD – – 18,9 % 3 3 CDU – – 11,7 % 3 3 Die Linke – – 10,2 % 2 2 BI/SG – – – – 1 Wahlbeteiligung 59,0 % 53,2 % 49,2 %
Bürgermeister Bei den Bürgermeisterwahlen 2012 setzte sich Marco Schütz (parteilos, Kandidat von CDU/FW TD) unter anderem gegen seinen Vorgänger Harald Wrona mit 55,5 % der Stimmen durch. Schütz wurde 2018 ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Im Mai 2024 gewann er gegen den Gegenkandidaten Christian Jäger (PRO TD) mit 62,9 % der Stimmen und wurde erneut in seinem Amt bestätigt.
Bürgermeister seit 1994 waren:
1994–2006: Egon Stötzer (CDU, später parteilos) 2006–2012: Harald Wrona (SPD, später parteilos, dann FDP)
Landtagsabgeordnete 2024 für den Wahlkreis 014 Gotha I: Marcel Kramer (AfD – direkt gewählt, neu) Matthias Hey (SPD - über die Landesliste, seit 2009)
Wappen Blasonierung: Geteilt von Grün und Silber, oben eine silberne Holzfälleraxt, belegt mit (schräggekreuzten) silbernen Schlägel und Eisen, unten auf grünem Boden drei grüne Tannen.
Der Auftrag für ein neues Stadtwappen erging 1925. Die Holzfälleraxt und die Bergeisen erinnern an Forstwirtschaft und Holzverarbeitung sowie an das Steinbrechergewerbe in Tambach. Die drei Tannen entstammen dem alten Gemeindesiegel von Dietharz.
Sehenswürdigkeiten mini|Bergkirche Die evangelisch-lutherische Bergkirche zu Dietharz: Bereits 1040 existierte eine Kirche. Ein Neubau wurde durch das Wachsen der Kirchgemeinde 1570 nötig. Dieser fiel dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer. Die alte Kirche wurde 1708 durch einen Neubau ersetzt, der im gleichen Jahr vollendet werden konnte, hierbei konnten die erhaltenen Außenmauern des Vorgängerbaues mit einbezogen werden. Die Grundsteinlegung fand am 20. April 1708 statt. Nur der Taufstein von 1560 und der Mittelschrein eines nach 1500 entstandenen Flügelaltars (Beweinung Christi) erinnern an die alte Ausstattung, nachdem auch ein neuer Altar samt Kanzelpult eingebaut wurde. Bei der Grundsteinlegung wurden 36 (!) Steine gesetzt, angefangen vom Pfarrer, dem Herzog und seiner Familie, Bürgermeister, Kirchenältester, Gemeindevormund und anderen. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss sehr beschädigt. Von der ursprünglichen Doppelempore blieb nur die Orgelempore erhalten, Dach und Turm wurden erneuert und ein beheizbarer Gemeinderaum unter der Empore eingebaut. Am 15. September 1968 konnte das renovierte und restaurierte Gotteshaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden.Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Waltershausen-OhrdrufDie Kirche trägt auf den vom Vorgängerbau erhaltenen Mauern ein schiefergedecktes Krüppelwalmdach mit einem verschieferten Dachreiter über dem Westgiebel, der von einer Kuppel mit Laterne, Turmkugel und Wetterfahne gekrönt wird. Das Innere wird durch jeweils drei hohe Fenster an der Nord- und Südseite sowie zwei Fenster an der Ostseite beleuchtet. Der verwaiste und vermutlich entwidmete Friedhof birgt nur noch einen Grabstein des Mühlenbesitzers Robert Raab (1855–1941) und seiner Frau Emma (1862–1920). Die Orgel unbekannten Alters stammt aus Niederndorf und wurde 1968 vom Orgelbauer Schmeisser aus Rochlitz eingebaut. Dietharz bildet mit Tambach und Georgenthal das Kirchspiel Tambach-Dietharz.Ellrich/Heinze/Hoerenz: Zwischen Hörsel und Wilder Gera, Weimar 2005, ISBN 3-86160-167-2 Am Mittwoch, dem 15. März 2017, erhielt die Kirche zwei neue Glocken, eine davon die „Schöpferglocke“, die von einer Turmuhren- und Glockenwerkstatt aus Gräfenhain hergestellt wurden.